Werde ich verrückt? Seltsame "Halluzinationen" seit Todesfall

    Liebe alle,

    ich habe lange geschwiegen, aber so langsam wird der Leidensdruck zu groß. Und nachdem ich es heute geschafft habe, meinem Arbeitskollegen davon zu erzählen, dachte ich, ich frage mal virtuell nach Ideen und mache mir die Anonymität des Internets zunutze.


    Kurz zur Vorgeschichte: Im Sommer letzten Jahres starb eine sehr nahestehende Person ganz plötzlich und unerwartet, recht jung. Ich durchlebte alle möglichen Phasen. Trauer, regelrechte Depression (Antriebslosigkeit, Schlafstörung etc, was halt alles dazu gehört), Aggression und mittlerweile bin ich bei Verlustangst angekommen.

    Zwei Monate nach dem Todesfall fing es an. Ich war draußen unterwegs und sah plötzlich eine Frau, die ca. 50 Meter vor mir lief, zusammensacken. Ein paar Schrecksekunden später sah ich, dass sie ganz normal weiter ging und ein Paar, das mir entgegen kam und das auch hätte sehen müssen, reagierte ebenfalls nicht. Es war also offensichtlich alles nur Einbildung gewesen.

    Ich verdrängte das recht schnell... bis es wieder passierte, etwa zwei Wochen später. Und dann wieder... und wieder... in immer kürzeren Abständen sah ich Menschen zusammenbrechen, stolpern oder umkippen, ob auf der Straße, im Supermarkt, auf der Arbeit oder einmal sogar den Busfahrer, nachdem er an der roten Ampel gehalten hatte. Jedes Mal konnte ich diese Bilder mit mehrmaligem blinzeln, kneifen oder mich sonst wie in die Realität zurückholen vertreiben.

    Mittlerweile passiert es mir jeden Tag und das Schlimmste ist, dass es sich in diesen Sekunden so verdammt realistisch anfühlt. Im Nachhinein greift immer das Logikzentrum meines Gehirns ein und sagt mir, hey, alles okay, da war mal wieder nichts. Aber in dem Moment ist da nur Schock, Hilflosigkeit und nicht selten endet das ganze in einer Panikattacke.

    Bitte, bitte helft mir. Ich glaube, ich werde verrückt. Einen Termin bei einer Psychologin habe ich am Mittwoch, und wenn ich es schaffe, werde ich es da ansprechen... aber vielleicht habt ihr ja ein paar beruhigende Worte für mich? Ich wäre euch sehr dankbar. Was ist nur los mit mir? Mir macht das Angst!

  • 12 Antworten

    ich persönlich kann dir da nicht wirklich weiterhelfen, aber als Laie denke ich:

    du erlebst ja immer wieder die gleiche situation - ein mensch bricht plötzlich zusammen/gerät in eine notsituation und scheint hilfe zu brauchen. da dass erst nach dem plötzlichen todesfall immer wieder aufgetreten ist, würde ich da schon einen zusammenhang vermuten: dass dich dieser todesfall immer noch sehr beschäftigt und du das beständig mit dir herumträgst.

    wie ist denn die nahestehende person zu tode gekommen? in ähnlicher form - ist sie vielleicht auch plötzlich zusammengebrochen und dann kurz darauf verstorben?

    vielleicht geht dir immer noch unbewusst im kopf herum, dass du, wenn du zufällig da gewesen wärest, es hättest verhindern können. (also quasi: deine psyche konstruiert situationen in denen du das vermeintlich "wieder gutmachen könntest" - auch wenn du natürlich nicht die geringste schuld an diesem tod hast)


    ich würde das auf jeden fall bei deinem termin beim psychologen ansprechen.

    Es gibt Halluzinationen als Begleiterscheinung von einer Depression.

    Mit Medikamenten und einer Gesprächstherapie kann man das zum Stillstand bringen.

    Wie going schon schrieb erlebst du immer die selbe Situation. Da wir nicht wissen wie es zu dem Todesfall in deinem Umfeld kam würde ich mal vermuten das diese Halluzinationen ein Symbol für die Hilflosigkeit deiner Psyche sind.

    Wie dem auch sei, du brauchst fachliche Hilfe. Aber mach dich bis zu dem Termin nicht verrückt denn du hast ja durchaus erkannt das nichts in der Realität passiert.

    Wichtig ist aber auf jeden Fall das du das ansprichst. Du brauchst vermutlich geeignete Medikamente.

    Alles Gute

    Das Gute ist.... es handelt sich dabei offenbar um Pseudohalluzinationen, heißt: du weißt, dass es Halluzinationen sind. Sonst würdest du vermutlich auch nicht blinzeln oder dich kneifen sondern sofort zur Hilfe eilen wollen.


    Ich kenne optische Halluzinationen bei mir im Rahmen einer Psychose. Ich habe Dinge gehört und gesehen, von denen ich bis heute nicht weiß, ob sie real oder Einbildung waren, was schon hart ist.


