• Wie die Angst vor dem Tod bewältigen?

    Meine Katze wurde eingeschläfert und irgendwie hat das bei mir was losgetreten. Ich bin völlig fertig mit den Nerven und mir wird regelmäßig heiß und kalt, und ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, dass wir alle sterben werden, vor allem natürlich ich selbst und mein Mann. Ich weiß nicht, warum mir das zum ersten mal so deutlich bewusst vor Augen…
  • 50 Antworten

    @ Fizzlypuzzly

    Ich möchte keine Antworten auf meine Fragen. Ich gab Dir damit lediglich die Chance, dem Eindruck entgegenzuwirken, Du willst nur etwas ätzen und hast inhaltlich nichts beizutragen. Wenn Du sie nicht nutzt, ist für mich alles gesagt.


    Im übrigen schreibe ich "ich" wann ich will und "wir" wann ich will.

    Für mich gehört der Tod zum Leben, ist der letzte Teil davon, auch die Ruhezeit auf dem Friedhof. Ich habe den Tod gebeten, mein Freund zu sein und dadurch langsam die Angst vor ihm verloren. Denn eines ist sicher, niemand weiß, was nach dem Tod kommt - egal, welcher Religion man angehört. Aber dass man eines Tages dem Tod begegnet ist sicher und unvermeidlich. Also warum ihn nicht willkommen heißen, wenn es soweit ist? Und drauf vorbereitet sein, d.h., hier alles soweit geregelt zu haben, und so gelebt zu haben, dass man seinen Frieden schließen kann. Peace!

    Der Tod ist etwas, dem man nicht durch die Vorstellung oder das wiederholte Herbeiphantasieren des Ausgelöschtseins beikommen kann; er braucht andere Beschäftigungsarten, denn völlig verdrängen kann und soll man seine Tatsache auch nicht.


    Also eine wie auch immer geartete Auseinandersetzung mit der Endlichkeit sollte schon - und vor allem rechtzeitig - stattfinden; allerdings nicht, indem man wie das sprichwörtliche Kaninchen auf die Schlange starrt und die Furcht an sich regelrecht kultiviert. Dann kann sie wachsen, wie bei der Userin, und sich selbständig machen.


    Ein Weg ist z. B., wie hier schon empfohlen wurde, darüber zu lesen und zu philosphieren, und wer sich dazu allein nicht in der Lage fühlt, nimmt besser therapeutische und ggf. auch medikamentöse Hilfe in Anspruch, statt sich angstvoll herumzuquälen. Daran das Schlimmste ist die gefühlte Hilflosigkeit und Wehrlosigkeit, denn die größte Angst für den Menschen ist der Kontrollverlust über sein Leben, so sind wir gestrickt, und dagegen hilft nur Aktivität - womit kein Aktionismus gemeint ist.

    Zitat

    abends Schlaftabletten (Quetiapin)

    Das würde ich nicht machen. Schlaftabletten reduzieren die Traumphasen und die sind wichtig, um das Hirn zu defragmentieren und vom Müll zu befreien. Gerade bei Ängsten schiebst du mit Schlaftabletten möglicherweise die Bewältigung eher auf.

    Zitat

    Versuche mich abwechselnd mal abzulenken, mal mich damit zu beschäftigen.

    Die Beschäftigung als Flucht nach vorn kann ich nur unterstützen, auch wenn du das Thema vielleicht eher vermeiden möchtest. Aber durch Beschäftigung damit kommst du irgendwann an einen Punkt, wo du dir sagst: ich habe jetzt alles begriffen, was ich darüber begreifen kann. Und dann hört es irgendwann auf. Aber dafür musst du dich darauf einlassen.

    Ich finde es nicht schlimm, dass ich sterben werde. Im Gegenteil, nimmt es irgendwie sogar den Druck und den Ernst aus dem Leben, im Sinne von: Man wird am Ende gemessen. Wenn man nicht das und das erreicht hat, hat man versagt. Wenn ich mich nicht genügend anstrenge, dann war das Leben umsonst - alle diese Gedanken sind lächerlich im Angesicht der Tatsache, dass wir alle sterben. Alles wird vorbei sein, alles wird vergessen, man kann nichts mitnehmen, nicht einmal Erinnerungen. Es gibt keinen Preis zu gewinnen, kein Glück zu erreichen. Das ist doch eine grosse Freiheit, das Leben einfach zu leben im Moment.

