Wütend wegen meiner Angststörung

    Hallo ihr Lieben,


    ich muss mal etwas Dampf ablassen. Ich hab Panikattacken, ja ich bin in Therapie und es ist schon besser geworden, so dass ich im Alltag fast nicht mehr eingeschränkt bin. Das Problem ist aber immer noch stark da, wenn ich verreisen will. Panik ohne Ende. Ich hab keine Lust mehr auf die Panik. Warum kann ich nicht einfach mal wo hin fahren ohne immer mit Panik kämpfen zu müssen.


    Es gibt Menschen, die verstehen meine Panik und gehen drauf ein. Mit diesen Menschen fällt es mir auch leichter mal wegzufahren. Es gibt aber auch Menschen, die meine Panik nicht nachvollziehen können und deswegen auch keine Rücksicht drauf nehmen oder mich als "schwach" ansehe, wenn ich sie darum bitte ob wir nicht den Tag so vollplanen können.


    Zurzeit taste ich mich unbewusst wieder an die zweite Sorte Menschen heran, weil irgendwie in meinem Kopf drin ist, dass ich mit diesen Menschen klar kommen muss. Das es ja normal ist, einfach so mal wegfahren zu können. Das ich nicht immer verlangen kann, dass man auf mich Rücksicht nimmt. Dass die Menschen dadurch auch eingeschränkt sind wegen mir. Ich schäme mich dafür. Ich bin wütend, ich will nicht mehr mit dieser Angst leben. Sie macht vieles so anstrengend. Am liebsten hätte ich nur Menschen um mich herum, die auf meine Angst eingehen.


    Ein paar Gedanken. Vielleicht habt ihr auch Gedanken zur Wut auf die eigene Angst/Schwäche.

  • 7 Antworten

    Ich bin auch wütend, dass ich dadurch so sozialuntauglich bin. Wenn ich mit einem Menschen wo hinfahre geht das auch noch mit weniger Panik. Ist es eine Gruppe von Menschen bin ich wieder in einer totalen Panikattacke.

    Hallo Blumenkette,


    kann Deine Wut nur allzu gut verstehen. Mich hat meine Angststörung wieder, habe aufgrund von Stress und einigen belastenden Ereignissen ein Rezidiv bekommen. Und nun habe ich auch Wut auf die Krankheit (eigentlich sind Angst- und Panikstörungen auch keine Krankheit, sondern nur ein erlerntes Fehlverhalten, der Kopf programmiert da den Körper falsch), ich weiß also, wie Du Dich fühlst! Alles, was ich möchte, ist wieder normal leben zu können. Und dass dies derzeit nicht klappt, macht mich wütend. Du bist nicht alleine!


    Wünsch Dir alles Gute,


    herzlichst, LtFelix :)_ :)_ :)_

    Jep,


    Ich empfinde es einfach als Demütigung die man situativ nicht beinflussen kann.


    Man ist machtlos und kann nur gelähmt und beschähmt wahrnehmen, dass man als merkwürdig/Außenseiter betrachtet und behandelt wird, obwohl man ein vielleicht sensibel veranlagter und facettenreicher Mensch ist.


    Es gibt diesen Spruch, der besagt: Glück ist nur wahr, wenn es geteilt wird.


    Naja


    Mit einem sozialen Umfeld was sich meistens auf die Familie und ein paar wenige Bezugspersonen außerhalb beschränkt, ist das, wenn man der Aussage glauben schenken will, natürlich ein großer Verlust für den-/diejenige. Man verpasst einfach so viel im Leben was sich vielleicht nie mehr aufholen lässt.


    Meines Erachtens nach ist jedoch der Hass und die Wut die sich aufstaut ein mindestens genau so großes Problem. Es fühlt sich so an als würde man zu einem Bösen Menschen werden obwohl man nichts Böses getan hat und nicht verstanden wird. Die Gedanken schleichen sich jedoch ein und es ist sehr schwer mit den täglichen Rückschlägen, dem sozialen Rückzug, evtl. auch der dadurch eingeschränkten Zukunftsperspektive umzugehen (Netzwerken und in der Firmenleiter aufsteigen sehr schwer), oder gar optimistisch zu bleiben.


