• Wie die Angst vor dem Tod bewältigen?

    Meine Katze wurde eingeschläfert und irgendwie hat das bei mir was losgetreten. Ich bin völlig fertig mit den Nerven und mir wird regelmäßig heiß und kalt, und ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, dass wir alle sterben werden, vor allem natürlich ich selbst und mein Mann. Ich weiß nicht, warum mir das zum ersten mal so deutlich bewusst vor Augen…
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    Es ist ein geistiger Entschluß, sich nicht im Hier und Jetzt zu befinden, sondern sich aufzuputschen mit unsinnigen Gedanken. Du willst Kontrolle, die es nicht gibt, also weg damit.


    Stell Dir vor, Du wirst tatsächlich wie der Heesters 106 und - wieviel Jahre sind es bis dahin ??


    Und in diesen Jahren biste jeden Tag am Lamentieren, wie schrecklich der Tod ist.....


    Wie entsetzlich.


    Diese Denke suchst Du Dir aus.


    Kann man machen, bringt aber nur seelisches Leid.


    Man kann sich auch bewußt machen (wissen) dass das Leben heute ist. Jetzt. Diesen Entschluß kann man minütlich neu fassen. Aaaaber das muß man dann auch tun.


    Kommt der abstruse Gedanke, energisch (da muß wirklich Energie drin stecken) STOPP sagen und sich ein kraftvolles Schlagwort zurechtlegen. So wie: Schau'n wa ma, wat die nächste Minute bringt...


    Leben ist immer nur die nächste Sekunde, die Minute, die Stunde. Was liegt an, abwaschen, lesen, spazieren gehen, Hintern nach dem Klogang abputzen, staubsaugen, Kuchen backen und und und.


    Ablenkung beschäftigt sich ja nicht mit dem bewußt gefaßten Gedanken. Hier aber wird dem unnützen Hirnwindungen Paroli geboten. Man entscheidet sich für das, was jetzt ansteht. Darf auch gerne was lustiges sein.


    Will man das nicht, ist das wieder ein Entschluß, der einen weiter schwächt.


    Sich vorzustellen, wie man Hundert ist und zurückblickt und sieht, was man ins Leben reingetan hat, eben auch mal solchen Mumpitz, aber auch zig Jahre an Lebensfreude, Lachen, Freunde, Familie, Reisen, Garten mit Blumen, eine Seereise, das ist das pralle Leben.


    Eben eine denkerische Entscheidung. Liegt an einem selbst, was man denken will, kann einem niemand abnehmen.


    Ich habe in meinem Leben schon mehrfach Botschaften von Verstorbenen bekommen, selbst von einem ermordeten Kind. Nie, nie, nie kam dort irgendwas anderes an als alles ist gut, friedlich.


    Es kommt nur Liebe rüber. Warum und wieso auch immer, wenn das die Quintessenz ist, muß ich begreifen (reifen) für den Gedanken, das wird schon (gut) werden....


    D

    Das Leben besteht einzig und allein aus unendlich vielen aneinander gereihten Augenblicken. Die Endlichkeit (der Tod) steht zwar als eine Gewissheit dahinter, aber er ist eine Vorstellung von uns (noch) Lebenden. Wenn ich dieser Vorstellung den unendlichen Raum gebe, dann sterbe ich statt nur einmal unendlich oft und vielfach. Das kann die Hölle im Leben sein. Und es geht wirklich um einen Entschluss dabei, sich zu entschließen, sich dem Moment zu überlassen. Wir sollten zwar auch das Ende bedenken, aber das lediglich aus dem Grund, um besser zu leben, sicher nicht um die tausend Tode im Voraus zu sterben.

    Zitat

    Man darf sich nicht für so wichtig halten. Deine Nichtexistenz erstreckte sich bereits über den bisherigen Verlauf der Zeit. Das ist nichts Neues. Unser Leben ist für das Universum und vermutlich auch für die Welt nur ein Pups. Aber es liegt an uns, diesen Pups mit Leben zu füllen.

