Zweifel bzgl. Geschlechtsidentität

    Man hört immer "Genderwahn", "Gehirnwäsche", "scheiß Feministinnen" etc. Bei mir ist es so, dass ich, seit ich mit "solchen Leuten" rumhänge, das erste Mal in meinem Leben das Gefühl habe, so akzeptiert zu werden, wie ich bin. Zum ersten Mal redet mir niemand rein oder sagt mir, dass ich so und so zu sein habe und es FALSCH ist, diesem Bild nicht zu entsprechen. Da bin ich einfach ich und ich weiß, dass niemand es in Frage stellen würde, wenn ich jetzt z. B. plötzlich sagen würde, ich fühle mich mit meinen bisher verwendeten Pronomen nicht wohl etc.

    Ich bin jetzt nicht trans oder so. Aber ich habe immer mehr den Verdacht, dass ich vielleicht einfach nicht in dieses binäre Geschlechtersystem passe. Je älter ich werde, desto stärker wird dieses Gefühl.

    Das Gefühl ist nicht das Problem. Sondern das Wissen, dass sowas gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Ich hab immer das Gefühl, dass ich mich für das, was ich empfinde, schämen oder rechtfertigen muss.

    Ich hoffe einfach, dass ich hier nicht deswegen angegangen werde und ein respektvoller Austausch möglich ist.

  • 70 Antworten

    Naja so eine Handvoll "non-binary" Leute gibts ja schon.

    Ich habe auf Instagram auch schon öfter gelesen auch wegen dem Pronomen.

    Welches soll "man" denn nehmen bzw welches würdest du bevorzugen ?

    Asiga schrieb:

    Naja so eine Handvoll "non-binary" Leute gibts ja schon.

    Ich habe auf Instagram auch schon öfter gelesen auch wegen dem Pronomen.

    Welches soll "man" denn nehmen bzw welches würdest du bevorzugen ?

    Ich kann mit den Pronomen gut leben, die mir zugeteilt wurden. Ich habe eher ein Problem damit, als Mann bezeichnet zu werden. Es fühlt sich halt nicht 100% richtig an.

    Für mich ist mein Geschlecht auch nicht wirklich relevant für meine Identität. Ich fühle mich primär als Mensch. Scham oder Rechtfertigungsdruck verspüre ich deswegen aber nicht. :-) Eher im Gegenteil, ich finde das sehr gut so! :)z

    Mikadon't schrieb:

    dass ich, seit ich mit "solchen Leuten" rumhänge, das erste Mal in meinem Leben das Gefühl habe, so akzeptiert zu werden, wie ich bin. Zum ersten Mal redet mir niemand rein oder sagt mir, dass ich so und so zu sein habe und es FALSCH ist, diesem Bild nicht zu entsprechen.

    :)^

    Das wünsche ich mir auch. Meine Familie (Mama, Stiefpapa, Stiefschwester und Stiefbruder) steht voll zu mir. Aber schon in der entfernteren Mischpoche kriselt es damit, und bei sehr vielen Erwachsenen die ich nicht ganz umgehen kann.

    Mikadon't schrieb:

    Ich habe eher ein Problem damit, als Mann bezeichnet zu werden. Es fühlt sich halt nicht 100% richtig an.

    Ich wäre froh wenn ich nicht nach dem Geschlecht eingeteilt werden müsste, weil keine der 2 binären Schubladen wirklich zu mir passt.

    Das ist zuerst ein äusserliches Problem: Ich habe seit der Pubertät einen eindeutig weiblichen Körper. Ich habe deutlich mehr "Kurven" als meine Schwester und kann unmöglich mehr als Junge durch gehen, auch in den Kleidern nicht, oder höchstens im Winter, auf dem Snowboard...


    Dazu fühle ich mich tatsächlich nicht immer eindeutig als Junge. Ich mache immer wieder Phasen durch in denen ich mich weiblich fühle. Manchmal fast bis zum Gebärneid |-o


    MIt dem Körper habe ich mich jetzt abgefunden. Fragen wie "wann lässt du dich endlich operieren?" gehen an mir vorbei. Mit den praktischen Problemen mogle ich mich durch so gut wie es geht. Wenigstens habe ich einen genialen Vornamen. Er ist geschlechtsneutral :-p


    Aber die ständige ungefragte Kritik tut manchmal weh. Dieses Gefühl nicht so zu sein wie ein Junge oder Mann zu sein hat, das nervt.

