• Ist die Jugend von heute verklemmt?

    Hi an alle. Ich trainiere in einem Fitnessstudio, bei dem auch ein Wellness-Bereich mit Sauna dabei ist. Dieser ist frei zugänglich für alle Mitglieder, die von der Altersstruktur her sehr gemischt sind. Allerdings sehe ich in diesem Bereich fast nur ältere Männer und Frauen (>40 Jahre und nach oben hin quasi unbeschränkt ;-D ). Ich bin selbst 24 und meistens…
  • 105 Antworten
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    deshalb finde ich es einfach komisch, wenn jemand in eine öffentliche Sauna geht und sich dann darüber wundert von anderen mit lüsternen Blicken angesehen zu werden.

    Natürlich gibt es notgeile Perverse, die den eigentlichen Sinn einer Sauna nicht begriffen haben. Insofern wundere ich mich über solche Leute, genausowenig, wie ich mich darüber wundere, dass es Ladendiebe gibt.


    Aber ein Geschäftsbetreiber wird natürlich dafür sorgen, dass es in seinem Betrieb keine Perversen oder Kriminellen gibt.

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    Kann sein, aber jemanden zu zwingen sich vor anderen nackt auszuziehen ist meiner Meinung nach eine unmenschliche Behandlung.

    So einen Zwang halte ich auch für unnötig. Die frage, die man sich an dieser Stelle stellen sollte, warum Menschen so starke Scham aufweisen, dass sie sich nicht trauen, sich im eigenen Interesse auszuziehen, auch wenn andere Menschen dabei sind. Was tun diese anderen Menschen- oder vielmehr: Was glaubt derjenige, was andere über ihn denken mögen ...?

    sensibelman

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    Mir ist es schnurz ob sich andere sonstwo rasieren, das können die tun, soviel sie Lust haben- das muss ich deswegen noch lange nicht tun, mir ist es schnurz wie lang oder kurz der Penis anderer Männer ist, mir ist es schnurz wie groß oder wie hängend die Brüste einer Frau sind, genaugenommen ist es mir auch im Prinzip mehr oder weniger schnurz, wie dick oder dünn andere Menschen sind- es ist nicht mein Körper, es ist nicht meine Gesundheit, ...

    Die Einstellung gefällt mir. :)^

    Zitat

    Und deshalb finde ich es einfach komisch, wenn jemand in eine öffentliche Sauna geht und sich dann darüber wundert von anderen mit lüsternen Blicken angesehen zu werden.


    Ich gehe genau aus diesem Grund nicht in Saunas und so weiter, wo man vor anderen Menschen nackt ist.

    Ich war früher sehr prüde und konnte mich nicht mal in meinen eigenen 4 Wänden nackt bewegen. Seit ich Saunagänger bin hat sich das Stück für Stück abgelegt und mittlerweile fühle ich mich richtig Wohl in meinem Körper, auch in der Sauna. Die Scham ist wohl anerzogen und sich nackt wohl zu fühlen muss man erst lernen. Anfangs hatte ich ähnliche Gedanken, aber igendwann fällt der sexuelle Kontext weg. Da siehst man dann tatsächlich Leute und nicht nur Penisse und Brüste.


    Und wirkliches anstarren habe ich persönlich noch nie erlebt. Es gibt wahrscheinlich ein paar schwarze Schafe, aber diese verstossen dann auch gegen die Saunaordnung und gegen die kann man vorgehen.

    Ich freue mich schon auf unsere Schlittenhunde-Tour im Februar durch Lappland. Dort gibt es nicht einmal Duschen - geschweige denn getrennte. Jede Hütte hat eine kleine Sauna mit Holzofen, anschließend geht man zur Reinigung raus und reibt sich mit Schnee ab. Wer sich da ziert, hat keine Chance zur Körperpflege.


    In einer solchen gemischten Gruppe sind sicherlich nicht alles Pinup-Girls und California-Dreamboys. Da ist auch nichts sexualisiert, aber genausowenig eklig. Und die Leute wissen auch, wie man damit umgeht und dass Intimität ihre Grenzen hat, weil die Gruppe sonst nicht funktioniert.


