Wege aus einem Dasein als ewiger Junge

    Mein Ex und Vater meines Kindes hat sich gestern an mich gewandt: Er hätte schon wieder eine Beziehung verbockt, ob ich Zeit hätte für ein Gespräch, ich würde ihn ja schließlich sehr gut kennen und hätte vielleicht hilfreiche Einblicke in die Gründe.


    Ja, die hab ich. Er ist ihr fremdgegangen. Mal wieder. Er ist einer dieser ewigen Buben, die bei der Aussicht auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung alle Konsequenzen ihrer Handlungen ausblenden. Der Kater kommt dann hinterher... Gegebene Versprechen bedeuten nichts, festlegen auf eine Frau oder auch nur auf eine Zeit zur Kindsübergabe ist eine Sache der Unmöglichkeit. Ein 16jähriger im Körper eines 37jährigen. Als hätte er einen bestimmten emotionalen Reifeschritt nie gemacht.


    Kennt jemand von euch einen Ansatz, einen Gedanken, eine Strategie, eine Therapieform, die da hilfreich ist?

  • 16 Antworten

    Zunächst einmal möchte ich zwei Dinge anmerken, die ich etwas anders sehe als Du.


    Zum einen würde ich sagen, er ist der Vater Eures gemeinsamen Kindes.


    Außerdem würde ich sagen, Du hast keinen Einblick in seine Gründe, sondern Du hast eine psychologische Erklärung für sein Verhalten.


    Macht das einen großen Unterschied?


    Jetzt aber zu Deiner eigentlichen Frage:

    Zitat

    Kennt jemand von euch einen Ansatz, einen Gedanken, eine Strategie, eine Therapieform, die da hilfreich ist?

    Es gibt viele Männer, die so sind wie der Vater Eures Kindes. Ein Grund für Therapie ist das noch nicht.


    Den richtigen Ansatz für ihn würde ich darin sehen, sich eine Freundin zu suchen, die ihn als einen Erwachsenen betrachtet und auch dementsprechend behandelt.


    Wenn Du versuchen würdest, ihm dabei zu helfen, würde ich das allerdings etwas schräg finden.


    Das Sinnvollste, was Du da in meinen Augen tun könntest, wäre ihm zu sagen, dass er sich eine geeignete Partnerin schon selbst suchen muss.


    Dabei kann ihm sicherlich niemand helfen.

    Jeder sehnt sich nach Liebe, Familie und Zusammengehörigkeitsgefühlt.


    Ewiger Junge passt vielleicht, weil er über eine defintion der Frau nie wirklich über seine Mutter hinausgekommen ist.


    Er sucht also eventuell immer nur eine weibliche Bezugsperson, aber keine Partnerin die eigene Bedürfnisse hat.


    Wäre das Schnellding aus meinem Kopf.


    Grundsätzlich ist es aber so wie Ruby23 und mond+sterne schreiben.


    Ansonsten soll er darüber nachdenken welche eigenen Mechanismen ihn daran festhalten ein weiger 'Bube' zu sein ...


    Ich befürchte das Festhalten könnte am Erfolg bei Frauen liegen - wenn es denn so ist. Dann wäre eine Frage warum er sich nicht traut Frauen anders zu beeindrucken.


    Aber da kann so viel dahinterstecken, dass du dich damit nicht zu weit beschäftigen solltest. ??Übrigens hat mich ein Ex auch schonmal versucht damit irgendwie wieder an sich zu kleben - könnte also auch einfach Masche sein??

    Zitat

    Es gibt viele Männer, die so sind wie der Vater Eures Kindes. Ein Grund für Therapie ist das noch nicht.

    Es ist ein Grund, WENN er ausreichend unter seinem eigenen Verhalten leidet und es nicht schafft den Teufelskreis selbst zu durchbrechen.


    Ich mein, ihm wird ja bewusst sein, dass Betrügen seine Beziehung zerstört...Theoretisch weiß er das.


    Praktisch kann er das nicht umsetzen und manchmal...nicht immer, aber manchmal, hilft es da mit Therapie zu schauen.


    Und wenn es nur die Erkenntnis ist, dass er garnicht eine treusorgende Frau mit Familie will und er sich das nur einredet, weil man das eben so macht.


    Oder sonstige ursachen...

    Zitat

    Kennt jemand von euch einen Ansatz, einen Gedanken, eine Strategie, eine Therapieform, die da hilfreich ist?

    Er hat ja selbst erkannt, dass er es verbockt hat. Die Frage ist, was erhofft er sich von dir? Wollte er sich nur ausheulen? Und vor allem: was könntest du ihm raten, was er nicht ohnehin schon selbst weiß?


    Nur umsetzen muss er es. Und da kannst du gar nicht helfen.


