Wie lebt ihr mit generellen Versagensängsten?

    Das Thema ist mir unangenehm. Wer von euch kennt (generelle) Versagensängste, die einen in unterschiedlichen Bereichen im Leben durchgängig begleiten seit der Kindheit und wie geht ihr damit um?


    Sabotiert ihr euch auch regelmäßig selbst?

  • 71 Antworten

    Ich meine Versagensängste sowohl bezogen auf berufliche, schulische usw. wie private Situationen, und sowohl auf objektiv wichtige Situationen, als auch auf eher banale Alltagssituationen (da dann ggf. geringer ausgeprägt).


    Ein bisschen so, als hätte man Prüfungsangst und das ganze Leben ist eine Aneinanderreihung von kleineren und größeren Prüfungen, nur "in Sicherheit" ist man nie dauerhaft, weil ja die nächste Prüfung gewiss ist.


    Mich stört dieses Gefühl von Nervösität, das ich dann immer bis kurz davor habe, selbst wenn klar ist, dass es keinen Grund für Nervösität bzw. die Sorge gibt, irgendetwas falsch zu machen rund um die anstehende Situation.

    Wenn ich könnte, würde ich gerne das Gefühl von innerer Nervösität dauerhaft loswerden. Andererseits ist das natürlich nicht möglich, weil es zur emotionalen Grundausstattung des Menschen gehört.

    Und Versagensangst eben in der Form, dass man irgendetwas falsch macht, nicht (ausreichend) bedacht hat, sich irgendwo dumm anstellt inhaltlich oder dass man beim Gehen stolpert, den Termin verschläft, der PKW liegenbleibt usw., man Unterlagen vergisst ... .

    Es gibt ja zig Möglichkeiten, wie und wo man etwas falsch machen kann im Leben; das zu wissen, fand ich schon als Kind schwierig und etwas beängstigend. Die Sorge ist eher diffus als konkret auf etwas ganz bestimmtes bezogen, auch wenn der Auslöser eine konkret anstehende Situation ist.

    Die Dinge sollte man mal einfach mit Humor betrachten.


    Führerschein: durch die Prüfung gerasselt, weil verkehrt rum in eine Einbahnstr. gefahren.

    Das ist doch immer wieder ein Brüller, wenn man das erzählt.


    Während der Zwischenprüfungen auch immer mal wieder durchgefallen, da mußte ich eben auch öfter wiederholen,,,, Na, und? Wer fragt danach eigentlich? Shit happens....


    Und wenn im Winter aus Versehen aus dem Hosenbein noch eine in der Jeans vergessenen schweinchenrosa Strumpfhose raushängt, die man auf dem Bahnhof hinter sich herschleift, ist das auch zum Brüllen komisch.

    Gott sei Dank sind wir Menschen, lernen aus Fehlern, oder amüsieren uns dann drüber, über sich selbst lachen zu können, ist herrlich und wirkt ansteckend....

    So muss man das sehen. Fehlschläge - während man sich fortlaufend darauf konzentriert, hat doch der andere das in wenigen Minuten das wieder vergessen, weil er mit eigenen vermeintlichen Dramen beschäftigt ist.... Von daher: wie blöd, da dauernd drüber zu grübeln und somit irgendwann die Endlosschleife zu schaffen, die sich die sich selbst erfüllende Prophezeiung nennt.




    Tja benita...wie heisst es so schön:

    Wenn einem ein Vogel auf den Kopf scheisst sollte man sich drüber freuen dass Elefanten nicht fliegen können!

    ]:D

    Gibt es einen Grund für dieses dauerhafte Lampenfieber, Shinnok?


    Bist du besonders tollpatschig? Machst du tatsächlich viel falsch?


    Wenn das tatsächlich so wäre, könnte ich das nachvollziehen. Eine Aneinanderreihung von negativen Erfahrungen kann meines Erachtens schon dazu führen, dass man sich dauerhaft unsicher fühlt.


    Oder ist die Unsicherheit unbegründet.


    Oder hast du eher Angst vor den Dingen, die eben passieren und auf die du keinen Einfluss hast?

    Gibt und gab es da Situationen in deinem Leben, die dich belasten, weil du keinen Einfluss drauf hattest bzw. hast?