    Klar ist das nicht jedermanns Sache. Aber wenn man jetzt überlegen täte, dass einem in nackter Umgebung eben überall diese Sicherheit gewährleistet würde - eben ohne Gaffer, ohne Bullys, sondern dass man einfach keine große Sache um ein praktisches Ding macht ... würden dann die Nacktskeptiker eher bereit sein, sich ebenfalls nackt zu zeigen, oder würde die persönliche Grenze bleiben?

    Bei mir wäre das weiterhin eine persönliche Grenze. Nacktheit hat für mich etwas mit Vertrautheit zu tun.


    Partner, Familie, Freunde - "schlimmstenfalls" der Arzt.


    Ich würde mich nie einfach so nackt zu fremden dazu setzen.


    Selbst im swingerclub trinkt man i.d.r erstmal was gemeinsam und kommt ins Gespräch eh man sich voreinander "die Blöße gibt" :=o

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    Dort gibt es nicht einmal Duschen - geschweige denn getrennte. Jede Hütte hat eine kleine Sauna mit Holzofen, anschließend geht man zur Reinigung raus und reibt sich mit Schnee ab.

    Das wäre so gar nicht mein Fall; gelobt sei die Zivilisation mit ihren modernen Errungenschaften und ihrem technologischen Fortschritt u.a. Duschen mit warmen Wasser und Heizungen für die eigenen vier Wände.

    @ Comran

    Ich hätte da Sorge auf dem Weg von der Sauna zum Schnee dann nackt von hungrigen Schlittenhunden angefallen zu werden. ;-D

    Zitat

    Ich hätte da Sorge auf dem Weg von der Sauna zum Schnee dann nackt von hungrigen Schlittenhunden angefallen zu werden. ;-D

    Hungrig? Bevor der Mensch es sich bequem macht, kriegen die ihr Brikett Kraftfutter. Nach 50 Kilometern und einem guten Fressen pennen die längst, bevor die Sauna warm ist. Also Spannerhunde sind das definitiv nicht :-D

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    Ich würde mich nie einfach so nackt zu fremden dazu setzen.


    Selbst im swingerclub trinkt man i.d.r erstmal was gemeinsam und kommt ins Gespräch eh man sich voreinander "die Blöße gibt"

    Das hat eher weniger mit einfacher Nacktheit zu tun- da steckt offenbar bei dir zuviel sexualisiertes Denken dahinter- und das ist nicht unwesentlich medial geprägt, aber eben auch gesellschaftlich- z.B. über sexualisierte Nacktheit wie z.B. über Table-Dance oder Stripties. Nacktheit kann, muss aber keine stärkere sexuelle Komponente beinhalten- wer Nacktheit ständig geistig mit Sex verknüpft, hat in der Tat mit seiner Nacktheit ein Problem. Wenn ich nackt zum (Sonnen-)Baden oder in die Sauna gehe, hat es eher keine sexuelle Komponente.


    Ich hatte als junger Mensch niemals einen Porno gesehen, in einem Strip-Lokal oder in einer Table-Dance-Bar war ich bis heute nicht, der FKK, der Saunagang oder das Duschen waren für mich nie sexuell angehaucht. Vielleicht habe ich deswegen einen unbeschwerteren Zugang zur Nacktheit.

    Zitat

    Und ich finde es natürlich, dass Männer einen schönen, nackten Frauenkörper mit schönen Brüsten und schöner Vagina sexuell anregend finden.

    Das kann man finden, man kann es aber auch zu bestimmten Zeiten als ungeeignet feststellen- dann findet nicht zwingend eine sexuelle Erregung statt.


    Im übrigen gibt es Kulturkreise, wo eine deutlich erhöhte Zahl an Männern ihren Sexualtrieb als unbeherrschbar hinstellen- die Folgen solcher Denkweise sollten bekannt sein: Die Wahrscheinlichkeit sexueller Übergriffe auf Frauen ist deutlich erhöht. Der Männertrieb dient dann als Ausrede für zahlreiches männliches Fehlverhalten.


    Mensch ist eben genau nicht nur seinen Instinkten unbeherrschbar ausgesetzt. Zur Biologie des Menschen gehört auch seine Ratio (auch wenn sie bei manchen Menschen unterentwickelt zu sein scheint).

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    Zwischen Ansehen und Anstarren gibt es ein weites Feld. Wenn ich mich entspanne, dann entspanne ich mich- da ist es mir egal, wie mich andere ansehen.

