Ein Suizid geschieht nicht immer geplant, sondern auch durch eine Kurzschlussreaktion, wenn plötzlich noch etwas zum übrigen Leid hinzukommt und dann wählen manche eine Methode, ohne sich Gedanken um andere zu machen, weil man an diese Menschen, die es miterleben könnten, gar nicht mehr denken kann. Man ist völlig eingeschlossen in seiner tiefen Traurigkeit und möchte nur noch schnell sterben – egal wie.


    Ich bin kein Freund von Suiziden, bei denen andere Menschen selbst Schaden nehmen (z. B. Zug), aber wie oben erklärt, ist man in solch einer Situation meist so verzweifelt, dass man nicht mehr an andere denken kann.


    Suizidale Menschen sind selten herzlose Egoisten, die sich vorher freuen, wenn sie daran denken, dass durch ihren Tod hinterher viele andere Menschen leiden, wie Familie, Freunde etc., das ist ein Vorurteil, das mich immer wieder ärgert. Manchmal erscheint einem die eigene Situation einfach nur so ausweglos, dass man eine Erlösung im Tod sieht und durch den eigenen Tod nicht nur sich selbst vom Leiden befreien möchte, sondern auch seine Mitmenschen, weil man denkt, man sei nur noch eine Last für sie.

    Zitat

    Ich könnte mir vorstellen, dass es Leute gibt, die meinen, dass andere an ihrem Schicksal schuld sind und sich denken: "andere Menschen haben mich immer so schlecht behandelt und ich war allen egal – nun sind mir die anderen eben auch egal".


    Vielleicht wurde ihnen im Leben zu wenig Beachtung zuteil – und sie wollen wenigstens in ihrem "Abgang" mal so richtig Aufmerksamkeit erregen.

    Glaubt mir, der Anteil dieser Menschen, die vor ihrem Suizid so denken, ist sehr gering. Vielmehr sieht man sich selbst als Belastung für andere.

    @ Antonio Vivaldi

    Nein, ich bin kein "Intellektueller", aber der Vergleich deines Arztes geht schon in die richtige Richtung. Im Gegenzug dazu kann ich deiner gut gemeinten Formel vergleichsweise wenig entnehmen, da man sich bei einem Leben, welches täglich zwischen Arbeit und dem Umstand, von der Gesellschaft regelrecht zum Abschuss freigegeben zu sein, hin- und herpendelt, auch nicht mit dessen Kürze trösten kann. Außerdem muss ich gestehen, dass mir Verwandte und "Freunde" in dem Punkt vollkommen egal sind, da ich meine Existenz in keiner Weise als Bereicherung für diese sehe. Trotzdem vielen Dank für deine Wünsche und dir ebenfalls alles Gute.

    @ Bodhran

    Zitat

    Der Don ist doch nur ein Misanthrop, der mit sich selbst nix anzufangen weiß ;-).

    Das trifft wohl so zu. Ich bin auch der Letzte, der der Allgemeinheit die maßgebliche Schuld an meiner Situation geben würde, aber auch unbedeutende Vorkommnisse können bei extremer Häufung sehr erdrückend sein, wenn man von jedem fälschlicherweise als schwächstes Glied der Gesellschaft eingestuft wird und dann nur noch ein stereotypes Programm abläuft. Diese Sache frisst einen förmlich auf.

    Suizid, ist nur eine Art der Offenbarung! Sterben muss jeder. Der Eine greift halt, der Zeit, voraus.


    Sind wir, die hochgelobte GESELLSCHAFT, die alles kontroliert und beherscht, unfähig die Leiden mancher Menschen zu erkennenen??? Jeder Suizid ist stets ein grosser Hilferuf, nur WIR sind TAUB!

    Zitat

    Suizidale Menschen sind selten herzlose Egoisten, die sich vorher freuen, wenn sie daran denken, dass durch ihren Tod hinterher viele andere Menschen leiden,wie Familie, Freunde etc., das ist ein Vorurteil, das mich immer wieder ärgert. Manchmal erscheint einem die eigene Situation einfach nur so ausweglos, dass man eine Erlösung im Tod sieht und durch den eigenen Tod nicht nur sich selbst vom Leiden befreien möchte, sondern auch seine Mitmenschen, weil man denkt, man sei nur noch eine Last für sie.

    Bravo, ein überwältigender Beitrag :)= :)= :)= :)=


    Vor allem: Die Angehörigen fühlen sich IMMER schuldig. Ich hab schon einige Abschiedsbriefe verfasst, aber man kann die "Unschuld" der Angehörigen so sehr beteuern wie man will, letztlich wird es immer Hinterbliebene geben die ihr eigenes Zutun zum Suizid hinterfragen.

