Von dem, was ich alles Muss und Soll habe ich seitenweise Ratschläge. Wie ich das aber anstelle, sagt mir irgendwie niemand. Ich habe genauso Freude im Leben und auch Freunde, bin keine graue Maus, die sich verkriecht oder den Mund nicht aufbekommt.


    Nur weil sich jemand hässlich fühlt, ist das nicht gleichbedeutend, dass man sich daheim verbuddelt. Ich habe mich durchaus eingerichtet, aber bin oft traurig, dass andere ein Privileg haben, von dem ich ständig träume. Das Kind, was vielleicht in armen Verhältnissen aufwächst, wünscht vielleicht auch das, was andere Kinder haben, was es ständig bei anderen sieht. Das ist doch völlig menschlich.


    Es ist daher eher so, dass ich mich damit abfinden muss, dass ich nie glücklich sein werden kann. Denn das wäre gleichbedeutend damit, dass ich auch eine Körper habe, den ich lieb haben kann. Und das werde ich mit diesem hier definitiv nicht können. Ich kann es nicht!

    Zitat

    Knuffelstern


    Wenn Depressive die Gabe besäßen ihren Fokus auf das Positive zu richten, wären sie ja nicht depressiv. Das ist ja genau der Denkfehler dabei. Es ist oft sehr mühseelig über viele Umwege eben wieder diese Handhabe und vor allem den Antrieb zu erlernen. Und sich dabei mit falschem Ehrgeiz zu motivieren ("du musst, du solltest, etc.), wird in der Regel noch zu einer Verschlechterung führen. Das Voraugenführen bzw. Kritisieren der eigene Unfähigkeit ist nämlich nichts, dass positiv stimmt, sondern hierbei genau das Gegenteil bewirkt. Im Gegensatz zu gesunden Menschen sind Depressive eben nicht kritikfähig. Das ist der springende Punkt.

    Niemand hat geschrieben, dass man im Handumdrehen seine Depression los wird.


    Erstmal muss man die Entscheidung treffen, sein Leben verändern zu wollen.


    Das ist der erste Schritt.


    Man erlaubt sich nicht mehr zu sagen "das geht nicht" oder "ich kann das nicht".


    Man nimmt für sich selbst wieder die Verantwortung in die Hand.


    Dann geht man einen Schritt nach dem anderen. Manchmal sind die Schritte klein, manchmal größer.


    Aber man kommt voran und irgendwann geht es immer leichter.


    Das gilt auch für deine Verbitterungsstörung.


    Du hast falsche Entscheidungen getroffen und hasst dich dafür.


    Dein täglicher Hass, deine Verbitterung ist wie eine zusätzliche Strafe zu den körperlichen Folgen.


    Das Strafmaß ist unangemessen hoch.


    Wenn du das einsehen kannst, hast du einen wichtigen Schritt gemacht.

    Zitat

    Von dem, was ich alles Muss und Soll habe ich seitenweise Ratschläge. Wie ich das aber anstelle, sagt mir irgendwie niemand. Ich habe genauso Freude im Leben und auch Freunde, bin keine graue Maus, die sich verkriecht oder den Mund nicht aufbekommt.

    Hast du mal gefragt, wie du das anstellen kannst?


    Ich habe in deinen Themen ein wenig gelesen, aber sehe nicht die Bereitschaft, dass du etwas ändern willst.


    Dass du eine graue Maus bist, hat dir niemand unterstellt, oder? Du selbst stellst dich so dar.

    Zitat

    Nur weil sich jemand hässlich fühlt, ist das nicht gleichbedeutend, dass man sich daheim verbuddelt. Ich habe mich durchaus eingerichtet, aber bin oft traurig, dass andere ein Privileg haben, von dem ich ständig träume. Das Kind, was vielleicht in armen Verhältnissen aufwächst, wünscht vielleicht auch das, was andere Kinder haben, was es ständig bei anderen sieht. Das ist doch völlig menschlich.

