Woher kommt so viel Misstrauen bei meinem Ehemann?

    Guten Morgen.


    Ich habe eine Frage.


    Mein Ehemann denkt absolut nicht, wie die meisten aus unserem Umfeld. Wenn nicht sogar alle. Er ist schon immer sehr misstrauisch gewesen und stellt generell alles in Frage. Nun geht es aber seit einiger Zeit doch ziemlich weit. Nur mal ein kleiner Auszug aus dem, was ich meine. Ob ich alles zusammen bekomme, kann ich nicht


    Generell ist die Regierung ein Konstrukt, welches fremdgeführt ist, durch die großen Mächte auch weiterhin bestimmt wird und im Grunde nur eine GmbH ist.


    Kein Mensch ist ehrlich und will immer nur zum eigenen Vorteil handeln.


    Ärzte handeln aus reinem wirtschaftlichen Interesse und sind nicht daran interessiert, einem zu helfen. Und wenn, dann nur um das große Geld zu machen.


    Politische Meinungen, die von der Norm abgehen, werden von der Regierung aus Prinzip klein gehalten, damit die Führung durch die Großen weiterhin möglich ist. (CDU gegen AfD zum Beispiel)


    Die Medien manipulieren "uns die kleinen Schafe", um als Mittelsmänner der Regierung zu agieren.


    Und so geht es im Alltag mit vielen Dingen. Alles, wirklich alles wird in Frage gestellt.


    Warum macht er das so?

  • 25 Antworten

    Das klingt schon wirklich paranoid, kann aber auch das Ergebnis einer Kindheit sein in der nichts sich war, bzw sich nichts sicher anfühlte. Ist er schon ml neurologisch/psychologisch untersucht worden ?

    Nein, das wurde er noch nicht. Er sieht es ja als absolut richtig an. Und wenn jemand anders darüber denkt, dann mag er die Person auch nicht mehr wirklich. Dann sind das alles Schafe für ihn, die der Allgemeinheit folgen. Demnach sieht er auch keinen Grund, warum er sich dahingehend mal untersuchen lassen sollte. Er denk ja richtig in seinen Augen.

    Da ist hier der richtige Faden für dich, um mögliche Antriebe deines Mannes zu verstehen:


    http://www.med1.de/Forum/Cafe/730066/


    Da ist vieles diskutiert worden warum manche Leute empfänglich dafür sind, warum sie sich als "Wissende" betrachten und so fanatisch an abstrusen Theorien festhalten.

    Zitat

    Mein Ehemann denkt absolut nicht, wie die meisten aus unserem Umfeld.

    Tja, wenn du ihm das vorwirfst, wird er vermutlich genau das Gleiche über den Rest der Bevölkerung sagen und behaupten, dass nur er und Seinesgleichen denken würden.


    Zu beneiden bist du nicht um so ein Exemplar - so Menschen empfinde ich als ungeheuer anstrengend, da sie Irrtümer für sich selbst ausschließen und eine Diskussion deswegen nicht möglich ist.

    Hat er dadurch Probleme im Alltag? Wenn nicht dann sehe ich da kein Problem. Ich bin generell auch ein ziemlich misstrauischer Mensch aber das hat mir auch schon mehrfach den Ar*** gerettet. Von daher finde ich blindes Vertrauen viel verhängnisvoller.

    Für mich sieht das sehr nach einer psychischen, behandlungsbedürftigen Störung Deines Mannes aus.


    Er greift populistische Thesen auf, verarbeitet diese nicht kritisch, sondern erhebt diese zum Dogma (Lebensmaxime). Obwohl er dadurch sehr kritisch erscheint, fehlt ihm gerade die Kritikfähigkeit oder Fähigkeit zur eigenen Entscheidung. Egal ob er dies in seiner Jugend so gelernt hat - dann müsste es Dir auch bei Deinen Schwiegereltern auffallen - oder ob es Ausdruck einer Krankheit ist, ein Leben mit ihm wird sehr schwer werden und immer schwerer. Wenn er sich nicht behandeln lässt, solltest Du Dich fragen, ob Du das weiterhin mitmachen und erleiden willst.

    Warum macht er das so? Nun weil er anscheinend entsprechende Erfahrungen gemacht hat bzw. verstanden hat wie vieles eben in der Welt so abläuft. Eventuell ist es auch Erziehungstechnisch bedingt. Ich teile hier die Einschätzung deines Mannes.