    Ganz abgesehen davon ist die regelmäßige massive Ausschüttung von Stresshormonen, vor allem bei massiven Panikattacken, in ungefähr so ungesund wie eine Packung Zigaretten die Woche.


    Ich denke man sollte jede sich bietende Möglichkeit nutzen diese Angst in den Griff zu kriegen, da man sonst irgendwann unglücklich über das Leben das vorbeigezogen ist und wahrscheinlich auch recht isoliert abtreten wird, oder der Körper oder Geist schlichtweg kollabiert, was wenn z.B. Schicksalsschläge hinzukommen sehr schnell gehen kann.


    Ich für meinen Teil war so tief drin, dass ich jegliche Lebensfreude verloren habe, es Garnichts auf dieser Welt gab was mich interessierte, alles nur noch Tortur und Anstrengung war, ich mit keinem(!) Menschen auf dieser Welt nüchtern länger als 5 Minuten reden wollte und ich die Vorstellung vom Suizid mit einem Gefühl der Erleichterung verband.


    Momentan fühlt es sich an als würde die Sonne am Horizont zaghaft aufgehen, ich bin jedoch mittlerweile sehr skeptisch und vorsichtig.


    Bei mir ging es nur über Medikation, welche mir den Antrieb gab, und die Angst dämpfte, meine Projekte anzupacken. Ich hatte zwar immer noch in bestimmten Situationen heftige Attacken, habe sie jedoch durchziehen können und bin seit langer Zeit erstmals wieder zufrieden wenn ich auf die Woche zurückblicke. Es werden 10000 kleine Schritte seien, aber jeden Tag geh ich einen weiteren und werde jeden Tag ein wenig besser.


    Beste Wünsche und Hoffnungen gehen an alle Betroffenen raus.


    Peace

    Zitat

    Zurzeit taste ich mich unbewusst wieder an die zweite Sorte Menschen heran, weil irgendwie in meinem Kopf drin ist, dass ich mit diesen Menschen klar kommen muss. Das es ja normal ist, einfach so mal wegfahren zu können. Das ich nicht immer verlangen kann, dass man auf mich Rücksicht nimmt. Dass die Menschen dadurch auch eingeschränkt sind wegen mir. Ich schäme mich dafür.

    Das erscheint mir ein ganz wichtiger Absatz.


    Dahinter kann sich mangelndes Selbstwertgefühl und generell die Prägung "so, wie ich bin, ist falsch; ich bin erst wertvoll wenn ich so bin, wie andere es von einem 'funktionierenden Menschen' erwarten", und das ist natürlich ein enormer Streßfaktor.


    Soweit ich weiss ist derartige "Verbiegung", mangelnde Abgrenzung und zu wenig "gesund egoistische" Rücksichtnahme auf eigene Befindlichkeiten und Bedürfnisse eine treibende Kraft bei Angststörungen und so gut wie allen Fällen von burn out.

    Zitat

    Es gibt Menschen, die verstehen meine Panik und gehen drauf ein. Mit diesen Menschen fällt es mir auch leichter mal wegzufahren. Es gibt aber auch Menschen, die meine Panik nicht nachvollziehen können und deswegen auch keine Rücksicht drauf nehmen oder mich als "schwach" ansehe, wenn ich sie darum bitte ob wir nicht den Tag so vollplanen können.

    Welche Form der Rücksichtnahme erwartest du dir denn? Wenn es um Urlaub mit Freunden geht, sollte man vielleicht auch einfach nicht mit Leuten verreisen, mit denen man (derzeit) nicht kompatibel ist (in der Hinsicht). Es geht selten gut, wenn der eine den Tag vollplanen will und der andere es eher ruhig angehen will (egal ob wegen der Panik oder aus anderen Gründen).


    Das kann man nicht erzwingen, und mit Druck und Wut schon gar nicht. Nervt alle, bringt nüscht.