    Du hast gesundheitliche Beschwerden, die du wahrscheinlich nicht ändern kannst.


    Alles andere kannst du ändern. Dass du vom Aussehen her im unteren Durchschnitt liegst, muss kein Problem sein. Das teilen viele andere Menschen mit dir, die trotzdem glücklich sind.

    Zitat

    Es ist daher eher so, dass ich mich damit abfinden muss, dass ich nie glücklich sein werden kann. Denn das wäre gleichbedeutend damit, dass ich auch eine Körper habe, den ich lieb haben kann. Und das werde ich mit diesem hier definitiv nicht können. Ich kann es nicht!

    Das ist sehr unfair deinem Körper gegenüber.


    "Ich kann es nicht" steht dir im Weg.

    Zitat

    Das Kind, was vielleicht in armen Verhältnissen aufwächst, wünscht vielleicht auch das, was andere Kinder haben, was es ständig bei anderen sieht. Das ist doch völlig menschlich.

    Sicher ist es das. Wünschen kann man sich viel. ;-)

    Zitat

    Es ist daher eher so, dass ich mich damit abfinden muss, dass ich nie glücklich sein werden kann. Denn das wäre gleichbedeutend damit, dass ich auch eine Körper habe, den ich lieb haben kann. Und das werde ich mit diesem hier definitiv nicht können. Ich kann es nicht!

    Nein das ist nicht gleichbedeutend. Für mich zumindest nicht.


    Ich finde meinen Körper auch ziemlich ungeil, bin aber trotzdem die meiste Zeit glücklich.


    Die Frage ist, kannst du nicht oder willst du nicht?


    Falls ich es überlesen habe sorry, aber hast du schon eine Therapie gemacht?

    Naja, das Fazit aus alledem was Du schreibst ist dann, dass es für Dich keinerlei Chance und Hoffnung gibt. Dann kann man da wohl nix machen.


    Jeder Rat ist dann auch hier vergebens. Alle sollten aufhören hier zu schreiben. Es gibt rein theoretisch gar keine Möglichkeit der Hilfe. Also jeder Beitrag zwecklos.


    Ist witzigerweise genau das gleiche Fazit wie immer und immer wieder bei J_B. Es gibt einfach absoiut rein ga keine Möglichkeit.

    Vielleicht nochmal zur Verbitterungsstörung:

    Zitat

    Kränkungen und Ungerechtigkeit sind psychologisch als Aggression zu verstehen. Wenn darauf nicht mit wirksamer Verteidigung reagiert werden kann, können Hilflosigkeit, Resignation und Verbitterung einsetzen. Verbitterung hat dabei auch den Charakter einer Aggression unter Inkaufnahme der Selbstzerstörung, was die z. T. dysfunktionale Aktionen, bis hin zu erweiterten Suiziden erklärt.

    Ich bin nicht depressiv, sondern verbittert. Das muss man auch anders angehen. Und ich habe da selbst noch keine Formel. In Grundzügen erreicht mich die Weisheitstherapie, dazu gibt es aber wenig Literatur und Kenntnisse. Leute mit einer PTED sind schwer therapierbar. Dem Erkrankten Unwilligkeit vorzuwerfen, dürfte wenig zielführend sein. Eher ein Zeichen fehlendem Verständnisses.

    Ich schlage vor, als ersten Schritt, Du machst Dir mal ganz rational klar, was es alles GUTES in Deinem Leben gibt. Schreib es auf (nicht hier, sondern privat).


    Die fehlende Bereitschaft, positives zuzulassen, würde ich zurückführen auf eine tiefgehende Verletztheit, die noch nicht "abgearbeitet" ist, das Opfer sein, ausheulen und irgendwie Genugtuung bekommen, ist noch nicht abgeschlossen. Oder?


    Dennoch..


    Das Gegenrezept zu "Verbitterung" ist "Dankbarkeit".

