Was stimmt mit mir nicht?

    Hallo,


    ich bin männlich, 19 Jahre alt und Student.


    Ich kriege mein leben nicht mehr auf die Reihe. Ich teilweise den ganzen Tag nichts, obwohl ich eigentlich viel zu tun hätte. Es fängt morgens an, ich bleibe eigentlich immer mindestens eine Stunde im Bett liegen bevor ich aufstehe. Teilweise sind es auch mehrere Stunden. Es gibt sogar Tage, da liege ich studenlang im Bett, frühstücke und lege mich gleich wieder ins Bett. Tagsüber sitze ich entweder am Computer und surfe im Internet oder hänge irgendwelchen Tagträumen nach. Wobei ich bei letzterem nicht die ganze Zeit sitze, sondern häufig sinnlos durchs Zimmer gehe. Das ist nicht erst seit kurzem so, sondern schon seit vielen Jahren, wobei ich denke, dass ich schon immer relativ viel taggeträumt habe. Aber irgendwie ist es immer schlimmer geworden. Langsam habe ich das Gefühl das irgendwas mit mir nicht stimmt. Ich habe immer mehr Sachen erst auf den letzten Drücker gemacht habe. Und dann habe ich selbst dass nicht mehr getan und konnte mich nicht mal dann aufraffen, wenn es die letzte Chance war Dinge zu erledigen. Wenn ich mich dann irgendwann mal aufraffen kann und die Dinge erledige, passiert es häufig, dass ich abschweife und irgendwelche anderen Dinge mache oder zumindest bei der Erledigung der Sache selbt immer wieder mit den Gedanken woanders bin. Teilweise fällt es mir auch schwer ruhig zu sitzen, wenn ich am Schreibtisch irgendwas erledige.


    Ich war schon immer eher ruhig und schüchtern, außer bei meiner Familie oder meinen engen Freunden, da war ich immer deutlich offener. Ich weiß nicht warum, aber ab der 7. Klasse habe ich mich immer weniger getraut mich im Unterricht zu melden. In der zehnten Klasse habe ich mich kaum noch geldet und in der Oberstufe fast gar nicht mehr. Das hatte nichts damit zu tun, dass ich die Antwort nicht gewusst hätte (es betraff auch Sachen wie Vorlesen), sonder ich habe mich so dumm es auch klingt iwie einfach nicht mehr getraut. Ich hatte immer mehr Angst irgendwas total falsches oder dummes zu sagen, auch wenn diese Angst totaler Schwachsinn war. Es klingt jetzt vllt. ein bisschen dämlich aber ich hatte auch immer das Gefühl anders zu sein als andere Menschen.


    Ich war auch schon immer sehr sensibel. Ich nehme Dinge häufig persönlich und fühle mich grundlos abgelehnt.


    Teilweise habe ich auch ziemliche Wutausbrüche. Ich schreie dann rum und lasse meine Wut an iwelchen Gegenständen aus. Wobei die mittlerweile sehr selten und auch bei weitem nicht mehr so extrem sind wie früher.


    Ich hatte auch immmer Probleme mit Situationen in denen ich direkt unter Beobachtung stand. Ich war z.B. während meiner Fahrstunden die ganze Zeit nervös, habe ständig irgendwelche dummen Fehler gemacht und den Wagen abgewürgt. Die Prüfung habe ich mit Glück trotzdem geschafft und beim Fahren nach bestandenem Führerschein hat dann alles perfekt funktioniert, abwürgen z.B. war kein Thema mehr. Ich weiß nicht woran das liegt, Prüfungsangst habe ich definitiv nicht.


    Sorry für den langen Text.


    Vielen Dank für Antworten im vorraus,


    user98

  • 14 Antworten

    Fehlendes Selbstbewusstsein, eventuell (leichte) Depressionen? Vielleicht solltest du einen Therapeuten aufsuchen.


    Das mit den Tagträumen kenne ich sehr gut, ich laufe dabei auch durch die Gegend oder habe eine andere Beschäftigung. Früher habe ich 80% meines Tagesablaufs in irgendwelchen "anderen Welten" verbracht. Heute brauche ich das immernoch, aber nicht mehr ganz so häufig.

    Fehlendes Selbstbewusstsein, eventuell (leichte) Depressionen? Vielleicht solltest du einen Therapeuten aufsuchen.


    Das mit den Tagträumen kenne ich sehr gut, ich laufe dabei auch durch die Gegend oder habe eine andere Beschäftigung. Früher habe ich 80% meines Tagesablaufs in irgendwelchen "anderen Welten" verbracht. Heute brauche ich das immernoch, aber nicht mehr ganz so häufig.

    Fehlendes Selbstbewusstsein, eventuell (leichte) Depressionen? Vielleicht solltest du einen Therapeuten aufsuchen.


    Das mit den Tagträumen kenne ich sehr gut, ich laufe dabei auch durch die Gegend oder habe eine andere Beschäftigung. Früher habe ich 80% meines Tagesablaufs in irgendwelchen "anderen Welten" verbracht. Heute brauche ich das immernoch, aber nicht mehr ganz so häufig.

