Wie hilft man als Außenstehender einem Menschen mit Paranoia?

    Hallo zusammen,


    ein lieber Nachbar von uns ist seit einiger Zeit drogen-abstinent (Kiffen, Sniffen), wird aber immer merkwürdiger. Scheint entweder nicht das erste Mal zu sein oder er hat das auch durch den Konsum - wir wissen es nicht.


    Es fing vor mehr als einem Jahr an, als er noch berufstätig war und meine Frau so nett war, 2 Mal am Tag mit seinem Hund Gassi zu gehen. Von heute auf morgen wollte er es nicht mehr, weil er meine Frau beschuldigte, 20 Euro aus der Wohnung gestohlen zu haben. Wir dachten uns zunächst nichts dabei und meinten, er habe das Geld im Drogen- oder Alkoholrausch selbst verbummelt.


    Auffällig - aber das ist ja ein Zwang bei einigen Menschen, dass er ständig seine Wohnung nicht nur umdekoriert, sondern auch baulich verändert. Generell wohnen wir in einem Mietshaus, er hat aber seine Etage gekauft und ist darüber Eigentümer. Seither zieht er Wände rein, reißt sie wieder ab, legt Zimmer zusammen, trennt sie wieder etc. Alle paar Tage ist wieder etwas anders


    In den letzten Wochen häufen sich aber weitere Merkwürdigkeiten. Zunächst erlitt er einen Nervenzusammenbruch, war einige Tage in der Klinik und wurde im Anschluss von seinem Arbeitgeber gekündigt. Er betont, dass er seitdem auf eigene Anordnung hin drogenfrei sei, weil er sein Leben umkrempeln möchte. Seine ADHS möchte er nun auch behandeln lassen.


    Leider scheint er - eventuell bedingt durch den Entzug - eine Form von Paranoia zu entwickeln (vielleicht war das damals mit dem geklauten Geld auch so, passt jedenfalls in das folgende Symptom-Schema). Er bekommt Panikattacken, hat ständig das Gefühl, dass ihn Jemand kontrolliert oder ihm schaden will.


    Vor wenigen Tagen fragte er mich, ob ich kontrollieren könne, wer sich Zugang zu seinem WLAN verschafft hätte. Er habe das Gefühl, dass sich da Jemand eingehackt habe und kontrolliere, was er im Netz so treibt. Das Passwort sei auch von extern geändert worden, was mir als recht unwahrscheinlich erschien. Er habe nun selbst das Passwort erneut geändert, meine aber immer noch, dass ihn Jemand ausspioniert oder Schindluder mit seinen Daten treibt.


    Er meint auch, dass sich zwischendurch Fremde in seiner Wohnung aufhielten, weil Lampen wie von Geisterhand angehen würden u.ä.


    Der Nachbar von unten würde ihn durch einen angeblichen Spalt zwischen Wand und Decke belauschen.


    Dann unterstellte er meiner Frau, sie habe festen Kontakt zu einem seiner besten Freunde und wolle ihn bei diesem schlecht machen. Dabei haben wir weder übers Internet, noch über Telefon Kontakt mit ihm und kennen ihn auch nicht mehr, als nur flüchtig.


    Gestern brachte meine Frau ihm Feuerholz für seinen Wohnzimmerkamin (der vor wenigen Monaten auch mal abgeblich selbstständig sein halbes Wohnzimmer im Brand gesetzt hat) nach oben und unterhielt sich mit ihm. Der Abend endete damit, dass er meiner Frau unterstellte, sie habe ihm was ins Colaglas gemischt, um ihn auszuhorchen oder abzuzocken.


    Wir wissen nicht, was eventuell noch so alles vorgefallen ist.


    Jedenfalls möchten wir ihm sehr gerne helfen, aber wir wissen nicht genau, wie.


    Die einzigen Erfahrungsberichte, die ich hier finde, sind von Betroffenen selbst, die sich ihrer Paranoia aufgrund kaltem Entzug o.ä. bewusst sind. Das ist bei ihm leider nicht der Fall. Einen familiären Rückhalt hat er nicht, von daher möchten wir da unsere Hilfe anbieten. Aber was kann man tun? Eine Einweisung zum Selbstschutz beantragen? Können das auch Bekannte oder nur Familienangehörige oder gar Keiner? Ich kenne da leider die Rechtslage und die Möglichkeiten nicht.


    Ich wäre um gute Vorschläge sehr dankbar.


    Vielen Dank Euch im Voraus!

  • 8 Antworten

    Hast Du ein Helfersydrom?


    Ich würde nie jemandem helfen, der sich mir gegenüber so benimmt, offensichtliche Wahnvorstellungen hat, in denen ich als Diebin vorkomme....


    In meiner weitläufigen Familie ist jemand nach Drogenkonsum bereits in Rente, der fühlt sich dauern verfolgt, braucht täglich einen Stapel Drickerpapier, um Jesus sein Leid zu klagen, meint dauern, man wolle ihn vergiften.


