Ist Weichteilrheuma heilbar?

    Hallo,


    ich habe nun schon seit einem Jahr immer mal wieder schmerzen in den Hand- und Fußgelenken. Vor einem dreiviertel Jahr hatte ich bei einer Blutuntersuchung auch einen positiven Rheumawert, damals sagte mein Arzt mir, daß das bestimmt mit meiner Lebenssituation zusammen hängt (mein Mann war an Krebs erkrankt und seine Zeit tickte) und ich mal abwarten solle. Es war dann auch nach ein paar Tagen Schmerzmedikamenten für eine ganze Weile in Ordnung. Vor 14 Tagen war ich dann wieder bei ihm, weil die Schmerzen nun seit ca. 4 Wochen wieder schlimm waren und auch nicht besser wurden im Gegenteil es stellt sich auch ein kribbeln ein. Ich bekam also direkt eine Überweisung zum Rheumatologen. Ich habe mich dann im Bekanntenkreis nach einem guten umgehört und war nun vergangenen Donnerstag dort. Dieser stellt nach einer halben Stunden Unterhaltung und Untersuchung die Diagnose Weichteilrheuma. Meine Hände und Füße wurden geröntgt und die Knochendichte wurde gemessen. Sowohl die Röntgenbilder wie auch die Knochendichtmessung war vollkommen ok. Und der Arzt sagte mir sogar, daß ich gute Aussichten habe das die Schmerzen wieder weggehen. Mein Hausarzt arbeitet glücklicher Weise auch mit einem Kollegen sehr eng zusammen, der an einem Pilotprojekt teiltnimmt, den werde ich Ende nächster Woche aufsuchen, bin auch schon gespannt was der zu berichten hat.


    Aber nun zu meiner Eingangsfrage, wenn ich das hier im Forum alles so lese, hört sich das eher negativ an, also möchte ich nun wissen ob der Rheumatologe mir da nur gut zugeredet hat oder besteht tatsächlich die Hoffnung der Heilung?


    Gruß


    Floh

  • 4 Antworten

    Hallo Floh,


    ein positiver Rheumafaktor sagt erst einmal rein gar nichts aus, weil diesen auch kerngesunde Menschen haben können. Umgekehrt gibt es an RA Erkrankte, die seronegativ sind, d.h. keinen Rheumafaktor aufweisen.


    Wichtiger in Deinem Fall sind das klinische Bild, die Verteilung der Entzündungen und die Entzündungswerte (vor allem crP) im Blutbild.


    Ob Deine Erkrankung wieder verschwindet, können wir Dir hier im Forum unmöglich sagen. Es gibt infektreaktive entzündlich-rheumatische Erkrankungen, die nach einer zügigen und umfassenden Therapie tatsächlich wieder für immer verschwinden. Da solltest Du Deinem Rheumatologen vertrauen, der Dich hoffentlich auch auf einschlägige Infektionen (z.B. EBV, Borrelien, Yersinien, Clamydien) abgecheckt hat.


    Solltest Du tatsächlich unter einer chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankung leiden, so gibt es heutzutage (wie phoebe schon schreibt) Therapien, die Dir ein ganz normales und weitgehend schmerzfreies Leben ermöglichen.


    Übrigens, ganz kurz zu meiner eigenen Rheuma-Karriere: phasenweise Beschwerden schon seit ca. 1990, aber mit langen Pausen, mit den Jahren zunehmende Häufung. Erster Besuch beim Doc mit geschwollenen Handgelenken: 1996. Es war mein internistischer Hausarzt, der mich nach einer Blutentnahme wie folgt abspeiste: "Sie sind RF-negativ, also haben Sie auch kein Rheuma, vielleicht irgendwas Weichteilrheumatisches, naja, und der Kopf isses sicher auch ...". 1997 wurde ich schwanger, verlor das Baby aber Ende des 4. Monats auf sehr tragische Weise. Danach häuften sich die Entzündungsschübe. Zum Hausarzt ging ich nicht mehr, sondern versuchte allerlei alternative Lösungen - ohne Erfolg. 1999 hatte ich dann auch noch eine nicht erkannte EBV-Infektion, danach ging es richtig los: Dauerschug über Monate, ca. 30 Gelenke betreffend. Es ging einfach gar nix mehr. Inzwischen hatte ich den Hausarzt gewechselt und wurde vom neuen Hausarzt umgehend zum Rheumatologen überwiesen. Meine Diagnose nach längerer ärztlicher Beobachtung: Seronegative cP, und das, obwohl ich zwar sichtbar geschwollene Gelenke, aber keine (!) Entzündungswerte im Blut hatte. Seit vorigem Jahr bin ich seropositiv und die Entzündungen zeigen sich sofort in der crP-Untersuchung. Da ich längst mit Basismedikamenten (bis vor einem Jahr auch mit Cortison) behandelt werde, geht es mir zumindest rheumamäßig schon lange gut.


    Diese Geschichte nur, damit Dir klar wird, wie schwierig es sein kann, eine rheumatische Erkrankung zu diagnostizieren, wenn sie nicht lt. Lehrbuch verläuft.


    Liebe Grüße von


    Angie