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    Bin ich die Einzige, die irritiert ist, dass ein niedrigbezahlter Angestellter die Forderung erhält, sich auf eigene Kosten Anzüge für die neue (höherwertigere) Stelle zu besorgen, aber nur hochwertige, und das von dem gleich niedrig bleibenden Gehalt?

    Nein, du bist nicht die Einzige. :|N


    Mein Mann zieht, wenn es nötig ist, statt dem üblichen Tshirt/Pullover, Hemd und Sakko zur schwarzen Hose an. Ohne Krawatte. Das ist genauso schick.


    Ich würde den Chef nochmal drauf ansprechen und auch mal gucken, was die anderen Mitarbeiter so tragen.

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    s.Oliver-Anzüge, schwarze Anzüge, Lloyd-Schuhe....dieser Thread dokumentiert einmal mehr: Frauen haben keine Ahnung von klassischer Herrenmode! ]:D

    Na, wenn du soviel Ahnung hast, dann gib dem TE doch mal einen Tipp. ;-)


    Ich finde nicht, dass es ein teurer Anzug sein muss, v.a. nicht, wenn er wenig Geld verdient.

    Teurere Anzüge sind nicht immer hochwertigere Anzüge. Bestes Beispiel sind da sicherlich "Modemarken" wie Hugo Boss, die teilweise Anzüge mit Kunstfaseranteil für über 500€ verkaufen. Ich war jetzt gerade auch mal bei s.Oliver auf der Internetseite - den günstigsten Anzug sehe ich für 200€, mit extrem hohen Kunstfaseranteil. Das ist einfach Murks. Man muss sich vor Augen halten: Solche bekannten Firmen wie Hugo Boss oder s.Oliver haben deshalb so hohe Preise, weil die zunächst einmal deren hohe Marketingkosten reinspielen müssen. Die Preise gehen nicht auf die Qualität zurück.


    Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her gibt es bei SuitSupply ausgezeichnete Anzüge - die liegen meist zwischen 260€ und 400€, sind dafür aber alle aus reiner Wolle (oder noch besserem Material). Wenn man etwas weniger ausgeben möchte, würde ich zu den Hausmarken von P&C wie Jake's raten oder Marken wie McNeal - oder man versucht im Sale sein Glück. Da kriegt man auch schon für unter 200€ Anzüge, die keinen Kunstfaseranteil mehr haben. Passform und Material sind das A und O bei einem Anzug - nicht die Marke, nicht der Preis.


    Zu Lederschuhen von Lloyd (die aufgrund der fürchterlichen Ziernähte auch noch optisch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen :-X ) zu raten, ist auch Wahnsinn: Das sind geklebte Schuhe für über 100€! Für das Geld kriegt man schon rahmengenähte Schuhe der Einsteigerklasse - die halten dann aber auch nicht nur ein Jahr, sondern ein Jahrzehnt und mehr.


    Langer & Messmer hat gerade 33% auf alle Schuhe, da kriegt man aktuell für 160€ (30€ mehr als die verklebgten Lloyd-Schuhe!) wirkich ausgezeichnete Schuhe. Wer unwertige Lederschuhe kauft, zahlt auf lange Sicht das Vielfache.


    Als Grundausstattung reichen 3 Anzüge zunächst. Ein dunkelblauer, ein dunkelgrauer und ein anthrazitfarbener - aber kein schwarzer! Schwarze Anzüge trägt man auf Beerdigungen, auf Staatsempfänden u.Ä., aber nicht im Alltag. Und nein, auch nicht im "Geschäftsleben". Die müssen und sollten auch nicht ständige in die Reinigung - gut lüften und ab und an mal mit Textilerfrischer rüber genügt, solange es keine groben Verschmutzungen sind. Manche Anzughosen kann man auch ganz vorsichtig mit der Hand kalt waschen. Wenn man sich im Anzug noch nicht so wohl fühlt, würde ich zunächst eher zu Kombinationen raten: Also Sakko + andersfarbende Stoff-/ Tuchhose. Das ist immer noch sehr förmlich (auf jeden Fall noch Lichtjahre besser als eine schwarze Jeans... %-| ), man fühlt sich anfangs aber nicht so uniformiert. Schuhe sollten es zwei Paar sein - damit man die täglich wechseln kann (steigert die Haltbarkeit massiv). Schwarze Captoe Oxford's und dunkelbraune Derby's (mit jeweils farblich pasenden Gürteln) sind eine vielseitig einsetzbare Grundausstattung.


    Wenn das Geld ganz knapp sein sollte, würde ich zu Second-Hand raten: Gerade bei eBay kann man gute Schnäppchen machen. Auf's Material achten (kein Kunstfaser), sich von den Verkäufern genaue Maße durchgeben lassen - und notfalls kann man kleinere Änderungen auch durch einen Schneider vornehmen lassen.


    Natürlich ist mir auch klar: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat der Chef selbst überhaupt keine Ahnung von klassischer Herrenmode.

    Ich schließe mich Fruchtalarm an und ergänze noch Folgendes:


    Einige Bekleidungsgeschäfte (C & A, bei P & C weiß ich das nicht so genau) bieten bei klassischen Standardanzügen Jacken und Hosen in exakt gleicher Farbe, aber verschiedenen Größen an, was – je nach Körperproportionen – die Passform enorm steigern kann; außerdem eröffnet dies bei den von Fruchtlarm vorgeschlagenen Farben Kombinationsmöglichkeiten.


