Warum gibt es keine Vorsorge für die Psyche/Psychologie?

    Das frage ich mich in letzter Zeit immer mal. Es gibt Krebsvorsorge, Augenärztliche Untersuchungen, Hautscreening, Gynikologische Vorsorge, zahnärztliche Vorsorge, da muss man sogar hin, sonst gibt im Falle eines Zahnersatzes weniger Zuschüsse, und für die Kleinsten die U .


    Warum aber ist das in der Psychologischen Sparte nicht so? Denn gerade hier wäre das doch so sinnvoll. Wenn ich bei Herz oder Krebs und auch bei Aids lese, dass ganz viele einfach nur Angst vor Krankheiten haben, und teilweise von Arzt zu Arzt wandern, dann wäre doch gerade hier eine psychische Vorsorge sogar Kostensparend. Denn wenn solche Phobiker sich erst richtig in ihre Angst gesteigert haben, dann ist oft ein Klinikaufenthalt nicht fern. Das könnte doch alles schon am Anfang durch eine gute Psychotherapie abgewendet werden. Ich meine damit, ich verstehe nicht, wieso die Menschen ansich die Psyche so abtun, wenn sie von den Spezialisten gesagt bekommen, körperlich ist alles ok, das Herz arbeitet gut, gehen sie zum Psychologen. Und mal abgesehen, dass es zu wenige psychologische Psychotherapeuten gibt, nehmen viele Menschen das auch nicht ernst, das ist ja das schlimme daran. Wenn also jeder Mensch ein Mal im Jahr zu einem psychologischen Psychotherapeuten hin sollte, um mal sein Innerstes abzuchecken, wenn es dieses Angebot gäbe, dann glaube ich, würde es viel weniger Kranke geben, die Krankenhäuser wären nicht so voll, es gäbe auch nicht so viele in Anführungszeichen Problemkinder, es gäbe weniger Menschen, die durchdehen, und ich glaube sogar, der Umgang miteinander wäre ein stückweit vorsichtiger.


    Ich bin wirklich überzeugt, dass die Kassen weniger Kosten hätten, wenn es die Vorsorge für die Psyche gäbe. Warum aber gibt es das nicht?

  • 15 Antworten

    find ich vor allem bei kritischen Fällen relevant. z.B. in Schulen Kinder von missbräuchlichen Elternhäuser klar identifizieren. Ein schulpsychologischer Dienst der sich mit solchen Fällen beschäftigt, und zwar präventiv und nicht erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.


    Hat aber auch was von "Entlastung von Eigenverantwortung" und definieren eines "soll" und offizielle Stellen, die sich um die Einhaltung dieses "soll" kümmern. Zweischneidiges Schwert.

    Aber wenns nur ein Angebot ist, werden es viele Leute ablehnen. Oft ist Einsicht, dass man evtl ein derartiges Problem hat, ja schon Teil des Problems.


    Aber es gibt auch gar nicht so wenige Beratungsstellen, soweit ich weiss. Also quasi "therapie light", sozialepsychologische Beratungsstellen. Vermutlich ist das Problem eher, dass das wenig bekannt ist, als das es nicht vorhanden wäre.

    ich glaube einmal im Jahr zu unbekannten Psychologen zu gehen würde wenig bringen. Aber eine jährliche Gesundheitsvorsorge (ab 18 oder 20, nicht erst ab 35) beim Hausarzt des Vertrauens bei dem man sich auch was vob der Seele reden kann UND schnellere Termine bei Psychologen, das wärs

    Zitat

    Aber eine jährliche Gesundheitsvorsorge (ab 18 oder 20, nicht erst ab 35) beim Hausarzt des Vertrauens bei dem man sich auch was vob der Seele reden kann UND schnellere Termine bei Psychologen, das wärs

    Ok, das mit den schnelleren Terminen liegt auch daran, dass es meiner Meinung nach zu wenige Psychologen gibt. Soweit ich weiß, wird es da eine Neuerung geben, dass Psychologen wohl generell längere Sprechzeiten anbieten müssen, also Telefonsprechzeiten. Nur, was bringt das, wenn diese sowieso Wartelisten haben??


    Eigentlich gehört dann ja auch in meinen Beitrag, dass mehr Psychologen zugelassen werden müssen. Denn es gibt zwar genug Psychologen, aber leider nicht mit Kassenzulassung. Da liegt ja auch der Hase im Pfeffer.


    Mir kam der Gedanke mit der Vorsorge ja vor allem, weil ich gerade in der Herzsparte viele Menschen lese, die nicht wirklich Herzkrank sind, sonder sich das einbilden und ständig sich selber beobachten. Ebenso bei Krebs und Aids. Für solche Menschen wäre es doch ideal, wenn es normal wäre, einen Psychologischen Psychotherapeuten genauso aufzusuchen, einmal im Jahr, wie den Hausarzt. Dann wäre es vielleicht nicht so, dass die Leute ein komisches Gefühl haben, wenn ihnen angeraten wird: Geh doch mal zum Psychologen.