    Ich sehe es so: Die Ängste sind berechtigt.


    Erstens ist es Fakt, dass wir nur vorübergehend leben.


    Zweitens hat alles einen ganz bestimmten Grund,


    Das problem: Du weißt nicht, warum du diese Ängste hast. Aber ohne Grund sind sie nicht.


    Es werden hier verschiedene, individuelle Lösungen oder Heransgehensweisen erwähnt, mit denen du bisher nichts anfangen konntest.


    Mir ist aufgefallen, dass du auf einige von ihnen gar nicht eingegangen bist.


    Jedenfalls hast du sie nicht in einer Art und Weise thematisiert, die für mich bedeuten würde, dass diese Punkte nicht der Grund deiner Ängste sein können und zwar:


    Lebst du so, dass du, wenn das Ende sehr nah ist, sagen kannst "Ich habe mein Leben gelebt!"?


    Es gibt sehr viele Menschen, die ihr Leben nicht leben können. Aus verschiedenen Gründen.


    Oft, sehr oft, hat das mit diversen Ängsten zu tun. Die Ängste können dazu führen, dass man ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit entwickelt und diesem Sicherheitsbedürfnis Vieles unterordnet. Manche Wünsche, Träume werden fallen gelassen, weil sie Risiken birgen.


    Viele Menschen führen dann ein ziemlich angepasstes, 8/15-Leben. Hauptsache, es geschieht nichts Schlimmes.


    Manche träumen dann davon "Wenn ich in Rente bis, dann ...". Wird man aber dann gesund sein? Wird man überhaupt das Rentenalter erreichen können?


    Das nicht gelebte Leben kann zu einer nicht endenden Quelle von Angst werden:


    Die Angst zu sterben, ohne gelebt zu haben.


    Solange man an diesem Zustand nichts ändert, "sprudelt" diese Quelle, weil die Zeit ja auch eben nicht gerade für einen arbeitet, sondern sie vergeht, der Tod entfernt sich nicht, sondern rückt - zwar meistens langsam -, aber beständig näher, unerbittlich.


    Das heißt, man befindet sich in einem Zustand, der von selbst eine Angst erzeugt und zwar permanent.


    Man hat Angst vor dem Leben und man hat Angst vor dem Tod.


    Wie eingezwängt zwischen den beiden und es ist ja auch eben dieses Dazwischen, das die Quelle der Angst nährt: Man lebt nicht so, dass man, wenn das Ende wirklich sehr nah ist, sagen kann "Ich habe gelebt!".

    Zitat

    alle diese Gedanken sind lächerlich im Angesicht der Tatsache, dass wir alle sterben. Alles wird vorbei sein, alles wird vergessen, man kann nichts mitnehmen, nicht einmal Erinnerungen.

    Ja, und vor allem nicht die praktisch heute zur Religion erhobenen Dinge - das, was wir als unseren Besitz betrachten. Frühere Generationen hatten weniger Abwehrmaßnahmen und waren an den "letzten Wahrheiten" möglicherweise näher dran als wir heute. Wir verdrängen normalerweise mit "Spaß" und "richtig leben" oder besser, was wir als solches empfinden.


    Ich für mich glaube aber trotzdem an etwas, das wir mitnehmen.

    Frühere Generationen hatten dafür noch den (Irr)glauben, dass menschliche Vernunft, menschliche Technik eine bessere Zukunft bringen werden. Und was war das Resultat? Abgrundtiefes, unfassbares Leid. Der absolute Wahnsinn. Etwa 140 Mio Menschen wurden im 20. Jahrhundert umgebracht, und dies unter der Flagge einer besseren Zukunft.

    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nach dem ersten Beitrag und den Tagen danach, nicht wirklich auf die einzelnen Beiträge eingehen konnte. Ich war so fertig mit den Nerven, dass ich die Beiträge gerade mal so überfliegen konnte, bevor mich die nächste Heul- oder Angstattacke vom PC weggetrieben hat. Ich versuche das nun also nachzuholen.

    miri80

    Zitat

    Aber über den eigenen Tod nachzudenken kann auch etwas konstruktives haben. Wenn man sich mit dem Gedanken abfindet und bewusst damit auseinandersetzt, kann man die Zeit die einem geschenkt wird viel bewusster geniessen. Vielleicht motiviert es auch, seine Zeit sinnvoller auszufüllen und sich Träume jetzt zu verwirklichen und nicht irgendwann später mal.

