Vom Versuch, meinen Weg zu finden

    Hallo ihr lieben,


    im Moment trete ich gerade ein bisschen auf der Stelle. Mir ist noch nicht ganz klar, was ich von dem Fädchen hier erwarte. Vielleicht möchte ich einfach nur aufschreiben, was mich gerade bewegt, vielleicht erhoffe ich mir den ein oder anderen Ratschlag.


    "Was willst Du eigentlich?" Eine Frage, die mir letztens mal jemand gestellt hat.


    Ehrlich gesagt – keine Ahnung.


    Ich komme mir manchmal vor, wie ein Segelboot auf dem Meer, das sich vom Wind mal in die eine und mal in die andere Richtung treiben lässt. Völlig orientierungslos und nicht mal mit einem Anker ausgestattet, den ich an Orten an denen ich bleiben möchte, auswerfen könnte.


    Manchmal denke ich über die Dinge nach, die mein Leben in großem Maß einnehmen werden.


    Warum studiere ich das Fach, das ich studiere? Wie viel davon war mein eigener Wunsch, als beschlossen wurde, dass das mein Weg werden soll? Ich war (bin?) ein kreativer Mensch, ich habe viel mit Worten jongliert und bin jetzt mehr oder weniger in den Naturwissenschaften gelandet.


    Ich studiere artig vor mich hin, mache meine Praktika, auch wenn mir immer wieder klar wird, dass das nicht das Arbeitsumfeld ist, in dem ich später gerne wäre. Ich kümmere mich um meine Doktorarbeit, weil es so erwartet wird und fülle die vorlesungsfreie Zeit, um möglichst wenig zu fallen zwischen all dem, das es dann wieder zu erledigen gilt.


    Manchmal geht es um die kleinen Dinge des Lebens. Manchmal stehe ich morgens auf und kann einfach gar nichts entscheiden. Ich kann nicht entscheiden, was ich frühstücken mag und wenn mir keiner die Entscheidung abnimmt, laufe ich eine halbe Stunde die Küche auf und ab und denke darüber nach. Und wenn keiner da ist, der mir die Entscheidung abnimmt, frühstücke ich gar nicht.


    Dabei ist das wirklich keine große Sache und falsch machen kann ich dabei auch nichts.


    Manchmal geht es um Freizeitgestaltung, wenn ich doch mal nicht gut genug geplant habe und sich welche ergibt. Ich könnte Klavier spielen oder Reiten gehen, ich könnte in die Stadt oder ins Kino gehen und doch habe ich - wenn ich mich durchringe und all diese Dinge mache – nicht das Gefühl, dass es mich ausfüllt oder glücklich macht.


    Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe mich selbst verloren in all der Zeit.


    Wer bin ich? Und wo gehöre ich hin? Was ist mein Lebensweg? Und was ist überhaupt meine Vorstellung von Leben?


    Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.


    Manchmal glaube ich, ich mache mir gar keine Vorstellung davon aus Angst, dass ich den Weg den ich gehen möchte, wieder verlieren könnte.


    Die Menschen sagen: "Irgendwann wirst Du es wissen".


    Wann ist "irgendwann"? Und kommt diese Erkenntnis automatisch? Wache ich eines Tages morgens auf und weiß das?


    Oder was muss ich tun, um meinem Segelboot einen Anker zu verleihen und aus mir einen Menschen zu machen, der weiß, wie er die Segel setzen muss?


    Danke fürs Lesen

  • 989 Antworten

    Ende der Semesterferien.


    Und nach ein paar anstrengenden Prüfungen in den letzten Tagen, enden die noch mit ein bisschen Urlaub.


    Die Tasche steht hier und ist gerade mal halb gepackt, die Vorbereitungen für den Reisetag sind auch irgendwie erst halb getroffen und irgendwie…


    Ich bin einfach müde.


    Nicht nur in der Uni, in irgendwelchen langweiligen, scheinbar nie endenden Seminaren, sondern generell.


    Urlaub sollte doch schön sein. Und keinen Druck machen. Nicht das Gefühl von "Ich muss das jetzt machen" erzeugen.


    Ich hatte mir es irgendwann mal selbst ausgesucht zu fahren, ich dachte vielleicht dient das ein bisschen der Motivation am Ende des Semesters.


    Manchmal habe ich das Gefühl: Uni ist okay. Nicht total schön, aber es strukturiert mir meinen Tag und ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich die Uni mag oder nicht, denn studieren muss ich sowieso.


    Aber das macht doch alles nur Sinn, wenn ich irgendwann auch die Auszeiten davon genießen kann und ich habe das Gefühl: So ganz wird das in den nächsten Tagen nichts. %:|

    Dann fang doch einfach mal etwas Neues an und probier dich an anderen Hobbies aus! Suche dir ein paar Herausforderungen. Und widme deiner kreativen Jonglierader etwas mehr Aufmerksamkeit. Die eigene Situation analysieren ist gut, aber man kann das auch exzessiv betreiben, darunter leidet dann meistens der Lebenshunger. Also los, raus ins Abenteuer! *schubs* So findet Lebenswegsuche in der Regel statt.


    "Nein. Versuchen nicht. Tun … oder nicht tun. Keinen Versuch es gibt." sprach Zen-Meister Yoda. ;-D


    Und deine zukünftiges Arbeitsfeld ist unter Umständen gar nicht so stark eingeschränkt, wie du denkst. Es gibt soviele Möglichkeiten abseits des Mainstreams...