    Die Verbitterungsstörung ist mir in der Theorie bekannt.


    Die Weisheitstherapie wird doch als Therapie für die PTED angewandt.


    Darin steht im Grunde das gleiche, was ich beschrieben habe.


    Der erste Punkt ist der Perspektivwechsel.


    Darin steht auch etwas über die Sinnfindung und das Kohärenzgefühl.


    http://www.kup.at/kup/pdf/7792.pdf


    Wie lange bist du schon in Therapie? Und wie arbeitet der Therapeut, mit welcher Methode?

    Aus der Weisheitstherapie:

    http://www.kup.at/kup/pdf/7792.pdf


    Die Resilienz bezeichnet die (Widerstands)Fähigkeit mit Lebenskrisen umzugehen.


    Sie ist das seelische Immunsystem. Genauso wie das körperliche Immunsystem kann man das seelische stärken und unterstützen, damit die Selbstheilung wieder ins Gleichgewicht kommt.

    Zitat

    Ich habe dazu schon einen Rat gegeben, aber Isolation soll es ja auch nicht sein, also mal ganz konkret: Die TE ist unglücklich. Wie wird sie glücklich?

    Durch Akzeptanz.


    Sie hat das Aussehen, wie es ist.


    Die Gesellschaft ist so, wie sie ist.


    Beides lässt sich also nicht ändern - schon gar nicht durch einen Med1-Faden.


    Und es wurden ihr schon Wege aufgezeigt, wie sie zur Akzeptanz finden kann. Nicht zuletzt durch Umorientierung. Wenn das Umfeld sie nicht glücklich macht, ist es das falsche Umfeld. Wenn da kein Umdenken stattfindet, wird sie in 5 Jahren keinen Schritt weiter sein.


    Genau auf diese Aspekte geht sie aber nicht ein. Stattdessen schleppt sie sich tagaus, tagein durch Ärgernisse (s. auch ihr anderer kürzlicher Faden). Das ist ein Teufelskreis, weil sie Ärger und Ablehnung schon erwartet und deswegen natürlich auch finden wird. Und sie pickt sich genau die Dinge raus, wo sie sich benachteiligt fühlt, und pocht auf ein Anrecht der Teilhabe und dass sie bitte nicht durch die ganzen offensichtlich schönen Menschen unter Druck gesetzt werden soll. Merkt denn niemand, wie utopisch diese Forderungen sind? Utopien haben den Menschen noch nie glücklich gemacht. Entweder sie geht im Mode-Laden shoppen, wo die gestylten Models von allen Plakaten blicken, und trägt ihr Kinn oben, oder sie lässt es. Es ist schön, wenn man sich darüber mal auskotzen kann, aber letztendlich bleibt einem nur die Akzeptanz.


    Dass es alternative Lebensbereiche gibt, wo man nicht ständig mit Hübschheit beballert wird und Menschen viel mehr wert sind, habe ich in mehreren Beiträgen versucht, zu erklären. Ich habe auch lange versucht zu erklären, dass sie erst zu ihrem eigenen Wert und ihrer Selbstakzeptanz finden muss (die sich ja nicht über das Aussehen definieren muss), bevor man Bedingungen an die Umwelt stellt. Das scheint aber alles kein Thema zu sein, jedenfalls wird weiter auf die provokante Hübschheit der Umwelt geschimpft. Man kann mal in so einem Loch stecken, alles OK, aber irgendwann muss man auch konstruktiv seinen Weg weiter suchen anstatt darauf zu warten, dass der Weg einen findet. Ich wüsste nicht, was ihr noch zu raten wäre. Die Werkzeuge hat sie alle vor sich liegen, der Faden ist mittlerweile 17 Seiten lang. Sie muss sich nur noch entscheiden, zuzugreifen, weil der Rest des Lebens beginnt jetzt - nicht erst morgen.

