Wird man als "Loser" geboren?

    Hallo liebes Forum,


    bevor wir das Thema diskutieren, hätte ich eine Bitte: Die Fragestellung erfolgt nicht aus einem Affekt heraus oder aus einer Emotion, die mich heute traurig sein lässt. Nein, sie ist völlig ernst gemeint und auch wohlüberlegt formuliert.


    Obwohl ich wirklich auch ein Mensch bin, der Dinge mit Initiative anpackt und auch wieder aufstehen kann, habe ich oft das Gefühl, dass es an mir liegen muss, dass "Erfolg" nicht dauerhaft funktioniert. Offensichtlich scheint es Menschen zu geben, denen das ständig gelingt. Und dann gibt es Menschen wie mich, die immer wieder Anlauf nehmen, Dinge können und wissen und trotzdem "nichts gebacken" bekommen.


    Meine Vita liest sich wie ein zerfleddertes Kochbuch. Ich bin Akademiker und habe einfach nichts draus gemacht und immer die falschen Entscheidungen getroffen. In meinem Kopf scheint tonnenweise Wissen zu sein, dass niemandem nutzt - schon gar nicht meiner beruflichen oder privaten Entwicklung. Die Menschen beschreiben mich immer als sehr hilfsbereit, nett und zuverlässig. Das klingt in meinen Ohren wie "gut und günstig" und zu mehr taugt es nicht. Ich wurde daher auch für viele Nettigkeiten ausgenutzt.


    Privat werde ich trotz meiner extrovertierten Art wenig wahrgenommen, was mich mittlerweile aber nicht mehr stört. Dennoch: Irgendwas muss ich grundlegend verkehrt machen. Vielleicht fehlt mir dieses "Charisma" ... das kann schon sein. Macht das einen zum Loser? Selbst in den sozialen Netzwerken interessiert salopp gesagt "keine Sau" für mich, obwohl ich täglich Dinge aus Politik, Musik und Gesellschaft poste und sehr kommunikativ bin. Nur findet ja kein Dialog statt - ich bin quasi nicht vorhanden.

    Keine Ahnung. Wahrscheinlich interessiert es hier auch wieder keinen.
    Kommt gut durch die Nacht. Ich frage mich jeden Tag, wann es meine letzte sein wird.

  • 208 Antworten

    Schon mal in psychotherapeutischer Behandlung gewesen?

    Warum sollten andere dich wertschätzen, wenn du dich selbst so nieder machst?

    Plüschbiest schrieb:

    Schon mal in psychotherapeutischer Behandlung gewesen?

    Warum sollten andere dich wertschätzen, wenn du dich selbst so nieder machst?

    Ja, war ich ...


    Mache ich mich nieder? Ich versuche das möglichst objektiv zu beurteilen. Viele Menschen, mit denen ich studiert habe, verdienen heute das 3-4-fache, haben eine Familie, ein Haus, fahren regelmäßig in den Urlaub. Die haben damals ihren Abschluss mit 2 oder 3 gemacht, ich mit 1 - erhielt eine Auszeichnung von der Uni aufgrund guter Leistungen.


    Ich habe extrem spät einen Partner gefunden. Für Kinder ist es mittlerweile zu spät und für ein Haus auch. Wann soll das abgezahlt sein? Ich bin aus meiner Provinz nie rausgekommen und mir fehlen daher auch berufliche Kompetenzen. Mein Engagement in Vereinen oder Clubs ging irgendwie immer unter, sodass ich irgendwann die Segel strich.


    Es ist ja nicht so, dass ich nichts versucht hätte, aber irgendwie hat es nicht gefruchtet. Und da komme ich zurück auf die eigentliche Frage: Gibt es solche Menschen, die das Pech verfolgt, die irgendwie keine Erfolge erzielen? Ich bin schon der Meinung, denn ich kenne auch andere Menschen, die sehr (emotional) intelligent sind, aber nie den großen Wurf erringen konnten. Keine Ahnung, die sind durchs System gefallen.

    rr2017 schrieb:

    Hm, machst Du Lebensglück und "Erfolg" wirklich von so quantitativ messbaren Sachen wie "Haus gekauft" abhängig?

    Natürlich nicht. Es sind aber begleitende Dinge:


    Eine Arbeit, mit der man zufrieden ist und auch so viel verdient, dass man nicht ständig aufs Geld schauen muss, die Möglichkeit Reisen zu unternehmen oder andere kulturelle Dinge, eine Familie und Partner, ein funktionierendes soziales Umfeld und Wertschätzung, Hobbys und Freizeit.