    Bei mir selber war es nie so, ich suchte ganz lange und habe nun mit Glück eine gefunden. Aber eigentlich hätte ich viel eher Hilfe benötigt. Nur fällt es mir schwer, zu verstehen, warum die Menschen alle möglichen Ärzte abklappern und lieber mit viel Angst und Panikatakken leben, als zum Psychologen zu gehen. Wie gesagt, ich glaube, würde es normal sein, zu seinem Psychologen zu gehen, wie man eben zum Zahnarzt geht, dann wäre es für viele Menschen einfacher.

    Psychologische Vorsorge fände ich prinzipiell begrüßenswert als Idee. Andererseits bin ich bei manchen anderen Vorsorgeuntersuchungen für mich zu dem Schluss gekommen, dass die sich für mich nicht lohnen und die Art, wie einem diese Vorsorgeuntersuchungen "nahegelegt" werden, ist auch nicht so mein Fall. Das zur Pflicht zu machen, fände ich nicht so gut.

    Hallo,


    auf den Internetseiten vieler Krankenkassen gibt es Übersichten, welche Entspannungskurse von den Krankenkassen bezuschusst werden.


    Manche Krankenkassen bieten inzwischen auch individuelle Online-Angebote zu den Themen Stress/Entspannung.


    Welche ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen von den Krankenkassen übernommen werden, legt der gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen fest:


    https://www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/frueherkennung/


    Gruß


    RHW

    Wie sollte diese Vorsorge aussehen? Wir brauchen 45 - 90 Minuten, um nur einer Anamnese zu erheben. Neuropsychologen brauchen noch länger. Man muss ja Befunde lesen, MRTs anschauen usw. Schauen, ob der Patient überhaupt kognitiv in der Lage ist.


    Die Kassenzulassungen werden zurzeit zurückgezogen. Es wird immer weniger Therapeuten geben. Trotz grossen Nachfrage.


    Nicht jede Psychologe ist geeignet. Viele werden von Ausbilder der Psychotherapeutenausbildungsakademien abgelehnt. Ich kenne eine Psychologin, die es 3 Jahre lang versucht hat. Als sie bei mir hospitiert hat - ihre Patientenumgang ging gar nicht! Sie war auch nicht lernfähig.


    Die Ausbildung (VT) kostet 17.000 €. TP 25, 000€. Wir arbeiten mindestens 1 Jahr entweder für ein paar hundert Euro oder für gar nichts in der Psychiatrie. Das muss man sich leisten können. Ich mache VT und kämpfe finanziell.


    Auch sind nicht alle Psychologen Kliniker. Viele angehende Psychologen schaffen auch das Studium nicht.


    Es gibt einen Grund warum die meisten Psychologen in Kliniken arbeiten. Wir haben auch genug mit unsere eigene Patienten zu tun. Sogar sie kommen teilweise zu kurz. Wir sind völlig ausgelastet! Längere Tagen? Wir arbeiten schon 9 Stunden - wir haben auch Dokumentationen zu schreiben. Bei Vorsorge würde das sich häufen wie verrückt. Ich habe meine oft in die 10 Minuten zwischen Patienten gemacht. Wäre sonst nicht zu bewältigen gewesen. Sass oft sonntags dem ganzen Tag da, mit eine Stapel Akten. Jetzt habe ich etwas gefunden mit wesentlich weniger Schreibkram und keine 50 - 60 Stunden Woche. Muss nur selten Anträge stellen und Berichte schreiben.


    Wir haben Supervision. Arbeitet man alleine oder während der Ausbildung kostet uns aber der Spass 80€ der Stunde..


    Und wie sollte diese Screening ablaufen? Ich schicke Leute Fragebögen per Post zu, muss die dann auswerten und führe 3 Gespräche? Manche Patienten Lügen (kontraproduktiv für beide Seiten), zielen auf soziale Erwünschheit ab. Ich brauche Zeit diese Patienten wirklich kennenzulernen. Nicht jede Patient kommt rein und gibt mir sofort das volles Bild. Manche sind sehr schüchtern. Oder unmotiviert. Arbeiten nicht mit.


    Diese Idee kann nicht funktionieren.

    Als "nur" Psychologe kriegt man keine Zulassung. Man muss psychologische Psychotherapeut in eine anerkannte! Verfahren sein. Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefen Psychologie. Andere Verfahren sind nicht anerkannt - z.B. systemische Therapie, Gesprächstherapie, Gestalttherapie usw.


    Heilpraktiker sind überhaupt nicht zugelassen. Die meisten davon sind nicht mal Psychologen.