    Ich kenne beide Seiten sehr gut. Da ich ein Leben lang Gewichtsprobleme habe, weiß ich wie es ist hässlich zu sein und sich von der Gesellschaft abgelehnt zu werden. Ich hatte jedoch auch immer wieder schlanke Zeiten, in denen ich sensationell gut aussehe. Und hier gibt es einen Punkt, der noch gar nicht diskutiert wurde. Nämlich, wie unangenehm es sein kann sehr hübsch zu sein. Ich fühlte mich angegafft, oft dumm angemacht und insbesondere von Männern immer taxiert und auf das Aussehen reduziert. Von Frauen häufig zickig behandelt und ignoriert.


    Ja, es dreht sich an der Oberfläche immer alles ums Aussehen und das macht mir auch zu schaffen. Ich habe sogar zu einer Zeit wieder zugenommen, weil ich es so unangenehm fand hübsch zu sein. Man wird unsichtbarer, wenn man hässlich ist. Man wird nicht mehr angesehen und das finde ich angenehm.


    Ich sage das nicht, um jemanden zu trösten. Ich bestätige nur die Meinung, dass sich die Gesellschaft an Äußerlichkeiten orientiert und das finde ich auch scheiße. In der Tiefe ist es anders. Menschen, die man näher kennt, sehen und erkennen einen, wie man ist, nicht wie man aussieht.


    Ich kann wählen zwischen schön und hässlich. Daher fällt es mir nicht schwer, hässlich zu sein. Außerdem weiß ich wer ich bin, bin stolz auf mich und meine Leistungen und freue mich über Anerkennung. Ich weiß, dass diese nichts mit Schönheit zu tun haben und das bedeutet mir das meiste. Anerkennung für Schönheit ist mir nichts wert, denn dafür muss man nichts tun.

    Knuffelstern und J_B,


    meine Beiträge sollten nicht wie Hohn in Euren Ohren klingen. Im Gegenteil. Ich habe versucht ganz deutlich zu machen, dass es grauenhaft schwer ist, sich aus so einem tiefen und dunklen Loch hervor zu kämpfen.


    Ich bin nicht eines Morgens wach geworden und war schwer übergewichtig, dem ging eine lange und intensive Leidensgeschichte voraus und glaubt mir, Depressionen sind mir sehr vertraut.


    Ich habe keine Verbitterungsstörung, aber ich habe im Laufe meines Lebens andere ziemlich niederschmetternde Diagnosen angesammelt.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der mitten in einer schweren depressiven Episode steckt, es auch nur ansatzweise schafft, so einen Perspektivwechsel vorzunehmen oder den Gedanken daran überhaupt nur zuzulassen. Dafür ist die Wahrnehmung viel zu verzehrt und man hat auch gar keine Kraft für sowas. Aber es gibt ja auch immer wieder Phasen, in denen man ein bisschen mehr Luft hat und die habe ich immer genutzt, um an meiner Einstellung zu drehen. Damit es besser wird.


    Du fragst ja nach Beispielen, Knuffelstern. Vielleicht hilft Dir das:


    es gibt in meinem Leben einen Menschen, dem ich einfach nicht verzeihen kann. Damit hatte er immer eine enorme Macht über mich und das hat mich nur umso wütender gemacht.


    Ich habe angefangen, alles Mögliche zum Thema "Verzeihen" zu konsumieren. Texte im Internet hauptsächlich, ich habe auch bei Religionen geguckt, ob ich da irgendwas für mich herausziehen kann. Schritt für Schritt habe ich mir Perspektiven erschlossen. Zum Beispiel den Gedanken, dass ich ihm nur nicht verzeihen kann, weil ich es gar nicht will. Damit hatte ich etwas, worüber ich nachdenken und weiter recherchieren konnte. Ich bin dann auf das hawaiianische Ritual Hoʻoponopono gestoßen und habe mir ein Buch dazu gekauft. Angewendet habe ich es nicht, weil es mir zu esoterisch war, aber ich habe dadurch begriffen, dass es am Ende mir Frieden bringt, wenn ich der Person verzeihe. Weil Verzeihen einen selbst befreit, dadurch dass es einem die Macht, die die Person über einen hatte, zurück gibt.


