Ich würde durchaus auch unterstützen, unterschiedliche Medien zur Wissensvermittlung heranzuziehen. Natürlich sind Fachtexte wichtig, auch und gerade, um im wissenschaftlichen Duktus anzukommen. Um sich einen schwierigen oder (subjektiv) unzugänglichen Sachverhalt anzueignen, kann man sich aber durchaus Quellen suchen, die das Komplizierte einfach herunterbrechen, mit Beispielen arbeiten, Vergleiche darlegen, schlicht: Fachjargon Fachjargon sein lassen und dem Leser/Zuschauer/Benutzer/Lernenden anschaulich den Inhalt begreiflich machen, während sie ihn dabei behutsam mit dem gebräuchlichen Fachvokabular vertraut machen. Das ist grundsätzlich also durchaus eine gute Idee und es spricht für die Lernbereitschaft der TE - eine zentrale Bedingung, um überhaupt ein Studium mit so etwas wie Sinn zu erfüllen. Trotzdem wäre für mich die wesentliche Frage, ob dieser Studiengang tatsächlich das ist, was du, asdfjosi, machen möchtest. Ich schließe mich da vollumfänglich den Ausführungen von TheManWhoWouldBeKing an. Überleg dir das mal.

    Zitat

    Ein guter Freund von mir war in einer ähnlichen Situation wie du (Studium Mathematik, nachdem ihm das in der Schule Spaß gemacht hatte). Im Studium gibt es aber teilweise solche Überflieger, dass man unmöglich zu den Besten und möglicherweise nicht mal zum Mittelfeld gehört, was die Geschwindigkeit und Leichtigkeit betrifft, die so gar nicht mit Schul-Mathe vergleichbaren Denkweisen zu lernen. Er war kurz vor dem Abbruch und es ging ihm gar nicht gut in der Zeit, er hat sich dann aber doch mittels Tutoraten durchgeboxt.

    Meinst du mit Tutorat die üblichen von der Uni angebotenen Übungsgruppen oder gibt es da inzwischen sowas wie private Nachhilfelehrer, die den Studenten gegen Geld auf die Sprünge helfen?


    Ich frag, weil ich überlege, ob ich nicht beruflich umsatteln und sowas anbieten sollte. Ich weiß aber nicht, ob es dafür einen Markt gibt und sich damit Geld verdienen lässt.


    Wie criecharlie schon sagt, ist die "Studierfähigkeit" heutiger Abiturienten ja mehr oder weniger überhaupt nicht mehr gegeben, insbesondere mathematisch siehts da zappenduster aus. Das muss ja auf der Uni in die Katastrophe führen (so wie bei adsfjosi), das ist ja mehr oder weniger vorprogrammiert.

    Zitat

    Meinst du mit Tutorat die üblichen von der Uni angebotenen Übungsgruppen oder gibt es da inzwischen sowas wie private Nachhilfelehrer, die den Studenten gegen Geld auf die Sprünge helfen?

    Mein Kumpel war bei Übungsgruppen von der Uni aus, die scheinen recht effektiv gewesen zu sein, wenn man sich neben dem Zeitaufwand für die Tutoratsgruppen selbst ebenfalls dazu durchringen konnte, auch zuhause die ganzen Übungen zu machen. Einen Markt für Privatnachhilfe gibt es bestimmt - Du könntest es ja mal testen, indem du z.B. in einer Vorlesung der frühen Semester (in Absprache mit dem Prof) Umfragezettel verteilst, wer an so einem Angebot interessiert wäre und wieviel Geld man zu investieren bereit wäre.

    Zitat

    Wie criecharlie schon sagt, ist die "Studierfähigkeit" heutiger Abiturienten ja mehr oder weniger überhaupt nicht mehr gegeben, insbesondere mathematisch siehts da zappenduster aus.

    Ich weiß nicht, ob ich mich deiner Meinung hinsichtlich der mangelnden Studierfähigkeit heutiger Abiturienten so ganz generell anschließen kann. Teilweise mag das berechtigt sein, aber gerade bei Mathematik ist die Uni einfach eine völlig andere Wissenschaft als Matheunterricht in der Schule. Das ist kein Neuzeitphänomen, auch früheren Generationen dürfte ein begonnenes Mathematik- oder Physikstudium die ein oder andere schlaflose Nacht mit Existenzkrisen und Abbruchgedanken beschert haben.

