Wo neues psychologisches / psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben?

    Ich hatte mehrere Jahre psychotherapeutische Behandlung, wobei es in dem Zeitraum auch eine kurze psychiatrische Behandlung gab. Das liegt jetzt 10 Jahre zurück und ich habe mir die Diagnosen aus der Zeit schriftlich zukommen lassen, weil ich die Sachen zum einen für eine Untersuchung in einem anderen medizinischen Bereich benötige, und auch selber daran interessiert war.


    Das, was ich darin gelesen habe, ist ein harter Schlag für mich. Ich hab mich zur damaligen Zeit einfach nur dumm verhalten, und das hat zu Diagnosen geführt, die ich kaum verdauen kann.


    Kennt sich hier jemand damit aus, inwieweit man als Privatperson die Möglichkeit hat, selber Gutachten in Auftrag zu geben, mit denen aktuelle psychische Gesundheit begutachtet wird, und die auch so anerkannt sind, dass sie bei festgestellter Gesundheit die vorher gestellten Diagnosen revidieren können?


    Ich möchte das in erster Linie nur für mich selber machen. Auch wenn ich die Diagnosen aus der damaligen Zeit nirgends vorlegen muss, ist das für mich einfach wie ein Behindertenausweis, den ich nie angefordert habe. Daneben ist es auch so, dass ich beispielsweise in Bezug auf Versicherungsabschlüsse vielleicht doch noch mal in eine Situation komme, wo die Diagnosen mir im Weg stehen.

  • 39 Antworten
    GAST0111 schrieb:

    Kennt sich hier jemand damit aus, inwieweit man als Privatperson die Möglichkeit hat, selber Gutachten in Auftrag zu geben, mit denen aktuelle psychische Gesundheit begutachtet wird, und die auch so anerkannt sind, dass sie bei festgestellter Gesundheit die vorher gestellten Diagnosen revidieren können?

    Am besten fragst du bei einem Psychiater an. Du kannst dorthin gehen und dein Problem vortragen und das du ein Gutachten haben möchtest.

    Wenn du das Gutachten selbst in Auftrag gibst ( was m.E. möglich sein sollte) wird der Art dir vorher sagen was das kostet.

    Aber das kostet schon einiges.

    Das kann mehrere tausend Euro kosten, also das solltest du dir im klaren sein!!

    Für n paar hundert Euro gibs das nicht.

    Sehe ich wie Hyperion. Psychiater sind Gutachten schreiben gewöhnt.


    Was hast du denn für Diagnosen, die für dich unerklärlich sind? Wenn du eine Lebenskrise hattest, dann ist das leider so. Hast dich in einer Ausnahmesituation befunden.


    Warst du damals ganz normaler Kassenpatient? Bzw. wurden die Behandlungskosten über die Krankenkasse abgewickelt? Normalerweise bekommt die Kasse einen ICD-Code mitgeteilt.

    Du kannst auch ein Gutachten von einer Psychotherapeuten ausstellen lassen. Du musst aber mit mehrere hundert Euro rechnen (hängt von Anzahl der erforderlichen Stunden ab. 1 Stunde fängt bei 80€ an). Ob die Diagnosen revidiert werden, hängt vom Zustand ab. Ganz verschwiegen werden sie nicht - sie gehören ja zur Anamnese.

    TimFaber schrieb:

    Was hast du denn für Diagnosen, die für dich unerklärlich sind? Wenn du eine Lebenskrise hattest, dann ist das leider so. Hast dich in einer Ausnahmesituation befunden.

    Unter anderem geht es um eine diagnostizierte ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung. Eine Persönlichkeitsstörung ist aus meiner Sicht immer eine sehr schwerwiegende Diagnose und die Umstände waren meiner Meinung dafür nicht gegeben, dass die gestellt werden kann.


    Der Arzt zu der Diagnose hat mich nur innerhalb von einem freiwilligen von Beginn an auf 14 Tage begrenzten Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik erlebt.


