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    Ja, ist das denn nicht auch so ? Zufriedenheit muss zuallererst von innen bzw. mir selbst kommen. Muss man ja nicht nur auf den Job beziehen, wenn jemand z.B. sämtliche Zufriedenheit aus dem Sport bezieht und dann im Rollstuhl landet ist die Chance groß das der (zumindest zeitweise) in ne Depression o.ä. fällt.


    Sicher kann man viele Dinge haben die einem Spaß machen, man sollte die aber nie zum Kern seiner ganzen Existenz machen.

    Das wäre ein erstrebenswertes Ideal in meinen Augen, dass man Zufriedenheit, Ruhe, etc ausschließlich aus sich selbst heraus erhält, aber realistisch betrachtet funktioniert der Mensch / die meisten Menschen nicht so...


    Und auch, wenn man dies für sich anstrebt, unabhängig von äußeren Faktoren glücklich zu werden, ist es doch imho trotzdem erstrebenswert, einen Job zu haben, der einem Spaß macht, eine glückliche Familie (die auch zerbrechen kann), gute Freunde (die sich abwenden könnten), ein Hobby (welches langweilig werden könnte) etc pp

    Ja aber fällt das dann alles unter "Selbstverwirklichung" ? Hier wurde ja kritisiert das die meisten nur "primitive Triebe" befriedigen wollen würden, Selbstverwirklichung müsste demnach ja etwas höheres als ein eigentlich ganz normales zufriedenes Leben mit Job, Familie, Hobbies usw. sein.

    Nya, ich bin auf den Trichter ja nur durch Deinen Kommentar bzgl Taranis Vorstellung von Selbstverwirklichung gekommen ;-D


    Für mich gehört das alles im weiteren Sinne aber tatsächlich auch zur Selbstverwirklichung, weil man sich mit Job, Familie, Hobbys und Freunden das Leben ja so gestaltet, wie es sich für einen selbst gut und passend anfühlt - im Idealfall.


    Im engeren Sinne ist Selbstverwirklichung für mich kreativer Ausdruck, wovon idealerweise etwas Bleibendes fortbesteht. Oder meinetwegen auch etwas Handwerkliches.

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    Aber die meisten meiner Freunde sehen es auch so.. sie wollen nur Geld verdienen und es ist ihnen nicht wichtig, ob ihnen der Job gefällt..

    Aber damit tun sie doch genau das, was du auch. Sie tun, was sie möchten. Ist für mich auch die Mindest- und Maximalanforderung an einen Job. Alles andere ist nett, aber wenn nicht, dann nicht. Ich gehe gerne hin, wenn ich bezahlt werde und das eine oder andere Kriterium, wie respektvolles Miteinander erfüllt ist. Ich gehe da ja hin, weil ich sonst nichts zu essen habe und das würde mir nicht gefallen. Wie lange ich da hingehe, hängt ja von meinen Kompetenzen ab. Bin ich ein kluges Köpfchen, dann habe ich Geld schnell verdient und es reicht eine 20-Stundenwoche, bin ich ein weniger kluges Köpfchen, dann muss ich halt 40 oder 60 Stunden ackern. Habe ich große Erwartungen und materielle Ansprüche, muss ich länger ackern, habe ich sie nicht, reicht trotzdem 30 oder 20 Stunden zu arbeiten. Ist mein Job mein Lebensinhalt, ackere ich 80 oder 100 Stunden die Woche, weil ich das so will. Gibt’s doch alles.

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    Mein Job macht mir jedenfalls irre viel Spaß, und das ist für mich schon ein großer Punkt in Sachen Selbstverwirklichung. Ansonsten denke ich bei dem Begriff an Kreativität - wer kreativ ist, bringt sein Inneres in die Wirklichkeit, so dass es für andere sicht- und erlebbar wird.

    Bin auch kreativ und es ist mir egal, was andere darüber denken. Selbstverwirklichung hat für mich nichts mit anderen zu tun, sondern mich zu verwirklichen, meine Fähigkeiten zu entwickeln und das mache ich für mich und nicht für andere.

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    In Deutschland kann jeder frei machen, was er will. Also jeder kann sich selbst verwirklichen. Unsere Entscheidungen, Handlungen und was wir zum Ausdruck bringen / in die Welt tragen, sind unsere Selbstverwirklichung. Streng genommen müssten wir darüber nochtnichtmals nachdenken, sondern einfach leben.

    Ich sehe nicht, warum das nur in Deutschland sein sollte. Wenn jemand etwas nicht möchte, dann tut er es nicht. Von Gewalt abgesehen, wüsste ich nicht, wer nicht das tut, was er möchte und das auf der ganzen Welt.

