Danke für die Hinweise. Wahrscheinlich ist das wirklich der einzige erfolgversprechende Weg, dauerhaft abzunehmen. Um da hineinzukommen, wäre für mich eine äußere Kontrollinstanz eben sehr hilfreich.


    Momentan fühle ich mich mehr und mehr mit allem überfordert. Diese Woche muss ich mich noch um die Krankenkassenunterlagen kümmern wegen Widerspruch und Krankengeld. Zum Hausarzt, HNO-Arzt und Psychiater muss ich auch, aber ich habe schon gestern und heute jeweils einen Termin verpasst, weil ich so starke Morgentiefs hatte, dass ich wie gelähmt war. Ich habe dann nur noch Angst und kann nichtmal aus dem Bett aufstehen, geschweige denn die Termine wenigstens absagen.


    Ein weiteres großes Problem zur Zeit ist, dass ich seit mittlerweile über drei Monaten fast taub bin. Ich hatte nach einer starken Erkältung einen beidseitigen Paukenerguss. Nach zwei Monaten hat mir der HNO-Arzt Paukenröhrchen eingesetzt, aber dadurch habe ich mir mittlerweile eine beidseitige Mittelohrentzündung eingefangen, sodass ich immer noch extrem schlecht höre. Das beeinträchtigt mich natürlich im Umgang mit anderen sehr. Ich kann mittlerweile gut nachfühlen, wie alte Leute vereinsamen, wenn ihr Gehör nachlässt.


    Vor allem macht es mir momentan zu schaffen, weil ich eigentlich Beratung bezüglich Krankenkasse und Behandlungsmöglichkeiten brauche. Aber jedes Gespräch ist sehr schwierig. Und Telefonieren ist fast unmöglich.

    Hallo allerseits!


    Zeit für ein kleines Update.


    Ich war gerade 8 Wochen in der psychosomatischen Spezialklinik, und ich bin sehr froh, dass es doch noch geklappt hat. Ich fühle mich körperlich deutlich besser, kann z.B. jetzt wieder zu Fuß in die Stadt gehen und tue das momentan auch täglich, ich hatte ein paar interessante Erkenntnisse über die Ursachen meiner Esssucht, ich habe in der Klinik etwas abgenommen und endlich wieder Vertrauen, dass das auch längerfristig klappen kann, und nicht zuletzt habe ich Kontakte geknüpft und von meinen Mitpatienten sehr viel Wertschätzung erfahren - besonders wegen der Klavierkonzerte, die ich in der Klinik gegeben habe ;-)


    Ich habe außerdem wieder eine Zukunftsperspektive: Ich will aus Göttingen nach Hamburg ziehen, evtl. in eine betreute Wohngruppe.


    Es liegt noch ein langer Weg vor mir, aber ich freue mich, dass es mir schon ein ganzes Stück besser geht. :-)


    Im Übrigen kann ich das Buch "Morgen ist leider auch noch ein Tag - Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet" von Tobi Katze empfehlen. Ich dachte beim Lesen ständig: "Ja, genau so ist es!"

    Das freut mich für dich, Ristridin, daß du einen echt guten ersten Schritt erzielen konntest :)=


    ...dann fiel mir gleich auf, was! Klavierspielen kann er auch, hey, das ist doch großartig, ein Naturwissenschaftler mit musischer Begabung :)_


    und bleib dabei, das alles, wenn vielleicht auch langsam, durchzuziehen, was du nun begonnen hast. Ganz wichtig finde ich, daß du weiter nachforscht und nachdenkst, was dich zu deiner Eßsucht gebracht hat, die Situationen erkennen lernst, wenn du dich psychisch wieder so angeschlagen fühlst, daß du es mit Essen kompensieren willst. Da solltest du irgendeine Ersatzhandlung haben, irgendwas statt Essen, denk mal nach, was dir so einfällt oder vielleicht hast du auch Tips bekommen, aber das fände ich sehr wichtig...

    Hehe, ja, ich bin eigentlich recht vielseitig - spiele Klavier und Gitarre, mache Kalligraphie, schreibe Gedichte und Kurzprosa, interesseiere mich neben der Naturwissenschaft auch für Geschichte und viele andere Sachen... In meinen schlechteren Zeiten nannte ich mich selbst "Meister der nutzlosen Talente". Momentan sehe ich das zum Glück etwas anders.


    Wie es aussieht, ist meine Essucht eine Reaktion auf einen "Hunger" nach Liebe und körperlicher Zuwendung. Das ist mir in der Klinik klargeworden. Deshalb brauche ich auch etwas Körperliches wie Essen als Ersatzbefriedigung, Lob und Anerkennung sind zwar schön, aber reichen nicht. Bildlich gesprochen: Marmorkuchen ist eine schöne Sache, aber wenn man einem Verdurstenden (=Liebesbedürftigen) nur Marmorkuchen (=Anerkennung) anbieten kann, wird man ihn damit nicht retten.


    Mir ist eine Situation eingefallen, die mir das verdeutlicht hat. Als ich letztes Frühjahr in der Pychiatrie war, gab es ja bei der Aufnahme ein paar Untersuchungen. Darunter ein Wahrnehmungstest, bei dem die Ärztin mir mit den Fingern die Arme und die Unterschenkel entlanggestrichen hat. Ein Vorgang von vielleicht drei Sekunden, aber für mich war das etwas ganz Besonderes und Schönes. Das zeigt vielleicht, wie "ausgehungert" ich nach körperlicher Zuwendung bin, und das schon seit vielen, vielen Jahren.