    Zitat

    Du könntest es ja mal testen, indem du z.B. in einer Vorlesung der frühen Semester (in Absprache mit dem Prof) Umfragezettel verteilst, wer an so einem Angebot interessiert wäre und wieviel Geld man zu investieren bereit wäre.

    Du meinst als reine Umfrage und nicht als konkretes Angebot? Denn tatsächlich anbieten kann ich sowas derzeit nicht, dafür müsste ich erst meinen aktuellen Job hinschmeißen oder aber zumindest stundenmäßig reduzieren.


    Aber vielleicht ist die Idee gut, mal mit Professoren Kontakt aufzunehmen, ob die da einen Markt sehen.


    Ich vermute etwas, dass das ein reines Hirngespinst von mir ist. Mein Verdienst würde sich wohl mehr als halbieren, denn so arg viel kann ein Student ja nun nicht zahlen.

    Zitat

    Ich weiß nicht, ob ich mich deiner Meinung hinsichtlich der mangelnden Studierfähigkeit heutiger Abiturienten so ganz generell anschließen kann.

    Es ist wirklich grausig und meines Erachtens können die Profs nur schier verzweifeln.


    Aber recht hast du, dass man sicher nicht alles generell und pauschal über einen Kamm scheren kann. Man wird da schon nach Bundesländern differenzieren müssen, und auch hier bei mir in NRW gibt es sicher auch Schulen, die noch funktionieren. Und auch da, wo das nicht der Fall ist, gibt es sicher noch Abiturienten, die doch noch studieren können.

    Zitat

    Teilweise mag das berechtigt sein, aber gerade bei Mathematik ist die Uni einfach eine völlig andere Wissenschaft als Matheunterricht in der Schule.

    Das auch, und natürlich hatten die Abiturienten früher auch Umstellungsprobleme, wenn sie an die Uni kamen.


    Aber wo das Schulwissen schon völlig fehlt, wird das mit der Hochschulmathematik wohl erst recht nichts.

    Ich möchte noch mal betonen, dass ich die Studierenden nicht per se für studierunfähig halte, sondern dass nicht alle die Krieterien erfüllen, die ich als dazu passend erwarten würde. Studierfähigkeit und Studienerfolg (kann man bei u.a. bei Heublein nachlesen) sind nicht monokausal und manchmal setzt man als Dozent halt auf Dinge, die genau bei dem Studierenden oder der Gruppe nicht vorhanden sind.


    Man muss auch aufpassen: für "uns" sind viele Dinge selbstverständlich, das gilt aber nicht für die Studierenden. Der Abstand wird halt auch immer größer zwischen einem Studierenden und jemanden, der schon lange im akademischen Job (ob in Uni oder nicht) steht und genauso, wie sich der Anfänger schwer tut auf seinem Weg nach oben, tut sich der Erfahrene schwer, den Anfänger dort abzuholen, wo er es brauchen würde. Manches wächst halt mit den Jahren und es ist auch nicht alles über kognitive Strukturen zu erklären, sondern viel läuft über sog. Fähigkeitsentwicklung und da ist das kognitiv/intellektuelle nur ein Teil davon (z.B. capability approach)

    Zitat

    Ich weiß nicht was ich machen soll.

    Du solltest dich kritisch fragen, woher deine Schwierigkeiten kommen und dein Lernverhalten analysieren.


    Gehst du zu Vorlesungen, machst du dir ausreichend Notizen, bereitest du Vorlesungen und Übungen vor und nach?

    Zitat

    Bücher aus der Bibliothek bringen meistens nichts, weil es Fachsprache ist.

    Sorry, das ist eine lahme Ausrede. Du studierst, das beinhaltet sich Fachsprache anzueignen. Wenn du etwas nicht verstehst, dann schlag es nach oder frag in Tutorien oder bei Kommilitonen, ob sie es dir erklären können.

    Ich habe mich für Mechatronik Bachelor Studiengang entschieden, als Verbundstudiengang. Unser matheprofessor setzt Dinge eigentlich voraus, die wir gerade im Schnelldurchgang besprechen. Sei es imaginäre Zahlen/komplexe Zahlen, Rechenregeln für Logarithmus und limes oder sonstige selten genutzte Sachen, und genau da liegt der Hase begraben.


    Klar haben wir in der Oberstufe Limes, Logarithmus gemacht, in der Unterstufe Mengenlehre und Co. Aber auf wieviel Themen bezog sich das? Genau, auf das eine Thema, die Klausur wurde geschrieben und das nächste Thema wurde bearbeitet.


