Liebe Mond+Sterne! @:) 


    Aber nach längerem Nachdenken verstehe ich die Ärzte, Kinder und den Ehemann nicht mehr.

    Zitat

    Warum kann sie eigentlich niemand verstehen?

    Ich verstehe es, wenn man die Entscheidung gegen die Bestrahlung trifft. Ich verstehe diese Entscheidung wirklich.


    Aber das große Problem ist, dass meine Mutter dies nicht entscheiden kann, da sie nicht die notwendige Gesundheit für diese Entscheidung hat. Sie ist im eigentlichen Sinne keine mündige Frau. Das erkennt man auch daran, dass sie sich immer mal wieder doch für die Bestrahlung entscheidet und diese Entscheidung dann revidiert. Sie ist sich nicht sicher. Das ist etwas anderes, als wenn sie sich der Folgen bewusst wäre und dann sagen würde: "Ich will keine Bestrahlung." Der Grund, weshalb sie die Bestrahlung ablehnt, liegt darin begründet, dass sie an Ostern erfuhr, dass sie Hautkrebs hat. Dieser wurde komplett entfernt. Im August kam dann die Diagnose Brustkrebs. Sie hat eine sehr aggressive Form des Brustkrebses. Laut Ärzten ist die Bestrahlung dringend notwendig. Meine Mutter glaubt an "Heultagen" allerdings, dass sie an Hautkrebs sterben wird, wenn sie die Bestrahlung machen lässt. Es ist wissenschaftlich tatsächlich nachgewiesen, dass eine Bestrahlung das Hautkrebsrisiko erhöht. In ihrem Falle ist es aber laut Ärzten so, dass das Risiko an ihrem unbehandelten Brustkrebs zu sterben, um ein tausendfaches höher ist, als das Risiko an Hautkrebs zu sterben. Meine Mutter sagt deswegen an aggressiven, rationalen Tagen, dass sie auf diese Statistik vertraut und die Bestrahlung machen lässt, an Heultagen widerrum gewinnt ihre völlig irrationale, emotionale Seite und sie ist sich sicher, dass sie an Hautkrebs sterben wird.


    Zusammengefasst: Ich könnte ihre Entscheidung besser akzeptieren, wenn ich wüsste, dass sie selbst dahinter steht und es mit Sicherheit unter Abwägung aller Fakten entschieden hat. Aber das hat sie nicht.


    Und dennoch: Ich mache ihr keine Vorwürfe. Sie hat jedes Versprechen gebrochen und ich habe nichts gesagt. Ich habe es runtergeschluckt. Meine Verwandten haben sie vor Wut beschimpft, ihrer Enttäuschung Luft gemacht. Ich habe das nicht getan. Ich habe geschluckt und geschwiegen und gesagt: "Es ist dein Weg."


    Es ist ihr Weg. Nur ihrer. Es ist ein kranker Weg. Aber ihrer. Sie wählt das hohe Risiko des Brustkrebsrisikos aus Angst vor dem prozentual um ein vielfaches niedrigeren Hautkrebsrisiko.

    Zitat

    Als Kind musstest Du immer tapfer sein. Du bist jetzt erwachsen.

    Ich bin immer noch tapfer.

    Zitat

    Du darfst jetzt traurig sein. Du kannst es Dir erlauben.

    Ich darf es. Aber ich kann es nicht. In mir ist alles still.

    das was du sagst macht mich total traurig. meine mutter ist 1996 an krebs gestorben. versuche es doch einfach mal mit aprikosenkernen hochdosiert. in hannover gibt es eine apotheke, die den wirkstoff als infusion verkauft sonnenapotheke? bestrahlung macht doch den körper einfach nur weiter runter. in dieser situation braucht der körper alles was er kriegen kann und keine chemotherapie, die die abwerkräfte nur noch weiter runterfährt.


    ich fühle mit dir.


    glg

    Vor kurzem war ich Sonntags in der Notaufnahme wegen einem Problem. Der Arzt wollte es in Vollnarkose operieren, aber ich wusste, dass ich dann Schultage verpassen würde. Also entschied ich mich, dass ich einfach wieder gehen würde und die Sache im Sande verlaufen lasse. Er meinte, man müsse das aber operieren, aushalten sei keine Option. Ich sagte, ich würde einfach gehen.


    Er meinte dann, er könne es ambulant machen, aber es würde trotz Lokalanästhesie schmerzhaft werden und sollte auch wegen dem Drum und Dran lieber mit Vollnarkose gemacht werden. Ich verweigerte und sagte ihm, er solle es jetzt einfach machen.


    Alle standen an mir rum, schnibbelten. Die Krankenschwester fragte, ob sie meine Hand halten solle. Ich verneinte.


    Er sagte, ich solle sagen wenn es wehtut. Ich habe nichts gesagt, die Zähne zusammen gebissen. Nicht geweint. War so tief in mir drinnen, dass ich sogar die Schmerzen wegschob.


    Zum Schluss gab der Arzt mir die Hand und sah mir in die Augen. Er meinte, ich sei wohl immer tapfer, und das müsse man nicht immer sein.


    Ich habe nichts dazu gesagt, meine Kiefer noch immer fest aufeinander gepresst.


    Wenn ich nicht tapfer wäre, würde der Supergau eintreten. Tapferkeit sichert mir mein Überleben.


    Stolz bin ich nicht darauf. Aber es ist der einzige Weg.

    Zitat

    Wenn ich nicht tapfer wäre, würde der Supergau eintreten. Tapferkeit sichert mir mein Überleben. Stolz bin ich nicht darauf. Aber es ist der einzige Weg.

    Das WAR sicher mal so, es war damals überlebensnotwendig, Deine Gefühle zurückzubinden. Und jetzt? Bringt es nicht mehr Nachteile als Vorteile? Wäre es so schlimm, ein paar Schultage zu verpassen, wegen einer nötigen Operation?

    Natasha Bedingfield "Unwritten"