• Zu still/emotionslos in der Therapiestunde

    Hallo ihr Lieben :) Ich bin seit einiger Zeit in Therapie und hab mich mit meinem Therapeuten immer gut verstanden. Ich hab leider das Problem, dass ich sehr schlecht im reden bin. Ich rede leise, braucht oft viel Zeit dazu, rede in einer schrecklich monotonen Stimme die ich selbst nicht mag und wenn er was sagt reagiere ich immer nur mit ja/nein. Ich hab…
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    Ich bin auch so, und ich finde daran nichts schrecklich.


    Ich empfinde es im Gegenteil als natürlich, wenn man persönliche Dinge leiser sagt und wenn sie länger dauern, weil sie einem naturgemäß sehr viel näher gehen und deshalb auch länger brauchen.


    Also, wenn Du leise und langsam redest, ist es für Dich auch ein Zeichen, dass Du gerade ganz nah an Dir dran bist und nicht einfach nur irgendwas sagst, was man vermeintlich von Dir erwartet.

    Es gibt inzwischen auch Kassen die Reittherapie und so übernehmen und Ergo ist auch wirklich gut, da werden auch eher praktische Dinge gemacht, um einen Zugang zu finden. Frag doch mal deinen Therapeuten was da in deiner Gegend ginge.

    Hallo Sternensegler,


    leider habe ich ein ähnliches Problem. Bei mir ist es jedoch so, dass ich zu gefasst bin. Ich hätte zig Themen, über welche ich dringend reden müsste, doch wenn ich es versuche, kommen sie mir selbst immer wie Nichtigkeiten vor, sodass ich dann keinen Sinn mehr sehe, darüber zu reden. Dass das Empfinden von Problemen immer subjektiver Natur ist, vergesse ich dann meistens. Dazu habe ich bei vielen Themen auch Hemmungen.


    Im Dezember habe ich die Therapie beendet, auch meine Therapeutin war der Meinung, dass ich alle Werkzeuge in der Hand habe, um mit meinen Problemen umzugehen. Da ich jedoch vieles nicht erzählt habe, konnte sie nicht wissen, wie sehr ich sie noch benötige.


    Ich starte nun nächsten Montag die Therapie von neuem und habe mir fest vorgenommen, wirklich offen zu reden. Im Vergleich zu anderen Personen rede ich bei ihr mit einer ziemlich großen Leichtigkeit. Ich rede im Grunde sehr ungern und behalte lieber alles für mich. Naja, ziemlich kontraproduktiv in einer Therapie :-) Fälschlicherweise empfinde ich viele Themen als zu wenig relevant, um sie in der Sitzung zu behandeln und andererseits habe ich Probleme damit, zu strukturieren, worüber ich reden will.


    Was ich diesmal jedoch versuchen will: Wenn ich schreibe, fällt es mir leichter. Vielleicht kann ich mich mit ihr darauf einigen, ihr gewisse Sachen einfach aufzuschreiben und dass wir anschließend darüber reden. Vielleicht kann ich so die Blockade brechen.

    Liebe Wednesday, es tut gut zu lesen, dass man nicht alleine damit ist. Ich wünsche dir alles gut für deine Therapie! Hat dir die 1. Therapie trotzdem etwas geholfen?


    Meine letzte Stunde war, naja.. Ich hab wieder nicht viel geredet. Diesmal hat er es aber wieder akzeptiert und mir sogar gut zugeredet, dass ich nicht reden muss, dass mich keiner zum reden zwingen kann. Er will mich in die Richtung bringen, dass ich es akzeptiere nicht reden zu wollen, dass ich nicht dagegen ankämpfe und dass dadurch die Blockade verschwindet. Fühl mich ziemlich leer. Einerseits gut weil ich das Gefühl hab, dass etwas Druck rausgenommen wurde. Andererseits einfach nur müde, weil ich das Gefühl hab nur vor mich herzudümpeln und mein Leben zu verschlafen. Und der Selbsthass ist auch immer da, immer dieser Druck, dass ich mich am liebsten zerkratzen möchte.

    Es ist so anstrengend. Ich soll den Gedanken "Ich bin an allem Schuld" genauer anschauen. Meine bloße Existenz ist schon falsch. Dieses Gefühl hinter den Gedanken raubt mir meine komplette Energie. Aber dadurch komme ich nie aus der Opferrolle heraus. Ich hab einen Teufelskreis nach dem anderen in meinem Kopf.