    Es ist weniger so, als würde ich meine eigene "nichtexistenz" für erschreckend oder bedeutend halten. :-) Ich glaube die größte Angst habe ich vorm Sterben an sich, vor den ganzen Schreck- und Schockgefühlen die dabei mitschwingen, der großen Trauer und der riesigen Angst.


    Manchmal wenn ich nachts aus dem Schlaf hochschrecke - ich weiß, nicht ob ich dann einfach noch so im Halbschlaf bin - es fühlt sich an wie in einen dunklen, tiefschwarzen und immer dunkler werdenden Tunnel zu fallen oder schweben ohne dass man weiß, was am Ende ist oder ob am Ende überhaupt irgendwas ist. Wie ein Strudel der einen einsaugt und indem man taub und ohne jede Sinneswahrnehmung wird. Ich weiß nicht, ob ich dieses Gefühl richtig rüberbringen kann. Ähnlich wie einschlafen - weswegen die Nächte wahrscheinlich aktuell am schlimmsten sind - ein Einschlafen, gegen das man sich nicht wehren kann, weil man so erschöpft ist, dass man einfach langsam einnickt. Allerdings entgegen dem üblichen Einschlafen, ohne das man wieder aufwacht. Ohne jede Kontrolle ohne irgendwas tun zu können. Diese Hilflosigkeit im eigenen Körper sozusagen gefangen zu sein und nur durch die eigenen Sinneswahrnehmungen die äußere Welt wahrnehmen zu können. Aber wenn diese schwinden, was ist dann? Auch die Angst beispielsweise, dass der Tod an sich schmerzhafter ist - physisch - als das irgendjemand ahnen kann. Und dann dieses einfache ins "Nichts" "verschwinden".


    Und dann... dieses Gefühl: "Das war alles?"


    Ich muss da immer an dieses Zitat von Kurt Tucholsky denken, dass er kurz vor seinem vermeintlichen Freitod schrieb:


    "Wenn ich jetzt sterben müsste, würde ich sagen: 'Das war alles?'. Und: 'Es war ein bisschen laut.' Und 'Ich habe es nicht richtig verstanden.' "

    Zitat

    Dass es viele Wissenschaftler gibt, die der Ansicht sind, dass der Tod nicht das endgültige Ende ist. Aber natürlich weiß niemand, was nach dem Tod kommt.

    Darüber habe ich mich auch erst mit meinem Vater unterhalten. Das Phänomen des Nahtoderlebnisses war auch das erste auf dass ich mich gestürzt habe. Allerdings erscheint es mir ähnlich wie Religion nur auf ein "Nicht-Wahrhaben-Wollen" zu beschränken. Oder eine Art von nicht-verkraften-können. Dass es nicht sein kann, weil es nicht ertragen werden könnte, wenn diese Welt hier alles wäre, dass das unerträglich wäre - weswegen sich dann Menschen entweder über Religion oder die Wissenschaft einreden, dass es eben nicht so ist, dass es weiter geht, einen größeren Sinn hat usw. usf.


    Ich weiß, ziemlich nüchtern diese Sichtweise. Ich wünschte ich wäre nicht so nüchtern. In meiner Kindheit beispielsweise war ich durch meine Eltern sehr religiös und gläubig. Es funktioniert nicht mehr.


    Im Übrigen habe ich eine Studie mit Ratten gefunden, bei denen zum Zeitpunkt des Todes ein EEG durchgeführt wurde. Für circa 20 bis 30 Sekunden nach dem Herzstillstand stieg die Gehirnaktivität nochmal stark an. Es ist also lediglich ein letztes "Aufglühen" des Gehirns, was wahrscheinlich dann mit letzter Kraft versucht am Leben zu bleiben und irgendwelche Halluzinationen verursacht.


    Man möge mich gern des Gegenteils überzeugen.