    Zitat

    weil irgendwie in meinem Kopf drin ist, dass ich mit diesen Menschen klar kommen muss

    Naja, man muss nicht in jedem Punkt mit jedem klarkommen. Wenn du mit diesen Leuten unbedingt verreisen willst und eigentlich selbst deren "Programm" magst, dann steht dir die Krankheit natürlich im Weg und du solltest nicht krankheitsbedingt nachgeben, sondern dagegen angehen.


    Ansonsten: siehe oben.

    Zitat

    Am liebsten hätte ich nur Menschen um mich herum, die auf meine Angst eingehen.

    Das wäre nur in dem Moment bequemer, auf lange Sicht würde sich dein Problem so nie lösen.

    Ja das stimmt schon dass es bequeme wäre, wenn mich immer alle verstehen würden und dass das meine Angst nicht lösen würde. (ich bekomme das zitieren nicht hin >.<)


    Das ist auch ein Punkt mit dem ich zurzeit ziemlich hadere. Dass man "selbst Schuld" an der Situation ist. Man hat sich im laufe des Lebens selbst dazu entschieden (wenn auch unbewusst oder weil man dachte, man kann nicht anders) sich in Situationen mit einem bestimmten Schema zu verhalten und muss nun Verantwortung dafür übernehmen und diese Programme umschichten. Und ich hab das Gefühl, dass diese Verantwortung zu groß ist, das ich das nicht schaffe.


    Entweder ich umgebe mich mit Menschen die auf mich eingehen, dann tut mir das gut aber ich denken mir "Du verkriechst dich nur in deiner Komfortzone", oder ich stelle mich den Situationen und denke mir "ich hab keine Lust mehr auf die Panik, warum kann ich nicht einfach mal was genießen können".


    Total viele blöde Teufelskreise in meinem Kopf. :(


    Und dann sind da die Gedanken, dass es eigentlich nur eine Entscheidung ist und ich einfach zu viel jammere. Und ja an meinem Selbstwertgefühl arbeite ich auch gerade in der Therapie, vor allem dass ich mal den Mund aufmache und rede, da ich meist nur leise bin.

    ich kann dich sehr gut verstehen...habe seit anfang 2012 panikattacken gehabt und fühle echt mit dir! man fühlt sich so verdammt unnütz damit...so eingesperrt, so eingeschränkt. ich denke oft an die zeit vor den panikattacken nach und sage mir immer wieder, dass das doch gar nicht sein kann. es ist echt so abstrus, was der körper bzw. der kopf da mit einem macht. man läuft die straße entlang und (zumindest ist das so bei mir) kommt in irgend einen gedankenstrudel. der kopf bzw. die wahrnehmung beginnt sich zu fokusieren und dann gibts nur mehr flucht. bei mir war/ist es immer die flucht nach hause, die flucht an einen sicheren ort. alles da draußen ist zu bedrohlich für mich...zu viel für mich...informationsüberflutung. zu viel eindrücke für mein gehirn/meine wahrnehmung. durch meine therapie 2013 habe ich gelernt zumindest mal über die sachen zu reden, die mich den ganzen tag, die ganzen jahre so über beschäftigt haben. die gesprächstherapie habe ich abgeschlossen. aber jetzt würde mir bestimmt auch noch eine verhaltenstherapie ganz gut tun. naja...zumindest habe ich fast keine panikattacken mehr (aktuell vielleicht 3 im jahr). 2013 sah das noch etwas anders aus ;-) da hatte ich monatlich bestimmt eine bis zwei und dazu noch immer diese total lähmende "nicht-rausgeh-wollen" stimmung, weil ich angst vor der panik hatte. einfach machen dacht ich mir damals...kann ja nix passieren! passiert alles nur in meinem kopf. die panik aushalten und überstehen. das leben wieder genießen. heute kann ich auch wieder mehrere kilometer vom schützenden zu hause entfernt sein, ohne dass ich den anflug von panik bekomme. ich habe es sogar wieder geschafft alleine auto zu fahren...über eine strecke von 500km hin und zurück. auch wenn ich eine gewisse benommenheit noch immer als begleiter habe...aber das ist ein anderes thema.