    Therapie ist immer antrengend. :)_ Zum Glück hat jemand mal geschrieben, dass unser Verhalten wie eine Software ist, die man neu programmieren kann. Das Umschreiben braucht Energie.


    Bist du ein unerwünschtes Kind, wenn du schreibst, dass deine ganze Existenz schon falsch ist? Ich brauche hierauf keine Antwort.

    Dann wäre es sinnvoll, "Energiemanagement" zu betreiben. Es gibt Sachen, nach denen du dich besser fühlst, und welche, nach denen es dir schlechter geht. Alles, was dir gut tut, häufiger machen; alles, was dir nicht gut tut, reduzieren.


    Habt ihr in der Therapie mal über Resourcen gesprochen?

    Nein darüber haben wir noch nicht gesprochen. An sich versuch ich schon immer wenn es geht das zu machen, was mir gut tut. Nach der Arbeit mache ich meine Runde Sport, danach fühl ich mich gut und leg mich noch ins Bett um ein Buch zu lesen oder Musik zu hören und die Gedanken baumeln lassen. Aber das geht nur 2 Stunden am Tag und die restliche Zeit fühl ich mich schrecklich. Und während ich das mache, fühle ich mich auch nicht immer gut weil ich mir denke, ich müsste was sinnvolleres machen.


    Ich hab auch das Gefühl, wenn ich mal was richtig schönes mache, dass sich danach der Sturz ins "schrecklich fühlen" viel stärker anfühlt. Am Wochenende hatte ich mal nach einiger Zeit wieder einen schönen Tag, ich bin lange im Wald spazieren gegangen und hab mich total glücklich gefühlt und hätte die Welt umarmen können. Ein Tag später ging es mir wieder so viel schlechter, dass ich keinen Sinn mehr in irgendwas gesehen habe.


    Oder ist mit Resourcen was anderes gemeint?

    Resourcen sind die Dinge, die dir gut tun. Es können auch Personen sein, mit denen du die Sachen durchsprechen kannst. Für dich ist Sport eine Resource und anscheinend auch Waldspaziergänge.


    Das Problem mit dem "Da kann man doch etwas sinnvolleres machen." kenne ich auch. Es geht halt nicht drum, was "man" für sinnvoll hält, sondern was für dich sinnvoll ist. Mir ist auch mal ein schlechtes Gewissen eingeredet worden, wenn ich mal so gar nichts gemacht habe. Dann wären wir wieder bei der Schuldebene. Du kannst ja mal schauen, wie du deine "Auszeiten" schuldfrei bekommst. Du nimmst dir die Auszeiten für dich und nicht für jemanden anderes.


    Ich habe leider keine Tipps, wie sich die Abstürze ins Schreckliche vermeiden lassen. Ich habe das einfach anders erlebt.

    Zitat

    Es ist so anstrengend. Ich soll den Gedanken "Ich bin an allem Schuld" genauer anschauen. Meine bloße Existenz ist schon falsch. Dieses Gefühl hinter den Gedanken raubt mir meine komplette Energie. Aber dadurch komme ich nie aus der Opferrolle heraus.

    Hallo Sternensegler123,


    Ich glaube, ich kann Dich da sehr gut verstehen. Dieses Zitat habe ich jetzt einige Male durchgelesen und komme immer wieder zu dem Ergebnis, dass die Kombination in dem Zusammenhang irgendwie unlogisch ist. Im folgenden Text versuche ich einmal wiederzugeben, was ich verstanden habe.


    Vermutlich gestaltet sich der Zusammenhang, den ich daraus lese, ein wenig anders, als er sich für Dich im Moment als "wahr" erweist. Vielleicht darf ich Dir trotzdem eine weitere Sichtweise anbieten mit der Möglichkeit, ein wenig Kontrast im Sinne einer zusätzlichen Betrachtung, wie Dir hier zur (therapeutischen) "Hausaufgabe" gestellt wurde, zu erhalten. Denn es geht ja um eine Aufgabenstellung außerhalb der Therapiestunde und zumal sich die Kosten auf Dauer anhäufen, ist ganz klar hilfreich, aus mehrere Positionen den Blick auf ein belastendes Thema zu richten.


