• Kein Alkohol - Rechtfertigung

    Hallo, ich findes ziemlich krank, dass man sich heute in einer Bar rechtfertigen muss, warum man kein Alkohol trinkt. "Hey, warum trinkst Du nur Cola?" "Hey, trink doch endlich was." "Jetzt trink doch n Bier mit, stell Dich nicht so an." "Was bist denn Du für einer."
  • 93 Antworten

    Man kann's aber auch übertreiben... Klar sollte man grundsätzlich nett zueinander sein, aber das heißt ja nicht, dass man sich nicht mehr über ein Thema unterhalten darf, nur weil man dazu unterschiedliche Ansichten vertritt. Jemandem da gleich bösartige Absichten zu unterstellen, ist in meinen Augen zu weit gegriffen.


    Ich beobachte eher, dass sich bei der Thematik viele enorm schnell angegriffen fühlen. Warum? Warum interessiert es euch, was wildfremde Menschen über eure Alkoholabstinenz denken?


    Ich kann natürlich nicht für andere in diesem Faden sprechen, aber ich will sicherlich niemandem schaden, zumal meine Mitmenschen mir nicht "unliebsam" sind. Ich empfinde Liebe für alle Menschen, das heißt aber nicht, dass ich sie deswegen mögen oder ihren Lebensstil teilen muss.

    @ Waterfly

    Nun dann interessiert es dich auf einer Feier sicher auch nicht, wenn du mit einem alkoholischen Getränk dastehst und du angesprochen wirst, warum du Alkohol trinkst (sehr unwahrscheinlich, ich weiß, aber stellen wir uns das mal kurz umgekehrt vor) und du sagst irgendwas (im Grunde ist egal was du sagst) und der andere behauptet dann, dass du alkoholikerin wärst, da du ja ein alkoholisches Getränk zu dir nimmst. ... Macht ja nix, nicht wahr? Ist auch nicht irgendwie sozial rufschädigend, wenn man für ... suspekt/antialkoholisch/alkoholabhängig/essgestört/drogenabhängig etc. gehalten wird bloß weil man etwas völlig normal anders macht in einer Situation X.

    HX2T6

    Zitat

    Auch Gewäsch kann Schäden anrichten. Es gibt nicht umsonst das sehr effektive Mittel der (sozialen) Rufschädigung, um unliebsamen Mitmenschen zu schaden. Darum geht es zB hier bei den Reaktionen und Vermutungen über denjenigen, wenn derjenige keine alkoholischen Getränke konsumiert.


    Ob heimlicher Neid (wohl eher Missgunst) dabei die Antriebsfeder ist oder nicht, macht da nichts besser.

    Schlimm genug, wenn das so sein sollte, aber mir ist das zu einseitig gedacht. Ich glaube nicht, dass es bei dem Thema immer gleich um beabsichtigte Rufschädigung geht, es steckt wohl mehr Gedankenlosigkeit und höchstens Neugier dahinter.


    Was andere sagen oder nicht sagen - die Freiheit, sich zu äußern, haben die Menschen nun mal. Und wenn uns nicht gefällt, was sie sagen, müssen wir damit umgehen, wir können ihnen normalerweise nicht den Mund verbieten.


    Ich weiß, es ist normal, wenn man sich angegriffen fühlt, mit Ärger oder Beleidigtsein zu reagieren. Ich hab hart daran gearbeitet, in solchen Fällen möglichst gelassen zu bleiben. Deshalb nenne ich es Gewäsch und lehne insofern ab, mir den Mist, den andere verzapfen, anzuziehen. ;-)

    Zitat

    Alkohlfreier Sekt ist nicht der Brüller, aber er schmeckt nicht nach Alkohol, kein bißchen.

    Mh, ich glaube manche Menschen sind auch sehr empfindlich was Alkoholgeschmack angeht, du (?) meintest ja auch, dass du ihn überall sofort rausschmeckst, auch wenn es nur Aroma ist.


    Eine Freundin von mir kann auch partout keinen Alkohol trinken, also einfach weil sie ihn vom Geschmack her eklig findet und sofort rausschmeckt.


    Das geht mir zB nicht immer so, gerade in Cocktails finde ich durchaus dass es da Varianten gibt, bei denen ich den Alkohol vielleicht auch nicht bemerken würde.

    Zitat

    Ist leider gar nicht so, natürlich nur meine Erfahrung, als Bierliebhaber schmecke ich leider so einen heftigen Unteschied........ehe ich alkoholfreies Bier trinke (sollte ich Fahrer sein etc. o.ä.) trinke ich eher Cola oder so.

