• Babyhysterie, ist das normal?

    Vorweg, ich habe keine Kinder, darum meine Frage: Im Bekannten und Freundeskreis ist im Moment der Babyboom ausgebrochen. Und irgendwie erinnert mich das alles schon an Hysterie. 3 Wochen alte Babys bekommen schon Vitamintabletten, Spurenelemente und so Zeug. Dazu Tabletten die das Immunsystem stärken. Dann wird desinifiziert und Sagrotan gesprüht. Dann…
  • 266 Antworten
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    Von Vitamin D-Tabletten bei Säuglingen habe ich noch nie gehört.

    Als Nicht-Mutter muss man sowas auch nicht wissen. Warum also gleich (ver)urteilen?

    Zitat

    Ihr unschuldigen und unbefleckten Nichtmütter. [...] |-o

    Ich finde, auch als Nicht-Mutter darf man sich Gedanken machen, ob und wie man es gegebenenfalls machen würde, um eben dem Übermutti-Syndrom Einhalt gebieten zu können. Passiert nämlich meiner Erfahrung nach meistens den Frauen, die vor Schwangerschaft und Geburt keinen einzigen Gedanken daran verschwenden, wieviele Überlegungen da auf einen zukommen und panisch einfach alles machen, was die Ärzte sagen.

    Zitat

    "Vitamintabletten" – Vitamin D & ggf. Flourid verschreibt der Kinderarzt und die Mütter werden streng zur Gabe ermahnt, Vitamin K gibt's sogar schon in den ersten 72h nach der Geburt.

    Nur weil die Ärzte was verschreiben, heisst es noch lange nicht, dass man es nehmen muss. Vitamin D kann zum Beispiel schnell überdosiert werden, und viel hilft da nicht immer viel. Bei Fluorid ebenso, da es eben nicht sinnvoll ist, dass die Fontanelle zu schnell zuwäschst. Vitamin K ist dazu da, eine minimale Anzahl an Baby vor einer potentiell tödlichen Gerinnungsstörung zu retten. Anstatt einfach alle Babys zu testen, ist es eben günstiger so.


    Und anstatt die immer deutlicher zunehmenden Allergien auf Nahrungsmittel zu schieben (Karottenbrei gabs wohl schon immer) sollte man sich lieber mal informieren, welche Entwicklungen in den letzten 20 Jahren dafür ursächlich sein könnten. Stichwort 7fach Impfung und so. :=o

    Zitat

    Und anstatt die immer deutlicher zunehmenden Allergien auf Nahrungsmittel zu schieben (Karottenbrei gabs wohl schon immer) sollte man sich lieber mal informieren, welche Entwicklungen in den letzten 20 Jahren dafür ursächlich sein könnten. Stichwort 7fach Impfung und so. :=o

    Ja, ist schon tragisch das die Kinder heutzutage kaum noch an Kinderkrankheiten wegsterben ...

    Mein Baby (knapp 9 Monate) bekommt die Vitamin D-Tabletten, weil es hier (also in Deutschland) einfach zu wenig Sonne gibt (vor allem im Winter) und wir die Sonne im Sommer wegen der zarten Babyhaut meiden.


    Desinfiziert wird bei uns nichts. Bis jetzt hat es dem Baby nicht geschadet. ;-D


    Wir mussten auch die Erfahrung machen, dass es von purem Karottenbrei Verstopfung gab. Jetzt wird halt Zuchini untergemischt. Problem gelöst.


    Erdbeeren gabs in der Erdbeerzeit auch fürs Baby. Wir haben aber beide keine Allergien, daher sind wir da nicht besonders besorgt.


    Das Baby hat auf dem Spielplatz auch schon Sand und Gras gegessen. Lässt sich nicht vermeiden (außer man meidet den Spielplatz und den Park/Garten).