    Ich kenn das eins zu eins von mir. In meiner Jugend hatte ich das gar nicht, das kam erst mit den ersten Sachen bei denen ich echten Ehrgeiz entwickelt habe. Und es ist mit den Jahren etwas ausgeartet, so dass ich es inzwischen als übermäßige Belastung akzeptiere.

    Akzeptieren deshalb, weil es für mich der Weg war Ziele erfolgreich zu erreichen und bis heute ist. Ich habe Routinen nicht von kleinauf gelernt, sondern mir sie mühsam angeeignet, leider mit etwas 'zu viel des Guten'. Aber ich habe entschieden nicht permanent der Selbstoptimierung hinterher zu rennen. Ich bin übertrieben nervös vor Prüfungen, Abgaben, Präsentationen, im Arbeitsleben. Ich erwarte dass alles furchtbar wird, ich versage, die Leute schwer enttäuscht von mir sind. (Obwohl ich erstmal viel selbstbrwusster wirke)

    Als Strategie habe ich mir zumindest ein paar Ausflüchte zurechtgelegt

    1. Nachts im Bett wenn das Kopfkino wieder mal high life hat würge ich es bewusst ab. Sage 'Schluss' jetzt und nehme hin, dass ich versagen werde aber das Grübeln darüber nichts ändern wird.

    2. Vor Präsentationen erlaube ich mir die Vorstellung, dass ich aus dem Raum rennen darf und nie mehr zurückkommen.

    3. Ich ändere meine Haltung bewusst. Wenn ich mich fühle wie eine Null, nehm ich die Haltung von wem ein der alles erreicht hat (fake it till you make it). Das hilft ungemein, weil das Gehirn sich austricksen lässt.


    Und eben: Ich akzeptiere meine Persönlichkeit. Meine Versagensängste sind eine spürbare Belastung, aber sie sind auch Motor meines Erfolges. Ich liefere überdurchschnittlich und habe meine Erwartungen übertroffen. Also versuch ich den Mist in Schach zu halten, bin aber realistisch: Persönlichkeiten ändern sich nicht einfach so.

    Ah und: Sport.

    Nicht dass ich da nicht auch mit ähnlichen Gedanken kämpfe, aber wenn etwas wichtiges ansteht, helfen mir intensive Sporteinheiten (vor allem dann Ausdauer wie Laufen oder Schwimmen) meinen Frust rauszuarbeiten.

    BenitaB. schrieb:

    Die Dinge sollte man mal einfach mit Humor betrachten.

    Das gelingt mir teilweise, vor allem selbstironischen Galgenhumor finde ich sehr hilfreich. Z.B. kann ich durchaus darüber amüsiert sein, dass ich mir gegen meine pathologischen Prüfungsängste, verbunden mit massiver Prokrastination, im Studium ein Buch eines Psychotherapeuten gegen Aufschieben gekauft habe, nur um die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Buch - nach dem ersten Überfliegen - dann genau wie das Lernen etc. aufzuschieben.


    Andererseits hat mich diese innere Blockade und das "Nicht mit den Aufgaben bzw. dem Lernen für die Prüfung anfangen können" in der Schule und im Studium etc. doch regelmäßig stark belastet; es ist eigentlich überhaupt nicht lustig und ich habe deshalb teilweise auch sehr depressive Phasen und viel inneren Stress gehabt.


    BenitaB. schrieb:

    Führerschein: durch die Prüfung gerasselt, weil verkehrt rum in eine Einbahnstr. gefahren.

    Das ist doch immer wieder ein Brüller, wenn man das erzählt.

    Spontan verstehe ich gerade nicht, wo da die Pointe liegt, aber Situationskomik lässt sich ja schlecht erklären.


    Die praktische Führerscheinprüfung und die ein oder andere Prüfung beim Kampfsport (die mehr wie das Training, als wie eine Prüfung waren von der Atmosphäre) sowie die Klausuren an der Grundschule und die ein oder andere Physik- und Matheklausur am Gynmasium sind die einzigen Prüfungen gewesen, die ich teils regelrecht entspannend gefunden habe.


    Nervös war ich aber trotzdem vor allen Prüfungen. Bei Mathe und Physik hat mir das Rechnen/Finden der Lösung Spaß gemacht; das hat gegen die Nervösität in der jeweiligen Klausur geholfen. Schön waren die Klausuren trotzdem nicht, da es ja eine Prüfung war.