    Genau das würde ich ja gerne: bewusster genießen, Sachen machen die man wirklich machen möchte, hab auch schon einige sinnlose Aktivitäten im Leben endlich mal verworfen... nur die Angst macht das momentan noch schwer und wirkliche Freude habe ich aktuell nicht wirklich an nichts.

    @Monika65

    Zitat

    Ich finde es beruhigend, dass fast alle sehr alten Menschen den Tod begrüßen und sogar ersehnen, wenn der Körper zum Gefängnis wird.

    Ich glaube, ich könnte einfacher damit umgehen, wenn ich sicher wüsste, dass ich erst mit 70-80 sterbe - und auch mein Mann. Aber so kann es ja faktisch - nicht zwingend statistisch wahrscheinlich, aber dennoch - jederzeit passieren. :°(

    @fizzlypuzzly

    Zitat

    fühle dich von mir in den Arm genommen.

    Danke :)_

    Zitat

    Ich habe gelernt dankbar zu sein für die Zeit, die ich mit all meinen Lieben verbringen durfte. Ich habe gelernt achtsamer zu sein und und jede, auch noch so kleine Zuneigung, jedes Lächeln, jede liebevolle Berührung als Geschenk anzunehmen.

    Das klingt sehr schön. Und das sehe ich bei mir auch gerade.

    Zitat

    In diesem Jahr habe ich einen Bruder verloren und vier sehr gute Bekannte und Freunde. Auch mein Mann ist sehr schwer erkrankt und wir wissen, unsere gemeinsame Zeit ist nicht endlos. Wir leben jeden Tag bewusst und freuen uns an vielen Dingen. Auch das gemeinsame Lachen ist uns nicht abhanden gekommen. Über die vielen Gespräche die wir führen, ist unser Leben noch inniger und liebevoller geworden. Es war schon so, nur hat es jetzt nochmal eine andere Energie.

    Das tut mir so leid :°( :°_ Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich das kaum durchlesen kann, weil das genau das ist wovor ich Angst habe. :°( Ich wünsche dir viel Kraft. :)*

    _Zuschauer_

    Zitat

    Alles in allem schlage ich eine Mischung aus Konfrontation damit und Verdrängen vor. ... Und sich damit abfinden, dass jeder stirbt. Ändern lässt sich das ja nicht, also ist es sinnlos sich dagegen zu wehren, was man nicht abwenden kann.

    Gerade diese Unkontrollierbarkeit ist es ja die mir so eine Panik macht.

    Comran

    Zitat

    Ich wünsche dir, dass du daraus die gleiche Kraft ziehst, das Leben zu schätzen und bewusst zu leben. @:)

    Danke. Allerdings noch fühlt es sich nicht so an.

    noapostel

    Zitat

    Ebenso mag es einen großen Unterschied sein, ob jemand weitgehend mit seinem Leben zufrieden ist oder das Gefühl hat, so vieles versäumt zu haben oder gescheitert zu sein.

    Es kommt mir vor, wie ein lächerlicher Scherz. Man braucht ca. 30 Jahre bevor man weiß, was man im Leben will. Und dann stirbt man fast schon wieder. Ich fühle mich, als stände ich mit einem Bein praktisch schon im Grab. Ich kann mir nicht vorstellen alt zu werden. Manchmal habe ich die Vorstellung, dass man vielleicht mikrobiologisch viel mehr wahrnimmt, als das bewusst der Fall sein kann. Vielleicht ist es ja tatsächlich so und ich beginne den Verfall zu spüren.

    Clodine

    Zitat

    Als die Mutter meiner Freundin Gestorben ist, hat sie ein Lied gesungen, soviel Kraft und Zuversicht hat ihr ihr Glaube gegeben.


    Als ihr Vater Gestorben ist, hat er sich gefreut zu seiner Frau zu kommen und wieder Glücklich leben zu können!


    Es muß nicht unbedingt so sein, das man vor dem Sterben Angst haben muß!

    So gern ich daran glauben möchte, schaffe ich es nicht. Es wäre sicherlich hilfreich.


    Aber dafür bin ich zu misstrauisch.


    Es wäre nur zu schön. Aber selbst wenn, wie sollte ein Himmel aussehen? Jeder mit weißen Flügeln auf dem Rücken? Lichtgestalten? Ich weiß nicht...

    yukumu

    Zitat

    Es ist unendlich viel besser, sich all dem zu stellen, während man vielleicht noch keinen aktuellen Grund hat, anzunehmen, dass es sehr bald vorbei sein muss, als dies eben unausweichlich tun zu müssen, weil man weiß, dass man höchstens einige Monate zu leben hat.