    Das sind halt die widerwärtigen Machenschaften von homo sapiens, dass die ständig irgendwelche Opfer zum Draufkloppen suchen müssen, um sich selbst besser zu fühlen. Und Menschen, die sich geschlechtlich nicht eindeutig einzuordnen wissen oder es nicht wollen oder sonstwas, sind da willkommen. Früher waren es die Homosexuellen und andere Randgruppen. Die Opfergruppen wechseln da immer, sobald sich eine Gruppe etabliert hat.

    Es ist gesellschaftlich anerkannt. Sogar normativ. M. W. D. Gemeinschaftstoiletten, non Binary Ampeln.

    Was denn noch?

    Wer sind denn solche Leute? Die LGBTIQ Community?

    Was empfindest du denn so?

    Ich denke die Gesellschaft hat keine großes Problem mehr mit Personen die sich angleichen lassen, aber sehr wohl ein Problem mit Menschen die sich als non binary definieren.

    Ein Bekannter von mir wurde als Frau geboren und hat sich vor einigen Jahren angleichen lassen.

    Er hat mir schon des öfteren gesagt, dass er mit non binary nichts anfangen kann,

    Vor allem dann nicht, wenn diese Personen als Frauen geboren wurden, aber optisch voll einen auf Mann machen.

    Frauen können das,und die Gesellschaft insbesondere die LGBTIQ Community akzeptiert das.

    Aber man stelle sich eine Person vor, die als Mann geboren wurde und ,ausschließlich Frauenkleidung trägt und sich als non binary bezeichnet.

    Da würde doch jeder sagen häh? Nonbinary aber ausschließlich Frauenkleidung?

    Was ich sagen möchte, du musst dich nicht in Frauenkleidung zwängen, wenn das nicht deins ist und du dich darin nicht wohlfühlst.

    Wenn du aber ausschließlich Männerklamotten trägst solltest du hinterfragen, ob da nicht mehr dahinter steckt.

    Du wärst nicht die erste Person die sich zunächst nicht einordnen möchte, oder kann, der es aber später nicht schnell genug mit der Angleichung gehen kann..

    Mein Bekannter war früher auch so unterwegs, dass er dachte Männerklamotten Männerfrisur und Männerspitznamen rechen um sich wohl zu fühlen.

    Genau solche Aussagen sind der Grund, warum Leute wie ich Angst haben, offen zu sagen, wer wir sind. Weil viele Leute immer noch sagen, es gibt nur zwei Schubladen, das ist (in der westlichen Kultur) immer so gewesen und hat gefälligst auch so zu bleiben. Warum ist es für viele Menschen so schwer, anderen das Recht zu lassen, selbst zu sagen, wer oder was sie sind? Warum muss man andere Menschen bevormunden?

    Geschlechtsidentität hat nichts mit Genitalien und Kleidung zu tun. Eine häufig auftretende Korrelation bedeutet nicht, dass es ausschließlich so ist.

    In meinem Umfeld gibt es (meines Wissens nach) drei Menschen, die nichtbinär sind. Eine dieser Personen ist sehr androgyn, benutzt Neopronomen und ich habe keine Ahnung, was auf der Geburtsurkunde dieser Person steht oder welche Genitalien die Person hat. Weil es null Relevanz hat. Person 2 sieht typisch männlich aus, groß, trägt Bart, (im Deutschen) Er-Pronomen, trägt typisch maskuline Kleidung. Trotzdem kein Mann. Person 3 ist trans und nimmt Testosteron, ist weder Mann noch Frau.

    Allein mein Umfeld zeigt ja schon, wie vielseitig Geschlecht sein kann. Es gibt garantiert insbesondere viele Menschen, die wie Person 2 sind und dann sagen alle, sie kennen keine nichtbinären Menschen und die gibt es nicht, weil ihr eigenes Denken so klischeebehaftet ist, dass sie sich nichts außerhalb zweier Extreme vorstellen können.

    criecharlie schrieb:

    Es ist gesellschaftlich anerkannt. Sogar normativ. M. W. D. Gemeinschaftstoiletten, non Binary Ampeln.

    Was denn noch?

    Vielleicht einfach ein bisschen Akzeptanz?

    "Ich bin ein Mann" -> "ok"

    "Ich bin eine Frau" -> "ok"

    "Ich bin nonbinär" -> "Das gibt es nicht, du bist krank/verrückt/willst nur Aufmerksamkeit"

    Es wäre halt nett, einfach offen so leben zu dürfen, wie es sich für einen richtig anfühlt, ohne das einem Leute, auf deren Leben es null Einfluss hat, einem reinreden, beleidigen oder Gewalt antun.


    Dieser dritte Geschlechtseintrag ist eh total zweifelhaft. Das impliziert auch nur, es gibt männlich, weiblich, und halt "alles andere".