    Kurse machen wir schon (aber kein Baby-Englisch usw., sondern Krabbelgruppen, Sport etc.). Dem Baby gefällts, wenn was los ist (also viele Leute, andere Kinder). Es krabbelt auch auf alle Leute zu und ist nicht schüchtern. Der Mama gefällts, weil sie raus kommt und sich mal mit anderen Leuten unterhalten kann. Und neue Kontakte knüpfen. Das ist für mich wichtig, weil ich nicht aus der Gegend bin, in der wir wohnen und dementsprechend kein großes soziales Umfeld hatte. Das hat sich durch das Baby geändert. ;-)


    Das Baby war auch relativ früh mit in Restaurants, Kneipen, bei Feiern usw. Hätten wir das Gefühl gehabt, dass es dem Baby nicht gut tut, wären wir gegangen. Wir hatten jedenfalls keine Lust, nur zuhause zu sitzen.


    Mit der Flasche hat sich unser Baby auch gut entwickelt. Geht halt leider nicht immer mit dem Stillen. Vielleicht beim nächsten.


    Ach ja, das Baby war erst einmal krank. Es hatte eine Erkältung, ging auch ohne Kinderarzt wieder weg. Die fehlende Immunisierung durch die Flaschennahrung scheint (zumindest bei unserem Baby) nicht so relevant zu sein. ;-)

    Christina


    Ehrlich? Als nich-mama kann man sich tausende gedanken machen und man macht es trotzdem anders wenn es soweit ist.


    Ich hatte hunderte vorsätze, kenne etliche erziehungsmethoden, was meiner ausbildung (gelernte kinderpflegerin, aktuell erzieherausbildung) geschuldet ist, mache im kindergarten mit meinen kids viele verschiedene sachen und trotzdem ist bei meinem sohn alles, alles anders.


    Also ist es nicht böse gemeint, sondern eben nur die wahrheit.

    Zitat

    Ich finde, auch als Nicht-Mutter darf man sich Gedanken machen, ob und wie man es gegebenenfalls machen würde, um eben dem Übermutti-Syndrom Einhalt gebieten zu können. Passiert nämlich meiner Erfahrung nach meistens den Frauen, die vor Schwangerschaft und Geburt keinen einzigen Gedanken daran verschwenden, wieviele Überlegungen da auf einen zukommen und panisch einfach alles machen, was die Ärzte sagen.

    Zitat

    Nur weil die Ärzte was verschreiben, heisst es noch lange nicht, dass man es nehmen muss. Vitamin D kann zum Beispiel schnell überdosiert werden, und viel hilft da nicht immer viel. Bei Fluorid ebenso, da es eben nicht sinnvoll ist, dass die Fontanelle zu schnell zuwäschst. Vitamin K ist dazu da, eine minimale Anzahl an Baby vor einer potentiell tödlichen Gerinnungsstörung zu retten. Anstatt einfach alle Babys zu testen, ist es eben günstiger so.


    Und anstatt die immer deutlicher zunehmenden Allergien auf Nahrungsmittel zu schieben (Karottenbrei gabs wohl schon immer) sollte man sich lieber mal informieren, welche Entwicklungen in den letzten 20 Jahren dafür ursächlich sein könnten. Stichwort 7fach Impfung und so.

    Das ist so derart paradox. Man soll keine übermittelt sein und sich nicht zu viel verrückt machen, andererseits soll man aber Ärzten nicht glauben und alles hinterfragen... Beides geht nicht gleichzeitig. Wenn man gerade diesen drei Dingen kritisch gegenüber steht (nichtmal ablehnend, nur kritisch) wird man zur überkandidelten Panikmutter stilisiert, macht man alles was der Arzt sagt, dann auch. Und nun?

    Gerade der Kindstod ist so ein klassisches Thema diesbezüglich.


    Und das betrifft – in weitaus geringerem Maße – auch sämtliche Ratgeberliteratur, alle Empfehlungen und all' die tollen Neuerungen der Hersteller von Babynahrung etc.: es ist ein Geschäft mit der Angst. Das ist es, was mich daran echt böse macht. >:(


    Erstschwangere sind unsicher. Junge Mütter sind unsicher. Das waren wir alle. Was heute anders ist als früher: es gibt das Internet. Wir haben früher die eigenen Mütter, die eigene Hebamme befragt und lasen vielleicht noch ein bis zwei Bücher und die "Eltern"...und selbst das war schon zuviel Input und zuviel Verunsicherung.