    Sehr entspannend war die praktische Führerscheinprüfung; am besten war das Rückwärtseinparken, obwohl ich das vorher nie vermutet hätte.



    BenitaB. schrieb:

    Gott sei Dank sind wir Menschen, lernen aus Fehlern, oder amüsieren uns dann drüber, über sich selbst lachen zu können, ist herrlich und wirkt ansteckend....

    Schon, wenn es denn passt. Eigentlich finde ich aber, dass es erstrebenswert ist, möglichst keine Fehler zu machen und an sich zu arbeiten.


    melb1985 schrieb:

    Bist du besonders tollpatschig? Machst du tatsächlich viel falsch?

    Laut Rückmeldung von anderen ist das wohl eher nicht der Fall. Wobei die ja gar nicht wissen, was ich alles falsch mache.


    melb1985 schrieb:

    Oder hast du eher Angst vor den Dingen, die eben passieren und auf die du keinen Einfluss hast?

    Nein, eher nicht.


    melb1985 schrieb:

    Gibt und gab es da Situationen in deinem Leben, die dich belasten, weil du keinen Einfluss drauf hattest bzw. hast?

    Heutzutage belastet mich nichts mehr. Früher fand ich es quälend, im für mich langweiligen - da inhaltlich oft seeehr langsamen - Unterricht zu sitzen, mich nicht derweil anderweitig beschäftigen zu dürfen und diese Situation täglich neu zu ertragen. Ich habe damals in meiner Not gelernt, mich mit offenen Augen innerlich ganz woanders hinzuträumen, anders hätte ich das nicht ausgehalten.


    Außerdem fand ich es früher stressig mit einem sehr cholerischen Menschen unter einem Dach leben und mit dem aufwachsen zu müssen, ohne Rückzugsort. Auch ein Grund, warum ich immer eine Wohnung für mich alleine haben möchte.


    Bei mir ist es als Kind schon so gewesen, dass ich Kritik ungefiltert wie ein Schwamm aufgesogen und mich leicht habe verunsichern lassen.


    Was eigentlich so an jeweiligen persönlichen Motiven hinter den "Weisheiten" anderer steckt, habe ich selbst als Jugendlicher lange nicht erkannt. Ich war da irgendwie eher naiv und recht arglos bzgl. zwischenmenschlicher Niederträchtigkeiten.

    Versagensängste im Berufsleben lassen bei vielen mit der Zeit automatisch nach. Ungemein hilfreich ist die Erkenntnis, dass weite Teile des 9-to-5-Kosmos bestenfalls halbprofessionell erledigt werden. Zumindest dann, wenn die künstlich-klinischen Bedingungen in Lehreinrichtungen den Maßstab bilden. Mir hat das jedenfalls immer ein wohliges Gefühl der Kontrolle gegeben, mit Übung und analytischer Schärfe, die eine richtige Lösung für das eine isoliertes Problem zu finden. Die Praxis war dann ein gewisser Kulturschock. Ich habe mich vollkommen überfordert gefühlt, im komplex Gewirr von widersprüchlichen Anweisungen, konkurierenden Prioritäten und "büro-politischen" Zwängen, unter allen Aspekten richtig zu handeln. Ich hätte das aber auch gar nicht gekonnt, es ist absolut unmöglich. Meine (viel erfahreren) Kollegen, haben mir gegenüber ganz offen kommuniziert, dass auch sie nicht alles so tief durchdringen können, wie sie das vielleicht gerne hätten und dass sie sich trotzdem unwiderruflich auf eine Handlungsalternative festlegen müssen (kann man ja dank Fog-of-War eigentlich gar nicht verantworten). Ich habe die alten Hasen einfach imitiert: so gut man kann alles zusammentragen, durchdenken, abwägen, dann nach Bauchgefühl entscheiden - fertig. Nach vorne schauen, nächste Baustelle angehen. Fehler kommen naturgemäß vor, das haben Chefs einzukalkulieren (sie tun es auch). Ich werde nicht für perfekt bezahlt, sondern für gut genug. Am Ende des Tages ist "Fachmann" doch auch nur eine blumige Umschreibung für "geringfügig-weniger-grottig-als-der-Rest".