    Nicht gegen die Angst anzukämpfen, das ist wichtig. Wenn man weinen muss, dann weint man. Wenn man traurig wird, dann ist man eben traurig.


    Den Tod kann man nicht nur mit Gedanken, nicht nur mit dem Intellekt bewältigen. Es geht nur mit der ganzen Person, mit all den Gefühlen, mit allem, was man in sich hat.

    Ich weine soviel in letzter Zeit. Manchmal weiß ich nicht, wie ich überhaupt noch einen klaren Gedanken fassen soll. Manchmal kommt mir alles so unreal vor. Woher weiß ich schon was real ist? Was ist real überhaupt? Es kommt mir vor als verginge die Zeit in Zeitlupe und gleichzeitig rasend schnell. Ein Karussell aus dem man nicht aussteigen kann.

    @Monika65

    Zitat

    Vor dem Sterben an sich habe ich tatsächlich weniger Angst, da ich zu glauben weiß, dass die meisten Menschen zackbumm tot sind.

    Zitat

    Sind sie nicht, jedenfalls nicht die, die alt werden. Sterben ist tatsächlich ein schwerer Prozess, der sich oft sehr hinzieht und dem Sterbenden viel abverlangt.

    Es war ein Kommentar in einer Doku über das Sterben, die ich vor einigen Jahren gesehen habe. Es war ein Mitarbeiter in einem Leichenschauhaus der das sagte. Die meisten sterben wirklich eher plötzlich und ohne direkte Vorankündigung.

    yukumu

    Deine Beiträge gefallen mir immer besser. @:)


    Mein aktuelles Problem: Ich habe überhaupt kein Gefühl davon, wer ich eigentlich bin , was ich eigentlich wirklich will, wie ich mein leben gestalten möchte, was mir freude machen würde. Ich sitze nur vor Schreck erstarrt in der sprichwörtlichen Ecke.

    Monika65

    Zitat

    Wenn es dich so extrem beschäftigt, könntest du das schon. Aber grundsätzlich ist das etwas, was man irgendwie durchstehen muss, viele Leute verdrängen das einfach nur. Ist wahrscheinlich sowieso am besten, weil wir an der Tatsache nichts ändern können, aber verdrängen gelingt dir momentan nicht. Irgendwann sicher, das ist eine Phase, da kommst du auch wieder raus. Nichts bleibt ewig.

    Aber ist verdrängen wirklich das Beste? Seit den schlimmsten Tagen wo mir pausenlos die Knie geschlottert und die Hände gezittert haben, ist es gottseidank schon wieder etwas ruhiger geworden. Auch wenn mich die Angst immer wieder tagsüber überfällt, ist sie nicht mehr so alleseinnehmend. Am schlimmsten sind gerade noch die Nächte. Es reißt mich mitten aus dem Schlaf, Herzrasen ohne Ende und eine panische Angst vor dem Sterben. Ich versuche mich zu beruhigen, Atemtechniken, Entspannungsmethoden, schlafe wieder ein, nur um eine halbe oder ganze Stunde später wieder herzrasend und schweißgebadet aufzuwachen. :°(

    Waterfly

    Zitat

    Zum anderen helfen mir Meditationstechniken um mich nicht in Grübeleien und Ängsten zu verstricken. Wenn man einen inneren Ort hat, an den man ab und zu mal gehen kann, der quasi wie der Grund des Meeresbodens ist, wo alle Gedanken und Gefühle in weiter Distanz drüber hinwegschweben, sodass man sie in Ruhe beobachten kann ohne, dass sie einen beeinflussen, dann ist das fürs gesamte Leben unglaublich wertvoll.

    Wie lernt man das?

    Zitat

    Zuletzt hilft mir der Gedanke, dass alles irgendwie eins ist. Menschen, Tiere, Bäume, vielleicht das Leben an sich blühen auf, wie etwas, dass sich aus der Oberfläche eines großen Meeres erhebt, vergehen wieder und versinken darin zurück, werden eins damit. Wir bestehen aus den selben Molekülen, und selbst verschiedene Atome letztlich aus der selben Energie. Das Atom, das jetzt in deinem Fingernagel sitzt, wurde vorher schon von hunderten ein- und ausgeatmet, war schonmal ein Baum, war mal die Nahrung, die du gegessen hast, war vielleicht schonmal Erdöl und ich weiß nicht, was alles.