    Heutzutage treffen mehrere sehr ungünstige Faktoren aufeinander: es gibt immer weniger Kinder, diese wenigen werden dementsprechend nicht einfach nach Sex und Schwangerschaft geboren und aufgezogen, sondern jeder Eisprung, jede Temperaturkurve, jeder Sex (und natürlich auch, in welcher Stellung dieser stattgefunden hat)...einfach alles wird irgendwo vermerkt, in Foren geteilt, auf fb geliked. Das bringt Erfolgsdruck mit sich.


    Darüberhinaus bietet das I-Net jede Information, die man haben möchte, in Sekundenschnelle. Das ist toll, wenn man lesen kann. Lesekompetenz ist aber leider allgemein auf dem absteigenden Ast. Die Folge: halbgelesenes, halbverstandenes Wissen wird auf den oben erwähnten Plattformen verbreitet, anderen Schwangeren wird Angst gemacht und diese noch weiter verunsichert. Sone Art Angstflächenbrand.


    Dazu kommen die Hersteller von jeglicher Art von Artikeln, Zubehör, Nahrung, Nahrungsergänzung, Spielzeug. Die Anbieter von Kursen. Das Ganze ist ein gigantisches Geschäft, da werden Millionen umgesetzt. Und dass man Jungmüttern am besten das Geld aus der Tasche zieht, indem man ihnen Angst macht, ist seit den 90ern Marketingkonzept. – Nein, ich habe keine Statistik dafür, ich habe nur sehr genau beobachtet, wie die PR arbeitet und auf was abgezielt wird.


    So – und die Kombi aus "Kind als krönendes Projekt", zuviel und nicht-verstandener-Information und Panikmache führt zu einem Verhalten, was Kinderlose völlig zu Recht fragen läßt, haben die eigentlich noch alle Latten am Zaun. Habt Verständnis. Sie können nichts dafür. ;-D


    Keine Mutter, egal aus welcher Generation, möchte sich nachsagen lassen, sie habe nicht das Beste für ihr Kind getan. Leider ist es heute sehr, sehr schwierig, sich von der allgemeinen Panikmache nicht anstecken zu lassen. Ich möchte heutzutage nicht mehr schwanger sein. Und bin sehr dankbar für meine unkomplizierten, unbelasteten Schwangerschaften und Geburten prä-Internet.

    Zitat

    Ja, ist schon tragisch das die Kinder heutzutage kaum noch an Kinderkrankheiten wegsterben ...

    In der 7fach Impfung sind die typischen Kinderkrankheiten nicht dabei. Aber zum Beispiel so Krankheiten wie Hepatitis B. Übertragen durch Blut oder Geschlechtsverkehr. Ich wüsste jetzt nicht, warum ein Säugling dagegen geschützt werden müsste.


    Aber ich wollte hier nicht zu einer Impfdiskussion anregen.


    Ein bisschen selbst nachdenken bei allen Vorsichtsmassnahmen, mit denen mal als Eltern konfrontiert wird, schadet aber nicht. Und ich kann schon nachvollziehen, dass diese Vorsichtsmassnahmen aus Sicht von Nicht-Eltern hysterisch wirken können. Das gilt natürlich nicht für alles, dennoch bin ich auch der Meinung, dass vieles unnötig verkompliziert in puncto Schwangerschaft und Säuglingspflege geworden ist.

    @ gauloise

    Das ist ein ganz, ganz hervorragender Beitrag. :)^ :)=

    @ Verrückt-nach-SC

    Dein Familienleben hört sich ganz toll an. Tut gut zu wissen, dass es noch entspannte Menschen auf der Welt gibt. :)_

    @ gauloise:

    :)^ :)=


    V.a. kann man heute nicht mehr einfach "das Beste" machen. Weil zu viele (z.T. abstruse) Theorien aufeinanderprallen.

