Trauer ist für mich nichts, was nur Menschen vorbehalten ist. Trauer ist eine Emotion, die, das wurde schon geschrieben, auch Tiere fühlen. Einige meiner Wellensittiche haben teils so stark um ihre Partner getrauert, dass sie nichts mehr gefressen haben. Katzen und Hunde trauern um ihre Partner und ihre menschlichen Bezugspersonen. Würdest du ihnen vorwerfen, dass sie ihre Menschen "vertierlicht" haben?


    Und genauso wie Tiere trauern, bin auch ich traurig (das bedeutet trauern), wenn eins meiner Tiere stirbt. Nicht, weil ich es vermenschlicht oder als Partnersatz gesehen habe, sondern weil es ein Gefährte war, der zu meinem Leben gehört hat, für den ich Verantwortung getragen habe, der mir Freude bereitet hat und den ich lieb gehabt habe.


    Dass du die ganze Sache rein pragmatisch angehst und für die Gefühle anderer Menschen kein Verständnis aufbringst, passt zu deiner selbst hier wiederholt geäußerten und demonstrierten Unfähigkeit zu Empathie und einer Sichtweise, die über reine Sachlichkeit hinausginge. Vielleicht hilft es dir im Umgang mit anderen zu wissen, dass die meisten Menschen da völlig anders ticken, dass Menschen und Tiere emotionale Bindungen eingehen, dass Trauer um ein Tier deshalb beileibe nichts Ungewöhnliches ist, dass zwischen "sein Tier gern/ lieb haben" und "Tier als Partnersatz sehen" ganze Welten liegen und dass es schlicht und ergreifend etwas ganz Persönliches ist, wie jemand trauert. Ob und wie man jemandem helfen kann, den die Trauer völlig aus der Bahn wirft, ist dann ein anderes Thema.

    Ich empfand es als erleichternd, als unser schwerkranker Hund gehen durfte. Das war eine schwere Zeit. Allerdings war ich gleichzeitig total traurig, er war mein Begleiter, seitdem ich ein Kind war. Ein Freund.


    Ich werde nie verstehen, wie Menschen so empathilos werden können. Das Tier ist tot? Ab in die Mülltonne damit, ich kann mir ja das nächste holen. :|N

    Zitat

    dass zwischen "sein Tier gern/ lieb haben" und "Tier als Partnersatz sehen" ganze Welten liegen

    Trotzdem habe ich das Gefühl das die Menschen, die ihr Tier als Partnerersatz sehen, überwiegen. Vielleicht sind das auch mehr die Eindrück die im Gedächtnis bleiben und die normalen Tierfreunde in den Hintergrund drängen, kann sein. Für mich fängt das vermenschlichen aber z.B. schon an wenn das Tier mit ins Bett oder der Hund aufs Sofa darf. In extremen Fällen hab ich schon erlebt das dem Hund ein Brot geschmiert wurde weil er das ja angeblich so gern mag.


    Ich mag Tiere ja auch sehr gern aber das geht mir einfach zu weit. Ein Tier kann niemals Partner oder Freund Ersatz sein denn dazu müsste die Beziehung auf Augenhöhe stattfinden was sie aber schlicht nicht tut.


    Klar kann man um die Tiere trauern aber ich hab es auch schon erlebt das jemand zwei Tage krank gemeldet war weil das Pferd gestorben ist. Dafür fehlt mir einfach das Verständnis.

    Trauer um ein Tier finde ich ein Stück weit nachvollziehbar, wobei ich eine vollkommene Eskalation eher nicht verstehen kann. Ist eben eine Frage der Verhältnismäßigkeit.


    Wir haben vor etlichen Jahren unseren Hund einschläfern lassen (müssen). Mein damaliger Freund beschimpfte mich daraufhin am Telefon als herzlose Mörderin und was weiß ich nicht noch alles, das fand ich schon sehr übertrieben. Es war ja schließlich nicht so, als hätten wir unseren Hund mal eben leichtfertig entsorgt.