    Ganz einfach: Werdende Eltern besser aufklären oder schulen (Kurse) für den Umgang mit ihren kleinen Kindern. Auch in der Schwangerschaft kann viel passieren. Das sind sehr oft die Anfänge psychischer Probleme. Extrem viel könnte vermieden werden. Bei problematischen (schwierigen) Kindern ein Beistand oder eine Beratung, Begleitung um Fehler zu vermeiden. Die ersten Lebensjahre sind extrem wichtig. Eine Menge psychischer Probleme könnten vermutlich vermieden werden durch mehr Aufklärung.

    Hallo Luci,


    endlich mal jemand, der konkreter auf meine Frage eingeht, danke! Eigentlich war es zunächst eine Frage, aber Du hast recht, es ist ja irgendwie auch eine Idee. Ob sie umsetzbar ist, das ist die andere Seite.


    Zunächst mal, ja, ich weiß, dass nicht jeder Psychologe auch ein psychologischer Psychotherapeut ist. Ich dachte, dass es im Eingangspost reichen würde, dass ich schrieb:

    Zitat

    einen Psychologischen Psychotherapeuten genauso aufzusuchen, einmal im Jahr, wie den Hausarzt.

    Wenn das nicht klar rüberkam, ist es gut, dass Du dies hier ausgeführt hast. Der Einfachheit halber möchte ich demnächst pP für psychologischer Psychotherpeut/in schreiben. Falls das nicht ok sein sollte, bitte ich um Rückmeldung.


    Auch dass dieser Berufszweig (bzw, Menschen, die diesen Beruf ausüben möchten) sein Studium sowie seine Ausbildung selber bezahlt, ist wichtig, hier mal anzumerken. Damit wird vielleicht für andere klar, dass psychologische Psychotherapeuten einen Beruf haben, der sehr wichtig ist, aber der nicht überall hochangesehen ist. Für mich persönlich gleichzusetzten mit dem Beruf des Arztes. Auch wenn dies ja mit meiner Frage selber nichts zu tun hat, dass es A. zu wenig pP gibt (mit Kassenzulassung) und B. diese Menschen ihre Ausbildung selber zahlen, ist es sich wichtig, das anzumerken. Auch alle anderen Ungerechtigkeiten, die Du aufführst, finde ich wichtig zu erwähnen. Jedoch war meine Frage gar nicht die der Kosten, auch wenn das sehr wichtig ist, wenn man sie als Idee sieht. Sondern nur, welche Meinung hierzu herrscht. Von einer eventuellen Ausführung habe ich keine Ahnung. Aber vielleicht wäre es doch ein kleiner Schritt nach vorne, sowas zu überdenken, statt, wie es ja derzeit für die Zukunft aussieht, rückwärts zu gehen, wenn Du sagst, Kassenzulassungen werden derzeit zurückgezogen. Es wird immer weniger Therapeuten geben.


    Wie so ein Screenig aussehen sollte, davon habe ich, wie Du Dir auch richtig denkst, keine Ahnung. Ich weiß auch nicht, ob diese Idee wirklich umsetzbar wäre. Ich denke aber so, dass Körper und Seele zusammengehören. Ist das eine krank, kann auch das andere leiden. Darum finde ich die psychische Seite ebenso wichtig, wie die physische. Warum aber ist ein Arzt höher angesiedelt in den Köpfen der Allgemeinheit als ein pP?


    Ich habe den Eindruck, es ist vor allem eine Frage des Geldes. Und auch der Akzeptanz der Allgemeinheit bezüglich psychischer Erkrankungen. Ob das der Wahrheit entspricht, weiß ich nicht. Ich meine aber, dass das Gesundheitssysthem derzeit diesbezüglich rückwärts geht. Und ich finde schlimm, dass mit solchen Sparmaßnahmen die psychisch Erkrankten noch weniger Hilfe bekommen werden und habe die Befürchtung, dass Erkrankungen wie Depressionen noch weniger ernst genommen werden könnten wie bisher. Weil es der sparsamere Weg ist.


    Darum auch eingangs meine Frage, denn häufig erkennt ein Mensch zu spät oder gar nicht, dass somatische Beschwerden oft von der Seele herkommen. Oft wird ein gebrochenes Bein viel besser verstanden, als ein Mensch, der wirklich Schmerzen hat, diese aber von Verspannungen herstammen, welche wieder zu vielen Sorgen entspringt. Nicht umsonst heißt es: Das hab ich mir zu sehr zu Herzen genommen(Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen), das ist mir auf den Magen geschlagen (Gastritis) der hat zu viel getragen in seinem Leben (Bandscheibenvorfälle), ich hab mir vor Angst in die Hosen gemacht (Darmentzündungen), ich dann das nicht mehr hören (Hörsturz, Tinnitus, Hörminderung) usw.