    Hallo user98


    klar, wenn es keinen sichtbaren "Grund" gibt, liegt die eigene Person nahe, bei der die Ursache für Ergebnisse oder die Triebfeder gesucht wird. Wenn Du Deine Aufgaben oder Sachen immer auf den letzten "Drücker" machst, liegt nahe, dass Druck ein Mittel ist, Deine Motivation zu wecken. ;-)


    Deinem Text entnommen kommt dieser Druck von außen, denn auch wenn Du eigentlich bzw. genau weißt, was ein wichtiges Ziel ist/wäre, braucht es scheinbar wohl immer größere Kräfte, in zielgerichtete Bewegung zu kommen. Hast Du schon einmal sondiert, aus welcher Richtung welcher Reiz wie wirkt oder sich anders als geplant auswirkt?


    Da gibt es dann auch Gegenkräfte, die querschießen - und vermutlich auch Gewohnheiten - zu beachten.

    Zitat

    Ich war auch schon immer sehr sensibel. Ich nehme Dinge häufig persönlich und fühle mich grundlos abgelehnt.

    Dazu fällt mein Blick auf den Begriff "Gelassenheit", eine Fähigkeit, das seelische Gleichgewicht bewahren zu können. Sensibilität im Sinne besonderer Feinfühligkeit muss ja nicht gleich eine Reaktion nach sich ziehen. Weniger sehe ich hier die Sensibilität im Sinne von Fingerspitzengefühl gemeint, die u.U. erfordert, mit heiklen und äußerst seniblen Themen umzugehen. Mit anderen Worten verstehe ich aus Deinem Text eine überwiegend passive Sensibliität, um die es geht.

    Zitat

    Wenn ich mich dann irgendwann mal aufraffen kann und die Dinge erledige, passiert es häufig, dass ich abschweife und irgendwelche anderen Dinge mache oder zumindest bei der Erledigung der Sache selbt immer wieder mit den Gedanken woanders bin.

    Verstehe ich Dich richtig, so scheinen Reize (z.B. Ablenkung), die von außen kommen, mehr Wirk-Kraft zu entfalten wie solche, die aus Deinem Inneren nach außen drängen. Da ist verständlich, dass es zu einem Interessenkonflikt kommt.


    Im Widerspruch dazu steht, dass Aufgaben, die erledigt werden sollten, und die eigentlich die Voraussetzung (von außen) erfüllen bzw. an Dich herantragen , geeignet wären, genügend Motivationskräfte zur Erledigung derselben freizusetzen. Offensichtlich besteht da eine paradoxe Konstellation. ":/

    Zitat

    Ich hatte auch immmer Probleme mit Situationen in denen ich direkt unter Beobachtung stand.

    Direkte Beobachtung kann durchaus verunsichern, vor allem da Du schreibst, es sei schon immer so gewesen, also auch sehr früh, sprich: schon in Deiner Kindheit vorhanden. Wie hat es denn da geklappt mit der Erledigung der jeweiligen Beschäftigung, als Du sozusagen unter Beobachtung standest?


    Sagt natürlich noch nichts darüber aus, ob die Aufgaben gerade zur eigenen Motivation passten oder wie die Bezugspersonen auf Deine Aktionen re-agiert hatten.

    Hallo Fantik3,


    danke für deine ausführliche Antwort.

    Zitat

    Hast Du schon einmal sondiert, aus welcher Richtung welcher Reiz wie wirkt oder sich anders als geplant auswirkt?

    Könntest du das näher erläutern? Ich verstehe ehrlich gesagt nicht was du genau meinst.

    Zitat

    Dazu fällt mein Blick auf den Begriff "Gelassenheit", eine Fähigkeit, das seelische Gleichgewicht bewahren zu können. Sensibilität im Sinne besonderer Feinfühligkeit muss ja nicht gleich eine Reaktion nach sich ziehen. Weniger sehe ich hier die Sensibilität im Sinne von Fingerspitzengefühl gemeint, die u.U. erfordert, mit heiklen und äußerst seniblen Themen umzugehen. Mit anderen Worten verstehe ich aus Deinem Text eine überwiegend passive Sensibliität, um die es geht.

    Genau das meinte ich.

    Zitat

    Verstehe ich Dich richtig, so scheinen Reize (z.B. Ablenkung), die von außen kommen, mehr Wirk-Kraft zu entfalten wie solche, die aus Deinem Inneren nach außen drängen. Da ist verständlich, dass es zu einem Interessenkonflikt kommt.