    Ich selbst habe zwei Kater, die mir natürlich sehr am Herzen liegen und deren Tierarztbesuche mich regelmäßig mehr mitnehmen als sie selbst. Auch ich sitze nervös im Wartezimmer und bin nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, wenn einer von den Jungs gerade operiert wird. Ich rede wahrscheinlich auch viel zu viel über die beiden Kasperköppe und über die Fotofrequenz bei Instagram brauchen wir auch nicht zu reden, aber dennoch halte ich mich diesbezüglich noch für relativ vernünftig. Ich veranstalte kein riesengroßes Drama, wenn ein Kater mal mit einem Schmiss auf der Nase nach Hause kommt, in die Wohnung kotzt oder sonstwie nicht ganz auf der Höhe ist. Ich würde mich auch nie im Leben bei Facebook in epischer Breite darüber auslassen, dass das arme Tierchen heute aber ganz arg wenig gefressen oder aber einen Pups quersitzen hat oder so. Das finde ich dann schon nervig und übertrieben. Und wenn dann plötzlich eine ganze Armada an Menschen derartige Dramaeinträge zutiefst betroffen kommentiert, fasse ich mir schon auch mal an den Kopf. Aber damit ist es dann auch gut. Ich bin genervt, wundere mich und halte die Klappe. Aber ich gehe nicht auf die Menschen los und rate ihnen, sich wegen geistiger Schäden doch bitte mal in therapeutische Behandlung zu begeben.


    Zur TE: es gibt hier irgendwo einen Beitrag von ihr, in dem es darum geht, dass sie von vielen Menschen als Freak angesehen wird. Mittlerweile kann ich das verstehen.

    Zitat

    Trotzdem habe ich das Gefühl das die Menschen, die ihr Tier als Partnerersatz sehen, überwiegen.

    Ich glaub hier wird oft Gefährte mit Partner verwechselt. Ansonsten schlafen meine Katzen auch bei mir, die habens eben gern warm, suchen die Nähe und mich störts nicht. Im Gegenteil, ich genieße das und das Bett wird ja ohnehin ein- bis zweimal die Woche gemacht.


    Bei meinem Hund hab ich das allerdings nie gemacht und aufs Sofa durfte der schon mal gar nicht.

    Ich bin auch jemand der sehr um sein Tier trauert, obwohl ich Partner und Kinder hab.


    Heißt ein Tier ist für mich kein Menschersatz, sondern mein geliebtes Tier.


    Und wenn es nicht mehr da ist vermisse ich es sehr, das kann dazu führen das ich immer und immer wieder weinen muss, wochenlang, monatelang.


    Nicht rund um die Uhr, aber dennoch.


    Und einen Ersatz gibt es für mich nicht, da dieses Tier einmalig in seiner persönlichkeit war, ja Tiere haben nun auch unterschiedliche Charaktere :-) .


    Im laufe meines Lebens hatte ich viele Tiere, einige starben früh (an Krebs), manche an Alter.


    Um jedes hab ich getrauert.


    Mein Mann kann das nicht ganz nachvollziehen, aber er hat mir noch nie gesagt das ich mir psychologische Hilfe suchen soll ]:D .


    Denn auch wie wir trauern und damit umgehen ist ein Teil unserer persönlichkeit, die individuell ist wie das Wesen ansich.

    Als mein Hundemädchen nach nicht einmal 2 Jahren wegen eines dummen Unfalls gestorben ist, einfach so und ganz plötzlich innerhalb ein paar Sekunden, war ich auch am Ende. Wurde 2 Tage krankgeschrieben, wäre unfähig gewesen zu arbeiten, hätte eh nur geweint. Essen konnte ich auch nichts mehr. Mein Chef hat mich ausgelacht, war mir egal. Der fände es wohl nicht mal schlimm, wenn seine Tochter bei einem Autounfall sterben würde, weil "Das Leben geht dann ja trotzdem weiter!".


