Zwanghaft ein "leichtes Mädchen?"

    Guten Abend liebe Forengemeinde,


    dies ist mein erster Versuch, auf diesem Wege Rat einzuholen. Ich bin schon länger eine sporadische, stille Mitleserin auf Med1 und da ich nicht weiß, an wen bzw. welche Stelle ich mich wenden kann, versuche ich es nun hier.


    Mein Problem:


    Vor etwa fünf Jahren hatte ich ein recht einschneidendes Erlebnis. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll; und mir fällt gerade auf, dass ich es noch nie richtig beschrieben habe. Kurz und fast schmerzlos: ich wurde an einem Abend in fast jeder erdenklichen Weise verletzt. Sichtbare und unsichtbare Narben trage ich seitdem mit mir herum. Bis vor zwei Jahren war ich nur noch als Geist unterwegs. Kaum Kontakte, nur Studium bzw. später Arbeit, ich war so unaufällig wie nur möglich.


    Und nun komme ich zu meinem eigentlichen Problem:


    Vor etwa zwei Jahren hat sich dies schrittweise geändert. Ich bin wieder mehr unter Leute gegangen, wurde aktiver im Job und änderte mich auch optisch wieder zu dem, wie ich einmal vor dem Erlebnis war.


    Eigentlich wäre das gut. Ich habe nur den Punkt verpasst, an dem diese Entwicklung normal war. Ich fing nach und nach an, auf die Kontaktversuche von Männern einzugehen und diese zu erwidern. Bis ich regelmäßig mit mir größtenteils unbekannten Männern sexuelle Kontakte hatte. Das Verrückte ist, es ist nicht mal das, was ich suche und möchte, und trotzdem mache ich es. Es macht mir Angst, währenddessen und vor allem danach. Das klingt vermutlich sehr gestört, aber ich spüre währenddessen sogar hin und wieder eine gewisse Todesangst. Der normal denkende Mensch sagt sich jetzt vermutlich "ja, dann hör doch damit auf!". Es geht nicht. Es ist wie mit einer Sucht.


    Ich habe es kurz nach dem Erlebnis mit einer Therapie versucht. Nach jedem Gespräch fühlte ich mich aber "dreckiger" als zuvor. Eine Therapie möchte ich daher nicht machen. Ich will nicht alles, was ich mir zum Beispiel auch jobtechnisch aufgebaut habe, riskieren.


    Gleichzeitig bin ich aber ratlos und hoffe, dass es hier vielleicht Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen machen oder gemacht haben? Oder vielleicht gibt es hier schlaue Köpfe, die eine Idee haben?


    Für jede Idee und jeden Gedanken wäre ich sehr dankbar!


    Nastjenka

  • 18 Antworten

    Hallo Nastajenka,


    Deine Geschichte klingt nach einem sehr heftigen und noch dazu im Erleben sehr tief wirkenden Erlebnis. Wie geht es Dir z.B. mit Schlaf oder gibt es dazu auch schlimme Träume?


    Vielleicht magst Du noch ein wenig von Dir erzählen, insbesondere ob es sonstwie Menschen gibt, mit denen Du auch vertraulichere Dinge besprechen kannst.


    Ganz deutlich ist auch zu erkennen, wie kritisch Du Dich persönlich sowie Dein Verhalten bewertest. Ich versuche immer, hinter so vielem, den Menschen zu erkennen, die sie oder der er ist und davon das Verhalten zu trennen.


    Ich verstehe Deine Abneigung zu einer "Therapie" durch die Erfahrung, die Du in einer solchen gemacht hast. Zu alledem gibt es so viele verschiedene Therapieformen, die sich teils so stark unterscheiden, dass also Therapie nicht gleich Therapie ist. Bei jemandem, die oder der überzeugt ist, sie führe zu keinem Erfolg, wird es schwer bis unmöglich sein, gegen den eigenen Willen Erfolge zu produzieren. Ich denke, da mündet es eher in eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.