    Es ist bekannt, dass Menschen mit geringen Einkommen weniger kulturelle Teilhabe besitzen und ich glaube schon, dass solche Dinge einen Faktor zur Zufriedenheit darstellen. Ich hatte 6 Jahre keinen Urlaub, bin nicht verreist und natürlich macht sowas nicht glücklich, auch nicht, wenn man sich selten etwas leisten kann - für den Alltag, für Hobbys.

    Dazu gesellt sich eben auch der Fakt, dass ich im Prinzip keine Freunde habe. Bis auf meinen Partner fehlen mir soziale Kontakte in jeder Form. Ich lerne am laufenden Band Leute kennen, aber das ist nichts halbes und nichts ganzes. Bei anderen klappt das doch irgendwie, wieso nicht bei mir?

    du vergleichst dich mit anderen. von außen betrachtet sind sie vielleicht glücklich und erfolgreich, du weißt aber nicht welches päckchen sie mit sich rumtragen.


    bleib lieber bei dir und konzentrier dich auf dich und dein Wohlbefinden.

    folgt man seinem instinkt und wählt biologie, kunstgeschichte, etc. als beruf so hangelt man sich heutzutage von einem befristeten vertrag zum nächsten. leider hat man da die a*karte gezogen trotz promotion, etc.


    so ist aber leider das system, entweder spielt man mit oder geht baden.


    du haderst mit deinem schicksal und suchst bestätigung von aussen. aber du solltest dich mehr nach innen richten, lernen dich langzuweilen, nichts tun. wenn du damit umgehen kannst und nicht mehr über dein schicksal nachdenkst, bist du über den berg.


    mach sport, suche kontakt von angesicht zu angesicht und nicht online. Versuch dich beruflich dich mehr in richtung systemrelevante berufe zu orientieren, such dir ein ehrenamt wo du dich für andere engagierst.


    es gibt so vieles deinem leben einen sinn zu geben, übergangsweise auch mit therapeutischer und medikamentöser unterstützung.


    nicht aufgeben, sondern die herausforderung des lebens annehmen.


    alles gute für dich @:)

    Danke für Dir deine Antwort. Da sind durchaus interessante Ansätze dabei.


    Dennoch weiß ich nicht, ob es richtig wäre Medikamente einzunehmen, weil mein Leben nicht wie erwartet läuft. Im Endeffekt suggeriert mir dies, dass doch ICH das Problem bin und nicht etwa äußere Umstände oder ganz einfach nur Pech.


    Das war ja exakt meine Eingangsfrage: Es scheint also irgendwie Menschen zu geben, die warum auch immer, im Leben nicht klarkommen. Während andere Stein für Stein Karriere und Familie aufbauen, straucheln diese stets herum und erreichen irgendwo nichts greifbares. Und natürlich vergleicht man sich mit anderen. Jeder tut das.


    Beruflich bin ich in einer Branche unterwegs, die sehr gut läuft, aber eben nicht bei mir. In meinem Job bin ich völlig unterfordert, aber so einfach findet man hier auch nichts. Wenn ich mich umorientiere ist meine Vita eine Katastrophe, weil ich leider keine guten Referenzen gesammelt habe über die Jahre. Andere haben das getan und bekommen dann auch gut bezahlte "Senior"-Jobs. Ich müsste wahrscheinlich erst mal als Praktikant anfangen, doch davon lässt sich meine Wohnung usw. nicht bezahlen.

    Und wie gesagt: Ich war ja ehrenamtlich viele Jahre beschäftigt. Mir hat das aber nichts gebracht, außer, dass man der Lakai für andere war. Ich möchte nicht wegen meiner Hilfsbereitschaft kontaktiert werden, sondern weil Menschen "mich" mögen. Offenbar habe ich etwas an mir, was niemand mag. Ich weiß es doch auch nicht ... andere haben damit doch nicht solche Probleme! Wieso dann ich??

    Ich bin daran hängen geblieben, dass Du "nie aus deiner Provinz" herausgekommen bist. Das heißt, du lebst immer noch in deiner Heimatregion? Ich will nicht alles drauf schieben, aber möglicherweise ist das ein entscheidender Hemmfaktor, weil du da einfach nicht hin passt, weder menschlich noch beruflich noch von deinen privaten Interessen her. Vor 15 Jahren hätte ich mein Leben ähnlich beschrieben wie Deins, und dann, als alle Bemühungen etwas zu ändern, sich als vergeblich erwiesen haben, bin ich mehrere 100 km weggezogen. Quasi letzter Versuch, grundlegend etwas zu ändern, weil ich nicht mehr unglücklicher hätte werden können. Und es wurde plötzlich alles besser, ohne dass ich bewusst irgendeas anders gemacht hätte. Beruf, Geld, Freunde, Freizeitgestaltung. Wie ein Fisch im Wasser. Natürlich ist mein Leben nicht völlig frei von Problemen, aber die grundlegende Ausrichtung ist eine ganz andere.