    Meine Ärztin meinte damals, dass sie das total verstehe und als ihre Tochter ihren Hund einschläfern lassen musste, konnte sie 3 Monate nicht arbeiten und war krankgeschrieben. Sie war auch total am Ende.


    Mir ist egal, was andere denken. Ich mag Tiere lieber als Menschen. Tiere geben einem alles 1000fach zurück, sind dankbar. Sind immer für einen da. Im Gegensatz zum Menschen.


    Ich bau zu Haustieren eine sehr tiefe Beziehung auf, die ist teils tiefer als zu Menschen. Wers nicht versteht, geht mir auch am A**** vorbei ;-)

    Zitat

    Wenn mir jemand während akuter Trauer - unabhängig davon, ob der Verlust sich auf einen Menschen oder ein geliebtes Tier bezieht - sagt, dass ich wohl geistig nicht ganz klar bin, dann IST das pietätlos und lässt jegliches Empathievermögen vermissen. Solch ein Verhalten finde ich wesentlich bedenklicher als individuelle Ausprägungen der Trauer. Es steht niemandem zu, über das Trauerverhalten anderer Menschen zu urteilen, solange diese selbst kein Problem damit haben und um Hilfe und/oder Tipps zur Bewältigung bitten.

    Seh ich auch so! Jeder trauert anders. Wenn meine eine Oma z. B. mal stirbt wird mir das nicht nahe gehen. Bei der anderen schon, weils immer meine Lieblingsoma war/ist.


    Das ist bei jedem unterschiedlich und sollte akzeptiert werden. Tiere sind genau so Familienmitglieder wie ein Bruder oder eine Schwester.

    Ich bin keine von denen, die wegen der Trauer um ein Kleintier nicht mehr zur Arbeit geht, aber das hier

    Zitat

    Wenn mir wirklich mal ein Hund stirbt zu dem man ja eine engere Beziehung hat, dann empfinde ich eher eine Erleichterung, wenn der kranke alte Hund nun nicht mehr da ist, man nicht mehr ständig zum Tierarzt muss, man nicht täglich wegen Inkontinent wischen muss, etc. Ich fühle mich dann eher befreit und freue mich auf den Nachfolger.

    find ich als Einstellung einfach nur widerlich.


    Ich denke wenn du jemandem rätst zum Psychologen zu gehen, dann solltest du erstmal vor deiner Haustüre kehren. Offensichtlich bist du nicht in der Lage Nähe zum Tier aufzubauen - und bei aller Liebe, aber dich schlicht auf den Nachfolger freuen... Bäh!


    Und stell dir mal vor, ich schreibe das als normale Person, die ihre Tiere weder vermenschlicht, noch Blogeinträge verfasst oder Einäscherugen vornimmt. Dennoch habe ich auch um meinen einen Wellensittich sehr getrauert und viel geweint, der hat mich nämlich von 15 Jahre lang von Kindheit durch Pubertät begleitet und mein Herz hing an dem Tier.

    Zitat

    Für mich fängt das vermenschlichen aber z.B. schon an wenn das Tier mit ins Bett oder der Hund aufs Sofa darf. In extremen Fällen hab ich schon erlebt das dem Hund ein Brot geschmiert wurde weil er das ja angeblich so gern mag.

    Dann vermenschlichen die Tiere sich aber irgendwo selbst. Hunde wollen gerne auf dem Sofa liegen, weil es schön ist und weil das Rudel da ja auch sitzt. Unsere Hündin hat eine eigene Decke in einer Sofaecke, weil sie von Anfang an immer aufs Sofa gestiegen ist und ich aber nicht wollte dass sie alles zerkratzt. Daher Decke in eine Ecke, beigebracht dass sie zwar hoch darf aber bitte nur dort und gut war es.


    Ins Bett darf sie nicht, aber würde sicher sehr gern :=o bzw bei meiner 6jährigen Tochter liegt sie definitiv ab und zu im Bett, auch wenn sie es abstreitet :=o .


    Ein Brot hätte sie wohl auch gerne ;-) aber da ich keinen Bettler möchte, gibt es das nicht.