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    Ja, ist das denn nicht auch so ? Zufriedenheit muss zuallererst von innen bzw. mir selbst kommen. Muss man ja nicht nur auf den Job beziehen, wenn jemand z.B. sämtliche Zufriedenheit aus dem Sport bezieht und dann im Rollstuhl landet ist die Chance groß das der (zumindest zeitweise) in ne Depression o.ä. fällt.

    Na sicher. Selbstbewusstsein hat nichts mit anderen zu tun.

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    Genauso darf es einem ruhig schlecht gehen, wenn man seinen Job verliert oder kündigen muss.

    Klar, man darf dann auch aus dem Fenster springen oder sich den Schädel wegballern. Darum geht’s ja nicht, sondern, wovon man sich abhängig macht oder wie selbstbewusst jemand ist.

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    Bin auch kreativ und es ist mir egal, was andere darüber denken. Selbstverwirklichung hat für mich nichts mit anderen zu tun, sondern mich zu verwirklichen, meine Fähigkeiten zu entwickeln und das mache ich für mich und nicht für andere.

    Der Schwerpunkt meiner Aussage lag für mich nicht auf "die anderen" und ich wollte damit auch nicht ausdrücken, dass man seine Kreativität (hauptsächlich) für andere Menschen nutzt. Es ist halt nur einfach ein simpler Fakt, dass man durch kreative Tätigkeiten meist etwas aus seinem Inneren in die Welt bringt, was andere Menschen dann uU mit ihren 5 Sinnen wahrnehmen können.

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    Ich sehe nicht, warum das nur in Deutschland sein sollte. Wenn jemand etwas nicht möchte, dann tut er es nicht. Von Gewalt abgesehen, wüsste ich nicht, wer nicht das tut, was er möchte und das auf der ganzen Welt.

    Die Menschen, die in der Sahelzone in Afrika leben, sind in erster Linie damit beschäftigt, nicht zu verdursten und zu verhungern. Also die werden durch die Umstände gezwungen und können nicht unbegrenzt frei machen was sie wollen, wie wir, weil sie die Möglichkeiten nicht haben. Staaten, die Gewalt auf ihre Bürger ausüben gibt es auch mehr als genügend

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    Was bedeutet für euch Selbstverwirklichung?

    Diese Frage stelle ich mir auch gerade. Deshalb klinke ich mich mal in die Diskussion ein.


    Mein erster Gedanke war: Selbstverwirklichung ist dasselbe wie Selbstfindung. Es geht darum herauszufinden, was man will, und es dann auch zu tun.


    Ist das so? War mein erster Gedanke richtig?


    Ich komme da ins zweifeln...

    Selbstverwirklichung ist eine recht leere Phrase, die von jedem anders ausgelegt wird. Außerdem impliziert sie, dass das Selbst auch "unwirklich" sein kann. Warum sollte man sich sonst verwirklichen müssen?


    Jeder ist "wirklich". Was die meisten hinter dem Begriff verstehen, ist, dass man sich weniger fremdbestimmen lässt. Und dabei stellt man dann ganz schnell praktische Schranken fest. Viele beziehen die Selbstverwirklichung auf den Job. Was ja auch irgendwie naheliegt, da man neben dem Schlafen die meiste Zeit im Job verbringt. Aber wenn man ehrlich ist, ist die Handlungsfreiheit dabei auch recht gering. Was schätzt ihr, wieviele Menschen in Bezug auf Tätigkeit und Funktion totale Flexibilität haben? Meiner Meinung nach ist das nur ein geringer Bruchteil. Von etwas Leben müssen wir aber alle. Am nächsten an der Selbstbestimmung wäre daher auch eine selbständige Arbeit. Dazu gehört aber auch eine Risikobereitschaft und eine Überschneidung der persönlichen Interessen mit einer Nachfrage.


    So etwas

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    Wieso? Dann kündige ich und suche mir einen neuen Job.

    ist schnell gesagt. Und wenn man dies in überschaubarer Zeit öfter sagt, dann muss man sich eingestehen, dass man mit dieser Strategie offenbar auch nicht so richtig erfolgreich ist und immer noch fremdbestimmt. Schließlich ist man davon abhängig, dass das Umfeld stimmt.


