Wie Angehörigem mit Depression helfen

    Hallo liebes Forum,


    ich hoffe hier sehr auf Rat von anderen Angehörigen, oder sogar selbstbetroffenen. Mein Vater ist schwer depressiv. Seit drei Jahren ist er immer wieder stationär in Therapie, mal geht es besser, dann kommt wieder eine ganz schlimme Zeit. Nun musste er wieder eine ganz schlimme Phase durchmachen, sodass er wieder stationär in Behandlung ist. Zum ersten Mal werden EKTs angewendet. Er spricht auf diese Therapieform sehr gut an, bereits nach der ersten EKT-Behandlung haben wir ihn so gut wie lange nicht mehr erlebt.


    Dann kam der Schlag ins Gesicht. Mein Vater ist verbeamtet und soll in den einstweiligen Ruhestand (was immense finanzielle Einbußen bedeutet) versetzt werden, da er so lange erkrankt ist/war. Da er Alleinverdiener einer Großfamilie ist und vier Kinder in Studium/Schule finanziert, hat ihn das nun wieder total runtergezogen, da er sich nun wieder als Versager vorkommt, der seine Familie im Stich lässt.


    Was können wir als Angehörige dafür tun, um ihn zu stabilisieren und den Erfolg der EKT-Therapie beizubehalten?


    Eine befreundete Psychotherapeutin gab mir nur den Rat "mir den Schuh mit dem depressiven Angehörigen nicht zu oft anzuziehen, da diese so manchmal ihre Angehörigen quasi mit in die Depression reißen".


    Ich würde gerne von Betroffenen wissen, was man aktiv als Angehöriger tun kann, um einer depressiven Person zu helfen.


    Vielen Dank und liebe Grüße,


    Isa

  • 9 Antworten

    Tatsächlich war mir als betroffener wichtig, dass man sich nicht zu sehr einmischt.


    Kommentare wie : ja da musst du durch, geh doch mal raus, mach doch mal was usw


    Haben mich unheimlich frustriert. Das muss schon alles aus einem selbst kommen.


    Genauso der satz : wir haben angst dass du dir was antust


    Total bescheuert...kriegte ich gesagt, dabei wollte ich mir nie aktiv etwas antun. Am liebsten war mir wenn meine familie ihr leben normal weiter gelebt hat, mich alle paar wochen fragte wie die thrrapie läuft und das wars.


    Mir wärs sogar lieber gewesen wenn sie mich KOMMENTARLOS im eigenen dreck versinken lassen... denn nur so erkennt man seine baustellen wirklich.

    Zitat

    Mir wärs sogar lieber gewesen wenn sie mich KOMMENTARLOS im eigenen dreck versinken lassen.

    da verlangst du aber zuviel von deinen Angehörigen, das kann niemand, außer er ist völlig emphatielos.

    Naja aber lieber versinke ich in meinem dreck als noch als messi oder schlampe beschimpft zu werden.


    Das war definitiv keine grosse hilfe seitens meiner familie.


    Denn schuldgefühle hat man schon genug.


    Ich kann halt nur aus meiner situation heraus berichten...

    Rat für Angehörige weiß ich keinen. Konsequenz für Angehörige: sich von der Depression nicht beeinflussen lassen und das eigene Leben so schnell es geht auf eigene Beine stellen, sprich nicht auf die Finanzen von Vater angewiesen sein. Wahrscheinlich zieht ihn der Druck für seine Kinder zu sorgen eher herunter als ein Ansporn zu sein, sich der Arbeitswelt zu stellen.


    Traurig, dass vor den Krankschreibungen, Krankenhausaufenthalten keine anderen Therapieversuche erfolgten. Oder ist er etwa ein bereitwilliges Versuchskaninchen für eine Universitätsklinik? Würde mich beim Beamtenstatus nicht wundern.