    Zitat

    Wenn mir wirklich mal ein Hund stirbt zu dem man ja eine engere Beziehung hat, dann empfinde ich eher eine Erleichterung, wenn der kranke alte Hund nun nicht mehr da ist, man nicht mehr ständig zum Tierarzt muss, man nicht täglich wegen Inkontinent wischen muss, etc. Ich fühle mich dann eher befreit und freue mich auf den Nachfolger.

    Wie bist du denn drauf? Machst du das bei Menschen dann auch so? Wenn deine Mutter mal Pflegefall wird und du dich evtl. mal um sie kümmern musst!? Freust du dich dann auch, wenn sie endlich tot ist, damit du nicht mehr ihre Windeln wechseln und auf sie aufpassen musst bzw. zu Ärzten fahren musst!?


    Genau wegen solchen Aussagen sind mir Tiere lieber als Menschen. Denn auf solche Menschen kann man echt verzichten, sorry. Das ist ja mal eine bodenlose Unverschämtheit deine Aussage!

    Zitat

    Ich selbst finde es definitiv nicht normal, wenn ein Erwachsener in dem Ausmaße um ein Tier trauert und denke, dass da wirklich im Kopf was nicht in Ordnung ist.

    Dafür finde ich es leider "normal" aber moralisch zweifelhaft, dass Menschen sich Tiere ins Haus holen. Denn wie du richtig festgestellt hast, werden sie "vermenschlicht", was meist aber nicht artgerecht ist. Das sind dann Kreaturen zweiter Klasse in deinem Haushalt, was sich schon daran zeigt, dass du nicht wirklich trauerst. Das soll kein Vorwurf sein. Ich denke, dass viele es gut meinen. Aber auch Tiere haben den Wunsch nach Gemeinschaft mit Artgenossen und einem natürlichen für sie artgerechten Leben haben.


    Z.B. Vögel. In der freien Natur, würden sie sehr viel Fliegen, die Weite des Himmels sehen etc. und das nimmt man ihnen alles, auch den natürlichen Stress, wie Nahrung besorgen, anstrengende Flüge, wenn man sie im Käfig hält. Ich denke dass das psychisch für Tiere schlecht ist, da sie nicht ausgelassen sind, keine geistigen Reize, Inspirationen etc. haben. Klar sind sie nett zu ihrem Menschen, sie haben auch das Bedürfnis nach Liebe und freunden sich mit ihrer Gefangenschaft an, aber es ist eben ein nicht selbstbestimmtes Leben, dass anders ist, als es ihre biologische Natur vorgesehen hat. Man müsste sich mal vorstellen, Menschen würden im Zoo gehalten werden oder immer an die Leine gelegt, damit sie etwas frische Luft schnappen können und nur einen Weg langlaufen den ihnen jemand anderes vorgibt. Auch über ihre eigene Fortpflanzung dürfen Haustiere meist nicht frei bestimmen.

    Zu dem Vermenschlichen von Tieren fällt mir gerade noch was ein. Meine Tiere habe ich nie vermenschlicht, es geschah mit der Zeit eigentlich genau das Gegenteil: ich wurde "veranimalischt", oder wie men es nennen soll.


    Ich lebe seit Jahrzehnten ohne Menschen und nur mit Tieren. (Seit einem Jahr aus Wohngründen leider auch tierfrei).


    Mit der Zeit verhielt ich mich in manchen Dingen wie meine Viecher. Schon lange esse ich auch aus einem Trog. So eine Tupperbox. Da klatsche ich mein Essen rein und fertig. Den Katzen klatschte ich das auch einfach so in den Napf, ohne Heckmeck. Tiere brauchen das nicht. Die wollen leckeres, ausreichendes Essen. Die brauchen kein Stück Petersilie am Tellerrand. Und bei mir im Trog sah es mit der Zeit auch so aus. Ein bisschen Stil, Hauptsache die Nährwerte stimmen und es schmeckt. Wenn meine Katzen mich nervten oder etwas taten, was sie nicht sollten, dann fauchte ich sie grell und deutlich an. Das kapierten sie und unterließen sofort ihren Blödsinn.


