Warum werde ich oft angepöbelt?

    Hallo liebe med1-User


    In der Hoffnung, hier Hilfe zu bekommen, wende ich mich an euch. Nun möchte ich um eure Hilfe bitten. Damit meine ich, wie ihr meine Problematik aus eurer Sicht sieht, welche denkbare mögliche Erklärungen und Begründungen ihr dafür habt...


    Ich selbst bin ein unsicherer Mensch mit wenig Selbstwertgefühl, einer der schnell ins Grübeln (Gedankenkarussell) kommt und grosse Mühe hat, diese belastenden Gedanken loszulassen. Das heisst, je nachdem was vorgefallen war, begleitet mich das Geschehene über mehrere Tage hinweg. Ich lebe in einer Multikulti-Großstadt, aber in einem Viertel ausserhalb des Stadtzentrums


    Nun zu den konkreten Vorfällen und welche Gedanken sich im Gedankenkarussell drehen.


    Situation 1:

    Als ich mit meinem kleinen Hund auf Gassirunde war, kam mir ein junger Typ mit seinem grossen Hund entgegen. Beim Vorbeigehen mit unseren Hunden schauten wir uns kurz wortlos an. Er lief in seine Richtung und ich in meine. Plötzlich rief der Typ was und ich drehte meinen Kopf daraufhin ganz kurz (nicht mehr als eine Sekunde) zur Seite, worauf ich sofort realisierte, dass der Typ seinen Hund meinte. Darauf hin hörte ich den Typen sagen "Was guckste so!?". Okay, es war noch eine andere Person in der Nähe, aber ich gehe stark davon aus, dass sich das auf mich bezieht.


    Situation 2:

    Eines Abends war ich mit dem Hund draussen, da hörte ich von irgendwoher zwei junge Typen, die sich auf dem Balkon unterhielten, man konnte es nicht überhören. Sehen konnte man sie aber nicht. Also schaute ich kurz nach oben, links und rechts und lief dann weiter. Die beiden müssen dies mitbekommen haben, denn kurz darauf hörte ich die beiden hörbar ablästern "der Typ (also ich) ist schizo" und der andere hat mit den Worten "der, mit seinem Scheisshund" nachgetreten.


    Situation 3:

    Wenn ich mit dem Hund an der Leine auf dem Gehweg laufe und trotz ich immer darauf achte, dass der Hund an meiner Seite läuft, so dass die Leute nicht behindert werden, hörte ich schon oft ein Räuspern, sobald sich die Person uns (mir und dem Hund) nähert. Bei mir kommt das an als non-verbales "mach Platz, weg mit dem Köter!". Wie bereits erwähnt, ich achte immer darauf, dass der Hund auf dem Gehweg an meiner Seite an der kurzen Leine neben mir läuft. Meine Gedanken dazu: Okay, man muss sich damit abfinden, dass nunmal nicht alle Menschen Hunde mögen, aber ich habe immer mehr den Eindruck, viele Leute haben das Gefühl, der Gehweg gehört ihnen allein und haben Mühe damit diesen mit anderen zu "teilen". Auch ohne Hund ist es mir schon oft passiert, dass die Leute erwarten, dass immer der Andere Platz macht.


    Situation 4:

    Ich war unterwegs, und da ist es doch normal, dass wenn einem eine Person entgegen läuft man dann kurz schaut. Die Person lief auf dem gegenüberliegenden Gehweg und während sie lief machte sie an irgendwas rum. Es hörte sich an, wie eine Hundeleine und ich dachte deswegen sie hätte einen Hund bei sich. Also schaute ich nochmals kurz hin, auch deshalb, weil ich dachte, vielleicht ist es ja jemand, den ich vom sehen her kenne. Beides war jedoch nicht der Fall. Die Frau guckte zu mir rüber und räusperte sich genau in dem Moment, als ich eben rüber schaute. Meine Gedanken dazu: Das Räuspern versteh ich in dieser Situation als non-verbales "Wat glotzte so blöd!".


    Situation 5:

    Wieder mit dem Hund unterwegs. Es näherte sich jemand, der sich räusperte. Also hab ich die ohnehin schon kurze Leine ganz nah zu mir "gezogen", so dass der Typ "z" reichlich Platz hatte. Als der Typ "z" vorbei lief, drehte ich mich um, um mich zu vergewissern, ob noch jemand kommt und da sah ich ein junges Hetero-Pärchen "Männlein x mit Weiblein y" (ca. Anfang 20er) was auf mich zulief und dummerweise blickte der Typ "x" mich an. Als ich mich nochmals umdrehte, um ganz sicher zu sein, dass mein Hund auch wirklich niemandem im Wege steht, exakt in dem Moment streckte Typ "x" wortlos seine Faust gegen mich aus. Mir kam es so vor, als ob er mir eine reinhauen wollte, sie aber es aber - ebenfalls ohne Worte - verhinderte.


