Magst du mal beschreiben, wie die Veranstaltungen bei euch generell aufgebaut sind?


    Müsst/sollt ihr die Übungsblätter eigenständig bearbeiten? Gibt es Übungen, in denen die Musterlösung vorgestellt wird, oder eher Tutorien, die euch Hilfestellungen für das eigenständige Lösen an die Hand geben?


    Von meinem Studium kenne ich beides. Bei den Matheveranstaltungen, die ich besuchen musste, war es üblich, dass in den Tutorien Aufgaben besprochen wurden, die denen auf den Blättern ähnelten. Die eigentlichen Übungsaufgaben mussten wir dann eigenständig lösen und konnten sie zum Korrigieren abgeben. ??Wer im Alleingang über die Hälfte der Aufgaben beantworten konnte, war übrigens schon sehr, sehr gut. In der Gruppe haben wir üblicherweise so 3/4 geschafft, bei einfachen Blättern manchmal etwas mehr. Alle Aufgaben bearbeitet und dann möglicherweise noch völlig korrekt, war die absolute Ausnahme.??


    Bei den Veranstaltungen zu meinem Hauptfach werden dagegen in den Übungen einfach die Musterlösungen für die Übungsblätter präsentiert. Ob man versucht, diese zuvor eigenständig zu lösen oder einfach nur nachbereitet, ist dann freigestellt. Das bedeutet auch, dass einige der Übungsaufgaben nicht unbedingt prüfungsrelevant sind, in dem Sinne, dass es zwar sinnvoll ist, sie nachvollziehen zu können um die Hintergründe zu verstehen, sie aber nicht eigenständig reproduziert können werden müssen.


    Worauf ich hinaus will: Vielleicht konzentrierst du dich beim Lernen manchmal zu sehr auf eher unwichtige Details? Das habe ich schon bei Mitschülern und jetzt auch immer mal wieder bei Kommilitonen beobachtet. Da wird sich ewig an Details, einzelnen Beweisen etc. aufgehängt und aus dem Fokus verloren, was die eigentliche Aussage/Anwendung ist, die nähergebracht werden sollte.


    Auch, dass ihr keine Formelsammlungen für die Prüfungen verwenden dürft, finde ich ungewöhnlich. Ist das bei allen Veranstaltungen so? Ich kenne es eher so, dass die reine Wiedergabe von Formeln ziemlich unwichtig ist, relevant ist, sie korrekt anwenden zu können bzw. sie ausreichend zu verstehen, um auch Transferaufgaben beantworten zu können. Aber vielleicht bin ich da auch einfach von meiner Uni bzw. meinem Studiengang verwöhnt.


    So ganz generell: YouTube-Videos können sehr gut sein, wenn es um eher Grundlegendes geht und man der entsprechende Lerntyp ist. (Bin ich zum Beispiel überhaupt nicht, mir hilft ein Skript viel mehr als ein Vortrag, deshalb war ich auch im gesamten Master in keiner Vorlesung mehr). Dennoch sollte man sich angewöhnen, mit der entsprechenden Fachliteratur zu arbeiten. Wenn du jetzt etwa die Hälfte des Bachelors hast, bist du noch ziemlich bei den Grundlagen, dazu ist E-Technik kein Orchideenfach, es sollte also genug Literatur vorhanden sein. Manchmal muss man ein wenig suchen, bis man ein Buch gefunden hat, das man gut findet. Oder verschiedene Quellen lesen und sich daraus jeweils die wichtigen Details picken. Oder mal in der englischsprachigen Literatur suchen. Da hat man oft mehr Auswahl und zumindest ich finde sie auch häufig sprachlich einfacher sowie didaktisch besser aufbereitet (irgendwie scheint im Deutschen oft immer noch der Glaube zu herrschen, wirklich wissenschaftlich sei ein Werk erst, wenn es niemand mehr versteht).


    Und wenn alles nichts hilft, vielleicht doch über einen Wechsel nachdenken. Ich weiß gerade nicht, wie das bei E-Technik so geregelt ist; hast du ein Nebenfach? Wenn ja, wäre das vielleicht einen näheren Blick wert? Alternativ hilft vielleicht der Wechsel an die etwas praxisorientierte FH?