    So richtig weiß ich gar nicht, was nun genau mit Vermenschlichung von Tieren gemeint ist. Welches menschliche Verhalten nehmen die Tiere denn dann an?


    Eine unmögliche Sache sah ich vor langer Zeit mal im TV, also das war wirklich schon krank: da versuchte eine Katzenhalterin ihrer Katze das Essen mit Besteck beizubringen und band dem Tier mit Paketkordel die Gabel an die Tatze. Das finde ich schon Tierquälerei, weil die Katze dann nicht mehr weglaufen kann und auch nicht in normaler Katzenhaltung fressen kann. %:|

    Zitat

    das jemand zwei Tage krank gemeldet war weil das Pferd gestorben ist. Dafür fehlt mir einfach das Verständnis.

    Ich kann das schon verstehen, da ich selber ein altes Pferd habe.


    Es steht ja meistens viel mehr dahinter, als nur der Verlust dieses Tieres, sondern auch der Verlust bestimmter Freizeitaktivitäten, denn ein Pferd zu haben ist ein sehr zeitintensives Hobby.


    Auch der Freundeskreis besteht zum grössten Teil aus Pferdefreunden- oder Besitzern, da versteh ich schon, wenn das Leben beim Tod des Pferdes kurz aus den Fugen gerät, denn man muss sich komplett neu orientieren.


    Jedes Tier ist ein Individuum, man kann es nicht einfach ersetzen.


    Vielleicht ist es auch das Bewusstsein, nie mehr genau dieses Tier, mit all seinen Eigenheiten und auch Marotten zu finden, welche man in der gemeinsamen Zeit so liebgewonnen hat.


    Allerdings kenne ich auch Leute, die Pferde (und Tiere allgemein) regelrecht sammeln.


    Kaum haben sie ein neues, wird ein riesen Halligalli darum gemacht, wie schön und toll das ist und nach kurzer Zeit wird es in die Ecke gestellt, weil das Interesse verloren gegangen ist.


    Dann wird es relativ emotionslos wieder verkauft.


    Positiv an dem Ganzen ist, sie haben diese Tiere nie lange genug, um mit deren Tod umgehen zu müssen.

    Zitat

    Anscheinend bin ich dann aber immer der einzige, der sowas befremdlich findet. Sobald mal jemand vorschlägt einen Psychologen aufzusuchen und zwar nicht, weil man trauert, sondern weil man (und da muss ich zustimmen) doch wohl geistig nicht ganz klar ist, wenn man so sehr wegen eines Haustieres trauert, wird derjenige gleich als gefühlskalt und pietätlos dargestellt und es werden Rufe laut dieser pietätlosen Person sofort die Tiere wegzunehmen.


    Ich selbst finde es definitiv nicht normal, wenn ein Erwachsener in dem Ausmaße um ein Tier trauert und denke, dass da wirklich im Kopf was nicht in Ordnung ist.

    Ist schön, das du findest, dass Menschen, die um ihr Tier trauern nicht ganz richtig im Kopf sind. Finde diese aussage wirklich assozial. Es ist schön für dich, dass du da schneller drüber wegkommst oder es dir sogar egal sein kann, aber manche Leute sind da anders. Ich werde für einige Tage trauern, wenn meine Wellensittiche sterben. Ich weiß, der Tag wird kommen und ich weiß, es wird mich gefühlsmäßig erstmal aus der Bahn werfen. Ich habe eine sehr enge Bindung zu den Tieren und ich bin froh, das ich sie habe, da sie mir über eine sehr einsame zeit weggeholfen haben und auch wenn ich alleine Tagelang wegen depressionen in der Wohnung saß, haben die mich trotzdem mit frohem gezwitscher erfreut. Warum sollte ich nicht um sie trauern? Warum bin ich dann nicht ganz richtig im Kopf? Ich finde sowas muss man sich nicht anhören, diese aussage ist wirklich pietätlos. Du weißt nichts über diese Menschen die da trauern, du weißt nichts über ihre bindung zum tier. Abgesehen davon funktioniert das auch in die andere richtung. Als mein Opa gestorben ist, hat sein Dackel tagelang nichts gefressen, weil er nichtmehr da war und lag nurnoch traurig in einer Ecke rum. Ist das Tier auch nicht ganz richtig im Kopf?