    Das klingt irgendwie tatsächlich beruhigend. Sich im Wald ins Gras legen und eins sein mit der Natur. Nur die Nichtsexistenz ist immer noch angsteinflößend.

    Monsti

    Zitat

    Ich war sicher, in den nächsten Minuten zu sterben und war plötzlich auf eine Weise zufrieden und mit mir eins wie noch niemals zuvor. Auch empfand ich keinerlei Schmerzen mehr. So schlief ich vollkommen ruhig ein.


    Als ich wieder aufwachte und medizinisches Personal an meinem Bett sah, war ich für ein paar Sekunden regelrecht enttäuscht.

    Hattest du ein Nahtoderlebnis?

    Zitat

    Manche Kleinstlebewesen leben nur für wenige Stunden. Beim Blick auf einen einzigen Tropfen Wassers sieht man regelmäßig ein Massensterben, gleichzeitig aber auch die massenhafte Entstehung neuen Lebens.

    :°( :°( :°(

    Sunflower_73

    Zitat

    Es trifft uns alle, früher oder später. Bei mir gab es in letzter Zeit viele Todesfälle, so dass das Thema nochmals präsenter wurde. Mein Fazit: JETZT das Leben genießen und sich von möglichst wenig die kostbare Zeit kaputt machen lassen.

    Das ist genauso noch gerade der Knackpunkt. Das war sozusagen die erste Schlussfolgerung, die ich aus allem gezogen habe. Aber in den letzten 2 Wochen hatte ich nicht einmal Freude an irgendwas. Ich habe trotzdem einiges getan. Aber es fühlt sich alles so an, als würde ich die Welt durch eine Glasscheibe aus betrachten oder durch einen Fernseher. Alles irgendwie unreal und weit weg. Manchmal ist mir selbst die Kleidung auf der Haut zuviel. Oder ich kriege Panik weil eine lockere Kette um den Hals spürbar ist. Am Wochenende waren Freunde zu Besuch und ich wollte essen machen. Die Nudeln habe ich noch hinbekommen, irgendwas zu den Nudeln - völlige Überforderung. Ich weiß selbst wie albern und bescheuert es klingt. "Ja, mei, kann sie halt nicht kochen.". Ich war noch nie - wirklich noch NIE - so hilflos wie jetzt. Ich bin nicht zum ersten mal psychisch labil, aber zum ersten Mal stehe ich dem ganzen so völlig plan- und hilflos gegenüber. Ich weiß nicht, was mit mir los ist, mir fällt es schwer meine Gedanken verbal auszuformen, ich weiß nicht wer ich bin oder wer ich war oder was dieses Leben ist oder was ich damit anfangen soll. Ich weiß nicht, was mein Problem ist und ich weiß nicht, was ich bräuchte damit es mir besser geht. Einfach völlig banane im Kopf und im Herz.

    mond+sterne

    Zitat

    Also, meiner Ansicht nach bleibt Dir nichts anderes als der Gang zum Arzt, und natürlich nicht zur Notaufnahme, sondern zum Hausarzt oder von mir aus auch gleich zum Facharzt.

    Ich war heute bei meinem alten Therapeuten und hab am Montag einen Termin bei einem Psychiater/Psychotherapeuten (ja, der ist beides).

    fizzlypuzzly

    Zitat

    Na dann schreibe auch "Ich" und nicht "Wir".

    *hug* :)_ Danke dir dafür. Ohne deinen Beitrag hätte ich mich sonst vielleicht nicht mehr getraut weiterzuschreiben.

    onodisep

    Zitat

    und so gelebt zu haben, dass man seinen Frieden schließen kann.

    Vielleicht ist genau das noch mein Problem. Wie stellt man das an? Wie stelle ich das an? Wie?


    Interessanterweise habe ich eine 180°-Kehrtwende von einer introvertierten und sozial schüchternen Einzelgängereremitin zu einer aus sich heraus und auf Menschen zugehenden und Sozialkontakte suchendem Menschen gemacht. Auch habe ich - im Angesicht des drohenden Todes - keine Angst mehr vor Menschen. Zumindest nicht vor deren Erwartungen, höchstens dass mich ein irrer umbringt.