    Ängste, Nervosität, Unsicherheit - in dem Sinne verschwinden sie nie. Das gehört einfach dazu. Ein wenig schmutziges Kribbeln kann man durchaus ertragen.

    Ich gebe allerdings zu, dass mir zwei Privilegien einen zunehmend spielerischen Umgang mit beruflichen Dingen sehr erleichtert haben:

    1. Tatsächlich bin ich nicht sooo gut in dem was ich mache. Da können andere viel mehr. Bis zu einer gewissen Schwelle hilft Dummheit einfach beim pragmatischen Schulterzucken (auf welches es am Ende sowieso hinausläuft).

    2. In meinem Job geht es jetzt auch nicht gerade um so viel. Um Geld, u. U. um sehr viel Geld, ja. Aber nicht um Menschenleben. Genaugenommen wurde ich mit folgenden Worten in die Wildnis entlassen: "Bilden Sie sich auf Ihre Brillianz nicht allzuviel ein. Wir sind ein Luxus, den unsere Gesellschaft sich leistet. Aber zur Not geht es auch ohne uns."

    Keine Ahnung, wie das bei dir aussieht.

    Fiorentina2017 schrieb:

    In meiner Jugend hatte ich das gar nicht, das kam erst mit den ersten Sachen bei denen ich echten Ehrgeiz entwickelt habe.

    Ok, bei mir war die Verunsicherung schon recht früh da. Ehrgeizig war ich bis als Kind noch am meisten, danach ist das sehr eingebrochen in der Pubertät. Sicher auch wegen der dauernden Antriebslosigkeit, dem Gefühl, dass alles sinnlos ist und dem Wunsch, sterben zu wollen. Ich war durch meine gewonnenen Erkenntnisse über zwischenmenschliche Gehässigkeiten, Mauscheleien etc. in der Schule und in den Sportvereinen irgendwie sehr desillusioniert und fand, dass letztlich alles ganz und gar sinnlos ist. Die übersehene Schilddrüsenunterfunktion hat das auch nicht besser gemacht.


    Ein bisschen Ehrgeiz und Lebensfreude ist kurz durch eine beginnende Anorexie zurückgekehrt - zumindest haben sich die Antriebslosigkeit und das Sinnlosigkeitsgefühl durch möglichst wenig essen bzw. lange nichts essen gebessert; das Vorhaben, sich auf Raten umzubringen, ist jedoch gescheitert. Danach habe ich so überhaupt keinen Ehrgeiz mehr für irgendetwas gehabt, wenn ich ehrlich bin.


    Fiorentina2017 schrieb:

    Und es ist mit den Jahren etwas ausgeartet, so dass ich es inzwischen als übermäßige Belastung akzeptiere.

    Akzeptieren deshalb, weil es für mich der Weg war Ziele erfolgreich zu erreichen und bis heute ist.

    Interessant, also dass dir diese Ängste doch eher geholfen haben in punkto Zielerreichung.


    Bei mir würde ich das eher verneinen. Bei mir ist es nur zu einem sehr kleinen Teil hilfreich gewesen; ansonsten war es eher Selbstsabotage. Manchmal habe ich den Eindruck gehabt, dass es einem Teil von mir gefallen würde, mein Leben so richtig vor die Wand zu fahren. Zu einem Teil halte ich überhaupt nichts von mir, wobei das früher mal ausgeprägter war. Inzwischen kann ich mich besser leiden, auch wenn ich meine Daseinsberechtigung gleichwohl bezweifle.



    Fiorentina2017 schrieb:

    Aber ich habe entschieden nicht permanent der Selbstoptimierung hinterher zu rennen. Ich bin übertrieben nervös vor Prüfungen, Abgaben, Präsentationen, im Arbeitsleben. Ich erwarte dass alles furchtbar wird, ich versage, die Leute schwer enttäuscht von mir sind. (Obwohl ich erstmal viel selbstbrwusster wirke)

    Ja, der Teil kommt mir leider sehr bekannt vor.


    Fiorentina2017 schrieb:

    Als Strategie habe ich mir zumindest ein paar Ausflüchte zurechtgelegt

    1. Nachts im Bett wenn das Kopfkino wieder mal high life hat würge ich es bewusst ab. Sage 'Schluss' jetzt und nehme hin, dass ich versagen werde aber das Grübeln darüber nichts ändern wird.

