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    Was soll ich lassen? Die Geschichte? Die Tapferkeit?

    Weder noch. Dein leben zu leben als sei es eine Tragödie von Shakespeare. Das halte ich nicht für gut.


    Die Geschichte ist sehr schön geschrieben.


    Eigentlich bräuchtest Du nicht mehr Tapfer zu sein. Ich glaube schon es wäre gut, wenn Du da raus kämst. Aber bevor der Supergau eintritt, ist es natürlich besser, Du bleibst so.


    Du kannst durchaus stolz auf Deine Tapferkeit sein, auf Deine Fähigkeit etwas auszuhalten. :)^

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    Mein Therapeut hat mir vor 2 Jahren geraten, dass ich ihr mal einen Brief schreibe, den ich nicht einmal abzuschicken brauche. Ich habe das nie getan.

    Guter Vorschlag. Denk noch mal drüber nach. Ist natürlich ein Vorschlag nach Psychologenart.


    Jetzt kommt noch mal ein Vorschlag nach Mond+Sterne-Art. Schenk ihr einen Blumenstrauß. Sie hat es verdient. Sie hat Dich großgezogen. Mit ihrer Krankheit.

    Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass sie gesund ist.


    Oder dass sie wenigstens versucht, etwas gegen die Krankheit zu tun.


    Dass sie ihre Aggression erkennt und meine Hilflosigkeit.


    Mama, ich hätte mir gewünscht, dass du meine Schwäche achtest. Trost habe ich schon gar nicht mehr erwartet, ich weiß ja, dass du das nicht mehr kannst. Aber Achtung vielleicht? Respekt vor mir?


    Du hast mir so wehgetan, Mama.


    Ich wollte nicht hören, dass "alles nicht so schlimm sei", und "das ist halt so" und "man darf halt nichts erwarten". Ich wollte gerne, dass du mich ernst nimmst.


    Hast du dich nie gefragt, warum ich immer so wütend war?


    Warum verdammt war nur ich wütend? Warum warst du nicht einfach mal wütend? Hast nicht Türen geknallt und meinen Vater nicht verlassen? Warum musste ich schreien? Warum hast du nicht geschrieen? Warum wurde deine Aggression nur darin deutlich, dass du uns kein Essen kochtest und unsere Klamotten nicht waschen wolltest? Warum hast du deine ganze verdammte Aggression nicht an denen ausgelassen, die sie verursachten? Warum hast du deinen toten Bruder nicht betrauert? Warum hast du meinen Vater nicht verlassen? Warum hast du deine kranke Schwester nicht betrauert?


    Warum hast du so getan, als kämest du mit allem zurecht und zugleich hast du uns jeden verdammten Tag vorgelebt, dass du mit gar nichts zurecht kommst?


    Und du hast dich beklagt, dass ich Türen geknallt habe?


    Ich wollte warmes Essen haben. Und Geburtstagskuchen. Und ich wollte farbige Snoopyunterhosen mit auf die Klassenfahrt nehmen, ohne von dir als Schlampe beschimpft zu werden. Ich war 13, Mama. 13.


    Warum verdammt nochmal hast du deine ganze Traurigkeit runtergeschluckt und dann als Aggression wieder ausgekotzt?


    Ich liebe dich Mama.


    Aber verdammt nochmal, warum hast du das gemacht?


    Man darf nie "Ich liebe dich, aber..." sagen. Das steht in jedem Beziehungsratgeber. Und ich sage es trotzdem:


    Ich liebe dich, aber warum hast du deine Trauer nicht da gelassen, wo sie hingehörte?

    Setzen


    Ich glaube, deine Mama hat dich geliebt und wird dich immer lieben.


    Nur ist es wohl so, dass sie es nicht besser konnte bzw. wusste.


    Die Unfähigkeit ändert jedoch nichts an der Schadhaftigkeit von Dingen. Es geht nicht um Schuld, sondern um Unwissen und Unvermögen – und Krankheit.


    Man kann zwar Vieles verzeihen, aber schädliches Verhalten nur für einen begrenzten Zeitraum aushalten, ohne sich selbst dabei kaputt zu machen und sich dabei durch (passive) Zustimmung selbst schadhaftes Verhalten anzugewöhnen.