    Audrey Tattoo

    Zitat

    Ein Weg ist z. B., wie hier schon empfohlen wurde, darüber zu lesen und zu philosphieren, und wer sich dazu allein nicht in der Lage fühlt, nimmt besser therapeutische und ggf. auch medikamentöse Hilfe in Anspruch, statt sich angstvoll herumzuquälen.

    Angstvoll herumgequält habe ich mich "aktiv" nur einige Tage lang. Danach habe ich einige Stellen durchtelefoniert, aber bei den meistens muss man 2-3 Monate warten um irgendwas zu bekommen. Habe nun in den bitteren Apfel gebissen einen Arzt privat zu bezahlen auch wenn das mal wieder meine nicht vorhandenen finanziellen Mittel übersteigt.


    **Comran

    Zitat

    Das würde ich nicht machen. Schlaftabletten reduzieren die Traumphasen und die sind wichtig, um das Hirn zu defragmentieren und vom Müll zu befreien. Gerade bei Ängsten schiebst du mit Schlaftabletten möglicherweise die Bewältigung eher auf.

    Aber wenn ich nur 30 Minuten am Stück schlafe oder die ganze Nacht wach liege, komme ich ja auch nicht in die Traumphasen... oder?


    Danke übrigens für deine private Nachricht. Ich war in den letzten Tagen mit einem Besuch beschäftigt und dann selbst 2 Tage verreist.


    **Cytex

    Zitat

    Wenn man nicht das und das erreicht hat, hat man versagt. Wenn ich mich nicht genügend anstrenge, dann war das Leben umsonst - alle diese Gedanken sind lächerlich im Angesicht der Tatsache, dass wir alle sterben. Alles wird vorbei sein, alles wird vergessen, man kann nichts mitnehmen, nicht einmal Erinnerungen. Es gibt keinen Preis zu gewinnen, kein Glück zu erreichen. Das ist doch eine grosse Freiheit, das Leben einfach zu leben im Moment.

    Mir ist gerade der Mund aufgeklappt. Ich weiß nicht mal was ich sagen soll. Natürlich hast du recht. Als Freiheit empfinde ich das nicht. Das klingt doch irgendwie deprimierend. Aber irgendwie stimmt es auch dazu, wirklich nur das zu machen was im Jetzt irgendwelchen Sinn für mich macht. Wozu etwas machen, was mich im Jetzt nicht erfüllt? Das ist tatsächlich gerade nach 2 Wochen zum ersten Mal ein neuer Gedankenanstoß.


    Aber wie lebt man denn dann?


    **yukumu

    Zitat

    Zweitens hat alles einen ganz bestimmten Grund

    Welchen Grund hat es denn?

    Zitat

    Lebst du so, dass du, wenn das Ende sehr nah ist, sagen kannst "Ich habe mein Leben gelebt!"?

    Das trifft den Nagel sehr deutlich auf den Kopf.

    Zitat

    Das nicht gelebte Leben kann zu einer nicht endenden Quelle von Angst werden:


    Die Angst zu sterben, ohne gelebt zu haben.

    :°( :°( :°(

    Zitat

    Wie eingezwängt zwischen den beiden und es ist ja auch eben dieses Dazwischen, das die Quelle der Angst nährt: Man lebt nicht so, dass man, wenn das Ende wirklich sehr nah ist, sagen kann "Ich habe gelebt!".

    Das beschreibt es ganz genau.


    Das genau ist gerade irgendwie mein Dilemma. Wie das erschreckte Reh starre ich dem Tod in die Scheinwerfer und bin vor lauter Schreck ganz starr. Meine schlimmste Angst? Das ich starr bleibe bis es mich trifft. Das fühlt sich irgendwie getrieben an, möglichst schnell aus der Starre raus, die Starre abschütteln, in der man gleichzeitig noch steckt und sie so schnell abschütteln möchte, dass man nicht mal drüber nachdenken kann, wie man rauskommt aus der Starre.


    Wie macht man das?

    Zitat
    Zitat

    Ich wünsche dir, dass du daraus die gleiche Kraft ziehst, das Leben zu schätzen und bewusst zu leben. @:)

    Danke. Allerdings noch fühlt es sich nicht so an.