    Christina


    Bestes beispiel: kinderkrippe, aufgeschlagene knie oder nasenbluten, überall wird getatscht etc.


    Und das kind wird ja auch mal älter und hat sex, es bleibt ja nicht sein leben lang ein säugling.


    Auch in vielen sozialen berufen wird ein kompletter impfstatus verlangt.


    Ich habe mich vor 5 jahren erst gegen windpocken impfen lassen müssen, weil ich sonst meine ausbildung nicht hätte beenden können.

    Zitat

    So – und die Kombi aus "Kind als krönendes Projekt", zuviel und nicht-verstandener-Information und Panikmache führt zu einem Verhalten, was Kinderlose völlig zu Recht fragen läßt, haben die eigentlich noch alle Latten am Zaun. Habt Verständnis. Sie können nichts dafür. ;-D


    Keine Mutter, egal aus welcher Generation, möchte sich nachsagen lassen, sie habe nicht das Beste für ihr Kind getan. Leider ist es heute sehr, sehr schwierig, sich von der allgemeinen Panikmache nicht anstecken zu lassen. Ich möchte heutzutage nicht mehr schwanger sein. Und bin sehr dankbar für meine unkomplizierten, unbelasteten Schwangerschaften und Geburten prä-Internet.

    :)^

    Zitat

    Wenn man gerade diesen drei Dingen kritisch gegenüber steht (nichtmal ablehnend, nur kritisch) wird man zur überkandidelten Panikmutter stilisiert, macht man alles was der Arzt sagt, dann auch. Und nun?

    Muss man sich für einen Weg entscheiden, oder es zumindest versuchen, nehme ich an. Für mich ganz persönlich werde ich versuchen, die Schwangerschaft so "natürlich" wie möglich zu leben, dazu gehört auch, kritisch medizinisch neue Errungenschaften zu hinterfragen. Ich finde, dann ist man keine Panikmutti. ;-)

    @ honey:

    Zitat

    Bestes beispiel: kinderkrippe, aufgeschlagene knie oder nasenbluten, überall wird getatscht etc.

    Aber da hat doch kein Kind Hepatitis B! Woher denn auch! Oder würdest du dir Gedanken um HIV in der Krippe machen?


    Ich würde diese Impfung eben dann erst mit 12 oder so durchführen lassen, da ist das Immunsystem dann ausgeprägter zum Beispiel.....

    Zitat

    Ich hatte hunderte vorsätze, kenne etliche erziehungsmethoden, was meiner ausbildung (gelernte kinderpflegerin, aktuell erzieherausbildung) geschuldet ist, mache im kindergarten mit meinen kids viele verschiedene sachen und trotzdem ist bei meinem sohn alles, alles anders.

    Genau das wollte ich doch vorhin mit meiner Aussage auch ausdrücken. Es ist nicht per se überkandidelt, wenn man sich um viele Themen Gedanken macht. Aber dass die Ratgeberflut Eltern/Frauen Angst einimpft, ihnen das Gefühl vermittelt, als Mutter nicht instinktiv richtig zu handeln, das finde ich falsch. In einem Buch kann viel stehen, da sind auch keine Muttis abgebildet, die die sechste Nacht mit schreiendem Baby wach sind, sondern dauergrinsende Stillmütter mit Top-Figur, die lächelnd die Kacke betrachten. Reale Mütter, reale Situationen werden an einem Hochglanz-Ideal gemessen, wo ein enormer sozialer und marktwirtschaftlicher Druck dahinter steht, wie man als Mutter und Frau zu sein hat. Das finde ich einfach nicht gut. :(v


    Und dieser Druck ist ja nicht nur Elternsache, er wird auch auf das Kind übertragen: Ist mein Kind schlau genug? Warum lernt der Kleine von xy schon laufen und meiner nicht? Wird mein Kind in Kik-Klamotten gemobbt? Warum hat der die bessere Note als mein Kind? Das finde ich nicht gut.