    Für die von Fruchtalarm genannten drei Farben passen auch jeweils die gleichen Farben für Hemden und Krawatten, so dass der Fundus auch Zug um Zug aufgebaut und beliebig kombiniert werden kann. Krawatten sollten möglichst aus Seide sein; Polyester wirkt optisch grob, und der Knoten trägt zu dick auf.


    Von braunen Schuhen würde ich persönlich eher abraten; besser zwei Paar schwarze.


    P.S.:

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    hochwertigere Anzüge

    (Zitat Fruchtalarm)


    Es muss höherwertig heißen.


    Zwiebelfisch: Brutalstmöglichst gesteigerter Superlativissimus

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    Bin ich die Einzige, die irritiert ist, dass ein niedrigbezahlter Angestellter die Forderung erhält, sich auf eigene Kosten Anzüge für die neue (höherwertigere) Stelle zu besorgen, aber nur hochwertige, und das von dem gleich niedrig bleibenden Gehalt?

    und ärgerlicherweise wird das finanzamt die kosten auch nicht als werbungskosten akzeptieren, im gegensatz zu einem blaumann.

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    Er erwartet Anzüge und zwar nicht solche von Kik, wortwörtliche Rede..

    Soviel ich weiß führt KIK gar keine "Anzüge".


    Solche bekommt man aber auch in Outlets. Da es inzwischen Outlets überall gibt, würde ich mich mal dort umschauen. Falls du Krawatten trägst (zum Anzug gehört eine Krawatte) achte darauf, dass du die Kragenweite nicht zu eng auswählst. Der Kragen darf nicht einengen. Viele Männer haben zu enge Hemdkragen und daher kommt die weitverbreitete Abneigung genüber Krawatten.


    In welcher Branche arbeitest du?


    Übrigens: zu meiner Jugendzeit hat auch der "kleine Angestellte" Anzug und Krawatte getragen.

    Er ist aber kein Angestellter und auch kein kleiner Angestellter.


    Er hat einen handwerklichen Beruf und ist wegen Berufsunfähigkeit auf einmal, mit demselben niedrigen Gehalt und ohne passende Arbeitskleidung, im Büro eingeteilt

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    Bin ich die Einzige, die irritiert ist, dass ein niedrigbezahlter Angestellter die Forderung erhält, sich auf eigene Kosten Anzüge für die neue (höherwertigere) Stelle zu besorgen, aber nur hochwertige, und das von dem gleich niedrig bleibenden Gehalt?

    Nein, das war auch meine erste Frage nach dem Eröffnungsbeitrag.

    @ the fipps

    Kläre erstmal, wie wichtig das überhaupt ist und was genau verlangt wird. Hast du Kollegen in ähnlicher Position, dann frage die mal. Dass der Chef hier Forderungen stellt, ist schön und gut, aber wenn er bestimmte Dinge verlangt, muss er dir dementsprechend auch die Möglichkeiten bieten. D.h. er will dich in höherwertigen Klamotten, dann soll er dir auch das Gehalt entsprechen zahlen. Also eine gute Möglichkeit ggfs. das Gehalt neuzuverhandeln. Wer auf Kik-Niveau zahlt, bekommt eben auch nur Kik. ]:D

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    Er ist aber kein Angestellter und auch kein kleiner Angestellter.

    Natürlich nicht, da es keine Angestellten mehr gibt. Vielen ist entgangen, dass es seit geraumer Zeit auch keine Arbeiter mehr gibt, sondern nur noch "Beschäftigte".


    Die BfA (Bundesversicherungsanstalt für Angestellte) gibt es auch nicht mehr, ebenso die LVAs. Es gibt nur noch die "Deutsche Rentenvericherung."


    In den Tarifverträgen, z.B. Metall- und Elektro-Industrie, ist nur noch von Beschäftigten die Rede, und es gibt keinen Lohn, sondern nur noch Entgelt. Der Begriff Angestellter kommt nur noch im Zusammenhang mit "leitenden Angestellten" vor, weil dies eine besonderen Berufsgruppe ist, für die Tarifverträge nicht gelten. Ebsnso ist es im Öffentlichen Dienst, da ist nur noch von Beschäftigten die Rede, neben den Beamten.

    Entschuldigung, ich habe da offensichtlich nicht die richtigen Begrifflichkeiten gekannt.


    Damit meinte ich, dass der "kleine Angestellte", auf den Du Dich früher beziehst, in diesen Beruf hineingewachsen ist (die erste Berufskleidung vielleicht von den Eltern bekam oder durch das Wohnen zuhause von seinem Ausbildungsgehalt finanzierte). Der musste nur ab und zu was ersetzen, so dass es da auch trotz dem geringen Gehalt, was Du anscheinend ja meintest, passend gekleidet war.


    Der TE aber hat erst in einem anderen Bereich des Betriebes gearbeitet, hat nie Anzüge gebraucht, hat geringes Gehalt, das mit den neuen Anforderungen nicht steigt, hat laufende Lebenshaltungskosten und braucht alles auf einmal neu und zwar in mehreren Garnituren.


    Eine ganz andere Situation als der "kleine Angestellte", der früher auch so schick daher kommen musste und das mit seinem ebenso geringen Einkommen auch geschafft hat.