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    Mir hat es geholfen, daß ich bewußt das Thema Nacktheit bearbeitet habe, sprich: nackt Duschen im Hallenbad/ beim Sport, auch auf Gefahr einer Erektion hin, FKK erst ganz versteckt, dann nach und nach mit Gewöhnung auch ohne "Vorsichtsmaßnahmen", Sauna usw.

    Ich war schon als Kind am FKK (bin so erzogen worden), bin heute immernoch bekennender FKKler, gehe gern in Nacktthermen und hatte nie ein Problem damit, nackt zu duschen und trotzdem "leide" ich an Paruresis.

    Die Ursachen sind vermutlich im Einzelfall sehr spezifisch.


    Das Einzige was ich mir bei mir als "Psychische" Ursache vorstellen kann ist eben, dass es mir unangenehm ist, mich komplett nackt anderen zu zeigen. Aber da hat wohl jeder seine eigenen Ursachen....

    @ BeccuPu

    Falls du tatsächlich in nächster Zeit eine Therapie machst wäre es nett wenn du darüber berichten kannst. Gerne auch per PN.


    Werde jetzt erstmal noch selber versuchen zu üben...aber wenns garnicht besser wird könnte ich mir auch vorstellen dass ich die Zähne zusammen beiße und so eine Therapie durchziehe...auch wenns für mich einfach peinlich und vielleicht auch teuer wird.

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    Inzwischen hab ich es geschafft, daß ich mich einfach hinstelle und es versuche, mal geht's, mal nicht, manchmal braucht's einfach 'nen Moment länger, und ist der Anfang erst geschafft, dann läuft's auch weiter.

    Heute mal wieder erlebt ... minutenlange Blockade nach der Theatervorstellung :-(


    Aber irgendwann lief's dann doch und alles war gut. Mittlerweile war ich auch allein in der Toilette. Irgendwie wird man das Problem wohl nie so ganz los ...

    Ich bin auch davon betroffen aber habe es (weitgehend) überwunden. Allerdings kann man diese Neigung dazu mMn nicht komplett ablegen denn es ist denke ich auch Ausdruck eines sensiblen Charakters der ja auch viele Vorteile hat. Man sollte das also nicht zu hart für sich verurteilen :-)


    Was mir besonders geholfen hat bzw. wo ich tatsächlich einen Aha-Effekt hatte: Ich bin auf eine Toilette gegangen wo extrem viel los ist, viel kommen und gehen, quasi ganz anonym. Das kann z.B. eine Toilette am Flughafen sein o.ä.


    Dann kannst du dort auch erstmal nur Hände waschen und mal beobachten wie die Leute so kommen und gehen und ob die sich gegenseitig beachten. Du wirst feststellen, dass die alle ganz gut mit sich selbst beschäftigt sind.


    Beim nächsten Mal kannst du an ein Pissoir gehen (ohne groß zu müssen) und dich einfach mal davor stellen, sogar ohne deine Hose aufzumachen. Oder du machst sie dann ganz langsam und gemütlich auf, lässt dir ganz viel Zeit und beobachtest aus den Augenwinkeln mal was die anderen so machen. Dann holst du ein bestes Stück raus und hast innerlich gar nicht unbedingt vor zu pinkeln, einfach mal wirken lassen die Situation. Im Idealfall fällt irgendwann die Anspannung von dir ab, das spürt man dann schon deutlich und ist wahrscheinlich mit Leuten vergleichbar die man ihrer Höhenangst so lange aussetzt bis sie nachlässt.


    Wenn du das obige ein paar Mal machst wirst du zum einen feststellen, dass die "schlimme" Situation immer weniger schlimm wird. Außerdem werden dir zig Männer auffallen die halbe Ewigkeiten vor dem Pissoir stehen und erstmal nicht können. Ich habe das wirklich oft erlebt und das hat mir total geholfen.


    Irgendwann kannst du natürlich dann auch mal aus der Trockenübung eine "Feuchtübung" machen und mit viel Blasendruck auf die besagte Toilette gehen, dich wie immer davorstellen und einfach mal warten wann es denn kommt. Im Idealfall kommt es dann irgendwann und das Erfolgserlebnis wird dir bleiben.


    Je nach Schweregrad der Paruresis kannst du natürlich auch gleich zur Feuchtübung übergehen aber manche Leute kriegen ja schon nen Anfall wenn sie eine öffentliche Toilette sehen. Bei denen ist so ein herantasten sicher sinnvoller.


    Wenn du diese Situation mit Fremden beherrschst dann kannst du das ausweiten und mit Freunden aufs Klo gehen und mit denen üben ohne das sie ahnen das sie dein Pee-Buddy sind ;-) Du kannst es natürlich auch einem erzählen und ihn bitten mit dir zu üben, aber das hab ich mich zb nicht getraut.


    Am Ende konnte ich eine ganze Zeit lang wirklich komplett ohne Probleme aufs Klo gehen, aber wenn man ne Weile keine öffentlichen Toiletten aufsucht verschärft es sich unter Umständen wieder. Bei mir hat es sich jetzt so eingependelt wie es Schwarz beschrieben hat, mal geht es, mal hab ich auch keine Lust mich zu den zehn andernen zu stellen und gehe lieber in die Kabine. Warum auch nicht? Es ist je nach Klo ja auch wirklich zum Teil total abartig, vor allem bei Pissrinnen. Mit Pissoirs mit Trennwand hab ich aber echt kaum noch Probleme :-)


    Ich hoffe das hilft dir etwas, sorry ist bisschen lang geworden.

    Das kann ich voll und ganz unterstützen! Genau so geht's, üben, üben, üben - mit den beschriebenen kleinen "Selbstüberlistungen" als Hilfestellung!


    Und genau: ein bißchen was bleibt einem wohl, wie mein Beitrag von gestern abend eben auch zeigen sollte.


    Also: nur Mut, vermutlich braucht es nicht mal die Hilfe eines teuer bezahlten (Verhaltens-)Therapeuten!