    Dein Weg zu einem Therapeuten so kurz nach dem schlimmen Erlebnis zeigt mir aber, dass da professionelle Hilfe trotz aller schrecklicher Gefühle sehr viel mehr bewirken könnte, denn es war ja auch anfänglich Deine Entscheidung, Dich darum zu bemühen. Sehr schade aber finde ich, wie es dann in Wirklichkeit gelaufen ist, doch leider musstest Du darin weitere Unannehmlichkeiten hinnehmen. :°_


    Vielleicht darf ich Dich ja dazu noch fragen, um welche Therapieform es sich denn gehandelt hat - nur wenn Du möchtest natürlich.


    Manchmal hilft bereits ein wenig darüber zu reden, was so sehr auf die Seele drückt, um durch das Aussprechen den Druck zu lindern, obgleich ich überzeugt bin, dass von Laien nur bedingt Hilfe zu erwarten sein kann, wenn es sehr starke Verletzungen der Psyche betrifft.


    Ein ander Mal ist Reden ungeeignet, mit dem inhaltlich umgehen zu können, was einen belastet.


    Noch anders, wenn Therapeut oder Therapeutin nicht passen, weil man miteinander keinen "Draht" findet oder eher zu einer Frau bzw. einem männlichen Therapeuten neigt.


    Und noch einmal anders die Geschwindigkeit, die in einem solchen Prozess vielleicht erst einmal Zeit braucht, obwohl der verspürte Druck immens ist und einem Herangehen erst einmal "Raum" gegeben werden muss, um auch Vertrauen aufzubauen bzw. es dann auch zu können.


    Und auch im "Dschungel" der Therapieformen gilt es zu unterscheiden, um die richtige bzw. angemessene Hilfe zu finden. Psychiatrische Kliniken und Ambulanzen sowie Sozialpsychiatrische Dienste können Anlaufstellen sein, in denen man sich beraten lassen kann, ob und was als Behandlung in Frage kommt und wer das durchführen könnte.

    Zitat

    Das Verrückte ist, es ist nicht mal das, was ich suche und möchte, und trotzdem mache ich es. Es macht mir Angst, währenddessen und vor allem danach. Das klingt vermutlich sehr gestört, aber ich spüre währenddessen sogar hin und wieder eine gewisse Todesangst. Der normal denkende Mensch sagt sich jetzt vermutlich "ja, dann hör doch damit auf!". Es geht nicht. Es ist wie mit einer Sucht.

    Es besteht ebenso die Möglichkeit einer "Ersatzhandlung", doch glaube ich, ein Ändern der Handlungsweise würde das, was die Seele zum Ausdruck bringen möchte und ihr z.B. nicht wirklich gelingt, dann eben verschieben. ":/

    Etwas anderes als eine Therapie wird aber nicht helfen.


    Klar ist eine Therapie anstrengend und belastend, immerhin musst du all die Dinge verarbeiten, die dein Bewusstsein lieber vergessen und verdrängen möchte.

    Hallo und lieben Dank für die Antworten! Besonders Dir FantiK3 für die sehr ausführliche Nachricht.


    Ich gehe einfach mal chronologisch vor.


    Ja, das mit dem Schlaf ist tatsächlich so eine Sache. Ich habe noch häufig schlechte Träume; finde mich auch manchmal irgendwo außerhalb des Bettes wieder. Es ist aber deutlich besser geworden. Es gab eine lange Zeit, in der ich so gut wie gar nicht geschlafen habe.


    Grundsätzlich gibt es in meinem Leben Menschen, mit denen ich vertrauliche Dinge besprechen kann und das auch mache. Ich habe wunderbare Freunde und zumindest mit meinem Familienkern bin ich auch wunschlos glücklich. Ich könnte ihnen aber niemals "davon" erzählen. Vor allem, weil ich ihnen diese Last nicht auferlegen will. Bei meinen Eltern und meinen Geschwistern weiß ich, dass sie es nur schwer ertragen würden. Auch meine Freunde will ich davor verschonen. Und ich hätte Angst, dass sie mich anders sehen und dass sich unser Verhältnis verändern würde. Nicht, weil sie sich abwenden würden, aber es wäre vielleicht etwas, was dann ständig im Raum stünde. Dabei will ich es ja loswerden.