    Ich finde, zur Selbstverwirklichung gehört auch, sich der Grenzen bewusst zu werden und das Leben innerhalb dieser Grenzen auch bewusst zu gestalten. Um etwas zu verwirklichen benötigt man nicht nur Pläne, sondern auch die Kraft, diese in die Tat umzusetzen. Manche Dinge gehen recht leicht, andere aber schwer. Es gibt Leute, die schwärmen laufend von der Selbstverwirklichung, stellen aber 20 Jahre später fest, dass sie keinen Schritt weitergekommen sind. Oft wird nämlich von der Umwelt erwartet, dass diese einen bei der Selbstverwirklichung unterstützen soll (mehr Gehalt, weniger Arbeitszeit, Partner soll sich mehr einbringen, man wird unzuverlässig gegenüber Freunden oder Familie, kündigt Verbindlichkeiten auf, fordert großzügige Sozialabsicherungen für kreative Arbeiten usw.). Dieser egoistische Wandel unter dem Deckmäntelchen der Selbstverwirklichung stößt mir öfter sauer auf, denn das hat mit "selbst" nicht mehr viel zu tun. Man muss auch dabei darauf achten, dass die Balance zwischen Geben und Nehmen noch stimmt.

    Mal Hand aufs Herz: wieviel Stunden hat dein Tag? Und kannst du auch nur eine Tätigkeit davon richtig erschöpfend durchführen, oder machst du von allem nur ein bisschen? Mir erscheint diese Liste irgendwie wie eine Visitenkarte, die man nach außen hält, wie aktiv man doch ist und was man alles erlebt. Aber gerade dies erscheint mir wahnsinnig getrieben und nicht selbstverwirklichend. Denn von all diesen Interessen wirst du in nichts richtig aufgehen. Alles ist irgendwie wichtig, alles machst du gerne. Und ich nehme dir nicht ab, dass dies funktioniert (und dann noch neben einer Beziehung). Ich habe schon einige Menschen kennengelernt, die eine solche Beschäftigungssucht haben und damit wirklich nicht glücklich sind, weil sie nicht loslassen können. OK, du bist noch jung und kannst dich ausprobieren. Aber für mich ist z.B. ein großer Aspekt der Selbstverwirklichung, dass man auch mal ganz viele Dinge einfach fallenlässt, weil sie einen eben fremdbestimmen, den Zeitplan vollstopfen und den Blick auf das eigene Sein irgendwann tretmühlenartig versperren.

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    Selbstverwirklichung ist eine recht leere Phrase, die von jedem anders ausgelegt wird. Außerdem impliziert sie, dass das Selbst auch "unwirklich" sein kann. Warum sollte man sich sonst verwirklichen müssen?

    Ja.


    Ich lege sie so aus: Es gibt Personen, die nicht wirklich sie selbst sind, weil sie im Rahmen unserer Kultur ein Leben leben, das durch Konventionen geprägt ist, die ihnen gegen den Strich gehen.


    Auf die Situation hier und heute bezogen würde ich es deshalb so sagen: Wer nicht Beruf und Kinder unter einen Hut bekommen möchte, nur weil es so üblich ist, kann sich die Frage stellen: Möchte ich mich selbstverwirklichen?

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    Ich lege sie so aus: Es gibt Personen, die nicht wirklich sie selbst sind, weil sie im Rahmen unserer Kultur ein Leben leben, das durch Konventionen geprägt ist, die ihnen gegen den Strich gehen.

    Das meine ich ja mit Fremdbestimmung und Grenzen.


    Aber was wäre die Lösung, wenn dem so ist? Muss sich die Kultur so anpassen, damit das Individuum selbstverwirklicht leben kann? Ich habe manchmal den Eindruck, dass dies genauso verlangt wird. Also als Bringschuld der Gesellschaft, weil das Individuum ein Recht auf Selbstverwirklichung hätte. Und diese Haltung finde ich falsch. Vielmehr sollte man selbst Verantwortung dafür übernehmen, dass man das eigene Umfeld und Leben so gestaltet, dass es einem am nächsten kommt, und dafür auch die Konsequenzen trägt. Es gibt keine totale Freiheit, daher auch keine totale Selbstverwirklichung. Für letztere muss man sich aber erst eine Basis schaffen, auf der diese Selbstverwirklichung funktioniert. Hier fehlt den meisten Menschen schon die Geduld, so dass sie entweder gar nichts in diese Richtung unternehmen und ein Leben lang unzufrieden bleiben, oder dass sie dies eben auf Kosten ihres Umfeld einfach einfordern.

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    Selbstverwirklichung ist dasselbe wie Selbstfindung.

    Ich würde sagen, Selbstverwirklichung ist eher eine Folge der Selbstfindung, bzw ein Nebenprodukt davon :-).