    Wow, jetzt hast Du den Brief an Deine Mutter geschrieben. Das ging ja echt flott. Unsereins kaut dafür 2 Tage am Füller. ;-D


    Also wenn Du mich fragst: Schick das Teil ab!

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    Man darf nie "Ich liebe dich, aber..." sagen. Das steht in jedem Beziehungsratgeber.

    Wirf das Teil weg! ;-D Natürlich darfst Du sowas sagen. Du bist halt noch in einem Prozess. Es ist noch nicht das letzte Wort.

    Dann kenn ich falsche Leute ":/


    Bis jetzt war es echt selten, dass eine Freundin von mir richtig Probleme gehabt hat ":/


    Ich selber hab mich nur einmal richtig mit meiner Mum gestritten in 19 Jahren (und halt das pubertäte getue ;-D )

    @ Emmi92

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    Dann kenn ich falsche Leute

    Du kennst Leute, die Glück gehabt haben,


    denn Du hast selber Glück gehabt.

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    ":/

    Menschen, die nicht soviel Glück gehabt haben oder gar Pech, wirst Du wohl kaum verstehen. So jemanden wirst Du wahrscheinlich niemals richtig kennenlernen.

    Ich hab' jetzt ein bisschen den Überblick verloren. Du willst das leben wieder an Dich ranlassen. Wie soll das gehen? Willst Du die Kämpfe mit Deiner Mutter weiter kämpfen? Real oder virtuell? Willst Du sie in den Tod begleiten? Könntest Du Dir vorstellen etwas zu tun, damit sie sich doch noch dazu entscheidet, aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun?


    Es geht viel um Deine Mutter. Was ist mit Deinem Vater? Anderen Menschen in Deinem Leben? Könntest Du etwas mehr Leben an Dich ranlassen, wenn Du mehr Nähe zu jemand anders in Deinem Leben wagst?

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    Du willst das leben wieder an Dich ranlassen. Wie soll das gehen?

    Die Mauer muss weg.

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    Willst Du die Kämpfe mit Deiner Mutter weiter kämpfen?

    Nach etwa 17 Jahren Kampf traue ich mir die Vermutung zu, dass der Kampf verloren ist, obwohl wir beide noch stehen.

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    Real oder virtuell?

    Real ist die Sache geritzt. Vorbei. Wir haben beide verloren.

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    Willst Du sie in den Tod begleiten?

    Falls sich ihr Zustand verschlechtert, werde ich bei ihr sein.

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    Könntest Du Dir vorstellen etwas zu tun, damit sie sich doch noch dazu entscheidet, aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun?

    Nein, es ist vergebens. Ein weiterer Arzt hat die Behandlung verweigert. Sie hat Termine platzen lassen. Es ist vorbei jetzt.

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    Es geht viel um Deine Mutter. Was ist mit Deinem Vater?

    Was soll mit ihm sein? Früher war er nie da, jetzt ist er schwer magersüchtig und erkennt, nachdem ihm seine Frau weggelaufen ist, dass wir anscheinend doch die einzige Konstante in seinem Leben sind. Und ihm fällt auch plötzlich ein, dass sein Vater jahrelang dement war und auf Pflege angewiesen war. Und da wird es meinem Vater schon Angst und Bange, wenn er neuerdings feststellt, dass auch er langsam vergesslich wird. Da er keine Frau mehr hat, mit der er sich ablenken kann, spürt er nun, welche Bedeutung die eigenen Kinder haben. Wir mögen einander, wir kommen klar miteinander, wir lachen miteinander. Reicht das als Information? Gut.

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    Anderen Menschen in Deinem Leben?

    Ich will keine Menschen mehr haben.

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    Könntest Du etwas mehr Leben an Dich ranlassen, wenn Du mehr Nähe zu jemand anders in Deinem Leben wagst?

    Ich müsste mehr Nähe zu mir selbst wagen, um mein Leben an mich ranlassen zu können.




    Es tut mir leid, wenn ich aggressiv klinge.


    Ich fühle mich überfordert, erschöpft, traurig, perspektivlos.