    Ein wenig kommt mir das bekannt vor. Ich habe mich noch nie einem bestimmten Geschlecht zugehörig gefühlt, also ich fühle mich weder männlich, noch weiblich. Für mich ist Geschlecht einfach was biologisches, nichts „Geistiges“.

    Mein Körper ist zwar biologisch eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen, von meiner Persönlichkeit her fühle ich mich einfach neutral. Als Kind hat mich diese Zuteilung und das Angeredetwerden mit geschlechtstypischen Pronomen gestört, eben diese ständige oft unnötige Unterscheidung nach Geschlecht.
    Man kann sich das in etwa so ähnlich vorstellen, als wenn in der Gesellschaft im Alltag ständig Rothaarige mit anderen Pronomen angeredet werden würden, als Schwarzhaarige, Blonde usw. und jede Haarfarbe eine eigene Anrede bekäme usw..


    Aber ich kann damit leben, auch wenn ich es oft affig finde. .... Weniger verstehen kann ich dagegen Transsexuelle, weil sie oft krasse Geschlechterklischees pflegen. Damit kann ich so gar nichts anfangen. Ich hatte auch mal hier einen Thread dazu aufgemacht.


    Mit LGBT etc. habe ich es auch nicht so, ist nicht meine Welt.

    Zitat

    Dieser dritte Geschlechtseintrag ist eh total zweifelhaft. Das impliziert auch nur, es gibt männlich, weiblich, und halt "alles andere".

    Unter diesem tollen d für divers kann ich mich auch nicht wiederfinden, höchstens unter s wie subversiv. ;-D

    Mikadon't schrieb:
    criecharlie schrieb:

    Es ist gesellschaftlich anerkannt. Sogar normativ. M. W. D. Gemeinschaftstoiletten, non Binary Ampeln.

    Was denn noch?

    Vielleicht einfach ein bisschen Akzeptanz?

    (...)

    Dieser dritte Geschlechtseintrag ist eh total zweifelhaft. Das impliziert auch nur, es gibt männlich, weiblich, und halt "alles andere".

    Genau so kommt es mir vor. Könnt ihr nicht zufrieden sein? Für euch Sonderfälle gibt es doch jetzt extra diesen (sorry) Abfalleimer (in dem man sich sogar nach L, G, T, B usw. getrennt entsorgen kann) ;-D


    Offiziell ist die Anerkennung gewachsen, das stimmt (wobei in meinem Ausweis immer noch M oder W stehen muss).


    Nur hat man im alltäglichen Leben immer noch mehrheitlich mit Leuten zu tun, für die gehört die Einteilung in zwei Geschlechter zu den Basics. Samt Allem was mit zum Geschlecht gehört. Samt diesen "tertiären und quartären Geschlechtsmerkmalen" wie die Art zu gehen, Kleiderfarben, "geschlechtstypische" Interessen.


    Es braucht immer noch viel Selbstsicherheit, um ohne das "binäre Korsett" seinen Weg zu finden.:)z

    Mit „non-binary“ kann ich eigentlich auch nichts anfangen. Für mich ist das Geschlecht schlicht zu nebensächlich, um das großartig für meine Identität relevant zu finden. Letztlich prolongiert der Begriff doch nur wieder das übertriebene Wichtignehmen des Geschlechts... Man könnte eigentlich das Geschlecht ganz aus Ausweisen weglassen. Wozu ist denn das noch relevant eigentlich. Nur wenn Ehe auf eine Verbindung zwischen Mann und Frau beschränkt ist, „muss“ man das kontrollieren. Aber wo sonst spielt denn das noch eine Rolle?

    LolaX5 schrieb:

    Mit „non-binary“ kann ich eigentlich auch nichts anfangen. Für mich ist das Geschlecht schlicht zu nebensächlich, um das großartig für meine Identität relevant zu finden.

    Geht mir auch so. Mit "non-binary" assoziiere ich auch etwas anderes, als einfach, dass man sich einfach "geschlechtsneutral" und nicht männlich, weiblich usw. fühlt; man fühlt sich einfach als sich selbst, nicht als "grenzenlos". ":/


    Sich geschlechtsneutral zu fühlen, ist auch etwas anderes, als Transsexualität. Trotzdem wird das von anderen oft in einen Topf geworfen, das stört mich schon etwas. Eben, weil es etwas ganz anderes ist. Wer transsexuell ist, fühlt sich explizit als Mann oder als Frau und gerade nicht geschlechtsneutral.

    Das passt überhaupt nicht in einen Topf.


    Allenfalls z.B. im medizinischen Kontext finde ich das Geschlecht für Dritte wichtig.