Ich finde Mayflowers Beitrag sehr ausgewogen - spricht mir direkt aus dem Herzen. Bei usern, die sich negativ über Antidepressiva äußern, selbst aber anscheinend in ihrem ganzen Leben nie unter psychischen Störungen gelitten und dementsprechend auch nie ADs eingenommen haben, besteht immer Aufklärungsbedarf: Das Besondere an ADs ist, dass sie betreffend Dosis, Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen auf jeden Körper anders wirken. Das bedeutet, dass der Arzt das Eintreten bestimmter Nebenwirkungen nicht voraussagen kann, aber auch, dass der Patient selbst gefragt ist, im Zweifel bei seinem Arzt rückzufragen. Das Verschreiben von Arzneimitteln ist für Ärzte immer ein Abwägen: Welche Wahrscheinlichkeit ist größer - dass sich der Patient mit oder ohne Mittel besser fühlt? Nachdem ja Angstzustände und Herzrasen die Lebensqualität soweit verschlechtern können, dass man arbeitsunfähig wird, scheint mir der Arzt verantwortungsvoll gehandelt zu haben. Klar, er hätte auch auf die Gefahr von Nebenwirkungen hinweisen können; der TE denkt wohl an eine Auswahl der im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen. Aber wie, wenn dann bei TE's Freundin gerade eine der vom Arzt nicht explizit erwähnten Nebenwirkungen aufträte?


    Der Arzt hat bestimmt auch an eine Psychotherapie gedacht, aber wenn sie wirkt, dann ja bekanntlich auch nicht sofort. Zudem gibt es bei guten Psychotherapeuten lange Wartelisten. Außerdem wollen Psychotherapeuten häufig - natürlich in Abhängigkeit vom Zustand des Patienten - dass der Patient erst einmal bis zur Therapiefähigkeit durch ein AD stabilisiert wird. Der Arzt wird wohl auch berücksichtigen, dass unbehandelte psychische Erkrankungen immer auch die Suizidgefahr mit sich bringen.


    Den Arzt verklagen? Eine, wie ich finde, etwas abstruse Idee. Erstens schließt man mit dem Arzt keinen Werkvertrag, wonach er das unternehmerische Risiko für das Gelingen des Auftrags übernimmt. Zweitens dürfte das Argument, der Patient müsse ja den Beipackzettel nicht lesen (weil er vielleicht Analphabet sei?), keinen Richter überzeugen. Hat der Arzt irgendeinen Schaden angerichtet? Entgangene Lust? Da würde man dann aber wohl sagen müssen, der kausale Zusammenhang sei der Freundin klar gewesen und es hätte ihr ja freigestanden, das Paroxetin abzusetzen. Außerdem müßte man dann wohl auch die gebesserten Beschwerden gegenrechnen. Und eine Frage bleibt natürlich offen: Warum hat sich die Patientin bei ihrem Arzt nicht früher einen Termin geholt, um die Reaktion ihres Körpers auf das Arzneimittel zu besprechen?

    Danke erst mal für diese kompetenten Antworten.


    Ich möchte euch ein wenig auf dem laufenden halten. Einmal zu einer Frage wegen dem Rezept. Das Rezept wurde nur beim ersten mal von der Ärztin ausgestellt , die weiteren male immer nur von der Artzhelferin bereitgelegt. Es war also kein erneutes Gespräch zwischen meiner Freundin und der Ärztin.


    Sie hat das Medi inzwischen seit 1,5 Wochen nicht mehr genommen, bisher traten noch keine negativen Absetzerscheinungen auf. Das einzige was sie fühlt ist dass ihre Gefühle etwas iintensiver sind als mit dem Medi. d.H , beim Sex erlebt sie nun tatsächlich einen Orgasmus und bei Trauer kann sie wieder weinen. Was aber laut ihrer Aussage nicht negativ auf ihren Zustand auswirkt sonder eher etwas befreiend .


    Trauer sollte ich hier noch erklären: Wir wohnen ca 300km von einander entfernt und sehen uns meist nur am WE , deswegen die Tränen beim Abschied ab und zu. Was aber denke ich eine normale Reaktion ist , geht mir ja auch ab und zu so.


    Sie beschreibt es so. Auch wenn ich früher gefahren bin war sie traurig konnte aber nicht weinen, nur das Gefühl steckte Tage in ihr. Nun erlebt sie ihre Gefühle zwar stärker , dafür ist es auch dann schneller vorbei und sie konzentriert sich dann wieder auf die schöne Seite dass wir uns ja bald wieder sehen.


    LG Rüdiger

    Hier mal wieder etwas von mir. Also bisher keine weiteren Symtome gekommen. Vor 2 Wochen mal ein ganz schlechter Tag aber dann nur noch aufwärts. Das Leben mit ihr ist nun auch noch schöner geworden. Sie hat sich verändert ja aber zum positiven, die Lethargie ist verschwunden. Mehr Gefühle mehr Power . Also bisher sind wir sehr zufrieden mit der Entscheidung alles abzusetzen.


    LG