    Bei den Therapieformen kenne ich mich nicht so richtig aus. Es war von mir auch nicht eine richtig bewusste Entscheidung. Ich lag nach dem Vorfall im Krankenhaus. Dort gab es auch die Möglichkeit einer ambulanten Psychotherapie. (Im Krankenhaus oder einer Klinik bleiben, wollte ich nicht). Dort wurde mir auch eine Psychologin (Psychotherapeutin) "zugewiesen" und wir haben geredet. Ich hätte auch eine andere Psychologin / oder Psychologen wählen können. Es lag nur nicht an ihr. Sie war nett und vertrauenswürdig. Das Reden tat nur einfach nicht gut.


    Das Problem bei jeder möglichen Beratung wäre ja auch, dass ich drüber reden muss. Und es geht einfach nicht. Auch physisch nicht. Ich bekomme kein Wort raus. Nach dem Vorfall war es leicht, da man es mir angesehen hat. Jetzt müsste ich es quasi erklären.


    Gibt es eine vertrauenswürdige, gute Seite, die mögliche Therapieformen erklärt? Vielleicht kann ich mich über diesen Weg langsam herantasten.


    Was genau meinst Du mit "Ersatzhandlungen"?


    Nochmals vielen Dank für deine Nachricht! @:)


    Und vermutlich hast Du, Dante, recht. Obwohl ich noch hoffe, dass es einen anderen Weg gibt. Denn ich weiß nicht nur nicht, wo ich dafür die Energie hernehmen soll. Ich weiß auch nicht, wie ich überhaupt einen Anfang finden soll.

    Zitat

    Gibt es eine vertrauenswürdige, gute Seite, die mögliche Therapieformen erklärt?

    Schaue mal hier:


    http://www.seele-und-gesundhei…rapie/psychotherapie.html

    Zitat

    Ich weiß auch nicht, wie ich überhaupt einen Anfang finden soll.

    Mein erster Gedanke war: Genau wie du es hier gemacht hast. Grob umrissen, ausreichend Details, um die Geschichte und die Problematik verständlich zu machen. Alles andere ist dann Rantasten, in deinem Tempo. :)*

    Hallo minimia,


    vielen Dank für den Link! Den schaue ich mir morgen in einem etwas wacheren Zustand genauer an.


    Das Problem ist, dass ich schreiben kann (und selbst hierfür benötige ich für bestimmte Passagen eine halbe Ewigkeit). Reden, auch wenn ich sonst vermutlich eher nicht auf den Mund gefallen bin, geht einfach nicht. Wenn es um dieses Thema und um bestimmte Worte geht, ist es, als hätte man mir die Stimmbänder entfernt.

    Zitat

    Ich habe es kurz nach dem Erlebnis mit einer Therapie versucht. Nach jedem Gespräch fühlte ich mich aber "dreckiger" als zuvor. Eine Therapie möchte ich daher nicht machen. Ich will nicht alles, was ich mir zum Beispiel auch jobtechnisch aufgebaut habe, riskieren.

    Therapie ist oft kein Spaziergang. Bzw. wenn sie es ist, ist sie dafür auch evtl. einfach umso weniger effektiv. Ich denke dein Erlebnis und deine aktuellen Probleme wirst du nicht auch bequeme Weise los, das aufzuarbeiten wird weh tun. Da musst du dich entscheiden: Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken?


    Grundsätzlich rate ich nicht wegen allem und jedem zur Therapie und denke, dass man vieles mit etwas mehr Mut auch alleine angehen kann. Aber wenn es so verfahren ist, dass du keine Energie hast und das schon so lange geht, wird das eher nicht klappen.

    Ich denke man kann sich durchaus vorstellen was Dir widerfahren ist und dabei steht das Erlebte viel mehr im Vordergrund als der Hintergrund des Vorfalls. Ob Fremdeinwirkung oder in Bezug auf eine bis dahin vertrauten Person sei somit erst mal dahingestellt.