    Ich war zu dem Zeitpunkt 19 und somit meiner Meinung nach noch in einem Entwicklungsprozess in dem man generell außer in Ausnahmefällen schwer Störungen in Bezug auf die Persönlichkeit diagnostizieren kann, weil die sich noch weiter entwickelt.


    Ich war zu dem Zeitpunkt meiner Erinnerung nach immer noch Sportverein und hab auch am Wettkampf teilgenommen.


    Ich hab zu dem Zeitpunkt leider andauernd im Internet Zeug runtergeladen, was illegal war, wobei mir das egal war.


    Aufgrund dessen und weiterem sehe ich nicht, dass ich in Form von einer Persönlichkeitsstörung Ängste im zwischenmenschlichen oder sonstigen Bereichen hatte.

    Ich denke, es wird schwierig, eine solche Diagnose zu revidieren. Kein Arzt heute kann Deinen Zustand vor 10 Jahren nachvollziehen, daher wird auch niemand sagen, dass das damals falsch war.


    Du könntest höchstens Deinen aktuellen Zustand attestieren lassen. Was Dir das bringen könnte? Keine Ahnung. Insbesondere in Hinblick auf Versicherungen hast Du da echt schlechte Karten, denn bei Gesundheitsfragen wirst Du das angeben müssen und nicht widerlegen können.


    Ich war vor 10 Jahren auch in einer psychosomatischen Klinik, freiwillig drei Monate. Die Diagnosen habe ich nie erfragt, erst vor zwei Jahren habe ich den Bericht angefordert. Mir sind beim Lesen die Tränen gekommen, da standen Dinge drin, die sehr heftig waren. Es hat lange gedauert, das ganze so zu akzeptieren, denn wenn ich wirklich ganz ehrlich zu mir bin, dann stimmt das, was drin steht.


    Vielleicht solltest Du über den Bericht und die Diagnose mit einem Fachmann sprechen.

    das sollte man nicht überbewerten, denn die kkh schreiben auch heftigere sachen rein, denn der MDK überprüft stichprobenartig die aufenthalte.


    ein langer aufenthalt bei einer leichten depression ist kaum zu rechtfertigen, deshalb die berichte nicht für bare münzen nehmen

    tim Faber


    Das mag ja sein, aber die Diagnose steht dann trotzdem und das ist ja das Problem des TE.


    Und lange Aufenthalte bei leichter Depression dürfte heute nicht mehr notwendig sein für die Kliniken, dafür sind die Wartelisten lang genug.

    Vorschlag:

    Zu einem Psychiater gehen und eine Untersuchung durchführen lassen. Vom Arztbrief eine Kopie verlangen. Dieser ist kein Gutachten, damals war das auch nicht mehr als ein schriftlicher Befundbericht.

    Ich kenne es nur so, dass jede Stelle (Jobcenter, Rentenversicherung, Unfallversicherung, etc.) ihre eigenen Gutachter hat und Gutachten von anderen Gutachtern nicht akzeptieren.

    Für Behörden mag das zutreffen.


    Aber private Versicherungen wollen die Vorgeschichte wissen und da MUSS man so etwas angeben. Macht man das nicht, kann der Versicherungsschutz erlöschen. Und da ist es völlig unerheblich, ob es sich dabei um einen Bericht oder ein Gutachten handelt. Und ein heutiges Gutachten wird nicht rückwirkend ausgestellt, bereinigt also diesen alten Arztbericht nicht.

    Andrusch schrieb:

    Aber private Versicherungen wollen die Vorgeschichte wissen und da MUSS man so etwas angeben.

    Je nach Versicherung wird nur nach Krankheiten/Behandlungen der letzen 3 oder 5 Jahre gefragt.

    Ich gehe mal davon aus, dass die Versicherungen, um die es dem TE geht, den Zeitraum deutlich größer fassen. BU-Versicherungen bspw.

    Wie lange müsste denn ein Psychiater jemanden untersuchen um dann ein Aussagekräftiges Gutachten stellen zu können?