Werde immer mehr hasserfüllter

    Hallo,

    ich bin 33 Jahre, männlich, und habe immer mehr das Problem, dass ich mehr und mehr hasserfüllter werde. In der Schulzeit war ich Aussenseiter und wurde sehr oft gemobbt. Das hat mich geprägt und verfolgt mich immer noch bis heute. Bisher habe ich das immer gut verdrängen können und mich ablenken können. Ich bin erst mit 30 Jahren ausgezogen, habe mich mit meiner Mutter gut verstanden, weshalb ich diese Mobbingerfahrung gut verdrängen konnte, da ich jmd. hatte, dem ich mich anvertrauen konnte. Ich habe bis heute keine Freundin gehabt bzw. sexuelle Erfahrungen sammeln können. Die paar Freunde, die ich habe, bei denen zweifel ich leider immer mehr, wenn ich alles so revue passieren lasse, ob die meine Freundschaft ernst meinen. Auf der Arbeit im Einzelhandel, gerate ich in letzter Zeit sehr oft mit Leuten aneinander, weil ich glaube dass ich ungerecht bzw. herablassend behandelt werde. Da ist jetzt das eigentliche Problem weshalb ich hier schreibe: Wenn ich abends zuhause und ich nicht wirklich abschalten kann denke ich immer wieder an Konfliktsituationen/Mobbinsituationen und werde dermassen hasserfüllt, dass ich die grausamsten Gewaltfantasien bekomme, in denen ich mich an allen räche,die mich jemals von oben herab behandelt haben/gemobbt haben wie auch immer. Was mir Sorgen macht, ist dass das schon kleinste Dinge, seien es Niederlagen bei FIFA 19, schon drängen sich bei mir im Kopf die Gesichter der Mobber auf und im Kopf gehen diese mörderischen Hassgedankenfilme ab. Sowas kannte ich garnicht, warum kommen diese Gedanken jetzt so vermehrt auf? Das zermürbt mich, es ist wie eine tickende Zeitbombe...ich habe Angst, dass das irgendwann in real passiert. Ich möchte einfach nur normal behandelt werden......

  • 14 Antworten

    Hast Du mal über eine Therapie nachgedacht? Die scheint mir sehr nötig zu sein. Solche Erfahrungen wie Du gemacht hast prägen einen nachhaltig und das was Du beschreibst sind dann halt häufige Folgen davon. Wenn Du willst dass Dein Leben auf eine gute Bahn gerät solltest Du da aktiv gegensteuern, und dsa betrifft nicht nur diese Rachegedanken, sondern alle Probleme, die da insgesamt so auftreten, es ist ja ein großes Ganzes.

    Nachtrag - und da denk mal bitte ernsthaft drüber nach - es ist der absolut typischen Kern von Störungen wie Narzissmus, Stalking, bis hin zu Amokläufen etc., dass der Betroffene sich als Opfer und die Welt in einer Schieflage empfindet. Genau das beschreibst Du eigentlich. Wobei man das ja auch nicht so einfach ausradieren kann, Du warst ja auch ein Stück weit Opfer. Aber da muss man nun konstruktiv dran arbeiten.

    Manchmal ist auch der Dopaminspiegel etwas aus dem Gleichgewicht. Dann ist man schnell wütig , aufbrausend.


    Unbedingt mal zum Arzt und Probleme ansprechen.

    Und Therapie könnte dir helfen alles gelassener zu sehen. Ein gutes Selbstbewusstsein aufzubauen - dann ist dir egal wie andere über dich denken.

    Normalo84 schrieb:

    .ich habe Angst, dass das irgendwann in real passiert. Ich möchte einfach nur normal behandelt werden......

    privat


    Ich bin der Ansicht das du dir psychologische Hilfe holen solltest, dass mit deinem Hausarzt und auch einem Psychologen besprichst und das du dann mit einem Psychologen an deinem Hass arbeitest.

    An dem Beispiel zeigt sich mal wieder, dass mit "verdrängen" nie das Problem gelöst wird. Man steckt es nur in eine Schublade, die nie richtig zugeht.