    Ich wäre falsch zu sagen "ich kann das Dir zugebrachte Leid" nachvollziehen, aber nur der Gedanke daran löst viel Wut und Trauer in mir aus. Es fällt mir schwer besser darauf einzugehen, wenn man selbst in der glücklichen Position ist, so etwas nie erlebt zu haben, bin aber dennoch der Meinung, dass "Reden" einiges bewirken kann. Wenn man sich dem Dämon stellt und mit einer vertrauten Person darüber spricht, ausführlich und ohne dabei unterbrochen zu werden, könnte das schon ein guter Schritt sein um das Erlebte geringfügig zu verarbeiten.


    Sei nicht so selbstkritisch und uneigennützig. Freundschaften wachsen mit der Bereitschaft der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe und da darf man auch ein wenig egoistisch sein und Hilfe beanspruchen. Denk vielleicht doch darüber nach, Dir einen engen Vertrauten ran zuziehen und mit ihr/ihm das Thema aufzunehmen. Selbstverständlich ist dafür nicht jeder Charakter geeignet und eine gewisse Diskretion und Einfühlsamkeit sollte dabei natürlich selbstverständlich sein. In dem Augenblick, in dem Du das Erlebte Revue passieren lässt, wird es sicher wieder mit Faustschlägen auf Dich niederprasseln, aber Verarbeitung ist besser als Verdrängung und dagegen ankämpfen i.d.R. erfolgsversprechender als das Eingeständnis einer Niederlage. Solltest Du Dich dazu überwinden können, mit einer Dir eng vertrauten Person zu sprechen, dann nimm Dir viel Zeit dafür, zwing Dich nicht auch wenn es vielleicht mehrerer Anläufe bedarf. Das Wichtigste ist dabei tatsächlich Dein Gegenüber, der das so wenig wie möglich kommentieren oder Dich in Deinem Redefluss auch nur ansatzweise unterbrechen oder Dich zum Weiterreden drängen sollte.


    Es geht einfach darum, jemanden zu haben, der Dich im weiteren Verlauf unterstützen und Dir bei Entscheidungen helfen kann/soll wenn es darum geht mit einer Therapie anzufangen. Es geht dabei also weder um Mitleid oder Trost, sondern um Rückhalt und Teilnahme bei Rückfällen oder den nächsten Schritten um das Erlebte zu verarbeiten.


    Deine Männergeschichten könnten unter Umständen damit zusammenhängen, dass es Dir schwerfällt Vertrauen bzw. eine emotionale Bindung aufzubauen, weswegen ich vermuten würde, dass das Erlebte mit einer Person zusammenhängt, die dem einst gleichkam, ohne Dich jetzt drängen zu wollen, mehr darüber preiszugeben, als Du möchtest.


    Was genau ist denn der Antrieb der zu diesen sexuellen Kontakten führt? Sexuelle Reize? Lust? Oder einfach nur das Bedürfnis etwas zu spüren, was Du eigentlich gar nicht spüren willst?


    Was fühlst Du vor dem "Date", was bei der ersten Berührung?


    Ich glaube ich weiß gerade nicht so recht was ich rede, aber beim Blick auf die Uhr wundert mich das selbst irgendwie auch nicht.

    Ich glaube dieses Verhalten ist eine Art "Therapie" für dich, und erfüllt die wichtige Funktion dich deiner Angst zu stellen und dadurch wieder ein Stück Kontrolle (und innere Autonomie) zurück zu gewinnen, mit jeder Situation die du zwar mit Angst durchlebst aber unbeschadet überstehst. Ein Teil von dir möchte vielleicht zeigen und auch testen, inwiefern dadurch wieder ein Vertrauen in dich selbst möglich ist. Die Angst zu kontrollieren, losgelöst von der Realität und dem Bauchgefühl/der Intuition zu betrachten...immer wieder zu sehen, es gibt Situationen in diesem Grenzbereich die du aber steuern kannst, wo du Kontrolle ausüben kannst und wie unterscheiden sich diese Situationen von der einen damals, wo du keine Kontrolle hattest...