    Lies nochmal meinen ersten Beitrag - ich habe selbst zwei Jahre für diesen Prozess gebraucht. Hab Geduld und verschließe dich dem nicht. :)_

    Zitat

    Ich fühle mich, als stände ich mit einem Bein praktisch schon im Grab. Ich kann mir nicht vorstellen alt zu werden. Manchmal habe ich die Vorstellung, dass man vielleicht mikrobiologisch viel mehr wahrnimmt, als das bewusst der Fall sein kann. Vielleicht ist es ja tatsächlich so und ich beginne den Verfall zu spüren.

    Ja, so gings mir mit Anfang 30 auch ;-D . Ich hab dann angefangen, Sport zu machen und mich gezielt fit zu halten, und schon geht's wieder viel besser :-D . Scherz beiseite, natürlich hat man irgendwann den Leistungszenith überschritten. Aber glaube mir, die Lebensqualität verlagert sich einfach nur, sie wird so schnell nicht weniger. Sofern man gesund bleibt. Ein bisschen Glück gehört dazu, aber auch die Disziplin, auf sich selbst zu achten. Jetzt mit Ende 40 weiß ich, dass ein paar Dinge nicht mehr so einfach gehen. Z.B. 3 Tage schlaflos auf Festivals zelten und dann 400km heimzufahren. Dafür gehen andere Dinge. Also ich hab noch viel vor, obwohl ich die Lebensmitte erreicht habe. Mein Vater gibt mir da viel Antrieb als Vorbild, denn er wurde mit 77 Witwer - aber er hat noch lange nicht genug und ist aktiv ohne Ende. Du weißt nicht, was kommen wird - also gehe immer vom Besten aus, aber verschiebe nicht alle Pläne auf übermorgen. @:)

    Zitat

    Nur die Nichtsexistenz ist immer noch angsteinflößend.

    Man darf sich nicht für so wichtig halten. Deine Nichtexistenz erstreckte sich bereits über den bisherigen Verlauf der Zeit. Das ist nichts Neues. Unser Leben ist für das Universum und vermutlich auch für die Welt nur ein Pups. Aber es liegt an uns, diesen Pups mit Leben zu füllen.

    Zitat

    Auch habe ich - im Angesicht des drohenden Todes - keine Angst mehr vor Menschen.

    Na, dann hat dieser Prozess ja schon was Positives hervorgebracht! :)z


    Lass dich mal von deinem Mann in den Arm nehmen und genieße den Moment. Kannst du ihm deine Sorgen anvertrauen?

    Mir ging es eine Zeitlang auch ähnlich, ich habe öfters gedacht, ich würde keine Dreißig werden. Die hab ich ja nun schon um ein Etliches überschritten (ein Beweis dafür, dass es doch kein echtes magisches Denken gibt?).


    Allerdings habe ich mich noch länger darüber hinaus mit Todesgedanken getragen! Dann eines Tages wurde ich gewissermaßen wach und habe damit ganz bewusst Schluss gemacht und jeden dieser Gedanken ausgetauscht gegen ein "Lebensdenken".

    Ich hatte die letzten Monate auch mit dieser Angst zu kämpfen. Ich habe mich dann mit dem Thema 'Leben nach dem Tod' auseinandergesetzt und versucht zu akzeptieren das der Tod ein Teil des Lebens ist. Und er hat durchaus auch positive Aspekte. Wie heißt es so schön - "Der Tod macht den Tag erst lebenswert."

    Audrey Tattoo

    Wie sehen denn diese Lebensgedanken aus? Ich weiß zur Zeit überhaupt nicht wirklich, wie ich leben soll, mir macht auch irgendwie nichts mehr Freude.


    War schon kurz davor über eine neue Katze nachzudenken, aber sollte die dann wieder krank werden und sterben, wäre es emotional aus mit mir. Kommt also überhaupt nicht in Frage.


    Und die Leere mit Haustieren füllen dürfte wohl genauso sinnvoll sein, wie sie mit Kindern zu füllen.

    Perseida

    Zu welchem Ergebnis bist du bezüglich Leben nach dem Tod gekommen?

    Zitat

    Zu welchem Ergebnis bist du bezüglich


    Leben nach dem Tod gekommen?

    Dass es viele Wissenschaftler gibt, die der Ansicht sind, dass der Tod nicht das endgültige Ende ist. Aber natürlich weiß niemand, was nach dem Tod kommt.


    Selbst wenn es kein Leben nach dem Tod gibt - ich könnte es nicht ändern. Es macht keinen Sinn sich über etwas den Kopf zu zerbrechen, dass man nicht ändern kann.