    Aber schmeckt denen, die keinen Alkohol mögen alkoholfreies Bier dann besser? Oder warum trinkt man das? Ich mag Bier geschmacklich meist aber auch einfach nicht, vielleicht liegts daran, dass ich das nicht nachvollziehen kann. ;-D

    Ja, ich schmecke den Alkohol definitiv. Ausser eben er ist in Sauce "verkocht" oder in Kuchen "verbacken". Aber da ist er dann ja auch mehr oder weniger verdunstet.

    also in Lebensmitteln schmeck ich Alk auch raus und mag es nicht. Zum Bsp. Schnapspralinen(Mon Cheri) oder Tiramisu {:( oder SchwarzwälderKirschtorte %:| ist nicht mein Ding.


    Wenn ich maaal Alkohol konsumiere,dann wirklich bewusst ein Glas Wein.

    @ Audrey Tattoo

    Zitat

    Was andere sagen oder nicht sagen - die Freiheit, sich zu äußern, haben die Menschen nun mal. Und wenn uns nicht gefällt, was sie sagen, müssen wir damit umgehen, wir können ihnen normalerweise nicht den Mund verbieten.

    Und umgekehrt muss man das, was andere von sich geben, nicht gut finden. Dazu kann einen keiner zwingen.

    Zitat

    Ich weiß, es ist normal, wenn man sich angegriffen fühlt, mit Ärger oder Beleidigtsein zu reagieren. Ich hab hart daran gearbeitet, in solchen Fällen möglichst gelassen zu bleiben. Deshalb nenne ich es Gewäsch und lehne insofern ab, mir den Mist, den andere verzapfen, anzuziehen. ;-)

    Mir ist es nicht egal, wenn jemand bewusst oder nur aus Gedankenlosigkeit versucht meinen ruf zu schädigen, indem er Unsinn über mich behauptet. Ich sehe keinen erstrebenswerten Vorteil darin, sowas zu ignorieren. Ich nehme das zur Kenntnis und überlege mir, wie ich auf sowas reagiere, wenn jemand so etwas über mich behauptet. Du hältst es so wie du willst und ich halte es so wie ich will.

    Zitat

    Mir ist es nicht egal, wenn jemand bewusst oder nur aus Gedankenlosigkeit versucht meinen ruf zu schädigen, indem er Unsinn über mich behauptet.

    Mir auch nicht, habe ich auch nicht geschrieben! Rufschädigung geschieht aber nicht so schnell, ist mir jedenfalls noch nicht passiert.


    Und ich bleibe dabei: nicht jede Äußerung im Vorübergehen oder aus Gedankenlosigkeit muss ich an mich heranlassen. Ich kann zum nächsten Anwalt rennen und da meine Nerven lassen, ich kann aber auch beschließen, mir nicht jeden Schuh anzuziehen, den mir ein anderer hinhält.

    Zitat

    Du hältst es so wie du willst und ich halte es so wie ich will.

    Sowieso.

    Zitat

    Nun dann interessiert es dich auf einer Feier sicher auch nicht, wenn du mit einem alkoholischen Getränk dastehst und du angesprochen wirst, warum du Alkohol trinkst (sehr unwahrscheinlich, ich weiß, aber stellen wir uns das mal kurz umgekehrt vor) und du sagst irgendwas (im Grunde ist egal was du sagst) und der andere behauptet dann, dass du alkoholikerin wärst, da du ja ein alkoholisches Getränk zu dir nimmst. ... Macht ja nix, nicht wahr? Ist auch nicht irgendwie sozial rufschädigend, wenn man für ... suspekt/antialkoholisch/alkoholabhängig/essgestört/drogenabhängig etc. gehalten wird bloß weil man etwas völlig normal anders macht in einer Situation X.

    Ich seh hier die Parallele nicht ganz, um ehrlich zu sein. Wenn mir jemand gegenübersteht und sagt "Ich versteh nicht, warum Leute Alkohol trinken, mir erscheint das ein sehr fragwürdiges Verhalten", dann würde ich wohl mit einem Schulterzucken reagieren und mich jemand anderem zuwenden.


    Wenn er anderen gegenüber dann das Gerücht verbreitet, ich wäre alkoholkrank, wäre das natürlich eine Rufschädigung. Aber was hat das mit meiner Aussage zu tun? Wenn MIR etwas suspekt erscheint, dann ist das in erster Linie eine Aussage über mich selbst, weil ich dieses Verhalten nicht nachvollziehen kann. Ich sage ja nicht: "Das sind obskure Gestalten". Und dazwischen, ein Verhalten persönlich fragwürdig zu finden und jemandem irgendeine Krankheit anzudichten -dazwischen sehe ich einen Unterschied.


    Ich unterstelle Leuten ja auch nichts, nur weil sie ein nicht-alkoholisches Getränk in der Hand haben und ich gehe auch nicht davon aus, dass es sich um militante Nichtstrinker handelt, nur weil sie aus irgendeinem Grund eine andere Getränkewahl getroffen haben.