    Ich sehe dieses Verhalten als gar nicht so eigenartig, eher eine Kompensation und ein Entwicklungsschritt wieder Vertrauen in dich selbst und deine Wahrnehmung zu generieren und dich nicht von einer Identität als "Opfer" prägen zu lassen :)*

    Ps: Wobei es natürlich nicht gut ist, wenn sich dieses Verhalten verselbständigt. Wenn du magst, schreibe mir eine PN.

    Liebe Nastjenka


    Zum Thema Therapie und nicht sprechen können möchte ich dir etwas von mir erzählen.


    Im Alter von 32 beschloss ich – nach einer sehr schwierigen Periode, die beinahe mit meinem Suizid geendet hatte – mir professionell helfen zu lassen. Meine Therapeutin fand ich über das Telefonbuch. Ich hatte Glück und konnte schon nach kurzer Wartezeit Termine wahrnehmen.


    Im Gegensatz zu dir hatte ich davor mit vielen Menschen gesprochen, hatte zum Teil völlig wahllos irgendwelchen Menschen von meinen traumatisierenden Erlebnissen erzählt. Oft sogar noch mit einem Lächeln. Es war wie ein Zwang und natürlich konnte niemand etwas mit meinen Abgründen anfangen. (Natürlich ist das nicht dasselbe wie deine wahllosen sexuellen Kontakte, aber deine Beschreibung hat mich daran erinnert.)


    In der Therapie war es dann gerade umgekehrt. Ich konnte nicht mehr reden. Ich ging über eine längere Zeit zu dieser Therapeutin (zweimal pro Woche), schwieg, weinte manchmal und ging wieder, wenn die Zeit um war. Sie hat mich zu nichts gedrängt, nichts über die Vergangenheit gefragt. Nur manchmal fragte sie mich Sachen wie "Wo sind Sie gerade?" Einmal sagte sie auch: "Wir arbeiten mit dem, was Sie in die Stunde bringen. Wenn Sie schweigen, nehmen wir das. Was bedeutet Ihr Schweigen?" – Auf diese sehr behutsame Weise ermöglichte sie mir, mich wirklich zu zeigen, mir selber anzusehen, was da in mir drin schwelte und nicht heilen konnte. Langsam konnte ich formulieren und langsam konnte ich annehmen, was mir passiert war. Ich lernte, meine Betroffenheit zu spüren. Ich konnte spüren, dass ich seelische und körperliche Grenzen habe (und vor allem: haben darf!). Ja, dass ich mich abgrenzen darf, war wohl das Wichtigste, was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe. Das war es ja vor allem, was mir in den Jahren davor, insbesondere in der Kindheit und Jugendzeit, genommen wurde: meine Selbstbestimmtheit, meine Unversehrtheit.


    Wie du wollte ich auch sehr lange Zeit (rund 10 Jahre) keine Therapie machen. Aber rückblickend hat es sich so sehr gelohnt. Wie gebrochene Knochen, die fachmännisch geschient wurden, würde ich sagen. Es konnte alles gut wieder zusammenwachsen. Ohne die Therapie ginge ich wohl heute noch an Krücken.


    Sollte die Zeit kommen, wo du bereit bist für eine Therapie, wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass sowohl Person wie auch Therapieform zu dir passen und natürlich auch, dass diese Reise zu dir selber ein Erfolgserlebnis wird. Alles, alles Gute. :)*

    Hallo und herzlichen Dank an Alle, die sich die Mühe gemacht haben und hier geantwortet haben! Eure Reaktionen machen mir Mut. :-)


    Ich antworte wieder nach und nach.


    Ashera, ich weiß, was Du meinst. Ich glaube, was mich auch noch davon abhält, mit Freunden zu reden, ist, dass ich mir bis heute viel "aufgebaut" habe. Ich will nicht auf einmal die sein, der soetwas passiert ist. Und jetzt ist es für mich auch etwas einfacher. Nach außen bin ich gut gelaunt, freundlich, aktiv...wenn in mir alles zusammenbricht, muss ich das vor keinem rechtfertigen. Oder anders gesagt, es kann in mir alles zusammenbrechen, ohne, dass sich jemand Sorgen macht. Das würde mich wiederum unter Handlungsdruck setzen.