    Die Kernfamilie hat sich den A... aufgerissen, ihm zu helfen, der Wahn blieb, Medikamente werden abgelehnt, wenn es mal zu schlimm ist, kommt er in eine Klinik,, verweigert aber dort auch Medikamente, deshalb entläßt man ihn wieder, weil er ja niemanden umbringt....


    Hier kann man nur mit seiner gut gemeinten Hilfe nur verlieren....


    Kümmer Dich einfach um eignen Kram.... Davon hast Du etwas.

    Klingt nach einer Drogeninduzierten Psychose, Schizophrenie oder ähnliches.


    Da könnt ihr so nichts machen. Beobachten, abwarten und wenn Gefahr für sich und andere besteht muss er in die Psychiatrie eingewiesen werden.


    Elegante Lösung wäre,, er geht zum Arzt wegen etwas und wird dort auffällig.


    Dann könnte er Ratz Fratz eingewiesen werden. Ist einer Bekannten von mir passiert.


    Ihr könntet euch auch an den sozialpsychiatrischen Dienst eurer Stadt wenden.


    Würde er denn eventuell wegen dem ADHS einen Arzt aufsuchen?


    Vielleicht zum Psychiater gehen deswegen? Der könnte dann auf ihn einwirken und vielleicht eine Behandlung erreichen.

    Rekommandeur

    Zitat

    Gestern brachte meine Frau ihm Feuerholz für seinen Wohnzimmerkamin (der vor wenigen Monaten auch mal abgeblich selbstständig sein halbes Wohnzimmer im Brand gesetzt hat) nach oben und unterhielt sich mit ihm. Der Abend endete damit, dass er meiner Frau unterstellte, sie habe ihm was ins Colaglas gemischt, um ihn auszuhorchen oder abzuzocken.

    Wenn ich etwas medizinisch einschätzen kann, muss ich Hilfe holen. Arzt oder Rettung. Fertig. Selbstüberschätzung bringt nicht viel.

    Zitat

    Ich wäre um gute Vorschläge sehr dankbar.

    Manchmal ist Hilfe einfach Hilfe zu holen. Herumzurätseln macht keinen großen Sinn. Hast du nie einen Erste Hilfe-Kurs gemacht?

    Liebe Benita,


    anstatt von seiner eigenen Gleichgültigkeit auf Andere zu schließen, wäre ein Tipp um Einiges hilfreicher gewesen.


    Es geht sich uns nicht darum, unseren Nachbarn eigenmächtig zu therapieren oder seinen Entzug zu begleiten. Meine Frage zielte darauf, ob und welche Möglichkeiten man als Außenstehender hat, professionelle Hilfe zu organisieren. An wen kann man sich wenden und in wiefern hat man Einfluss darauf, dass diesem Menschen geholfen werden kann?


    Es könnte uns auch genauso wie Dir - Benita - gleichgültig sein. Aber erstens sind wir miteinander befreundet und zweitens sollten wir auch uns und unsere Hausgemeinschaft schützen. Denn sein Wohnzimmer hatte schon einmal Feuer gefangen und er fühlt sich von Allen verfolgt, will sich sogar nur noch bewaffnet vor die Wohnungstür trauen. Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn er einen seiner Flashbacks hat und dann auf uns und/oder unsere Kinder trifft.


    Von Polizei halte ich persönlich nicht viel, denn es sollten schon Leute sein, die sich mit sowas medizinisch-psychologisch auskennen.

    Da wirst du leider gar nichts tun können, so lange der Mann keine Gefahr für sich selbst oder andere ist.


    Der Bruder meiner Freundin hat eine Kifferpsychose, klebt sich die Wände mit Alufolie zu ect.


    Ist er in Behandlung und nimmt seine Medikamente, geht es ihm recht schnell wieder gut. Leider bricht er die Therapie immer wieder ab.


    Medizinische Behandlungen kann man nicht erzwingen.

    Zitat

    Von Polizei halte ich persönlich nicht viel, denn es sollten schon Leute sein, die sich mit sowas medizinisch-psychologisch auskennen.

    Wenn du einen Arzt rufst, läßt er ihn dann rein?


    Du könntest dich mal mit einem Sozialpsychiatrischen Dienst in Verbindung setzen. Aber erwarte nicht zuviel.

    Zitat

    Von Polizei halte ich persönlich nicht viel, denn es sollten schon Leute sein, die sich mit sowas medizinisch-psychologisch auskennen.

    Die kennen sich mit so was auch aus! Und vor allem können die gerade in einer akuten Situation dafür sorgen dass gleich adäquate Hilfe kommt.


    Wenn dein Freund in eurer Gegenwart "durchdreht" kannst du die Polizei rufen und die veranlassen dann alles weitere.