    Zitat

    richtig wäre Medikamente einzunehmen

    entweder du suhlst dich weiter in deinem elend oder packst die sachen an und gewinnst (auch durch medikamente) wieder ein stück lebensqualiät.


    Zitat

    Menschen zu geben, die warum auch immer, im Leben nicht klarkommen

    es gibt viele schicksalhafte begegnungen im leben. selbst wenn du hier bestätigung für deine theorie eines loosers findest, wie bringt dich das weiter?

    Du siehst dich selbst viel zu negativ und bei anderen denkst du aufgrund äußerlicher Faktoren (besser bezahlte Jobs, Haus.....) dass die anderen Leute alle komplett happy sind.

    Aber du kannst in niemanden reinschauen und in einem Haus kann man genauso unglücklich sein wie in einer Wohnung.


    Du hast einen Job und einen Partner. Andere die das nicht haben und gerne hätten, würden wiederum DICH darum beneiden.


    Was verstehst du unter "großen Wurf erreichen"?

    Meinst du du wärst glücklicher mit zB einem Haus?

    Hättest du dir Kinder gewünscht und bist traurig weil du "zu spät" einen Partner gefunden hast.


    Das Leben läuft nicht bei allen nach Schema Studium, toller Beruf, Aufstieg, viel Geld, Kinder.....

    Und auch nicht alle wollen so leben.


    Wäre dein Wunschtraum so ein konservativer Lebensstil gewesen?

    Bewunderung von außen, wenn du einen konservativen Punkt nach dem anderen abhaken kannst?

    Wolltest du dein Glück daraus ziehen, dass andere dich bewundern für eine Karierre oder ein Haus?

    Das kann so nicht funktionieren.

    An dem, was TimFaber schreibt, ist schon was dran. Das was einem von außen als Glück suggeriert wird, kann sich beim Blick hinter die Fassade ganz anders darstellen.


    Erfolg haben, kann auch anstrengend sein. Vor allem dann, wenn dafür etwas anderes auf der Strecke bleibt. Und ganz schlecht wird es, wenn etwas auf der Strecke bleibt, was man eigentlich lieber hätte als den aktuellen Erfolg. Und wenn Erfolg dann noch an Maßstäben gemessen wird, die von außen kommen, kann man auch mit Erfolg scheitern.


    Und meines Erachtens ist alleiniger Erfolg extrem selten. Man muss schon die richtigen Menschen treffen oder um sich haben. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, dann hatten "die Erfolgreichen" immer Menschen um sich, die sie begleitet und unterstützt haben. Diejenigen, die es gefühlt nicht oder erst spät gebacken bekommen, haben sich immer allein durchgewurschtelt. Dazu muss man nicht mal im physischen Sinne allein sein.


    Und Erfolg mit Unterstützung ist auch kein Garant für ein glückliches Leben. Man mag damit einen gewissen Erfolg erreichen, aber das ist unter Umständen der, den sich die Unterstützer vorgestellt haben. Dann hat man nämlich nicht die Unterstützung bekommen, die man gebraucht hätte. Das mag ein Luxusproblem sein, denn der Erfolg ist ja da. Für die "Betroffenen" ist auch das eine Qual. Erfolgreiche Menschen dürfen sich nämlich oft nicht beschweren. Demzufolge haben die von außen betrachtet ein gutes Leben. Wenn man da mal hinter die Fassade schaut, dann ist da auch nicht viel Leben.

    Auf sich selber konzentrieren und sein eigenes Leben leben, ist ein guter Tipp um nicht in Grübelei zu verharren.

    Ich sehe hier allerdings auch eine Ursache für fehlende Freunde. Die bleiben dann lose Bekanntschaften, mit denen man eine gute Zeit hat. Die kommen und gehen, je nachdem wie sie gerade zu einem selber passen. Und die haben auch ihr eigenes Leben und bleiben bei sich selber. Da passt man als Freund nicht immer rein.