    An diesem Absatz saß ich nun länger. Ich habe kein Gesicht zu dem Geschehen. Oder anders ausgedrückt, ich konnte das Gesicht nicht erkennen. Daher weiß ich nicht, wer es war. Aber es war keine Vertrauensperson.


    Ich weiß nicht, ob ich in den Männergeschichten Kontrolle suche? Ich wundere mich nur danach immer wieder, dass es gut gelaufen ist. Dass nichts passiert ist. Ich quasi noch lebe.


    Vor dem "Date" fühle ich nicht viel. Es ist mehr Hals über Kopf und ich denke vorher nie viel nach. Während dessen, bei der ersten Berührung ist es ein Gefühl von "ich muss das jetzt machen" oder "Augen zu und durch". Insgesamt ist es ein Wechselspiel von Angst aber tatsächlich auch schönen Momenten. Es sind zum Glück auch selten "schlimme" Typen. Was umso verwunderlicher für mich ist.


    Und danke, dass Du Dir so früh morgens Zeit für mich genommen hast! Auch an Dich, fairsolutions, du warst ja auch so früh unterwegs!


    Das mit der Kontrolle klingt einleuchtend. Wobei ich während dessen und danach nicht unbedingt das Gefühl von Kontrolle spüre. Es fühlt sich eher so an, als würde sie mir in diesem Momenten wieder entgleiten.


    Liebe Himmelblau, vielen Dank für deine Gedanken! Es ist schön zu lesen, dass du deinen Weg gefunden hast und so stark warst, eine Therapie zu machen. Ich will niemals nie sagen, aber zumindest bei dem einen Therapieversuch habe ich auch viel geschwiegen und es wurde gefühlt immer schlimmer. Weil natürlich viel in meinem Kopf los war, aber diese Mauer einfach unüberwindbar vor mir stand. Und dieses Gefühl war einfach unerträglich. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal schaffe. Ich suche noch eine Möglichkeit, diese Mauer vorher einzureißen. Die Ideen, die mir diesbezüglich kommen, sind wohl nur auch nicht gerade zielführend.

    Zitat

    dass ich schreiben kann

    Dann schreibe es auf und nimm' es zur Therapie mit. Dein/e Thera und du werdet einen Weg finden, auch wenn er in Mäuseschrittchen verläuft. :)z

    Liebe Nastjenka,


    meinen Beitrag möchte ich mit Zuspruch zu Dir und Deiner Situation beginnen. So ganz finde ich nicht die richtigen Worte, deshalb halte ich es kurz: fühl Dich umarmt :)_


    Meiner Meinung nach sind hier schon viele wertvolle Tipps und Anregungen angesprochen worden. Ich möchte Deine Aufmerksamkeit auf etwas anders lenken.

    Zitat

    Ich will nicht alles, was ich mir zum Beispiel auch jobtechnisch aufgebaut habe, riskieren.

    Zitat

    Ich will nicht auf einmal die sein, der soetwas passiert ist.

    Zitat

    Ich suche noch eine Möglichkeit, diese Mauer vorher einzureißen

    Dies Sätze sind mir aufgefallen. Für mich scheint es so zu sein, dass Du nach aussen hin stark, perfekt und immer gut vorbereitet anderen Menschen gegenüber erscheinen willst. Du willst niemandem, aber auch wirklich niemandem zeigen, wie es Dir geht bzw. wie es in Deinem Inneren aussieht. Und Du willst keine Schwäche zeigen, auch nicht Deinen Freunden gegenüber.


    Ich bin der Meinung, dass Du hier Deinen Standpunkt verschieben solltest. Fürchtest Du Nachteile im Job, wenn Du eine Therapie machst? Wenden sich Deine Freunde von Dir ab, wenn sie von dem Ereignis erfahren? Ich glaube, da machst Du Dir zu viele Gedanken darüber.


    Ich halte die Idee von minimia, schriftliche Sachen zu Therapie mitzubringen für sehr gut.