    Nun kenne ich also möglicherweise die Ursache meines Problems. :-D Aber eine Lösung hab ich noch nicht gefunden. :=o

    Hm, wie würdest du es als Naturwissenschaftler sehen? Wenn du die Ursache kennst, ist dann nicht der Weg in Richtung Lösung schon mal mit dem Erkennen als erster winzig kleiner Schritt getan? Da gibt es doch auch keine schnellen Lösungen?


    Ich finde die Ursache das Allerwichtigste, nur so kannst du daran gehen, für dieses Defizit, welches dir wahrscheinlich von deiner Familie zugefügt worden ist, eine Lösung zu finden.


    Wenn ich sarkastisch sein darf, aber du hast mir ja die Vorlage geliefert, Spazierengehen in die Stadt ist auch was Körperliches :=o


    Du kannst also sehr oft diese Variante wählen. Muß ja nicht immer weit sein, aber Jacke, Schuhe und raus bei der Tür, hm?


    Oder habe ich da von deinem Vergleich her gesehen, einen Logikfehler? ;-D


    Und natürlich steckst du ja auch in einem Kreislauf.


    Dir fehlen Zuneigung, Berührung, also holst du dir das übers Essen, ist soweit nachvollziehbar. Du bist aber dadurch immer dicker geworden und die Chancen auf körperliche Berührung sind dann irgendwie gesunken, du fühlst dich ja wahrscheinlich in deiner Körpermasse auch nicht als der große Zampano, oder? Wo ist - in deinem Erwachsenenleben - Ursache, wo Wirkung?


    Und was ist dein Problem in Bezug auf Körperkontakt zu Frauen? Bist du zu schüchtern, fühlst du dich nicht selbstsicher genug? Rechnest du dir gar keine Chancen aus?


    Und dabei bist du so ein vielseitiger Mensch, wie überaus sympathisch :-)

    Ja, die Ursache deutlicher zu kennen ist auf jeden Fall ein Fortschritt. Mal sehen, was ich draus machen kann. Ich habe übrigens eine ganze Teddyfamilie zu Hause, die mir sehr gut tut. :-)


    Ich gehe mittlerweile wieder spazieren; seit dem Klinikaufenthalt bin ich körperlich wieder so weit fit, dass ich ein paar Kilometer gehen kann, ohne mich zwischendurch hinsetzen zu müssen.


    Aber Spazierengehen gibt mir nicht diese Instant-Befriedigung wie eben Essen. Wenns so einfach wäre, hätten wir den Nobelpreis für die erfolgreiche Bekämpfung von Suchterkrankungen sicher. ;-)


    Mein Selbstbewusstsein leidet eigentlich nicht in erster Linie am Aussehen meines dicken Körpers. (Glaub ich zumindest.) Andererseits wiederum fühlte ich mich auch noch zu dick, als ich in einer anorektischen Phase soviel abgenommen hatte, dass ich fast normalgewichtig war. Es ist natürlich ein kompliziertes Wechselspiel aus vielen Faktoren. Aber ich berühre meine Rundungen gerne und ekle mich nicht davor.


    Tja, Ristridin und die Frauen - das ist eine längere Geschichte. Entscheidend ist hier vielleicht, dass ich erst seit ein paar Jahren wieder versuche, eine Partnerin zu finden, und dass ich schon deutliche Fortschritte gemacht habe. Es ist nur auch ein langer Weg, weil ich da einige Entwicklungsschritte nachzuholen habe und als Physiker auch nicht gerade viele Frauen in meinem Umfeld habe.

    Ich glaube, daß kaum jemand beim Spazierengehen eine ähnliche Befriedigung hat wie beim Essen, deine Bezeichnung gefällt mir :-D


    Aber ich hätte es auch eher mehr in dem Sinne betrachtet, daß es von dem großen Bedürfnis nach Essen ablenken soll.


    Das Wahrnehmungsgefühl des eigenen Körpers, wenn es mal gestört ist, ist, glaube ich, sehr schwer wieder in den Griff zu kriegen. Kenne ich auf einer abstrakten Ebene auch und hängt sehr viel mit Selbstwertgefühl und Emotionen zusammen, zumindest bei mir.


    Naja, und mit dem Erfolg bei Frauen hängt halt durchaus auch der erste Eindruck zusammen, ist doch bei den Männern umgekehrt genauso, gerade wenn man jemanden noch nicht kennt, gibt es ja nur das Körperbild, und wenn das nicht ansprechend wirkt, dann ist zwar nicht alles verloren, aber ich finde es zumindest erschwert.


    Ach Physiker, vielleicht sollte ich nicht so viel Big-Bang-Theory gucken, aber die haben doch auch alle eine Freundin gefunden. Wenn sie nicht zu dir kommen und an der Haustür läuten, dann mußt du sie suchen gehen, hartnäckig mußt du bleiben und Ausdauer haben. Ausdauer nämlich auch mit dir selber und Geduld und Liebe und dann lernen auch Physiker Frauen kennen :-) was ich sagen will, bleib auf deinem positiven Weg und akzeptiere Rückschläge, aber gehe ihn weiter bitte @:)