    An dem Punkt stehe ich jetzt, ich habe noch nicht verziehen, weil in der Sache noch zu viel Gift steckt und ich diese Erkenntnisse noch nicht umsetzen kann. Ich will auch immer noch nicht verzeihen. Mein Zorn ist einem Teil von mir immer noch wichtiger als der Friede, der irgendwann am Ende dieses Prozesses steht. Aber ich habe herausgefunden, dass es diesen Frieden überhaupt gibt und dass es möglich ist, ihn zu erreichen. Dadurch habe ich mehr Handlungsspielraum und ein dickes Stück Macht über mich zurück gewonnen.


    Ein anderes, banaleres Beispiel: ich war immer schon eine Wasserratte. Als ich dicker und dicker wurde, habe ich mich dann irgendwann nicht mehr ins Schwimmbad getraut. Das hat mir sehr viel Lebensqualität genommen, ich habe sogar nachts vom Schwimmen gehen geträumt. Aber ich war fest davon überzeugt, dass ich den Gesichtsverlust nicht ertragen kann, im Badeanzug vor anderen leuten herum zu laufen.


    Ich wollte auch nicht mit meinem Mann oder meinen Freunden darüber reden, weil ich wusste, dass die mich nur aufbauen wollen und sowas sagen wie "so schlimm ist es doch nicht" und so.


    Also habe ich gegoogelt. "zu dick fürs Schwimmbad" und so weiter. Habe Geschichten gelesen von Betroffenen und von Leuten, die sich über dicke Menschen im Schwimmbad lustig machen, die verachten, abartig finden, was weiß ich. Ich habe mir Fotos angeguckt von dicken Frauen im Badeanzug, habe im Internet nach Badeanzügen in Übergrößen gesucht, habe mir irgendwann einen bestellt, den dann zuhause vorm Spiegel angezogen und irgendwann bin ich dann einfach morgens um sechs Uhr schwimmen gegangen. Und klar wurde geguckt und klar war mir das sehr, sehr unangenehm. Aber! Es war auch wunderbar wieder zu schwimmen! Und ein Stück Leben zurückgewonnen zu haben. Eine Überwindung ist es jedes mal. Aber der Gewinn ist Wasserball spielen mit Freunden im Freibad! Bahnen schwimmen! Mich einfach treiben lassen! Tauchen! Na ja und so weiter! Das ist es wert! Trotz Blicke und trotz gelegentlichen Gemeinheiten.


    Das sind jetzt zwei konkrete Beispiele von mir, wie ich versuche, zu etwas, das mir weh tut, eine andere Haltung zu entwickeln. Beide male hat sich der Prozess über Jahre gezogen und es gibt noch einen Haufen weiterer Beispiele, die ich aufzählen könnte, die mir aber zu intim sind.


    Natürlich ist meine Vorgehensweise nicht eins zu eins umsetzbar, und das ist ja auch der Grund, warum Dir, Knuffelstern niemand eine richtige Anleitung geben kann, wie Du es anfängst, auch wenn ich es sehr gern würde!


    Vielleicht ist ein erster Schritt, darüber nachzudenken, was Du eigentlich ganz konkret gerne verändern würdest in Deinem Leben. Vielleicht finden sich da schon Ansatzpunkte. Oder Du schreibst auf, was Du Deiner Meinung nach kannst und was Dir hilft, zu überleben (irgendwas muss da ja sein). Möglicherweise fällt es Dir schwer, Geduld für etwas aufzubringen. Vielleicht hilft es, einfach mal stumpf zu diesem Begriff zu recherchieren. Was Geduld alles bedeuten kann, wie andere Geduld aufbringen, wie Geduld Dir helfen kann und so weiter. Und wenn es nicht die Geduld ist dann vielleicht irgendein anderer Begriff. Vielleicht Verbitterung.