    Es tut mir leid, dass der Verlust einer nahestehenden Person bei dir solche Wunden hinterlassen hat. Sprich das auf jeden Fall bei deiner Psychologin an.


    Ich hatte das Glück, dass mein Psychiater bei meinem ersten "Hallu-Erlebnis" gelassen blieb und abgewartet hat, ob es sich in die positive oder negative Richtung ändert.


    Sprich mit der Psychologin darüber. Je früher, desto besser. Vielleicht könnt ihr gemeinsam deine Trauer, deinen Schock soweit bewältigen, dass diese Halluzinationen sich auflösen.


    Alles Gute. @:)

    Was bedeutet positiv oder negativ in dem Zusammenhang?

    Ist positiv etwas nur wahrzunehmen, aber eben nichts zu machen?

    Ich hatte eine Kollegin die in einer Psychose war und extrem unruhig war.

    Die hat zum Beispiel laufend Dinge versteckt, damit die (keine Ahnung wer) sie nicht finden. Die fühlte sich auch sehr verfolgt und wurde agressiv, wenn sie meinte jemand ärgert sie absichtlich.

    Plüschbiest schrieb:

    Was bedeutet positiv oder negativ in dem Zusammenhang?

    mit positiv meinte ich "Symptome gehen zurück" und mit negativ "Symptome werden stärker".


    Letztendlich war es eindeutig, da ich auch aggressiv wurde durch den Wahn.


    Was positiv ist hängt vielleicht auch davon ab, auf welchem Stand man ist. Mittlerweile kann ich mit Geräuschen, die nicht da sind, gut umgehen. Weil ich viele davon ja zuordnen kann als "hörst du nur, is nich". (= positiv)


    Vor 10 Jahren noch wäre das nicht positiv gewesen sondern neu, also scheiße.


    Plüschbiest schrieb:

    Die fühlte sich auch sehr verfolgt und wurde agressiv, wenn sie meinte jemand ärgert sie absichtlich.

    So ging es mir auch. Hab mal einen wildfremden Mann auf der Straße angemault, der hinter mir lief, weil er dachte, er verfolgt mich.


    Ist echt scheiße sowas. :-(

    Meine eher kleine und zierliche Kollegin hat war kurz davor einem.Kollegen die Hände um den Hals zu legen. Es fing an mit wildem herumklopfen auf seinen Oberkörper, dann ging es los mit an den Kragen packen und dann gingen ihre Hände Richtung Hals. Und dann kam Gott sei Dank der Chef den ich alarmiert hatte. Der hatte immer Zugang zu ihr.

    Vielen Dank für eure Antworten bis hierher. Ich weiß nicht, wie man was zitiert :=o

    going

    Ja, es beschäftigt mich immer noch sehr, allerdings mehr im Unterbewussten. Ich stürze mich in jede Ablenkung, die ich kriegen kann, weil ich die Emotionen, die mit ihrem Tod zusammenhängen, nicht ertrage und somit auch nicht spüren will. Sie ist morgens nicht mehr aufgewacht, wurde reanimiert und starb nach ein paar Tagen Koma. Keine Ahnung, ob das derartige Hallus erklärt. ":/


    pebby

    Aggressiv werde ich nicht. Mich macht es eher völlig fertig und endet, wie im Eingangspost bereits geschrieben, nicht selten in einer Panikattacke oder einem ähnlichen Gefühlsausbruch.

    Das erklärt deine Halluzinationen sehr gut.

    Anstatt zu verdrängen solltest du die Emotionen rauslassen und verarbeiten.

    Achsoallesklar schrieb:

    und endet, wie im Eingangspost bereits geschrieben, nicht selten in einer Panikattacke oder einem ähnlichen Gefühlsausbruch.

    du solltest auf jeden fall unbedingt tätig werden und das bei deinem therapeut ansprechen.

    wenn du nichts dagegen unternimmst, kann sich sowas in deiner psyche "festsetzen" und zu einem Teufelskreis werden.

    Achsoallesklar schrieb:

    Ja, es beschäftigt mich immer noch sehr, allerdings mehr im Unterbewussten. Ich stürze mich in jede Ablenkung, die ich kriegen kann, weil ich die Emotionen, die mit ihrem Tod zusammenhängen, nicht ertrage und somit auch nicht spüren will.

    das alles deutet doch sehr stark darauf hin, dass du diesen Tod noch lange nicht verarbeitet sondern eher verdrängt hast. in deinem unterbewusstsein brodelt es aber beständig weiter und sucht sich möglicherweise durch diese trugbilder seinen weg nach außen..

    durch diese bilder wiederum geräts du jedesmal in eine angstmachende, belastende situation, die dich auch gleichzeitig an den verlust erinnern. was dann wieder dazu führt, dass du angst vor der nächsten halluzination hast. wie gesagt ein teufelskreis.

    vielleicht geht das auch so in die richtung: posttraumatische Belastungsstörung.

    Du kannst per copy and paste Texte kopieren und im Antwortenfeld einfügen.

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    An deiner Stelle würde ich Therapie machen.

    Diese Halluzinationen können eine Folge vom Schock und der Trauer sein.