    Danke für deinen Kommentar Keserea.


    Im Moment habe ich nur ganz wenig Internet, aber ich wollte mich trotzdem schnell bedanken, dass Du geschrieben hast :)


    Ich habe mittlerweile schon einige neue Dinge ausprobiert. Klavier spielen zum Beispiel. Aber irgendwie… Ich weiß nicht, warum ich daran keinen Gefallen finde. Ich wollte mein halbes Leben lang Klavier spielen. Und dann denke ich mir immer: Wenn es keinen Unterschied macht, ob ich über meinen Büchern hänge oder Klavier spiele (oder einer beliebigen anderen Aktivität nachgehe – was nützt das dann?


    Aber vielleicht hast Du auch einfach Recht und man muss total viel ausprobieren. Auch im Studium. Vielleicht einfach mal ein Semester woanders studieren oder so. Klar erfordert das wieder über seinen eigenen Schatten zu springen und nicht zu sehen, was alles schief gehen kann. Aber vielleicht eröffnet es ja auch ganz neue Wege.

    Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Schon mal an Depression gedacht? Denn Du beschreibst alles als schwer, als Pflicht, als Last, als letztlich gefühlt irgendwie sinnlos... Wäre mal ein Denkansatz...

    Darüber nachgedacht schon. Und darüber nachgelesen auch schon eine Menge.


    Ich weiß es nicht ehrlich gesagt. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich morgens überhaupt nicht aus dem Bett komme und meinen Alltag nicht mehr hinbekomme.


    Es geht schon alles irgendwie. Ich habe zwar um mich herum ziemlich viel verloren und mache außerhalb von der Uni fast gar nichts mehr, weil mir das einfach zu anstrengend ist, aber das was irgendwie als "das Wichtigste" angesehen wird – nämlich die Uni – funktioniert einigermaßen.


    Sogar die Noten in den Klausuren waren okay.


    Vielleicht ist das auch falsch, aber ich denke mir immer, wenn es wirklich Depressionen wären, dann würde ja wahrscheinlich die Uni auch nicht mehr funktionieren. Manchmal glaube ich, für dieses Krankheitsbild geht es mir irgendwie "zu gut", was jetzt nicht heißen soll, dass ich undankbar für meine Noten bin.


    Verstehst Du, wie ich das meine?

    also Klavier spielen macht Spaß - aber auch wieder nicht richtig !? Keyboard hat auch viel zu bieten und ist ganz ähnlich. - Aber eigentlich wollte ich vorschlagen, dass du dich einer Gruppe anschließt, wie z.B. einem Chor oder Musikverein oder so ähnlich, das dich besser ablenkt von dem, was alles nach Arbeit "riecht". Tanzen wäre auch so eine Möglichkeit, wo du unter Leute kommst und gut abgelenkt wirst - und Sport ist ohnehin gut, noch dazu wenn er in Gesellschaft gemacht werden kann. Schau' dich doch einmal nach einer Tanzschule in deiner Nähe um...

    Depressionen können diverse Schweregrade haben. Dass wichtige Dinge noch "irgendwie funktionieren", aber eben sonst viel drumherum nicht und dass alles irgendwie so "schwer" ist: DAS spricht für eine tendenziell mittelgradige Ausprägung. Aber ist ja auch nur ein Denkansatz...

    Hallo Flying without wings


    Irgendwie ist mir dieser Satz von Dir ganz besonders aufgefallen

    Zitat

    ob ich die Uni mag oder nicht, denn studieren muss ich sowieso.

    Was heisst, Du musst sowieso? Für mich klingt das eher danach, als wenn Du nicht für Dich selbst willentlich studierst, sondern dieses für jemanden anderen tust, da es von Dir einfach erwartet wird, ohne je danach gefragt worden zu sein, ob Du das denn überhaupt wirklich möchtest?


    Wenn dem so ist, dann wundert mich Deine Gefühlslage, wie auch Deine Unentschlossenheit und Ziellosigkeit überhaupt nicht.


    Wie warst Du denn so vor dem Studium drauf und was machte Dir da Freude und was waren Deine Vorstellungen und Wünsche von Deiner eigenen Zukunft?

    @Tänzer46

    Danke für Deinen Tipp.


    Müsste ich mal überlegen, ob Musikverein eventuell etwas wäre. Im Moment versuche ich mir ja das Klavier spielen selbst beizubringen - wobei ich jetzt schon lang nicht mehr dran war… - weil ich verhindern möchte das als Zwang zu empfinden üben zu müssen, wenn ich halt gerade zu müde dafür bin. Wenn ich dann aber immer zu müde dafür bin, ist das halt auch schlecht…

    @mond+sterne

    Dir auch ein frohes Osterfest – auch wenn es ja mittlerweile bald vorbei ist

    @ sunflower

    Danke für Deinen Denkansatz. Bei allem was ich hier so im Forum von Dir gelesen habe, hast Du davon auch viel mehr Ahnung als ich. Vielleicht sollte ich mich damit doch noch mal mehr beschäftigen.


    Ich möchte halt nur nicht, dass mein Umfeld am Ende denkt: Die macht es sich aber einfach.


    Dabei möchte ich es mir gar nicht einfach machen. Ich möchte nur mal irgendwann wissen wo ich hin will, bzw. wissen, dass der Weg den ich dann gehe für mich richtig ist.


    Ich weiß nur nicht, wie ich das in so einem Zustand raus finden soll.