    Wie ich ich verstehe, ist es schwer, diesen bestimmten Gedanken inhaltlich genauer anzuschauen. Wenn ich den Inhalt einmal näher betrachte, ist die darin lesbare Anforderung geeignet, jeden (wirklich jeden) Menschen zu überfordern. Anders gesagt hat noch nie ein Mensch es geschafft, an allem die Schuld zu tragen. Ein Ding der Unmöglichkeit also.


    Ein wenig anders sieht es allerdings aus, für "alles" die Schuld zugewiesen zu bekommen oder das Gefühl vermittelt zu bekommen, an allem Schuld zu sein. In diesem Zusammenhang tippe ich daher im Sinne eines Beweises, den ich hier zu finden hoffe, weshalb die Aussage "Ich bin an allem Schuld" dann logisch richtig sein könnte. Es geht mir also nicht darum, die Richtigkeit dieser Aussage zu bestätigen, sondern einen möglichen Fehlschluss aufzudecken, der diese Aussage in der Folgerung oder im Schließen als "falsch" aufdeckt.


    Noch anders gesagt hat sich hier wahrscheinlich ein Gefühl festgesetzt, das für sich behauptet, "logische" Argumente ins Feld zu führen. Da ist es viel schwerer, dem mit logischen Argumenten wirklich beizukommen, da Gefühle sehr schlicht gesagt kommen und gehen und sich der Festlegung da einfach wieder entziehen. Wird mir in der Tat gesagt, ich sei an allem Schuld, schließt dies nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft und die Vergangenheit mit ein. Ich schreibe hier deshalb den Zusatz, dass allein ein einziger Gegenbeweis ausreichend ist, um die Aussage als "falsch" zu entlarven.


    Damit ist aber dem Gefühl, so wie ich es vermute, noch nicht genüge getan. Es hält einen ja in der Opferrolle fest und da rational es schwer ist, gegen Gefühle zu argumentieren, braucht man weitere, vielleicht andere Strategien oder Grundhaltungen, auch Hilfe (und die erhältst Du ja derzeit durch Deinen Therapeuten), um da wieder heraus zu kommen.


    Sehr verständlich ist dahin gehend, dass die Übernahme von so viel Belastendem in dieser übermenschlichen Aufgabe (von einer "Herausforderung" kann man da nicht mehr sprechen), dass dies die komplette Energie benötigt und bestimmt von einem Menschen nicht geleistet werden kann.


    Klar ist weiterhin, wenn all dies die verfügbare Energie raubt, die notwendigen Ressourcen für anderweitige, wichtigere Themen schlicht fehlen lässt.

    Zitat

    Ich hab einen Teufelskreis nach dem anderen in meinem Kopf.

    Dazu eine Idee: So einen "Teufelskreis" betrachte ich jetzt einmal (in der Aussageform "bildlich") als einen "in sich geschlossenen Kreis". Von diesen Kreisen gibt es nun viele und es ist nicht ersichtlich, wie viele noch hinzukommen. Erkennbar ist auch weder, ob noch andere Kreise für sich wirken oder ob ein jeweils aktiver Teufelskreis durch einen anderen verdrängt wird. Darauf könnte der ersten Satz in dem Zitat oben hindeuten. Die Anstrengung wäre demnach der Konzentration auf die Verdrängung (was ja durchaus wichtig ist) geschuldet und der eigentliche Kampf, der gefochten werden sollte/könnte/dürfte, hintan gestellt wird.


    Meinem Verständnis könnte Deine Therapie (so weit sie bereits fortgeschritten ist und in der angemessenen Geschwindigkeit)an dem Punkt angelangen , an dem Du nun die Bereitschaft entwickelst, Dich der Auflösung solcher Mechanismen zu stellen.


    In diesem Sinne wünsche ich Dir sehr viel Kraft und Mut! :)* @:) :)_

    Zitat

    Mein Therapeut hat mich immer gelassen so wie ich rede. In der letzten Stunde hat er zum ersten Mal drauf reagiert und meinte, ob ich nicht Mal bisschen lauter/ mit mehr Emotionen und mit mehr als ja/nein reagieren kann. Es klang auch leicht genervt. Ich bin total erschrocken und konnte die restliche Stunde wieder fast nichts sagen weil ich total blockiert war

    Du schreibst "Es klang auch leicht genervt". Könnte das ein Hinweis sein, dass Du sehr auf dieses (negativ gefärbte) Signal achtest? In diesem Zusammenhang wäre die Folge einer Befürchtung hin zu einer ungewollten Verärgerung stimmig, in dem Sinne, dass der Therapeut "die Geduld verlieren könnte", dass er wütend werden könnte oder Ähnliches und die Stimmung ins Negative rutschen würde. ":/

    Zitat

    Das hat mich daran erinnert dass ich immer irgendwann im Leben die Menschen mit meiner Art aufrege.. Jetzt auch meinen Therapeuten.