    Ich hinterfrage Dinge auch erst einmal generell. Aber auch Verschwörungstheorie hinterfrage ich, dass müßte er dann ja auch tun.


    Einzig dieses

    Zitat

    Kein Mensch ist ehrlich und will immer nur zum eigenen Vorteil handeln.

    und

    Zitat

    Alles, wirklich alles wird in Frage gestellt.

    kann ich so nicht teilen. Das stelle ich mir für mich selbst und auch für andere als sehr anstrengend vor. Und das

    Zitat

    Und wenn jemand anders darüber denkt, dann mag er die Person auch nicht mehr wirklich.

    geht gar nicht. Über andere Meinungen kann man diskutieren, vielleicht auch mal annehmen, aber in jedem Fall aktzeptieren.


    Warum man aber Menschen, die eben nicht treu doof alles vorgekaut herunterschlucken wollen, immer gleich in die Aluhut-Fraktion stecken will bleibt mir ebenso ein Rätsel.

    Zitat

    Warum man aber Menschen, die eben nicht treu doof alles vorgekaut herunterschlucken wollen, immer gleich in die Aluhut-Fraktion stecken will bleibt mir ebenso ein Rätsel.

    Die Alu-Hut-Fraktion schluckt doch auch sehr gerne Vorgekautes, aber eben Verschwörungstheorien - dort ist der Glaube, man habe "die Welt verstanden" meist sehr stark ausgeprägt. So beschreibt Leilaklein1990 ihren Mann ja auch. Er ist eben nicht kritisch, sondern fest von seinen Glaubenssätzen überzeugt.

    Ich werfe ihm so etwas nicht vor. Ich frage mich nur schon in der letzten Zeit, wo das her kommt. Seine Eltern zeigen nicht, dass sie ähnlich denken. Und teilweise distanziert er sich von Menschen, die nicht seine Meinung teilen, und zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik oder generell politischen Meinungen anders denken. Er kann nur schwer akzeptieren, dass es eine andere Meinung gibt.

    Das kenn ich. Das kommt daher, dass man meint nur weil man selber etwas verstanden hat (oder glaubt es zu verstehen), alle anderen das doch auch sehen müssen. Aber die sehen es nicht, bzw. sehen es anders. Das frustriert insbesondere dann wenn es um wichtige, existenzielle Dinge geht und man Angst davor hat unter dieser "Fehleinschätzung" leiden zu müssen.


    Wenn man dann von der Persönlichkeit eher emotional ist, ärgert man sich meist hinterher noch über sich selbst, dass man sich überhaupt auf die Diskussion eingelassen hat und es zu Streitgespräch gekommen ist. Und dann geht man eben auf Abstand.


    Mit gewissen Menschen, die in für mich wichtigen Punkten eine grundsätzlich andere Meinung/Haltung vertreten, würde ich mich auch nicht umgeben wollen.

    @ Leilaklein1990,

    die Außenwelt ist nur ein Spiegel der Innenwelt. Wer im Außen anderen nicht vertraut, vertraut sich selber nicht im Inneren.


    Ein Mensch der sich selber traut, vertraut, der wird im Äußeren keine solchen Ideen entwickeln. D.h. bei deinem Mann liegt im Inneren was im Argen. Er hat kein "Selbstvertrauen".


    Selbstvertrauen kann man üben. Nur als Beispiel. Der "Selbstentwickler-Coach" Jens Corssen beschreibt das in seinem Seminar: "Der Selbst-Entwickler© - das Corssen-Seminar", wie er den Menschen Selbstvertrauen beibringt.


    Das soll nur ein Beispiel sein. Es gibt sicherlich noch viele andere Trainer und Methoden wie man das lernen kann.


    Bedingung hierzu wäre: Wenn du in dieser Hinsicht, was ändern wolltest, dann würde das nur gehen, wenn dein Mann von sich aus einsehen würde, dass er an dieser Stelle ein Defizit hat und dann den Wunsch hätte hier was zu ändern. Aber danach hast du ja nicht gefragt, sondern du willst nur verstehen.


    Also nochmals: Wer sich selber im Inneren nicht vertraut, der fühlt sich im Äußeren leicht als Spielball von anderen Mächten, anstatt, dass er sich als Handelnder sieht, der in seinem Leben den Ton angibt.