    Eine Psychotherapie wäre jetzt wichtig, dass Du mit Deiner Vergangenheit aufräumen kannst. Am Besten, Du gehst zu Deinem Hausarzt.und sprichst mit ihm, er wird Dir eine Überweisung zum Neurologen geben.


    Alles Gute! *:)

    Lieber Normalo,


    Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich wurde früher auch in der Schule gemobbt, weil ich klein und gut in der Schule war und das war anscheinend schon genug Grund, mich ständig auszuschließen und fertig zu machen. Obwohl ich heute mit Wohnung, Partner und Beruf voll im Leben stehe, träume ich ab und an noch von der schlimmen Zeit. Mir selbst hilft es sehr, dann noch am gleichen Tag mit meinem Freund oder meiner Mutter sehr detailliert über diesen Traum zu sprechen. Das wirkt wie eine Therapie bei mir.

    Kannst du mit jmd über das Mobbing reden? Stand früher jmd hinter dir?


    Dann das Thema mit dem Einzelhandel. Kann ich auch gut verstehen, denn ich arbeite auch in der Branche und wenn man einen schlechten Tag hat, reagiert man auf viele Sachen von Kunden viel gereizter als wenn man gut drauf ist.

    Bist du denn insgesamt glücklich in dem Beruf? Also ich persönlich kann mir nicht vorstellen in diesem schlecht bezahlten undankbaren Job bis zur Rente zu arbeiten.


    Dass du deinen Freunden misstrauisch gegenüber bist, ist schade. Hast du konkrete Beispiele, die zeigen, dass du tatsächlich ausgenutzt wirst. Oder ist es nur ein Gefühl?


    Was machst du denn so in deiner Freizeit, am Wochenende und so?

    Danke für eure Antworten,

    ich denke es führt wohl wirklich kein Weg an einer Therapie vorbei. Dazu beigetragen hat wohl meine Erziehung. Ich kann meinen Eltern keinen Vorwurf machen, aber wahrscheinlich wurde ich zu überbehütet und von der Realität bzw. normalen Konflikten ferngehalten. Da ich so erzogen bin, brav und lieb zu sein und niemals böse zu jmd. zu sein, sprich immer ja und amen zu sagen, sehe ich jetzt andere Leute, auch Mobber, die durch Ihren Weg auch mal auszuteilen, auch weit gekommen sind im Leben , manche wohl weiter als ich. Das verkrafte ich wohl nicht und empfinde es eher als ungerecht. Das ist so meine Theorie....

    Braunesledersofa schrieb:

    Dass du deinen Freunden misstrauisch gegenüber bist, ist schade. Hast du konkrete Beispiele, die zeigen, dass du tatsächlich ausgenutzt wirst. Oder ist es nur ein Gefühl?

    Diese besagten Feunde, kenne ich von meiner Schulzeit. Als das mit dem Mobbing in der 6.-7. Klasse angefangen hat, habe ich mich denen angeschlossen/versteckt, weil die ähnlich zurückhaltender und ruhiger waren wie ich und die am Mobbing nicht beteiligt waren. An diese beiden hat man sich aber irgendwie nicht herangetraut. Jedoch sind sie, anders wie ich, nur vom Vater großgezogen wurden und denen wurde schon früh, wahrscheinlich durch Kampfsport, eine Art Kämpfermentalität beigebracht. Über die Jahre hinweg hat sich halt wohl automatisch eine Hierarchie gebildet, bei denen ich trotzdem eher unten war. Aber das das so sein könnte, ist mir leider erst sehr viel später klar geworden.


    Das ist schwer zu beantworten, habe die Antworten von euch, heute morgen gelesen, und bin bis jetzt am überlegen wie ich das am verständlichsten schreiben könnte...

    JohnCrossaint schrieb:

    Etwas OT aber die Welt IST DEFINITIV in Schieflage. Die Frage ist nur ob man erkennt, dass man nicht der/die einzige ist dem übel mitgespielt wird.

    Was bedeutet die Abkürzung "OT"?