    An diesem Thema scheint viel dran und auch inhaltlich darin zu sein. Du hast (bewusst überspitzt formuliert) bereits mit richtigem Erschrecken reagiert, dass er evtl "sauer" reagieren und vielleicht sogar mit "seiner Geduld am Ende" sein könnte.


    Eigentlich auch eine Angst vor dem Zeigen von eigenen (unerwünschten) und dem Auftauchen von negativen Gefühlen anderer(?).

    Zitat

    Ich hab Angst vor der nächsten Stunde. Ich werde versuchen mich zusammenzureißen und nicht wie ein Jammerlappen dazusitzen. Aber ich hab trotzdem Angst.

    Vergiß einmal den abwertenden Vergleich (ich weiß, das ist schwer) und konzentriere Dich (ohne an diese Bewertung zu denken) nur - und wirklich nur - auf den Inhalt dessen, was Du sagen möchtest. ;-)

    Zitat

    Warum bin ich so schrecklich wie ich bin und warum fällt es mir so schwer das zu ändern..

    Ich denke zunächst braucht es eine (angemessene) Änderung der eigenen "Überzeugung" "Warum bin ich so schrecklich") und erst dann fällt es leichter, seine Handlungen anzupassen.


    Beispiel: wenn es mir in diesem beschriebenen Zusammenhang schwer fällt, mich in einer Situation als "mutig" zu sehen oder hinsichtlich der Anwesenheit von Mut (bei mir) zu sprechen, dann liegt vielleicht unausgesprochen eine (unbewusste) Überzeugung zugrunde, die mir sagt, es fehle mir "Mut". Noch schwerer wiegt, wird an die Stelle des Mutes ein mit negativem Vorzeichen ("schrecklich") geprägter Begriff gesetzt, der da (in Wirklichkeit) gar nichts zu suchen hat. Er hat sich irgendwann so eingeprägt.


    Warum bin ich wie ich bin? Ich habe mich so entwickelt. Momentan bin ich so und es gab einmal in der Vergangenheit einen Zeitpunkt, an dem war ich anders: kleiner, hilfloser, mit weniger Erfahrung, ich habe dazu gelernt. Das geschieht immer noch.

    Zitat

    ich sag was aber es kommt total anders rüber als ich wollte, auch in einer total anderen Stimmlage/Betonung. Als hätte ich keine Kontrolle wie ich etwas sage.

    Das ist leicht möglich.


    Aber auch: die eigene Kontrolle ist auf eine bestimmte Weise so strikt, dass unterdrückte Gefühle, die sich (eigentlich) bemerkbar machen wollen, mittels Unterdrückung beseite gedrängt werden und etwas anderes gezeigt/ausgedrückt wird, das anstelle des Gewollten in Erscheinung tritt.

    Zitat

    Zahle meine momentane Therapie selbst da es zu dem Zeitpunkt wegen meinem Beruf nicht anders möglich war

    Mache bitte auch das zum Thema. Vielleicht ist möglich (kommt auf eine entsprechende Diagnose an, die dann von einer gesetzlichen Kasse bezahlt wird) eine geeignete Therapieform zu finden und mit der passenden Therapeutin/oder Therapeuten zu beginnen. Je eher, je besser, da die Wartelisten der Therapeuten voll sind, wie in einigen Fäden zu lesen ist.

    Nur mal so zur Dauer einer Therapie und wann man dadurch was erreicht:


    Ich war von 2008 bis 2012 in Behandlung, erst 3 Monate stationär, dann ambulant.


    Hat mir verhaltenstechnisch viel gebracht.


    Jetzt seit Ende 2015 bin ich wieder in Therapie und vor kurzem habe ich das erste Mal meiner Therapeutin (und mir) gezeigt, dass ich wütend bin. Diese Wut war immer irgendwie in mir (und gegen mich gerichtet), habe ich aber bis dato nie zugelassen.


    Das mal dazu, wann was erreicht wird. Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Mir wurde mal gesagt, dass Heilung so lange dauert, wie die Zeit, in der die Seele überhaupt erst verletzt wurde. Das wären bei mir bspw. 15 Jahre.