    Ich würde es nicht zu deinem Problem machen - nur gucken, dass du diplomatisch und ohne Siegerjustiz das Thema wieder zurückgibst. Denn er ist ein erwachsener Mensch. Schau, dass er seine Vaterrolle zu deinem Kind auf verantwortungsvolle Weise erfüllt, aber lass dich nicht in seine Beziehungsprobleme reinziehen. :)z

    Ich habe mich ursprünglich mit dem Thema auseinandergesetzt, weil er sorgeberechtigt ist und ein Vorbild für unseren Sohn. Mich interessiert, was er ihm vorlebt. Wir haben im Alltag öfter miteinander zu tun, das funktioniert meistens gut, und ich bin zwar nicht für sein Wohlergehen verantwortlich, aber wenn er mich um Unterstützung bittet, hör ich mir jedenfalls erst mal an, worum es geht.


    Inzwischen habe ich ein bisserl nachgelesen und finde das Thema von einem nicht-personengebundenen Aspekt ziemlich spannend - woher kommt so was, was ist das für ein neuropsychologischer Reifeschritt, der da fehlt? Im konkreten Fall gibt es einen verantwortungsbewussten beziehungsfähigen Bruder/Onkel und einen verantwortungsvollen, in sich ruhenden und präsenten Vater/Opa. Die Mutter/Oma ist ein bisschen verpeilt...

    Zitat

    Kennt jemand von euch einen Ansatz, einen Gedanken, eine Strategie, eine Therapieform, die da hilfreich ist?

    Es gibt eine modellhafte Betrachtungsweise mit einem Konzept vom "inneren Kind" bei Erwachsenen.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind


    Dort stehen in einem Überblicksartikel viele weitere Hinweise, die vielleicht interessant sind. In der Fachliteratur (z.B. Bibliothek, um mal zu blättern) noch mehr.


    Ach und: willst du wirklich seine Psychoanalytikerin sein/werden? Vielleicht ist er ja "im Normalbereich" und du bist zu ernst, diszipliniert und beziehungstechnisch zu "festgefahren", legst dann aber deine Maßstäbe von Treue an? Bevor du also seine Psyche bewertest: vielleicht braucht er einfach nur die passende Partnerin, die auch diese Seite von ihm schätzt. Er muss sich ja nicht die treuefordernsten Frauen der Welt aussuchen.


    Wann wird es für ein Problem:

    Zitat

    Es ist ein Grund, WENN er ausreichend unter seinem eigenen Verhalten leidet und es nicht schafft den Teufelskreis selbst zu durchbrechen.

    Das sehe ich auch. Aber die Lösungsansätze sind sehr vielfältig.

    Ich glaube z.B., dass solche Charaktere gut in diesen Berufen arbeiten könnten: Schauspieler, Clown, Comedian (Kaya Yanar oder Bülent Ceylan oder Mario Barth stelle ich mir quasi genau so vor, wie du es oben beschrieben hast), Tänzer, Zirkus, Künstler.


    Und dort können solche Charaktere auch ein Umfeld finden (erst über die Arbeit, dann über Kollegen, dann werden diese auch zu seinem sozialen Umfeld), wo sie sich verstanden und gut aufgehoben fühlen. Ohne dass sie eine Therapie brauchen, die sie "auf Linie" zu bringen versucht, es sei denn, sie wünschen sich selbst diese Disziplinierung.

    Vielleicht solltest du eher bei dir bleiben, upela. Denn an sich hast du ja ein Anliegen und Problem.


    Du hast das Anliegen, deinem Ex und Vater eures Kindes etwas empfehlen zu wollen, ihm zu helfen. Es ist damit ein Anliegen von dir. Er kann sich hier ja nicht über sich äußern und deine Einschätzungen durch seine ergänzen. Ich würde sagen, dieser Faden ist damit eher über dich und deinen Umgang mit der Welt, über dein Verhalten, als über ihn und sein Verhalten.


    Ein interessantes aktuelles Buch dazu aus der Spiegel Beststeller-Liste:


    Stefanie Stahl - "Das Kind in dir muss Heimat finden", gleich mit reißerischem Untertitel "Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme".


    Wer sich ne Stunde Gespräch mit der Autorin schon mal für lau anhören will und es eher mit Videos statt mit Lesen hat:


    https://www.youtube.com/watch?v=kZi8Pylk8q0


    https://www.youtube.com/watch?v=EGckpW_tk1w


    Sonst kannst du ihm vielleicht dieses Forum hier empfehlen, dann kann er sich mit seinem Anliegen hierher wenden, wenn er das als hilfreich einschätzt.

    Er ist doch schon groß und kann machen was er will, das ist nur seine eigene Sache. Wenn er angeblich unter eigenen Handlungen leidet, dann ist es an ihm irgendwas zu machen. Das hat aber mit Außenstehenden nun einmal nicht das Geringste zu tun. Seid ihr denn noch befreundet, oder wieso spielst du das Spielchen Schulter zum Ausweinen als Ex überhaupt mit?