    Im Widerspruch dazu steht, dass Aufgaben, die erledigt werden sollten, und die eigentlich die Voraussetzung (von außen) erfüllen bzw. an Dich herantragen , geeignet wären, genügend Motivationskräfte zur Erledigung derselben freizusetzen. Offensichtlich besteht da eine paradoxe Konstellation. ":/

    Ich würde mir das so erklären, dass Ablenkung direkt greifbar ist, während die äußeren Reize zur Aufgabenbewältigung ja erstmal in dem Moment nicht direkt greifbar sind. Klar ich weiß, dass ich irgendeine Aufgabe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt haben muss, aber die Konsequenzen wirken sich ja erst später aus.

    Zitat

    Direkte Beobachtung kann durchaus verunsichern, vor allem da Du schreibst, es sei schon immer so gewesen, also auch sehr früh, sprich: schon in Deiner Kindheit vorhanden. Wie hat es denn da geklappt mit der Erledigung der jeweiligen Beschäftigung, als Du sozusagen unter Beobachtung standest?

    Da habe ich mich falsch ausgedrückt. In meiner frühen Kindheit war das noch nicht so, kann ich mich zumindest nicht dran erinnern. In diesem Ausmaß besteht das Problem glaube ich erst so ungefähr seit der 5. Klasse.

    Zitat

    Sagt natürlich noch nichts darüber aus, ob die Aufgaben gerade zur eigenen Motivation passten oder wie die Bezugspersonen auf Deine Aktionen re-agiert hatten.

    Bezieht sich das auf den letzten Absatz oder auf die fehlende Motivation bei der Erledigung von Aufgaben?


    Viele Grüße,


    user98

    Zitat

    Ich würde ja gerne hierzu was schreiben, aber bislang war es in diesem Forum fast immer so,


    dass Threads die mitten in der Nacht erstellt wurden, vom Threadersteller selten ein zweites Mal aufgesucht werden.


    Mal sehen, vielleicht irre ich mich ja. :-/

    Dann ist dieser Thread wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. ;-)

    Zitat
    Zitat

    Google mal "Prokrastination".


    Nach manchen Studien ist dieses Symptom stark im Kommen, je mehr Unterhaltungskonsum geboten wird.

    Das würde aber nur das Verschieben von Aufgaben erklären. Werde mich aber in den nächsten Tagen nochmal ausführlicher darüber informieren.

    Selbst die Erklärung schiebst du auf die nächsten Tage - das hatte jetzt im Kontext einen gewissen humoristischen Level ;-) .

    Zitat

    Ich würde mir das so erklären, dass Ablenkung direkt greifbar ist, während die äußeren Reize zur Aufgabenbewältigung ja erstmal in dem Moment nicht direkt greifbar sind. Klar ich weiß, dass ich irgendeine Aufgabe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt haben muss, aber die Konsequenzen wirken sich ja erst später aus.

    Das ist 1-A Prokrastination, wie sie im Buche steht.


    Aber ich bin gespannt auf die späteren Informationen.

    Zitat

    Ich würde mir das so erklären, dass Ablenkung direkt greifbar ist, während die äußeren Reize zur Aufgabenbewältigung ja erstmal in dem Moment nicht direkt greifbar sind. Klar ich weiß, dass ich irgendeine Aufgabe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt haben muss, aber die Konsequenzen wirken sich ja erst später aus.

    Dazu fällt mir der "Marshmallow Test" ein, viele Infos dazu gibt es auf YouTube und im Netz. Einfach einmal verschiedene Berichte und Beschreibungen lesen bzw. ansehen.


    Anders ausgedrückt ist der "Konsum" von Ablenkung leichter als der Aufschub für etwas anderes lohnenswertes.


    Ja, du "musst" eine Aufgabe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt haben, wobei der Wille dazu lauten würde "ich will" und der Versuch "ich möchte" den Stand der eigenen Motivation beschreibt. Du stehst also nicht wirklich hinter der Motivation, dieses Ziel auch bestimmt (selbstbestimmt?) erreichen zu wollen. Um welches "Ziel" geht es aber wirklich, wenn es nicht konkret definiert ist, denn mit "irgendeiner" Aufgabe sind noch keine Prioritäten gesetzt. Es fehlt die Selbst-Verpflichtung. Wohl möglich auch die Übernahme der Verantwortung für - und durch - Dich selbst?


    Irgend-etwas scheint zwischen dem "Sollen" und dem "Wollen" zu stehen, evtl. Einfluss auszuüben... oder es gibt z.B. Gegenkräfte, die aufeinander entgegengesetzt (ein)wirken.

    Zitat

    In diesem Ausmaß besteht das Problem glaube ich erst so ungefähr seit der 5. Klasse.

    Vielleicht hat sich zu diesem Zeitpunkt etwas in Deinem Leben (gravierend) verändert(?), was aber nicht der Auslöser sein muss.


    Wenn aber statt "fehlender" Motivation nun eine Blockade im Wege steht, die die Motivation aufhebt, dann fehlt nicht Motivation an sich, sondern sie wird gehindert, sich zu entfalten, sich zu kanalisieren, wird ab- bzw. umgelenkt. Das Bearbeiten fehlender "Motivation" wäre dann eine Arbeit am Symptom und nicht an der Ursache.