    Zitat

    Diese Denke suchst Du Dir aus.

    Meinst du?

    Zitat

    Wenn ich dieser Vorstellung den unendlichen Raum gebe, dann sterbe ich statt nur einmal unendlich oft und vielfach. Das kann die Hölle im Leben sein. Und es geht wirklich um einen Entschluss dabei, sich zu entschließen, sich dem Moment zu überlassen. Wir sollten zwar auch das Ende bedenken, aber das lediglich aus dem Grund, um besser zu leben, sicher nicht um die tausend Tode im Voraus zu sterben.

    Ich versuche das schon, wirklich. Aber jedes Mal wenn ich in irgendeiner Art und Weise mit dem Tod konfrontiert werde, kriege ich Herzrasen - ohne bewusste Gedanken zu haben. ":/


    Der Psychiater/Psychotherapeut bei dem ich war, war übrigens ein Witz. War so fertig danach, weil enttäuschte Hoffnung. Hab selten jemand so unempathisches erlebt. Verschreiben wollte er mir auch nichts, Psychotherapie bei ihm wäre dreistellig pro Termin und damit zu teuer. Ich ärger mich schon über die Kosten vom ersten Termin, bei der nicht-erhaltenen "Leistung". O-Ton.. Naja dagegen könne man ja auch nichts machen, ich müsse mich halt damit abfinden.


    :)=


    Ich hatte mich nun mit dem Gedanken angefreundet in 2-3 Monaten wieder Katzen ins Haus zu holen. Einfach weil ich weiß, wieviel Freude mir Katzen bereiten. Allerdings hätte ich Angst, dass dann gleich wieder was mit einer ist. ich würde es wahrscheinlich trotzdem machen, allerdings möchte mein Mann auf keinen Fall mehr Katzen oder zumindest für einen langen Zeitraum. Vor 3 Jahren ist ja unser erster Kater erst ziemlich böse innerhalb von 24 Stunden gestorben und er meinte, dass er noch nicht mal den Tod verwunden hat. Er hatte eigentlich nicht mal die zwei neuen haben wollen, hatte sich aber damals dann von meiner Freude anstecken lassen. Und vor einem halben Jahr hatten wir die Erstkatze an eine Familie auf dem Land geben müssen, weil sie Verhaltensauffälligkeiten entwickelt hatte ohne Freigang. In Anbetracht der Tatsache, dass immer noch nicht ganz klar ist, was die jetzt verstorbene Katze alles hatte, bin cih darüber auch ein wenig froh. Allerdings trauere ich auch der kleinen Maus noch hinterher. :°( :°( :°( :°( :°( :°(


    Ich versuche ja das Leben zu genießen, allerdings macht mir zur Zeit fast überhaupt nichts wirklich Freude und ich bin einfach nur die ganze Zeit so traurig. :°(

    Zitat

    Ich glaube die größte Angst habe ich vorm Sterben an sich

    Vermutlich geht das allen so. Aber kein Schmerz dauert ewig und danach ist hoffentlich wieder Frieden und Ruhe. Ich habe schon sterbende Menschen gesehen, es scheint mir fast angenehmer zu sein als ein Besuch beim Zahnarzt. Was innerlich vorgeht, weiß ich natürlich nicht, aber bei einem natürlichen Tod ist der Übergang ja meistens plötzlich oder schleichend. Gerade weil man es nicht weiß, ist es gut, vorbereitet zu sein. Sowohl innerlich als auch ganz praktisch in seinen weltlichen Vorkehrungen. Das beruhigt.

    Zitat

    weswegen die Nächte wahrscheinlich aktuell am schlimmsten sind

    Wenn man Sorgen hat sind die Nächte immer das Schlimmste. Es gibt zu wenig Sinneseindrücke - es ist dunkel und still. Man ist ganz allein mit seinen Sorgen, die dadurch sehr groß erscheinen.