    Zitat

    Eine befreundete Psychotherapeutin gab mir nur den Rat "mir den Schuh mit dem depressiven Angehörigen nicht zu oft anzuziehen,... ".

    Finde ich einen guten Rat. Als selbst Angehörige kenne ich die Problematik. Ich neige dazu, selbst zu viel einwirken und die Menschen dazu bringen zu wollen, die Dinge doch mal von der und der Seite zu sehen und versuche dann 20.000 und noch 3 weitere Möglichkeiten zu finden, um zu zeigen, dass das doch alles gar nicht so schlimm und schwer ist.


    Mach das nicht! Das ist nur anstrengend für alle Beteiligten und hilft niemandem. Bittere Erkenntnis, aber wohl eine wahre Erkenntnis.


    Ich habe für mich noch keinen wirklichen Umgang gefunden, außer Abstand und Abgrenzen und darauf schauen, dass es erstmal mir gut geht.


    Dein Vater muss da alleine herausfinden, am Besten mit professioneller Hilfe. Mach dir bewusst, dass du sie ihm als Tochter nicht wirst geben können. @:)

    Zitat

    Da er Alleinverdiener einer Großfamilie ist und vier Kinder in Studium/Schule finanziert, hat ihn das nun wieder total runtergezogen, da er sich nun wieder als Versager vorkommt, der seine Familie im Stich lässt.

    na da kann man mal sachlich darüber reden. Denn wenn er weniger verdient, bekommt ihr eventuell Bafög.... gibt es in Deutschland ja, damit jeder studieren kann.

    Zitat

    Mein Vater ist verbeamtet und soll in den einstweiligen Ruhestand (was immense finanzielle Einbußen bedeutet) versetzt werden, da er so lange erkrankt ist/war.

    auch das kann man im Gespräch mal objektivieren. Ein Beamter erhält 100% Krankengeld, während ein Angestellter nach 6 Wochen nur noch so um die 60% bekommt. Wenn dein Vater lange schon nicht mehr arbeiten kann (für "normale" Arbeitnehmer ist nach 75 Wochen Schluss mit Krankengeld), dann ist es doch objektiv betrachtet, verständlich, dass auch der Arbeitgeber von Beamten irgendwann mal eine Lösung herbei führt. Im vorzeitigen Ruhestand bekommt er doch auch noch Geld und vielleicht versetzen sie ihn erstmal nur in den einstweiligen Ruhestand und er kann wieder arbeiten, wenn er gesund ist.


    Wichtig ist glaube ich, dass er von dem Gefühl: ich bin nutzlos, kann die Familie nicht mehr ernähren weg kommt. ER ist krank und darf/ soll sich erstmal um die Genesung kümmern.


    Was ist mit seiner Frau, wenn die Kinder schon studieren, vielleicht kann sie ja arbeiten gehen und den finanziellen Verlust etwas ausgleichen. Es gibt immer mehrere Wege. ":/

    Im depressiven Zustand erlebt man oft Kleinigkeiten des täglichen Lebens als schier unüberwindliche Barrieren. Das kann ein notwendiges Telefonat, ein Arztbesuch, eine bereits akzeptierte Einladung bei Freunden o.ä. sein. Diese Dinge kann man Deinem Vater abnehmen bzw. ihn begleiten bzw. den Freunden in seinem Namen, falls so gewünscht, absagen. Das verschlimmert weder seine Krankheit noch behindert es seine Genesung, und er wird es als Wohltat empfinden. Ich weiß: Das ist wenig genug. Ansonsten kann man sich nur näher mit der Krankheit befassen, um zu versuchen, den Patienten wenigstens etwas besser zu verstehen.

    Hui, da haben schon einige in die Richtung geantwortet, wie ich es auch getan hätte: Die Person in Ruhe zu lassen (keine Motivationsversuche!), das eigene Leben soweit als möglich normal weiterzuleben (als Depressiver möchte man definitiv nicht, dass sich die Angehörigen auch noch ruinieren)