    2. Vor Präsentationen erlaube ich mir die Vorstellung, dass ich aus dem Raum rennen darf und nie mehr zurückkommen.

    3. Ich ändere meine Haltung bewusst. Wenn ich mich fühle wie eine Null, nehm ich die Haltung von wem ein der alles erreicht hat (fake it till you make it). Das hilft ungemein, weil das Gehirn sich austricksen lässt.

    Das hört sich gut an, Danke.

    "Fake it 'till you make it" finde ich auch sehr hilfreich und nutze das regelmäßig. ;-D


    Mir hilft auch teilweise der Gedanke, dass selbst die schlimmste Prüfung etc. vorbei geht und ich danach später irgend etwas angenehmes machen kann in meiner Freizeit.


    Sport finde ich generell zwar auch gut, aber gerade beim Joggen Draußen werde ich auch mit Musik etc. auch ohne akute Versagensangst so ungut nachdenklich-melancholisch.


    Bzgl. Schlaf neige ich grundsätzlich dazu, viel zu spät ins Bett zu gehen. Vor Prüfungen ist es schon Tage bis Wochen vorher dann nochmals schlimmer damit gewesen. Ich stresse mich aber nicht mehr so sehr damit, weil ich weiß, dass ich eine Prüfung im Zweifel auch ohne Schlaf schaffe, selbst wenn die von morgens bis 17 Uhr geht, wie meine mündliche Examensprüfung. (Empfehlen würde ich das aber nicht.)


    Ansonsten versuche ich teilweise gezielt in mir eine frühere Erinnerung an das Gefühl von Zuversicht wachzurufen und mir gut zuzureden.

    Das hat auch etwas gegen diese innere Lähmung morgens an Prüfungstagen geholfen, eben dass man überhaupt zur Prüfung etc. geht.

    Außerdem versuche ich mir bewusst zu machen, dass es sicher nicht so schlimm wie befürchtet werden wird.

    Trotzdem mag ich dieses Nervösitätsgefühl vor solchen Situationen absolut nicht. Ohne dieses Gefühl wäre das alles ja gar nicht so schlimm.


    Immerhin legt sich bei mir dieses Nervösitätsgefühl in den gefürchteten Situationen selbst wieder etwas.


    lucid.lemur schrieb:

    Versagensängste im Berufsleben lassen bei vielen mit der Zeit automatisch nach.

    Das finde ich schon mal sehr beruhigend. ... Eigentlcih könnte das doch auch für Versagensängste generell im Leben gelten, oder?



    lucid.lemur schrieb:

    Ich habe mich vollkommen überfordert gefühlt, im komplex Gewirr von widersprüchlichen Anweisungen, konkurierenden Prioritäten und "büro-politischen" Zwängen, unter allen Aspekten richtig zu handeln. Ich hätte das aber auch gar nicht gekonnt, es ist absolut unmöglich. Meine (viel erfahreren) Kollegen, haben mir gegenüber ganz offen kommuniziert, dass auch sie nicht alles so tief durchdringen können, wie sie das vielleicht gerne hätten und dass sie sich trotzdem unwiderruflich auf eine Handlungsalternative festlegen müssen (kann man ja dank Fog-of-War eigentlich gar nicht verantworten).


    lucid.lemur schrieb:

    Ich habe die alten Hasen einfach imitiert: so gut man kann alles zusammentragen, durchdenken, abwägen, dann nach Bauchgefühl entscheiden - fertig. Nach vorne schauen, nächste Baustelle angehen.


    Das ist in meinem beruflichen Umfeld eigentlich im Kern sehr ähnlich. Meine Chefs und die Kollegen haben mir da im Grunde das Gleiche mitgeteilt.

    Meine Chefs haben zwar so ihre Launen und Eigenarten, aber an sich sind sie keine Unmenschen.


    Seitdem ich dort arbeite, bin ich auch deutlich entscheidungsfreudiger und -schneller geworden. Natürlich auch durch all die praktischen Erfahrungen, wo ich eher mehr, viel oder möglichst wenig Zeit investieren sollte, um meine Entscheidung zu treffen.