    Zitat

    Und dann... dieses Gefühl: "Das war alles?"

    Das lässt nach. Ich stehe schon in der Mitte des Lebens und bekomme zunehmend das Gefühl, dass mich mein Leben zufriedenstellt und ich ruhig zurückblicke, die neuen Ziele einen andersgearteten Charakter bekommen. Es gibt immer weniger, was ich im Leben noch unbedingt erreichen muss. Ich vergleiche das mal mit einem Freizeitpark. Man kommt rein und die ersten Stunden kann man gar nicht genug kriegen, plant alle Fahrgeschäfte, die man noch machen will. Irgendwann später findet man es auch schön, mal innezuhalten und sich einfach mal mit einem großen Bier in die Sonne zu setzen und zuzuschauen, wie die anderen Spaß haben, während man selbst in sich ruht. Der Druck, etwas zu tun, wird geringer, der Genuss größer. Verstehst du, was ich meine? Die Zeit des Drangs lässt irgendwann nach. Und da ich uns allen ein langes Leben wünsche, wirst du auch noch an diesen Punkt kommen, wo du gelassener nach vorne blickst.


    Aber schön, dass du dieses Bewusstsein hast - jetzt musst du dein Leben nur noch dementsprechend ausgestalten und für dich sinnvoll füllen. Verschiebe nicht alles auf später, sondern nutze den Schwung sinnvoll und mit Augenmaß.

    Zitat

    Für circa 20 bis 30 Sekunden nach dem Herzstillstand stieg die Gehirnaktivität nochmal stark an. Es ist also lediglich ein letztes "Aufglühen" des Gehirns, was wahrscheinlich dann mit letzter Kraft versucht am Leben zu bleiben und irgendwelche Halluzinationen verursacht.

    Verursache in einem Computer einen Absturz. Dann passieren auch die dollsten Dinge, die niemand vorhersehen kann. Genauso ist das Sterben vermutlich zu sehen. Das biochemische System bricht ja auch in sich zusammen. Meine Mutter machte beim Sterben einen lauten Atemzug, aber ob sie das bewusst erlebte, das weiß nur sie selbst.

    Wenn man sich den Tod, das Sterben, aus der Perspektive vorstellt, dass man sein Leben noch gar nicht gelebt hat, wächst natürlich die Angst. Ein alter Mensch wird das aus der Reife der gelebten Jahre heraus aber anders empfinden, das hängt auch damit zusammen, wie sehr er an jedem Besitz (auch das Leben kann man als Besitz empfinden) klebt und ob er lernt, loszulassen. Das macht die Vorbereitung so wichtig und dass man sich mit dem eigenen Tod befasst.


    Ein Sterbender sieht von außen betrachtet für einen Lebenden immer bedrückend aus, aber wissen wir, was in ihm vorgeht? Vielleicht empfindet er sogar Frieden, indem er sich schon ein Stück weit im Jenseits befindet, und wir denken, er leidet? Sterbebegleiter sagen, Leiden im Übergang ist nicht zwangsläufig der Fall.

    Mireya

    Entschuldige, ich hatte deine Frage an mich übersehen.


    "Lebensgedanken" nenne ich alles, was sich mit Leben befasst und mir mein Leben lebenswert macht. Dazu kann sogar das ruhige Nachlesen über Sterben und Tod gehören, dennoch bleibe ich dem Leben zugewandt, z.B. vermeide ich heute morbides Denken. Bewusst achte ich auf das Gute in meinem Dasein und dass ich die Dankbarkeit dafür nicht vergesse. Ich schiebe nicht auf, soweit es nur geht, und erfülle mit Wünsche, lebe auch bewusst die Liebe zu denen, die mir nahestehen...


    Rund gesagt, denke und tue ich, was mich lebendig sein lässt. Ich weiche auch dem Nachdenken über Gott und das Jenseits nicht aus, denn es zählt für mich zur Vorbereitung, auch wenn ich noch lange leben möchte.