    Wir müssen die Übungen bzw sollen die Übungen vorher eigentlich komplett vorbereitet haben. Der jeweilige Tutor gibt dann nochmal den Lösungsweg an wie die es gerne hätten und natürlich die Lösungen an sich.


    Das mit der Formelsammlung ist nur in den ET spezifischen Fächern so. Sonst bekommen wir Formeln.


    Aber dynamische Netzwerke zu schreiben ist schon hart genug, dann noch die Formeln auswendig zu können ist die Krönung .


    Ich studiere ET auf Diplom und da gibt es keine Nebenfächer.

    Zitat

    Ich habe auch ein Diplom und habe die Wahlmöglichkeiten von echten Nebenfächern immer als Vorteil gegenüber Bachelor empfunden.....

    Kurze Zwischenfrage: was war denn der Unterschied? Kenne nur Bologna.

    Beim Diplom hatte man eine Zwischenprüfung.


    Nicht alle Kurse, die man vorher gemacht hatte, sind benotet worden und keine Benotung ist in die Note der Zwischenprüfung eingegangen.


    Auch konnte man horiziontal studieren,


    man musste z.B. 2 Hauptseminar und 2 Proseminarscheine belegen, d.h. man hat mehrere Seminare/Vertiefungen/Dozenten ausprobiert oder eben verfolgt. Nun ist es ja so, dass wenn man z.B. ein Basismodul in einer bestimmten Disziplin gemacht hat, man


    die Note nicht mehr verbessern kann und auch die Zugänge so limitiert sind, dass man in die nächste Ebene muss.


    Es gab Vorlesungszyklen, die waren Pflicht, den Abschluss bildete eine Gesamtprüfung (eben der Diplomvorprüfungen).


    Die Anmeldung für Vor- und Hauptdiplom konnte erfolgen, wenn man alle vorgegebenen Seminararten belegt hatte, meist hatte man vier oder 5 Proseminarscheine und einige mehr Hauptseminarscheine,


    die erforderliche Anzahl hat man dann heraus gesucht und sich damit zur Prüfung angemeldet.


    Im Hauptstudium hat man sich dann spezialisiert. Nach der Diplomarbeit (tentativ 100 - 120 Seiten) kam noch die Diplomprüfung, d.h. im Haupt- und Nebenfach jeweils schriftliche und mündliche Prüfungen. Da man im Studium verschiedenen Schwerpunkte gesetzt hatte, musste man sich Prüfer suchen und die Themen mit diesen absprechen, da jeder Student anders war.

    Zitat

    . Mir würde gelegentlich helfen, wenn er sagt wo die Formel herkommt und in welchem Zusammenhang sie mit dem Rest steht. Es werden manchmal Kenntnisse vorausgesetzt von denen ich nicht weiß, woher ich diese hätte bekommen sollen

    Studium unterscheidet sich von Schule nicht unerheblich dadurch, dass in der Schule das Wissen stärker vermittelt wurde und nicht nur ein grober Überblick darüber gegeben wird, was erwartet wird wie im Studium. Im Studium muss man sich das Wissen und die Zusammenhänge weitgehend selbst erarbeiten. Dazu bedarf es einer besonderen Arbeitsmethodik. Und ja, derzeit ist das Internet eher für das Studieren nicht geeignet- die meisten notwendigen Lehrwerke sind im Internet nicht verfügbar. Deswegen ist nach wie vor eine gute Bibliothek (oder einige grundlegende eigene private Lehrbücher) der wichtigste Weg,um im Studium voranzukommen. Auch die Dozenten/Professoren verwenden für ihre Vorbereitung Lehrbücher.


    In guten Lehrbüchern sind Zusammenhänge genauer und ausführlicher beschrieben. Es ist günstig, sich die Fachbegriffe zu erarbeiten (eventuell mit Hilfe weiterer Lehrbücher) und sich eine eigene Übersicht über die Zusammenhänge zum aktuellen Thema in einem eigenen Hefter darzustellen- also Lernmaterialien sind Lehrbuch, Blatt und Stift- nach wie vor noch am geeignetesten. Youtube-Videos halte ich für eher ungeeignet (und wenn du mehr Nachhaltigkeit möchtest, versuche nach dem Anschauen des Videos die Schwerpunkte und Zusammenhänge mit Zettel und Stift in einer Übersicht aufzuschreiben, wähle dir teilfragen und versuche die Antworten dazu aufzuschreiben. Was du nur in einem Film siehst, wird sich in deinem Gedächtnis wenig nachhaltig einprägen, auch weil er zuviele ablenkende Sinneseindrücke liefert.