    Ich habe seit 12 Jahren kein Logarithmus benutzen müssen, dass der nicht mehr aktuell ist, sollte evtl logisch sein.


    Aber wieso wählt man ein Studienfach nur nach dem, was man gut konnte? Ich muss mich doch für die Materie interessieren :/

    @ King-Kong

    Soll der Prof jetzt keinen Logarithmus mehr benutzen, weil der für dich nicht mehr "aktuell" ist, oder wie?


    Wie du schreibst, wurde das "im Schnelldurchgang" behandelt. Klar, so läuft Studium. Man kriegt das in der Vorlesung ziemlich schnell erklärt, muss das dann nacharbeiten, bis man es verstanden hat, die Übungen dazu machen, und dann muss das sitzen.


    Du hast aber gut beschrieben, wo das Problem in der Schule ist. Da wird ein Thema nach dem anderen kurz und oberflächlich behandelt, eine Klausur dazu geschrieben, und dann wird das Thema sofort wieder vergessen und kommt nie wieder vor. Natürlich kann das so nicht funktionieren. (Nennt sich auch "Bulimie-Lernen": Stoff in sich reinfressen, zur Klausur auskotzen und dann ist alles wieder weg.)

    @ criecharlie:

    Je nach Größe sehen Hund und Hase gleich aus ]:D

    @ Fe.

    Nein, soll er ruhig benutzen, aber unser Prof ist ein richtiger Mathe-Freak, wir dürfen keinen Taschenrechner benutzen. Ist ja auch ok, und man lernt wieder, Gleichungen umzustellen, aufzulösen, zu vereinfachen und zu küren, was sonst der TR macht.


    Aber nach unserem Prof ist der Vortest, den wir zur Selbstüberprüfung gemacht haben, ursprünglich als "Voraussetzung" zu sehen, und man sollte mindestens 45 Punkte erreichen (von 50).


    Und wenn man dann nicht weiß, DASS so ein Test vorkommt, und man um die 10 Jahre aus dem Thema raus ist, und es nie gebraucht hat, ja mein Gott....das ist so, als wenn ich in der 7. Klasse ein halbes Jahr französisch hatte, und dann mit 30 nach Vokabeln gefragt werde. Irgendwas ist hängen geblieben, alles sicherlich nicht.


    Spreche ich aber seit der 7. Klasse jeden Tag französisch, weil meine Eltern es können und wir regelmäßig Urlaub in Frankreich machen, werde ich mit 30 sehr wahrscheinlich fliessend die Sprache beherrschen.


    Und klar muss man die Dinge aufarbeiten, ich sage auch nicht, dass der Prof Unrecht hat, oder er uns alles ganz genau nochmal erklären muss. Aber eben dieses demotivierende "Eigentlich müsstet ihr das können", ist einfach unangebracht. Ich bin seit 2008 aus der Schule, Logarithmus und Limes habe ich glaub in der 10. Klasse zuletzt benutzt. Seitdem habe ich meine Ausbildung gemacht und arbeite als Mechatroniker. Da brauchte ich bis jetzt keinen Logarithmus und keine Grenzwertbetrachtung.


    Mir sind aber ein paar Dinge sicherlich noch geläufig oder hängen geblieben (zum Beispiel Kurvendiskussion, Ableitung, Nullstellen bestimmen...), aber eben nur, weil das Interessant war. Integrale werden wir auch machen, habe ich in der Schule aber auch nur 1 mal für die Klausur lernen müssen.


    Ich bin der Meinung, dass die Themen einfach nicht aufeinander aufbauen. Wofür lerne ich das 1x1? Weil ich es später für Berechnungen brauche.


    Wo ist also das Problem nach der Integralrechnung bei der Kurvendiskussion auch mal das Integral zu berechnen? Oder wenn Gleichungen behandelt werden, den Grafen zeichnen, Nullstellen bestimmen etc pp.


    Das lässt sich alles verbinden, aber wird nicht gemacht.

    Habe gerade was Passendes gefunden:


    ]:D

    (Hanft et al 2015)

    Zitat

    Du hast aber gut beschrieben, wo das Problem in der Schule ist. Da wird ein Thema nach dem anderen kurz und oberflächlich behandelt, eine Klausur dazu geschrieben, und dann wird das Thema sofort wieder vergessen und kommt nie wieder vor. Natürlich kann das so nicht funktionieren. (Nennt sich auch "Bulimie-Lernen": Stoff in sich reinfressen, zur Klausur auskotzen und dann ist alles wieder weg.)