    Und dabei darauf achten, etwas Neues darüber zu erfahren, andere Sichtweisen wahrzunehmen und so. Wichtig ist es, mit irgendwas anzufangen. Es ist fast egal womit.


    Genau genommen hast Du ja mit diesem Thread schon angefangen. Irgendwas in Dir wollte ja andere Perspektiven finden. Ich wünsche Dir ganz ehrlich, dass Du es schaffst, die ganzen netten Beiträge hier für Dich zu nutzen, und wenn es nur ein ganz kleines bisschen ist, und die ganzen weniger netten Beiträge nicht so sehr an Dich ran zu lassen.

    Zitat

    Das mag ja bis zu einem gewissen Grad alles noch machbar sein. Ich kenne aber durchaus viele Leute, die unter multiplen psychischen Dingen leiden: PTBS, Angststörungen, mitunter schwere Depressionen, Suizidgedanken/versuche, dauerhafte Verstimmungen, Anpassungsstörungen ... ich habe da ja auch einige auf dem Diagnosezettel stehen.


    Und da einfach zu fordern, dass man sich entscheiden soll glücklich zu sein, klingt in meinen Ohren wie reiner Hohn. Mein kranker Körper hat meine Seele auch krank gemacht. Bei meiner Mutter war es genauso und ich kenne noch andere chronisch Kranke, die dadurch depressiv geworden sind.

    Eine Frage habe ich dazu, denn nur dann kann man weiter mit deinen Beiträgen arbeiten MEINER Meinung nach.


    Wie definierst du Glück oder glücklich sein?


    Als Background für dich dazu: Ich war depressiv und dann hat mir das Leben auch noch in die Fresse geschlagen. Vom Boden aus fällt es sich nicht so tief. Ich war zutiefst unglücklich, verzweifelt. Alle meine freundschaftlichen und Paarbeziehungen sind an mir zerbrochen. Klar, ich kanns heut verstehen. Wer will sich schon jeden Tag anhören, wie scheiße alles nur ist.


    Mir gehts heute immernoch oft scheiße. Ich hab gesundheitliche Probleme (natürlich auch wegen meinem Übergewicht ehrlicherweise, aber es fing schon an, da konnt ich grad so mit der Trommel um den Weihnachtsbaum ziehen... Asthma Bronchiale, Abszesse als ich 8 war, weswegen ich um die 8 Narben hauptsächlich im Intimbereich habe, das hat mir so lange mein gesamtes sexuelles Selbstbewusstsein genommen. Schilddrüsenunterfunktion festgestellt als ich 8 war, Fuß-OP mit 16, die heute noch bei schlechtem Wetter wehtut oder bei Überanstrengung, die liste ist noch länger, aber uninteressant.) und trotzdem muss ich ja irgendwie mit mir leben können.


    MIR hat eine Verhaltenstherapie geholfen. Und du sagst die ganze Zeit "Ja wenn man das Depressiven sagt a la du musst und so weiter ist das falsch". Ich halte dagegen. Denn mein Therapeut hat mir einmal gesagt "Sie müssen mit diesen Gedanken aufhören, dass sie nicht wertvoll sind." Genauso hat er es mir gesagt. Und ja ich habe ihn dafür gehasst, sehr sogar. Als wir dann aber in der nächsten Stunde daran angeknüpft haben, hab ich ihm berichtet, wie sehr mich das geärgert und frustriert hat, und wie ich das bitte denn ändern soll. Seine lapidare Antwort war "Schreiben sie die Gedanken auf, sie sind dann noch da, jederzeit wenn sie sie brauchen, wenn sie sie aufgeschrieben haben, hören sie auf darüber nachzudenken." Und ich hab es probiert. Und es hat für MICH funktioniert. So simpel. Und ich hab diese Gedanken nie wieder gebraucht. Ich hab sie aufgeschrieben und dann mich bewusst abgelenkt. Habe gepuzzelt, geschaukelt, gemalt, gelesen, nur nicht weiter denken. Meist hat das ablenken geholfen.