    Wie seht ihr das alles?

    Warum ecke ich direkt oder indirekt an? Ich nehme das sehr persönlich.

    Ist man immer mehr zur falschen Zeit am falschen Ort?

    Werden Hunde von den Leuten immer mehr als Störfaktor gesehen?

    Ist es den Leuten langweilig und sind die frustriert und unzufrieden und brauchen deshalb einen Blitzableiter, an dem sie ihr Ventil, ihren Frust usw. aus- und ablassen?

    Hat das Auftreten eines Menschen Einfluss auf die Reaktionen der Umwelt? Damit meine ich unsicheres versus selbstsicheres Auftreten. Wir senden ja bewusst und unbewusst immer Signale an die Umwelt.

    Sind die Leute schnell genervt?

    Werden gutmütige Menschen mit eher gutmütigem Aussehen eher angepöbelt? Harmloses versus "gefährliches" Aussehen. Mit "gefährlichem" Aussehen ist gemeint Rockerlederjacke, Totenkopfringe und ketten, Tattoos mit Totenkopf, Piratenkopftuch usw. Werden solche Typen seltener angepöbelt?

    Haben Leute mehr Respekt und pöbeln weniger, wenn man in Begleitung eines Rottweilers oder ähnlichem ist?

    Hat das Pöbeln mit Imponiergehabe zu tun, Mutprobe, Machogehabe, will man einfach provozieren und herausfordern mit dem Zweck, dass der Andere darauf reagiert und einsteigt? Sind das Minderwertigkeitskomplexe? Leute die andere wegen Nichtigkeiten anpöbeln, sind die in Wirklichkeit selbst sehr unsichere und schwache Persönlichkeiten?

    Werden die Menschen immer asozialer, unfreundlicher, genervter, egoistischer usw.?

    Warum gucken die Leute, wenn genau diese genervt sind wenn es andersrum ist und sie werden mal eine Sekunde angeguckt? Geht das in die Richtung "Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht das selbe"?

    Liegt es an mir, mache ich selber was falsch? Oder liegt es sowohl an mir als auch meiner Umwelt?


    Fragen über Fragen, um die sich mein Gedankenkarussell dreht.


    Ich baue auf eure Unterstützung und würde mich auf eure Antworten sehr freuen.


    Vielen lieben Dank im Voraus.

  • 106 Antworten

    Gutmütige Leute werden nicht angepöbelt, wohl aber unsichere Leute. Arbeite an deinem Selbstbewusstsein und an deiner Ausstrahlung. Und wenn jemand sich räuspert, bezieh es nicht immer gleich auf dich!

    hmm, dieses „sich beobachtet fühlen“ ist nicht gesund, fast schon pathologisch.


    meiner meinung nach brauchst du psychologische hilfe. klar, kannst du mit kursen zur selbstsicherheit einiges erreichen, ist aber unter umständen zu wenig.


    wie gehst du auf arbeit mit deinen ängsten um?

    Blickkontakt kann falsch verstanden werden. Augenkontakt wird schnell unangenehm und falls man starrt sogar provokant oder wirkt unter anderem auch dominant. Die Suche nach Blickkontakt kann auch Ausdruck von Aufmerksamkeit sein... jeder Mensch versteht es halt anders. Und Du lebst in einer Multi-Kulti Stadt. In allen von Dir geschilderten Situationen gab es erst eine Reaktion von den Menschen, nachdem Du diese regelrecht beobachtet hast und den direkten Kontakt mit den Augen gesucht hast.

    Versuche den direkten Blickkontakt abzuwenden, wenn Du bei einer fremden Person vorbei läufst. Probiere es einfach aus! Du wirst sehen, dass diese Situationen abnehmen werden.

    Steve1982 schrieb:

    "der Typ (also ich) ist schizo

    Ist da was drann? Das sagen die da sicher nicht einfach so.

    Bist du psychisch krank ?

    Hyperion schrieb:
    Steve1982 schrieb:

    "der Typ (also ich) ist schizo

    Ist da was drann? Das sagen die da sicher nicht einfach so.

    Bist du psychisch krank ?

    Wie das sagen die nicht einfach so? Klar tun die das. Die kennen ihn ja nicht. Er hat sich halt umgeguckt obwohl keiner da war. Kann komisch gewirkt haben.


    Insgesamt würde ich bei den meisten Dingen denken "Na und?". Das waren doch jetzt alle Fremde? Und keiner davon ist dich ernsthaft angegangen. Wäre mir einfach total egal. Ist ja teils nichtmal klar ob du gemeint warst. Klar "Was guckst du so" ist nen doofer Spruch der mich auch immer ärgert. Aber und? Entweder ne doofe Antwort oder ignorieren. Ärgert mich dann 5 Minuten.