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    Es gibt Personen, die nicht wirklich sie selbst sind, weil sie im Rahmen unserer Kultur ein Leben leben, das durch Konventionen geprägt ist, die ihnen gegen den Strich gehen.

    Im Grunde kann man sich hier in Deutschland ja schon in den Grenzen des Gesetzes frei entfalten. Wenn man ein Problem damit hat, sein Leben auch entgegen der Konventionen (die sich abgesehen davon im Wandel befinden), so zu gestalten, dass es sich stimmig anfühlt, dann liegen die vielschichtigen Gründe dafür sicher in allererster Linie in dem Individuum selbst, und nicht in den Konventionen...

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    Muss sich die Kultur so anpassen, damit das Individuum selbstverwirklicht leben kann? Ich habe manchmal den Eindruck, dass dies genauso verlangt wird. Also als Bringschuld der Gesellschaft, weil das Individuum ein Recht auf Selbstverwirklichung hätte. Und diese Haltung finde ich falsch. Vielmehr sollte man selbst Verantwortung dafür übernehmen, dass man das eigene Umfeld und Leben so gestaltet, dass es einem am nächsten kommt, und dafür auch die Konsequenzen trägt.

    :)^

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    Ich würde sagen, Selbstverwirklichung ist eher eine Folge der Selbstfindung, bzw ein Nebenprodukt davon :-).

    Ok, die erste Möglichkeit nehme ich als Grundlage für meine Begriffsbildung.


    Zunächst einmal versucht man herauszufinden, wie man ist und was man will. Das ist die Phase der Selbstfindung.


    Anschließend versucht man, das umzusetzen. Das ist die Phase der Selbstverwirklichung.

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    Ich lege sie so aus: Es gibt Personen, die nicht wirklich sie selbst sind, weil sie im Rahmen unserer Kultur ein Leben leben, das durch Konventionen geprägt ist, die ihnen gegen den Strich gehen.

    Das meine ich ja mit Fremdbestimmung und Grenzen.


    Aber was wäre die Lösung, wenn dem so ist? Muss sich die Kultur so anpassen, damit das Individuum selbstverwirklicht leben kann? Ich habe manchmal den Eindruck, dass dies genauso verlangt wird. Also als Bringschuld der Gesellschaft, weil das Individuum ein Recht auf Selbstverwirklichung hätte. Und diese Haltung finde ich falsch. Vielmehr sollte man selbst Verantwortung dafür übernehmen, dass man das eigene Umfeld und Leben so gestaltet, dass es einem am nächsten kommt, und dafür auch die Konsequenzen trägt. Es gibt keine totale Freiheit, daher auch keine totale Selbstverwirklichung. Für letztere muss man sich aber erst eine Basis schaffen, auf der diese Selbstverwirklichung funktioniert. Hier fehlt den meisten Menschen schon die Geduld, so dass sie entweder gar nichts in diese Richtung unternehmen und ein Leben lang unzufrieden bleiben, oder dass sie dies eben auf Kosten ihres Umfeld einfach einfordern.

    Ich stimme Dir von vorne bis hinten zu. Überrascht Dich das?


    Die Frage sehe ich eher in der Begrifflichkeit als in der Meinung.


    Also, man hat das Gefühl nicht mehr man selbst zu sein, weil man zu sehr fremdbestimmt lebt.


    Selbstverständlich ist das nur ein Gefühl, das einer Realitätsprüfung nicht standhält. Aber es ist nunmal da.


    Sich unter diesen Umständen für Selbstverwirklichung zu entscheiden, heißt im Rahmen seiner Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten aus der Fremdbestimmung herauszukommen.

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    Zunächst einmal versucht man herauszufinden, wie man ist und was man will. Das ist die Phase der Selbstfindung.


    Anschließend versucht man, das umzusetzen. Das ist die Phase der Selbstverwirklichung.

    Genau, so hatte ich das gemeint :)z

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    Also, man hat das Gefühl nicht mehr man selbst zu sein, weil man zu sehr fremdbestimmt lebt.


    Selbstverständlich ist das nur ein Gefühl, das einer Realitätsprüfung nicht standhält. Aber es ist nunmal da.


    Sich unter diesen Umständen für Selbstverwirklichung zu entscheiden, heißt im Rahmen seiner Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten aus der Fremdbestimmung herauszukommen.

    Nur um noch einen Aspekt zu ergänzen: wenn man sehr lange fremdbestimmt lebt, dann wird das einen auch in gewisser Weise verändern. Das Selbst, was man nach dem Erkennen der Fremdbestimmung und dem Entschluss, diese zu beenden, verwirklicht, entspricht unter Umständen in Teilen nicht mehr dem Selbst, welches vorher hätte verwirklicht werden können. Aber das ist wohl normal, Leben hinterlässt Spuren...