    Zusätzlich habe ich während der Therapie ausklamüsert, was Glück für mich bedeutet. Denn ich empfinde selten das euphorische Glück. Ich würde sagen so 1-3 mal im Jahr spüre ich das euphorische Glücklich sein. Wenn mein Herzschlag sich verschnellert, ich übers ganze Gesicht grinse, es warm in mir drin wird.


    ICH kann das nicht täglich spüren, vielleicht können das andre, ich kanns nicht. Ich hab dann beschlossen in den meisten Sätzen das Wort Glück mit Zufriedenheit zu ersetzen.


    Wenn ich abends im Bett liege, frag ich mich nicht "War ich heute glücklich?" Weil da wird die frustrierende Antwort an 362 Tagen im Jahr sein "Nein."


    Frage ich mich aber abends "War ich heute zufrieden mit mir?", dann kann ich an ca. 325 Tagen sagen "Jo war schon ok heut so."


    Und das hat mir unheimlich an Lebensqualität wieder gegeben, denn ich wünsche mir Zufriedenheit. Im Reinen zu sein mit mir und meiner Umgebung.


    Und beziehe es mal wirklich so, dass du dich abends fragst, ob du mit DIR zufrieden bist. Nicht mit der Welt oder andren Menschen, einfach "War mein Tag heute gut so?" Nicht was du ändern KÖNNTEST wenn und hätte doch...Man kann es hinterher ja nicht mehr ändern. Und ich beziehe da auch keine andren menschen ein, denn ich kann andere Menschen nicht ändern.


    Ich kann die Leute nicht ändern, die mir hinterherrufen, was für ne Fette Kuh ich doch wäre, aber ich kann sie kurz bemitleiden, weil sie schlechte Menschen sind. Ich bin ihnen nicht böse. Bei den meisten bin ich mir sicher, die wachsen da noch raus. (Meist wird man ja von Halbstarken doof angemacht, ist zumindest meine Erfahrung. Mit Erwachsenen ab um die 30 hab ich die Erfahrung nie gemacht. Solang man denen freundlich begegnet, tun sie das mit einem auch. Klar wollen sie nich unbedingt mit mir flirten, aber das ist mir in dem Moment egal.)


    Und bei mir war die Antwort übrigens oft "Ja eigentlich wars ganz ok heute." Ich hab die Welt nicht gerettet, aber das ist auch keine Aufgabe für EINEN Tag.

    Zitat

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der mitten in einer schweren depressiven Episode steckt, es auch nur ansatzweise schafft, so einen Perspektivwechsel vorzunehmen oder den Gedanken daran überhaupt nur zuzulassen. Dafür ist die Wahrnehmung viel zu verzehrt und man hat auch gar keine Kraft für sowas. Aber es gibt ja auch immer wieder Phasen, in denen man ein bisschen mehr Luft hat und die habe ich immer genutzt, um an meiner Einstellung zu drehen. Damit es besser wird.

    Danke nochmal für Eure Antworten. Ich hatte erwähnt, dass ich hunderte solcher Ratschläge habe und lese mir auch hier alles durch! Klickt halt nur nicht! Ich sagte doch: ICH BIN GERADE NICHT IN DER LAGE DIESE RATSCHLÄGE UMZUSETZEN!!! Vielleicht in einem Jahr, in zwei, drei ... noch habe ich sehr, sehr ausgeprägte Rache- und Aggressionsgefühle und da hilft es absolut nicht weitere Ratschläge runterzupredigen. Nur weil man etwas wiederholt, wirds dadurch ja nicht besser.


    Danke wie gesagt, aber ich denke, dass es an der Stelle nichts bringt. Soweit bin ich noch nicht!