    So richtig feste Freundschaften sehe ich nur selten. Der Bekanntenkreis verändert sich mit jeder Lebensphase. Und wenn man dann beispielsweise keine Kinder hat, fehlt eben diese eine Lebensphase. Ich glaube, man erhofft sich zu viel von "Freundschaft".


    Dieses auf sich selber konzentrieren rächt sich, wenn es um das System geht. Denn da muss man hineinpassen. Wer das nicht tut, fliegt raus.


    Und mit Nichtstun kann man das zerfledderte Kochbuch vermeiden. Ich glaube allerdings, dass man sich auch mit Resignation kaputt machen kann. Wer nicht dazu geboren ist, sich zu langweilen, der geht auch daran es zu erzwingen zugrunde. Resignation ist ein relativ einfacher Weg. Aber ist der einfache Weg immer der, der glücklich macht?


    Einen Sinn im Leben findet man meiner Meinung nach, indem man seinen individuellen Platz im System findet. Das muss nicht zwangsläufig der Beruf sein. Idealerweise ist er das, weil man nun mal einen großen Teil seiner Zeit dort verbringt. Aber Sinn kann durchaus auch der Partner und ein Hobby stiften.

    Zitat

    Im Endeffekt suggeriert mir dies, dass doch ICH das Problem bin und nicht etwa äußere Umstände oder ganz einfach nur Pech.

    Normalerweise ist das immer die erste Feststellung in solchen Fäden wie diesem hier. ]:D


    Entscheidungen liegen aber nicht immer nur in der eigenen Hand.


    Ich glaube, in unserem Land wird auch viel zu viel Wert auf Wissen und Abschlüsse gelegt. Wer einen "Dr." auf den Briefumschlag schreiben darf, muss zwangsläufig was können. Und dann merkt man, dass man tonnenweise sinnloses Wissen angehäuft hat, dass niemand wirklich braucht. Arbeit findet man trotzdem. Und meines Erachtens ist die die Basis für das, was an Entwicklungen möglich ist. Der Akademiker-Abschluss ist dann nur noch das Papier wert, auf dem er geschrieben ist.

    Und manchmal ist "durchschnittlich" offenbar besser als "herausstechen". Am weitesten kommt man aber nicht mit guten Noten, sondern einem gewissen Charakter. Ob man diese Charakterzüge nun an sich haben will, muss man selbst entscheiden. Je nach Umfeld ist zu viel Charakter dann auch wieder hinderlich.

    Wo ich tatsächlich mitgehe, ist, dass die Attribute hilfsbereit, nett und zuverlässig einen heute nicht mehr weit bringen.

    Ich glaube, Intelligenz kann auch hinderlich sein. Emotionale Intelligenz erst recht. Vor allem in Konkurrenz zu Lebenserfahrung erlebe ich Intelligenz durchaus als schwierig

    Also wenn es dir hilft: Ich bin kein introvertierter Mensch, aber ruhig. Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen. Ich gehe in Gruppen auch unter.

    Mir hat man aber auch schon "Ausstrahlung" attestiert und schon ganz früh, dass ich wohl weiß, was ich will.

    Ich glaube, das andere an einem wahrnehmen, was sie wahrnehmen wollen. Auch das ist abhängig vom Umfeld. Nicht jeder kann mit jedem etwas anfangen.

    Und in den sozialen Netzwerken findet man doch immer Anschluss, wenn man sich über Sinnlosigkeiten aufregt. Um über Politik, Musik und Gesellschaft zu philosophieren ist das vielleicht nicht der richtige Ort.


    Darüber hinaus, sollte mMn jeder für sich selber definieren, was er an materiellem Gedöns wirklich braucht. Das ist nicht automatisch der Schlüssel zum Glück.

    Wenn ich mir manche Beziehung so ansehe, bin ich heilfroh, dass ich Single bin.

    Das man als Frau für Kinder irgendwann zu alt ist, weiß man ja. Ich finde das Thema Kinderplanung immer kurios. Und dann klappt es nicht. Komischerweise kriegen die, deren Kinder zufällig entstanden sind auch groß. Da spielt es keine Rolle, dass in dem Moment nicht alles gepasst hat. Das Kind ist trotzdem da und wird geliebt.

    Und es bauen auch noch Rentner ein Haus. Dann eben altersgerecht. Klingt für mich nach einem sehr logischen Entschluss.

    Und die Lockdown-Zeit hat für mein Empfinden für viele eine Erkenntnis gebracht. Man kann gefühlt alles haben. Das nützt alles wenig, wenn man zu wenig Zeit für sich selbst hat.