    Ist doch in Bologna auch nicht anders. Die wissen kurz vor den Abschlussarbeiten in den meisten Fällen fachlich immer noch NICHTS und sind nicht in der Lage für Querverbindungen. Ich kenne das aus den Diplomstudiengängen seltener, dass sich die Leute oberflächlich haben mitschleifen lassen, vor allem haben sie jetzt auch fast alle die gleichen Seminare besucht,


    d.h. die Seminare beleben sich in sich niht mehr inhaltlich, alle das gleiche Basis- Aufbau- Vertiefungsmodul...


    im alten System sind sie mehr gesprungen, also als Zweitsemester in Veranstaltungen für höhere Semester und umgekehrt, genauso kamen mehr Aspekte rein, da die Dozenten im Stoff deutlich freier waren und auch mal umgestaltet haben.


    Jetzt folgt man einer Art curriculum wie in der Schule, 4 Kurse, 4 Dozenten, alle das gleich und am Schluss gibt es sogar eine gemeinsame Prüfung. Da kannst Du inhaltliche Varianz oder gar Vertiefung mal haken.

    Also, erstmal vielen Dank für eure Kommentare.


    Meine Kommilitonen schaffen die Übungsaufgaben vorher auch selten. Es gibt ein paar die es etwas können und dann auch versuchen das zu erklären, aber meistens verstehen sie nicht so viel davon, dass sie es verständlich ausdrücken könnten ":/


    Ich gehe zu allen Vorlesungen und Übungen. Wie gesagt, ich versuche alles vorzubereiten aber geht halt nicht wenn man das nicht versteht:D


    Ursprünglich wollte ich später in die Geräte- und Medizintechnik. Und ich habe mich nicht nur für das Studium entschieden, weil ich es in der Schule gut konnte, sondern weil ich nach Hause gekommen bin und mich gefreut habe die Aufgaben für die nächste Übung zu rechnen. Ich hatte Spaß daran. Gelegentlich komme ich aus der Mathevorlesung und habe das Gefühl ich hätte es verstanden, doch dann sind die Aufgaben die wir rechnen sollen 5 Stufen über dem Niveau was gezeigt wurde.


    Heute in der Übung stand der Tutor vorne und hat die Formeln einfach an die Tafel geklatscht. Klar verstehe ich, dass im Studium auch viel Selbststudium dazu gehört, dennoch kam ich mit der Art und Weise nicht klar, wie es den Stoff vermittelt. Mir würde gelegentlich helfen, wenn er sagt wo die Formel herkommt und in welchem Zusammenhang sie mit dem Rest steht. Es werden manchmal Kenntnisse vorausgesetzt von denen ich nicht weiß, woher ich diese hätte bekommen sollen ???


    Von der Uni werden zu einigen Sachen Repertorien angeboten, diese haben aber keinen studentenfreundlichen Preis.

    Ich studiere, ich hab keine Zeit zu lesen...


    ganz grundsätzlich musst du Schule und Uni im Kopf trennen. Nur weil jemand gut oder schlecht in der Schule war oder bestimmte Dinge konnte oder nicht, heißt nicht, dass es in der Uni auch so ist. Außerdem muss man sich öfter mal überlegen, ob man das, was man für den Kurs lernen muss, auch für andere Kurse (oder gar das Leben) braucht. Wenn ja -> so gut wie möglich verstehen, oder wenigstens Plan B -> "wie muss ich das anwenden um durchzukommen ohne es zu verstehen" gut beherrschen. Und dann nicht von anderen Überfliegern verunsichern lassen. In der Uni sammeln sich in einem Studiengang halt auch die Cracks, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand besser ist als man selbst, ist ziemlich groß. Mit anderen zusammen lernen hat den Vorteil, dass man nicht alleine verzweifelt ;-) und vielleicht kapiert man auch mal was mehr, vor allem aber wird man mehr Lösungsstrategien abschauen können ohne etwas zu verstehen, und das hilft auch ;-)


    Also erstmal den Perfektionismus rausschmeißen, gucken ob es nicht auch ohne Verstehen irgendwie reicht und wenn die Durchfallquote zu groß wird, ggf einen anderen Studiengang suchen.