    Liebe Studentin,


    ich hole mal ein wenig aus. Deine Frage, was Selbstverwirklichung für den Einzelnen bedeutet, finde ich sehr interessant und sie hat mich angetrieben, darüber nachzudenken.


    Ich glaube, die Antwort auf deine Frage fällt so individuell, wie es verschiedene Menschen gibt, aus. Allein philosophisch betrachtet ist die Frage sogar gar nicht beantwortbar, weil du, final aus-gedacht, nicht mit dem Schlüssel "Wirklich" resümieren kannst.


    Meine eigene, individuelle Antwort fällt zum Beispiel mehrfaltig aus. Selbstverwirklichung erscheint mir grundsätzlich erstrebenswert, aber schwierig ist, sie zu kategorisieren, geschweige denn zu definieren. Ich kam ins Grübeln. Was ist die Basis, der Ausgangspunkt, das Fundament und wo genau sehe ich mich überhaupt im Leben? Bin ich mir über den Sinn meines Lebens im Klaren? Ich überlegte.


    Zunächst bringt jede Generation eine handvoll wirklicher Genies hervor und es werden, allein durch dediziertere Informationsweiterreichungen, immer mehr. Einerseits, weil mehr Menschen die Möglichkeit bekommen, ihr Potenzial zu erkennen und zu nutzen, andererseits, weil sie von vorangegangenen Forschungsergebnissen profitieren. Daraus resultiert, meiner Meinung nach, der unproportionale Anstieg an herausragenden Denkern.


    Damit diese Genies "gedeihen" können, bedarf es einer funktionierenden Gesellschaft, die für die Notwendigkeiten des Lebens sorgen, ähnlich wie die Arbeiterinnen im Bienenvolk. Und ich meine es keineswegs abwertend, sondern halte es für lebenswichtig.


    Der individuelle Sinn MEINES Lebens, abseits von Aufgaben zum Wohl der Gesellschaft, besteht für mich zum Beispiel darin, meine Kinder mit viel Liebe, Sorge, Konfrontation und Hilfe beim bilden ihrer eigenen Meinung zu Persönlichkeiten zu erziehen, um sie auf ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. Ihnen aber auch zu vermitteln, dass Scheitern okay ist und sie sich immer auf ihre Eltern verlassen können. Und ich wünsche mir, dass sie diese Erfahrungen irgendwann auch an ihre eigenen Kinder weitergeben können. Dies ist also der ethische Teil der Antwort.


    Zum Anderen treibt mich meine Neugier auf alles Interessante durchs Leben. Mir reicht selten, was ich kompakt aufbereitet erfahre, sondern ich will die Zusammenhänge erkennen und verstehen. Das Leben ist außerdem eine wahre Spielwiese der Kommunikation und ich bin aufgeschlossen und fröhlich genug, um mit immer wieder anderen Menschen in Kontakt und Austausch zu kommen. Und all das in Summe befriedigt meinen Appetit auf das Leben.


    Aber was ist nun mit der Selbstverwirklichung? Ich bemühe abermals den Philosophen: Selbst-Verwirklichung lässt sich zerlegen in das Pronomen Selbst und das Substantiv Verwirklichung. Weiters steckt in dem Substantiv Verwirklichung das Adjektiv wirklich. Schlüsseln wir nun auf: Selbst, persönlich, eigenhändig, ohne fremde Hilfe und Wirklich, tatsächlich existierend kombiniert, ergeben, per Definition, also Persönlich, ohne fremde Hilfe, tatsächlich existierend.


    Selbstverwirklichung bedeutet für mich, ein Leben zu führen, dass frei ist von Abhängigkeiten. Der Rest ergibt sich ja daraus quasi von allein.


    LG

    Selbstverwirklichung bedeutet, dass man seine Talente, Werte oder Träume auslebt. Das kann im Beruf sein oder als Lebensstil. Es bedeutet, dass man ein Bild von sich selbst hat, darüber wer man ist und/oder was man darstellen möchte und dieses Bild in der Realität umsetzt.


    Allgemein mit dem Leben und dem Job zufrieden zu sein, ist noch keine Selbstverwirklichung, sondern eben eine Zufriedenheit, mit dem was ist. Dazu gehört eine konkrete Vorstellung vom Selbst und eine gezielte Handlungsweise, die das Selbst bestätigt.