    Ich trinke extrem selten mal was. Nicht mal, weil es mir nicht schmeckt, sondern, weil ich suchtgefährdet bin. In meiner näheren Verwandtschaft gibt es mehrere Alkoholiker und die versuchen alle damit in Eigentherapie ihre psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. Ich habe auch psychische Probleme, vielleicht sogar dieselben, und trinke auch am liebsten, um locker und fröhlich zu werden, sprich um meine Angststörung zu kaschieren und meine depressiven und ängstlichen Gefühle wegzumachen.


    Das kann schnell zu einem Teufelskreis werden, sodass ich wirklich nur manchmal trinke. Ich verbiete es mir nicht, aber ich frage mich immer: "Trinkst du jetzt aus Angst/Traurigkeit heraus oder um einen bestimmten Anlass zu feiern?" Wenn ich mir diese Frage stelle, ergibt sich einfach meist, nichts zu trinken. Manchmal gestehe ich es mir auch zu, aus psychischen Gründen zu trinken oder überliste mich selbst. Wenn mir sowas aber passiert, trinke ich meist monatelang nichts mehr. Das Risiko ist mir hier einfach zu hoch.


    Das ist aber sicher nichts, was ich jedem x-beliebigen Kumpel auf die Nase binden werde, das weiß in der Deutlichkeit ja nicht mal meine Familie.


    Mit so ner Geschichte verdirbt man ja irgendwie auch den anderen den Spaß am Trinken und das will ich dann auch nicht, abgesehen davon, dass es sehr intim und persönlich ist.


    Ich bin übrigens auch ein wahnsinnig abenteuerlustiger und experimentierfreudiger Mensch.


    Wer mich aufgrund meiner Neigung, sehr selten zu trinken (vielleicht werde ich auch irgendwann gar nichts mehr trinken, weil mir das Risiko zu hoch wird), als Spaßbremse oder suspekt erlebt, hat wohl wenig Blick für das Innenleben anderer Menschen.

    Zitat

    Wer mich aufgrund meiner Neigung, sehr selten zu trinken (vielleicht werde ich auch irgendwann gar nichts mehr trinken, weil mir das Risiko zu hoch wird), als Spaßbremse oder suspekt erlebt, hat wohl wenig Blick für das Innenleben anderer Menschen.

    Menschen, die nur unter Alkoholeinfluss spaßig und locker sein können, haben ein wirkliches Problem. Deswegen sehe ich Menschen, die kein Alkohol trinken, keineswegs als Spaßbremse, sondern "echt".

    Zitat

    Menschen, die nur unter Alkoholeinfluss spaßig und locker sein können, haben ein wirkliches Problem. Deswegen sehe ich Menschen, die kein Alkohol trinken, keineswegs als Spaßbremse, sondern "echt".

    Danke :)z .


    Ja, ich mache auch lieber ne Therapie deswegen, als zu trinken.


    Womit ich explizit NICHT sagen will, dass jeder, der aus Spaß und Lockerheit heraus mal trinkt, ein Problem hat. ICH hätte aber ziemlich sicher bald eines, wenn ich eben diesem Impuls so oft nachgeben würde, wie er bei mir auftaucht.

    Was ich mich gerade noch frage:


    Warum eigentlich, sollte es ein Problem sein, wenn jemand wirklich nicht trinkt, weil er eben nicht die Kontrolle über sein Verhalten verlieren will? Im Prinzip halte ich es ja auch so: Ich will einfach den Überblick darüber behalten, wie sozialphobisch ich mich gerade fühle und wie gut/schlecht es mir geht. Alkohol nimmt mir diese Möglichkeit, die Möglichkeit, zu sehen, wo ich noch Defizite haben und was ich gerne ändern möchte. Er nimmt mir auch die Möglichkeit, Dinge aus eigener Kraft zu schaffen. Aus mir selbst heraus locker und fröhlich zu sein. Oder es eben auch mal nicht sein zu müssen. So schwinden dann ja auch die Erfolgserlebnisse. Auch finde ich es schwierig, häufig in Gesellschaft zu trinken, weil andere einen mit Alkohol dann vielleicht tatsächlich "lustiger" finden oder so, man fühlt sich akzeptierter, und trinkt dann noch mehr.


    Vermutlich betrifft dieser Teufelskreis eher (dazu gefährdete) Alkoholiker, aber ich wollte es einfach mal gesagt haben.

    Ich finde, das hast du sehr gut und treffend gesagt. Und mutig. So viele betäuben einfach ihre schlechten Gefühle, indem sie "was trinken" und haben gar nicht den Mut, sich ihnen zu stellen. Das meine ich ja: Wieso sollte es eine Art Heldentat sein, Alkohol zu konsumieren? Ist es nicht! Es ist einfach eine Anpassung an den gesellschaftlich gültigen Kontext und niemandem muss es peinlich sein, dem nicht zu entsprechen. Eine bewusste Entscheidung gegen den Alk gehört geachtet und nicht geächtet. Und mit einer Droge ggf. nicht umgehen zu können, finde ich auch überhaupt nicht rufschädigend.