    Ich sehe jetzt da nirgends ein echtes Pöbeln sondern eher so, dass du alles was andere Menschen sagen oder machen auf dich beziehst. Bei Situation 2, 3 und 4 war doch genau nichts sondern nur eine Interpretation von dir, bei Situation 1 hast du das zuerst das Rufen des Anderen nach seinem Hund auf dich bezogen und dann seinen Ausspruch, der auch jemand anderen gemeint haben könnte, ebenso.

    Situation 5 ist nicht zu beurteilen da keiner gesehen hat was der andere wirklich für eine Bewegung gemacht hat.


    Ganz ehrlich, du solltest nicht jedes räuspern, husten, schnaube, reden, usw. von anderen auf dich beziehen.

    klein_schlumpfine schrieb:

    Wie das sagen die nicht einfach so? Klar tun die das. Die kennen ihn ja nicht

    Das wissen wir ja nicht ob die ihn kennen oder nicht ^^

    Die können ihn ja auch kennen. Er könnte in der Strasse oder oder der der Siedlung bekannt sein.

    Vielleicht Nachbarn?

    Möglich ist vieles

    Während alle diese Menschen in 20 Sekunden vergessen haben, dass du ihnen übern Weg gelaufen bist, zerfrißt dich das noch 20 Tage später.


    Weil du alles auf dich beziehst,


    Nebenan kann ich auch meinen Nachbarn furzen hören, wenn nachts das Haus still ist. Meinst du, der macht das extra wegen mir? Meint der mich persönlich? Warum macht der das? Will der mir was damit sagen? Will der mich extra quälen?


    So abwegig kommt mir überzogen deine Sache vor.


    Und nein, mein Nachbar hat nix geben mich. Der hat nur Erbsen und Bohnen gegessen. Das ist der Grund, sich aus dem Mors zu räuspern.


    Verstehst du das Beispiel?

    Ich muss gestehen dass ich lachen musste. Die Situationen erinnerten mich sofort an "Die Geschichte mit dem Hammer" von Paul Watzlawick. Ich habe die ganze Zeit gewartet, dass du dem "Pöbler" "Lass mich doch in Ruhe du Ars..." zurufst.


    Ich finde es krass, dass du aus den Situationen ein "ständiges anpöbeln" machst. Aus harmlosen Geräuschen und Gesten liest du einen Angriff, Worte beziehst du direkt auf dich, obwohl du nicht mal weisst, ob du gemeint bist. Mein Rat: wenn du dir schon etwas zusammen spinnst, dann denk dir doch einfach eine andere Erklärung aus, z.B. haben die Typen vom neuen Freund seiner Ex gesprochen oder die Frau hat Angst vor deinem Hund und hat das durch ein Räuspern geäussert.


    Übrigens würde ich es einfach mal mit einem Lächeln probieren. Ich starre auch manchmal absichtlich und unabsichtlich. Früher hab ich mir schnell ein Kompliment ausgedacht und gelächelt falls ein blöder Spruch kommt, wenn ich mal wieder zu lange geguckt habe. Negative Erfahrungen habe ich aber nie gemacht, ganz im Gegenteil wird oft zurück gelächelt, manchmal kommt man auch kurz in ein nettes Gespräch. Gezwungen den Blickkontakt in jeder Situation vermeiden solltest du nicht, dass kann auch nach hinten losgehen und ist zudem unhöflich.

    das was dir da passiert, passiert doch anderen Menschen auch ständig nur nehmen sie es entweder gar nicht wahr oder vergessen es gleich wieder weil es unwichtig ist


    du fokussierst dich so sehr auf deine Mitmenschen dass du 1. alles mitbekommst und 2. alles auf dich beziehst


    was glaubst du habe ich schon an bösen Blicken geerntet, ich lebe in einer größeren Stadt, man rempelt ständig Leute an oder erregt durch bloße Anwesenheit ihre Aggressionen usw.


    psychologische Hilfe finde ich in deinem Fall gar nicht so verkehrt, damit du deine Ängste und Unsicherheiten los wirst

    ich finde hyperions anmerkung gar nicht mal so abwägig.


    so wie der TE seine probleme beschreibt, so sehe ich mich zu beginn meiner psychose und dem „stimmen hören“. das nimmt man dann als, ist halt so wahr.


    aber was passiert, wenn die von ihm genannten personen nunmal gar nichts sagen und die interpretation des TE nur „hirngespinst“ ist?


    ich kann mich nur wiederholen: such dir psychologische hilfe und lass deine situation und dem „auf mich beziehen“ näher beleuchten.