    Mein Bauchgefühl sagt mir du verstehst die Bedeutung des Wortes "Minderwertigkeitskomplex" nicht. Es bedeutet genau dass wie es auch geschrieben wird: Man fühlt sich minderwertig in einer Sache / Situation / Verhalten.


    Komplex zu haben ist sicher kein Vorteil oder eine tolle Eigenschaft sondern in einiger Hinsicht teilweise lebensbeschränkend und etwas was man unternehmen müsste.


    Deine Einstellung dazu wie dir das "schnurz" ist wie andere über dich denken auch in nackter Hinsicht ist lobens- und erstebenswert aber nunmal nicht der allgemeine Standart bei der großen Masse. Komplexe zeugen von innerem Druck und Angespanntheit die ausstrahlt. Wenn es auch nicht in dem Moment um seinen Komplex geht, so schließt man darauf als Ursache.


    Für jemand der das Wort sensibel in seinem Namen führt scheint es mir bei dir aber ordentlich an Einfühlungsvermögen zu fehlen.


    Würdest du zu Menschen mit Phobien auch sagen: Stell dich nicht so an, alles halb so schlimm. Ich schaff das doch auch !? - Tolle Farce %-|

    Zitat

    Komplexe zeugen von innerem Druck und Angespanntheit die ausstrahlt.

    Komplexe befördert man, wenn man sie als gegeben hinnimmt und das Problem der Komplexe nicht beseitigt. Ja, die Überwindung von Komplexen kann beschwerlich und sehr anspannend sein. Anspannender ist es aber, wenn man Menschen ihrer Komplexe wegen nur bedauert, ihnen aber ansonsten nicht weiterhilft- man befördert so viel eher das "Schmoren" in den Komplexen. Deswegen sage ich lieber: "Jammer nicht, nimm deinen ganzen Mut zusammen und sage dir: Egal oder Scheißegal- da gehe ich durch"


    Wenn jemand sich seines Aussehens wegen schämt, deswegen Komplexe mit sich rumträgt, helfe ich diesem Menschen nicht, indem ich ihm Lügenmärchen erzähle und ihm versuche unterzujubeln, dass es doch gar nicht so hässlich aussieht- vielmehr kann ich auch sagen: "Ja, sieht scheiße aus- können wir nicht ändern- versuchen wir das beste daraus zu machen" Und: "mich stört es schon mal nicht (und das kann ich ehrlich sagen)".

    Zitat

    Würdest du zu Menschen mit Phobien auch sagen: Stell dich nicht so an, alles halb so schlimm. Ich schaff das doch auch !?

    Da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Mensch mit seiner Phobie besser umgehen kann, wenn er mit seiner Phobie direkt konfrontiert wird, würde ich das in diesem Zusammenhang tun. Das kann zwar für einen kurzen Moment seelisch sehr schmerzhaft sein- danach aber sehr erlösend. Gejammere und falsch verstandenes "Mitgefühl" hilft dem Menschen nicht, sondern drängt ihn, in dieser Rolle zu bleiben. Sensibilität hat sehr stark etwas mit Wahrnehmung zu tun- aber nicht unbedingt viel mit Bedauern und Mitleid oder falschverstandenem Einfühlungsvermögen. Ich versuche etwas zu tun, anstatt zu bemitleiden.


    Seelisches Mitleid ist nur dann sinnvoll, wenn keine Aussicht auf Lösung des Problems besteht- dann wirkt Mitleid unterstützend, ansonsten nicht.


    Und ja, ich bin unangenehm, wenn ich Menschen auffordere, ihre Ratio zu betätigen- das geschieht aber nicht, um Menschen zu quälen, sondern ihnen zu helfen, ihnen einen anderen Weg aufzuzeigen. Das halte ich für produktiver als Mitjammern und Bedauern.

    Ich verzichte nicht aufgrund von Verklemmtheit auf die Sauna oder öffentliche Duschen, da spricht meiner Meinung nach mehr dagegen.


    Wegen meiner dicken Haare dusche ich daheim, weil ich die mit den eventuell vorhandenen Föns in öffentlichen Duschen einfach nicht trocken kriege - und im Gegensatz zu Nacktheit sind für mich nasse Haare ein widerliches Gefühl, das ich nicht haben muss.


    Da ich Hitze mit ganzem Herzen hasse, wird mich niemals jemand in einer Sauna finden, ob angezogen oder nicht.