    Für die meisten Menschen ist nach wie vor das denkende Aufschreiben oder das denkende Sprechen (erkläre einem anderen Kommilitonen, was du verstanden hast) die nachhaltigste Lernmethode. Filme sind schnell wieder vergessen, gerade auch, weil man sich zum Erfassen des Inhaltes zu wenig selbst bemühen muss- wer sich am meisten bemüht, ist der im Video Vortragende.


    Wenn du jedesmal dein Vorwissen wieder vergessen hast, wirst du auch das neu zu Erarbeitende nicht verstehen können, weil das Neue auf dem Vorangegangenen aufbaut. Zusätzlich hilft der Festigung das Aufschreiben der Zusammenhänge unter verschiedenen Gesichtspunkten- also wiederholend immer wieder aufschreiben, immer wieder Teilfragen selbst aufwerfen und beantworten. Versuche das ganze in Kausalketten (Ursache-Wirkung-Ursache-Wirkung-... ) zu binden.


    Zur Illustration an einem Beispiel:


    Nimm mal einfach z.B. die Funktionsweise eines elektromagnetischen Schwingkreises- mache dir bewusst welche Funktion die einzelnen Bestandteile haben- Spule, Konsensator. Wähle dir eine bestimmte Kapazität des Kondensators und der Spule und berechne die wichtigen Größen des Schwingkreises (z.B. Frequenz, Spannung, Stromstärke zu bestimmten Zeitpunkten, maximale Werte, Magnetflussdichte der Spule bzw. Ladung zu bestimmten Zeitpunkten, was passiert mit Strom und Spannung im zeitlichen Verlauf an Spule und Kondensator, warum ist das so. Mache dir Gedanken zum induktiven, kapazitiven und ohmschen Widerstand in deinem Stromkreis ... Dann kannst du dir Gedanken zu Verlusten machen- wo kommen die her, wie kann man die ermitteln. Wie kann man den Schwingkreis aufbröseln z.B. zum Sender oder Empfänger ...,, ...


    Wenn du die Grundlagen zu bestimmten elektronische Systemen verstanden hast, dürfte es dir auch eher möglich sein, schwerere Aufgaben zu lösen.

    @asdfjosi:

    Studieren kann sehr sehr hart sein. Gerade in den niedrigeren Semestern. Als ich in meinem ersten Semester war, hat uns unser Mathe-Professor eine Sammlung an Ratschlägen an Erstsemester Studenten vorgelesen, die andere Studenten höheren Semesters gesammelt hatten. Einer davon war: "Macht euch keine Sorgen wenn ihr nichts versteht, man gewöhnt sich daran!" Der Hörsaal lag vor lachen. ;-D Wir hatten seit wenigen Wochen Vorlesungen und uns ging es quasi allen beschissen. ]:D Dass ich selbst Übungsaufgaben nicht lösen konnte, ging mir in höheren Semestern noch so und teilweise ist es auch normal. Das kommt ein wenig aufs Fach und die Art der Hochschule an. ;-) Aber: man wächst an seinen Aufgaben. :)z Meist ist es einfach die Frage ob man bereit ist sich durchzubeissen und nicht aufzugeben. Ich habe die Übungsaufgaben dann halt hinterher mit der Musterlösung verstanden. Was teilweise aber auch lange gedauert hat. An die Fachsprache wirst du dich gewöhnen, das kommt alles nach und nach. Die wichtige Frage ist eigentlich nur ob du das Studium denn noch willst. Bist du einfach nur arg frustriert und deswegen demotiviert oder hast du eher das Gefühl dass es das nicht war für dich? In letzterem Fall wäre etwas anderes zu tun natürlich der richtige Weg. Aber wenn du es eigentlich machen willst, dann gib nicht auf. :-)