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    Glaub auch das jemand, der ernsthaft suizid begeht, in einem psychischen Zustand ist, in dem die normalen Werte (zu denen auch der Wunsch nach Schmerzfreiheit gehört) nicht mehr greifen. Insofern wohl einfach eher egal. Abgesehen davon gehört auch das Wahrnehmen der Aussichtslosigkeit (und dem Tod als einzigen "Ausweg") zu besagtem Ausnahmezustand. Insofern bin ich ja auch dafür, dass man grundsätzlich jeden (abgesehen von körperlich schwerkranken, die quasi Sterbehilfe wollen) retten sollte. Denn wenn sie erstmal wieder aus diesem Sackgassen-Zustand raus sind, werden sie sich freuen, das ihr Vorhaben nicht geklappt hat.

    Nun habe ich mir hier alles gut durchgelesen und muss auch einfach mal etwas dazu schreiben. Die Menschen sind so verschieden, wie auch Ihre Ansichten, Meinungen, Vorstellungen, als auch Erklärungen zu diesem oder jenem Thema, was eigentlich auch gut so ist. Allerdings möchte ich ausdrücklich anmerken, dass gerade über ein solches ernstes Thema, dass leider nachwievor immer noch ein Tabuthema ist, es für aussenstehende Menschen, selten nachzuvollziehen ist, wieso Menschen so etwas tun.


    Bei diesem Thema würde ich mir allerdings niemals anmaßen, solche Menschen zu verurteilen, da jeder, den es gewisser maßen betrifft, individuelle Beweggründe hat, bzw. diese zu oft und zu schnell mit Vermutungen verurteilt, ohne je die ganze Geschichte überhaupt zu kennen. Was ist richtig und was ist falsch?


    Was für den einen unlösbar ist und diesen zum Suizid veranlasst, ist für den anderen überhaupt kein Problem. Und genau deshalb gibt es auch immer und zu jedem Thema völlig verschiedene Meinungen, die auch jedem einzelnen zugebilligt werden sollen, aber verstehen können immer nur die, die diese Situation selber kennen, oder sich wenigstens darin hinein versetzen können!


    Der Spruch, es gibt immer und für alles eine Lösung, ist meines erachtens völliger Blödsinn! Der Unterschied ist immer, sich an erster Stelle versuchen, helfen zu lassen, was aber keineswegs von Erfolg gekrönt sein muss. Man muss immer sehr differenziert unterscheiden, zwischen einer kurzweiligen, scheinbar ausweglosen Situation und einer quälenden lang anhaltenden Situation ohne jegliche Besserung. Dann wiederum unter denen, die sich noch helfen lassen wollen, sich helfen lassen können, aber auch denen, die sich helfen lassen müssen.


    Ein junger Mensch der unter Liebeskummer leidet, der will oft auch nicht mehr leben, aber da ist Hilfe, Zuspruch, Zuhören, Verständnis sehr oft von Erfolg gekrönt.


    Ein depressiver Mensch, der durch lange Krankheit, die nicht geheilt werden kann und desssen Krankheit sein leben nur noch mehr einschränken wird, ohne jegliche Besserung, wird eher dazu neigen, als andere. Aber das ist nur eines von vielen Beispielen, die man nur ansatzweise verstehen kann, wenn man solche Menschen kennt, sich einfühlen kann oder selbst betroffen ist!


    Niemand sollte jemals zu irgendetwas nie sagen, bis es ihn selber betrifft, da dieser Umstand, alles verändern kann, auch für bis dato beschwörte Kritiker.


    Nichtdestotrotz finde ich persönlich, all diese verschiedenen Meinungen zu diesem Thema, durchaus "hilfreich", da den Betroffenen mögliche Wege, Ansichten und Lösungen dargeboten werden, an die sie vielleicht selber niemals gedacht hätten und sie somit ja vielleicht Ihr eigenes Schicksal auch mal mit anderen Augen sehen, als bisher nur mit den eigenen geradlinigen.


    Ich persönlich drücke allen Betroffenen ganz fest die Daumen, Ihr Leben doch noch auf die Reihe zu bekommen, soweit dies möglich ist, aber zeige auch Verständnis für die, die es nicht mehr können, ohne diese nun zu verurteilen.


    Gut dass es hier dieses Forum gibt, denn das offenbart alle Probleme, Tiefen , Höhen und Schicksale, die gehört werden wollen, um auf diese Weise um Hilfe von außen zu bitten und nicht selten Auswege oder wenigstens Aussicht auf Erfolg versprechen kann, was besonders für Menschen, die nicht weiter wissen, von unschätzbarem Wert sein kann!

    hab leider kein passenderes forum gefunden, verzeihung.


    mir stellt sich shon seit längerem die frage...ab wann ist es krankhaft wenn man sich mit dem thema suizid für einen selbst beschäftigt – also nicht so in niedergeschlagener weise sondern eher so ganz ohne voreingenommenheit, rein objektiv.


    bin dankbar für antworten!