    Ich will jetzt nicht sagen, dass du deine eigene Meinung nicht haben darfst, das ist mir auch um ehrlich zu sein ziemlich schnuppe. Aber das du leuten nachsagst, die um ihr Tier trauern, einen an der Klatsche zu haben finde ich wirklich einfach nur dumm. Ich würde dir eher mal raten, einen Psychologen aufzusuchen, so wie du hier an die Sache Tod herantrittst klingt für mich nach einer krassen psychischen Verdrängung. Und das geht auf dauer nicht gut.

    @ caprime:

    Zitat

    Z.B. Vögel. In der freien Natur, würden sie sehr viel Fliegen, die Weite des Himmels sehen etc. und das nimmt man ihnen alles, auch den natürlichen Stress, wie Nahrung besorgen, anstrengende Flüge, wenn man sie im Käfig hält. Ich denke dass das psychisch für Tiere schlecht ist, da sie nicht ausgelassen sind, keine geistigen Reize, Inspirationen etc. haben.

    Was du gesagt hast ist alles richtig. Leider sprichst du hier vor allem über die Menschen, die die Tiere nicht artgerecht halten. Dazu gehört als allererstes die Einzelhaltung, die meiner Meinung nach verboten gehört. Ich führe das jetzt nicht weiter aus, das kann man sich leicht ergoogeln, warum. Ebenso gibt es Menschen, die ihre Vögel dauerhaft im Käfig halten. Auch das ist eine sauerrei, da die Muskulatur komplett verkümmert. Wellensittiche sollten wenn, dann nur Nachts im Käfig sitzen müssen.

    Zitat

    Dazu könnte man ganz einfach eine Gegenfrage stellen: Wieso gibt es Menschen, die das nicht respektieren

    Würde ich anders formulieren: Wiese gibt es menschen, die das nicht nur nicht respektieren, sondern einem direkt einen Dachschaden diagnostizieren wollen?


    Sorry das ich so aufbrausend schreibe, aber der Erstbeitrag macht mich wirklich stinksauer!

    @ melinka:

    Genauso sehe ich das aber, dass ein Hund oder anderes Tier beliebig austauschbar ist. Ich habe Hunde, weil ich diese als Freizeitpartner ansehe. Ich treffe mich mit anderen Hundehaltern, gehe zum Hundesport, nehme den Hund beim Fahrradfahren mit und freue mich, wenn ich zuhause nicht alleine bin, jemand das Haus bewacht und ich ein anderes Lebewesen glücklich machen kann. Ganz ehrlich erfüllen fast alle Hunde diese Funktion und sind damit nach dem Tod ganz einfach zu ersetzen.


    Bei Menschen sehe ich das anders. Den Partner oder die Kinder kann man eben nicht so einfach ersetzen, da sie mehr sind als nur ein Freizeitpartner.


    Bei Verwandten kann man drüber streiten. Da gibt es Verwandte, die man gar nicht braucht, somit auch nicht ersetzen muss oder die man eh nur alle 10 Jahre sieht.