    Braunesledersofa schrieb:

    Was machst du denn so in deiner Freizeit, am Wochenende und so?

    Ich gehe in Fitnessstudio und bin Fußball-Fan. Sofern ich nicht Samstags Spätschicht habe, gehe ich abends meistens in eine Disco oder Kneipe und trinke mir ein Bier. Ansonsten habe ich keine wirklichen Hobbies.

    Normalo84 schrieb:
    Braunesledersofa schrieb:

    Was machst du denn so in deiner Freizeit, am Wochenende und so?

    Ich gehe in Fitnessstudio und bin Fußball-Fan. Sofern ich nicht Samstags Spätschicht habe, gehe ich abends meistens in eine Disco oder Kneipe und trinke mir ein Bier. Ansonsten habe ich keine wirklichen Hobbies.

    Das klingt aber schon nach einem guten sozialen Leben. Viele Leute versauern zuhause, aber du scheinst ja schon Kontakt zur Außenwelt zu haben. Wahrscheinlich bist du dann ja auch mit Leuten unterwegs. Weißt du eigentlich, wie viel das wert ist?


    Wie glücklich bist du denn in deinem Job generell?

    Ähmm halt..ich gehe alleine abends raus, eben weil der eine erwähnte Kumpel zweifacher Vater ist und ausserdem in einer anderen Stadt wohnt, und der Andere nur arbeitet und froh ist wenn der zuhause ist. Zwei andere Freunde sind auch liiert und sind auch ...wie nennt man ...Coach-Potatoes...also sind froh wenn sie mit ihrer Partnerin abends kuscheln können.

    Ich komme zwar trotzdem ins Gespräch mit Leuten, aber die sind verwundert und teilweise schockiert, wie man denn alleine in der Kneipe/DIsco sein kann...am liebsten..ist ja klar...versuche ich weibliche Bekanntschaften zu machen, ist aber auch eher schwerer.

    Braunesledersofa schrieb:

    Wie glücklich bist du denn in deinem Job generell?

    Ja geht, es gibt Kollegen die nett sind...der normale Alltagstrott eben. Ich möchte gerne mehr Geld verdienen, weshalb ich überlege nächstes Jahr zu studieren, bin aber weger der Kosten unsicher.

    Normalo84 schrieb:

    ich denke es führt wohl wirklich kein Weg an einer Therapie vorbei. Dazu beigetragen hat wohl meine Erziehung. Ich kann meinen Eltern keinen Vorwurf machen, aber wahrscheinlich wurde ich zu überbehütet und von der Realität bzw. normalen Konflikten ferngehalten. Da ich so erzogen bin, brav und lieb zu sein und niemals böse zu jmd. zu sein, sprich immer ja und amen zu sagen, sehe ich jetzt andere Leute, auch Mobber, die durch Ihren Weg auch mal auszuteilen, auch weit gekommen sind im Leben , manche wohl weiter als ich. Das verkrafte ich wohl nicht und empfinde es eher als ungerecht. Das ist so meine Theorie....

    ja, das klingt plausibel.

    Ich kenne das von meinem Ältesten. Manche Personen sind, nur weil sie so sind, wie sie sind, das typische Angriffsziel für Mobbing und noch mehr. Wir konnten ihn nicht davor schützen. Er hat sich irgendwann in sich zurück gezogen, das war seine konsequente Reaktion darauf. Es wurde immer schwerer, an ihn heranzukommen. Er konnte auch nicht mehr herzlich lachen. Wenn er sich lustige Filme ansah, war es kein herzliches Kinderlachen sondern eher eine Art Bellen oder Schreien. Mir zerbrach jedesmal beinahe das Herz, wenn ich das gehört habe. Er hat auch eine Art Verhaltensstörung entwickelt.

    Aber er hat sich dann mehreren Vereinen angeschlossen, hier ist er sehr aktiv und das tut ihm sehr gut. Er ist wieder gerne unter Menschen. Zwar ist er als Persönlichkeit nicht auf dem Stand, die ein junger Mann in seinem Alter haben sollte, aber er ist auf dem richtigen Weg und hat wieder Frohsinn entwickelt.