    In gewisser Weise war es auch gut, dass mir meine Chefs recht bald zu Beginn nach und nach sehr verantwortungsvolle, aber für mich machbare Projekte übergeben haben. Man wird da so ein bisschen ins kalte Wasser geworfen, bekommt aber freundlicherweise Tipps zum Schwimmen mit. ;-D Entgegen meiner ganzen Befürchtungen habe ich mich in ihren Augen dabei gar nicht so dumm und größtenteils sogar recht gut angestellt.


    Allerdings habe ich danach erst recht verantwortungsvoll(ere) Sachen bekommen.


    Aber ich stimme dir zu, dass man sich im Beruf nach und nach immer mehr an alles gewöhnt.

    Wenn ich mir überlege, wie ich die ersten Arbeitstage drauf war, und wie es jetzt ist, liegen da Welten zwischen.


    lucid.lemur schrieb:

    Ängste, Nervosität, Unsicherheit - in dem Sinne verschwinden sie nie. Das gehört einfach dazu.

    Ach Mist. Ich habe mir als Kind immer gewünscht, eines Tages als Erwachsener endlich mal angstfrei leben zu können und endlich nicht mehr all diese ganzen belastenden Gefühle haben.



    lucid.lemur schrieb:

    1. Tatsächlich bin ich nicht sooo gut in dem was ich mache. Da können andere viel mehr. Bis zu einer gewissen Schwelle hilft Dummheit einfach beim pragmatischen Schulterzucken (auf welches es am Ende sowieso hinausläuft).

    Das kann tatsächlich helfen und bei der Entscheidungsfindung helfen, weil man die ganzen möglichen Fallstricke dann nicht vor Augen hat.



    lucid.lemur schrieb:

    2. In meinem Job geht es jetzt auch nicht gerade um so viel. Um Geld, u. U. um sehr viel Geld, ja. Aber nicht um Menschenleben.

    Das kommt nicht ganz für meinen Beruf hin, aber es ist auch nicht so, dass es wie bei Ärzten oder Polizisten um die Akutrettung von Menschenleben gehen würde. Das finde ich durchaus entlastend, wobei mir die tatsächlichen Sachverhalte in meinem Beruf nicht übermäßig nahe gehen; es interessiert mich zwar und ist auch bunt gemischt von eher banalen Sachen bis hin zu Fällen, in denen sehr viel auf dem Spiel steht für den Betroffenen, aber mein Hauptaugenmerk liegt darauf, den Job gut zu machen.


    Klingt doch gut. Das sollte sich doch auch auf emotionalen Wildwuchs auswirken, zumindest mit der Zeit, in dieser einen Sphäre, oder ist dem nicht so? Denn dann hättest du dich zumindest insgeheim schon mal von "generellen" zu, sagen wir, "weitreichenden" Versagensängsten hinbewegt.

    Wie sieht es denn im sozialen Hamsterrad aus? In einem anderen Faden erwähnst du das tägliche Verbiegen/ Schauspielern. Fällt dir das mit der Zeit leichter? Glaubst du Erwartungen enttäuscht zu haben, wichtiger: weißt du es? Es wäre hier aber schon wichtig ehrlich einzuschätzen, wieviel Energie dir das insgesamt abverlangt. Wenn das souveräne Darstellen der emotional aufgeschlossenen Büro-Drohne (no offense, bin selber eine) ein authentisch-erschöpftes Restleben zu Folge hat, dann ist das natürlich nicht so toll.


    Zitat
    Ängste, Nervosität, Unsicherheit - in dem Sinne verschwinden sie nie. Das gehört einfach dazu.
    ---

    Ach Mist. Ich habe mir als Kind immer gewünscht, eines Tages als Erwachsener endlich mal angstfrei leben zu können und endlich nicht mehr all diese ganzen belastenden Gefühle haben.

    Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber so ausformuliert wirkt er doch ein wenig extrem, einen Tacken schräg. Wirklich angstfrei leben. Man könnte ja auch kleiner anfangen und das Leben mit "umfangreichen" Ängsten antesten, danach "selektiv-bedenklich" ausprobieren und schlussendlich bei "gelegentlich" landen. Ängste sind jetzt auch nicht so super-spannend, deshalb hören die meisten Menschen hier auf und wenden sich etwas Anderem zu.