    @ Wodehouse:

    Ich finde deine Sichtweise sehr menschlich. Wenn bei Tieren ein Artgenossen stirbt und das verbliebene Tier dann nicht mehr frisst wird das ja gerne als Trauer interpretiert. In Wahrheit ist es aber für Gruppentiere wie Meerschweinchen, Vögel und Co sinnlos alleine weiter zu leben, da diese Tiere in der Natur alleine nicht überleben könnten. Und natürlich weiß das Tier auch nicht, warum nun der Artgenosse gestorben ist und da ist es logisch, dass man dann erstmal aus Vorsicht das Futter stehen lässt. Leben die Tiere aber in einer Gruppe, dann ist es den anderen piepegal, wenn da mal einer stirbt. Und wenn das "trauernde" Meerschweinchen oder der Vogel einen neuen Partner bekommt, dann fängt er sofort wieder an zu fressen. Ist das nun herzlos, dass Meerschweinchen und Co ihre Partner so schnell durch einen neuen ersetzen? Nein, oder? Warum soll es dann herzlos sein, wenn ich ein totes Tier schnell ersetze?


    Und ja andersrum gibt es genug Hunde und Katzen, die ihre Menschen zu sehr als Tiere ansehen und dann anfangen das Baby zu hüten, den Menschen Mäuse zu bringen oder sich als Chef aufzuspielen. Man denke da nur mal an die vielen Papageien, die alleine gehalten werden. Die sehen ganz oft ihren Menschen wirklich als echten Partner an.


    Zwischen traurig sein und trauern ist für mich aber ein großer Unterschied. Wenn mein Lieblingsfußball Verein verliert bin ich traurig, aber ich trauere nicht. (Es sei denn man ist BVB Fan, dann hat man wirklich Grund zum Trauern ;-D )

    Zitat

    Dennoch habe ich auch um meinen einen Wellensittich sehr getrauert und viel geweint, der hat mich nämlich von 15 Jahre lang von Kindheit durch Pubertät begleitet und mein Herz hing an dem Tier.

    Ein Wellensittich der 15 Jahre lang alleine leben musste würde mich viel trauriger machen als ein Wellensittich der irgendwann nach einem guten Leben einfach stirbt.... Und wenn ich am Ende sagen kann "Mein Tier ist jetzt gestorben, es hatte aber ein schönes Leben, nun gehe ich ins Tierheim und gebe einem anderen Tier die Chance auf ein neues tolles Leben, die es sonst nicht kriegen würde, dann gibt es für mich keinen Grund den Tod des Tieres nun als Weltuntergang zu sehen, sondern eher als Neuanfang. Wenn ich aber nach 15 Jahren sagen muss mein Tier hatte kein schönes Leben, denn es war immer alleine, dann wäre ich wirklich traurig.

    @ caprime:

    Genau so sehe ich das aber, dass Haustiere "Menschen zweiter Klasse sind", die einfach nicht den selben Stellenwert haben wie ein geliebter Mensch (aber immer noch einen höheren als ungeliebte Menschen, wie die Schwiegermutter ]:D ) somit auch nicht so viel Trauer verdient haben.

    Zitat

    So richtig weiß ich gar nicht, was nun genau mit Vermenschlichung von Tieren gemeint ist. Welches menschliche Verhalten nehmen die Tiere denn dann an?

    Da denke ich wieder an einzeln gehaltene Papageien. Die zeigen tatsächlich ihrem Partner gegenüber oft ein Paarungsverhalten, fangen an zu sprechen oder greifen andere Personen an, die sich ihrem Menschen nähern. Oft akzeptieren sie dann auch gar keine Artgenossen mehr und trauern dann auch tatsächlich, wenn der menschliche Partner stirbt. Oder wenn sich jemand einen Chihuahua ins Haus holt, weil man Angst vor großen Hunden hat, dann zeigt der Hund meist das selbe menschliche Verhalten und verbellt den bösen großen Hund aus Angst.

    Zitat

    das jemand zwei Tage krank gemeldet war weil das Pferd gestorben ist. Dafür fehlt mir einfach das Verständnis.

    Das kann jetzt sogar ich nachvollziehen. Wenn so ein wichtiges Tier stirbt dann finde ich Arbeit zwar sehr hilfreich um sich abzulenken, aber ich kann auch verstehen, dass man da trauert bei einem Pferd. Mit so einem Tier verbringt man ja teilweise 40-50 Jahre zusammen und sieht es täglich 1-2 Stunden, länger als so manch einer mit seinen Partner...