    Vielleicht muss man es auch einfach hinnehmen, sofern es nicht mehr änderbar, weil vorbei ist, dass man zur Personengruppe gehörte, die Mobber anzieht? Dass diese Mobber einen vielleicht nicht einmal persönlich meinten, sie kannten einen ja gar nicht?!

    Es ist ja bereits geschehen?! Vielleicht sollte man deshalb nur noch nach vorne schauen und nicht nur zurück? (Mir ist klar, dass das fast unmöglich ist). Vielleicht sollte man diese Phase im Leben hinnehmen wie einen schweren Unfall, an dem man unschuldig war und an dem man immer noch laboriert? Ich weis es nicht. Jedenfalls halte ich es für die persönliche Entwicklung nicht toptimal, wenn man sich hinter dem Rechner verkriecht und nur in dieser Welt lebt. Das machte und mach mein Sohn leider auch. Ich glaube, man muss sich beschäftigen, man muss, wann immer es geht, in der Freizeit unter Menschen um den Umgang damit wieder zu erlernen und um Vertrauen zu entwickeln.

    Normalo84 schrieb:

    Da ich so erzogen bin, brav und lieb zu sein und niemals böse zu jmd. zu sein, sprich immer ja und amen zu sagen, sehe ich jetzt andere Leute, auch Mobber, die durch Ihren Weg auch mal auszuteilen, auch weit gekommen sind im Leben , manche wohl weiter als ich. Das verkrafte ich wohl nicht und empfinde es eher als ungerecht. Das ist so meine Theorie....

    Da ist auch etwas dran, nur gibt es ja nicht nur diese zwei Extreme. Austeilen, sich abgrenzen und zu seiner Meinung zu stehen, heißt nicht, dass es übergriffig sein muss. Selbstbewusste Menschen treten andere verbal nicht in den Boden oder noch schlimmer, durch körperliche Gewalt. Das ist ja nicht das Ziel. Es soll dir ja gut gehen. Du will doch glücklich und zufrieden sein. Ein Mobber vergiftet seine eigene Welt. Der hat sozusagen seine Giftbrille auf, deswegen kann er auch nur Gift spucken. Das sind arme Menschen. Ob dieses Gift nun auf andere wirkt oder nicht, hat aber nichts mit dem Mobber zu tun, sondern einem selbst. Es ist ihre schlechte Laune. Wenn man aber selbst keine andere Einstellung hat, dann wirkt das Gift und man giftet sich dann gegenseitig an oder fühlt sich herabgesetzt. Andere können einen nicht herabsetzten. Dazu ist ein gesundes Selbstbewusstsein nötig. Es braucht die richtige Einstellung und nachdem du dich noch mobben lässt und keine andere Lösung, als mit noch einer härteren Methode zurückzuschlagen, was ja völllig verständlich ist, denn es ist ein Scheißgefühl, wenn man ständig abgewertet wird, dann wird das natürlich immer schlimmer für einen. Ich denke also auch, dass du in einer Therapie mal die Mobbing- und Erziehungsgeschichte aufarbeiten könntest und dann ein gesundes Selbstbewusstsein.


    Normalo84 schrieb:

    Jedoch sind sie, anders wie ich, nur vom Vater großgezogen wurden und denen wurde schon früh, wahrscheinlich durch Kampfsport, eine Art Kämpfermentalität beigebracht. Über die Jahre hinweg hat sich halt wohl automatisch eine Hierarchie gebildet, bei denen ich trotzdem eher unten war. Aber das das so sein könnte, ist mir leider erst sehr viel später klar geworden.


    Das mag alles stimmen und natürlich spielt die Erziehung eine Rolle, aber du bist ja jetzt kein Kind mehr und kannst dich quasi selbst erziehen und dir in einer Therapie dabei helfen lassen. Du muss nur entscheiden, dass du etwas ändern willst. Und nein, es ist nicht einfach, aber zumindest für mich nicht so schwer, sich so abhängig von der Meinung anderer zu machen.