• Kein BH mehr - Was würdet ihr euch denken, eine Frau ohne BH zu sehen draußen?

    Hallo liebe Forenmitglieder, und zwar möchte ich keine BHs mehr tragen, da ich sie unbequem und in meinem Fall zumindest unnötig finde, habe ein A-Cup. Also klar, auf der Arbeit schon, aber im Privaten nicht. Bisher habe ich öfters mal keinen BH draußen getragen, aber immer etwas Schwarzes als Oberteil angehabt, weil ich mich nicht so getraut habe,…
  • 265 Antworten
    paint-it-colourful schrieb:

    Ich frage mich jetzt auch, was es der TE gebracht hat, hier die Frage, ob mit oder ohne, zu stellen? Sie möchte es gerne, also soll sie es tun. Wenn andere ohne BH unterwegs sind, ist mir egal und es sollte ihnen egal sein, wie ich darüber denke.

    Es ist einfach interessant, die Vielfalt an Meinungen zu lesen. Außerdem wollte ich mal sehen, wie vielen es noch so wie mir geht.

    Ach ja: meine Mutter erzählt immer noch mit schaudern davon, dass sie als junges Mädchen keinerlei Hosen tragen durfte. Das war unanständig, zeigte zuviel, sah unästhetisch aus...


    Dieses heutige "aber DAS muss doch wirklich nicht sein" passt in Bezug auf damals genauso.


    Und meine Uroma? - die fühlte sich schon unanständig, wenn man die blanken Fußknochel sah. Das war nämlich damals ein "aber DAS muss doch wirklich nicht sein!"


    Was ich damit sagen will: ich finde es äußerst befremdlich, wenn Leute auch heute noch glauben, nur weil etwas gerade unmodern ist, nicht üblich, daher von vielen als unästhetisch wahrgenommen-dann gleich so einen normativen Charakter haben MUSS - und alle, die sich außerhalb bewegen, dürfen verspottet werden, weil sie "sich zum Gespött machen".

    Nein, zum Gespött macht sie eine Gesellschaft in der Schonheitswahn mehr wert ist als Freiheit für alle.

    Paritu schrieb:

    dürfen verspottet werden, weil sie "sich zum Gespött machen".

    Zudem wird die Verantwortung über das eigene Handeln von sich weg geschoben.

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    garudych schrieb:
    Paritu schrieb:

    dürfen verspottet werden, weil sie "sich zum Gespött machen".

    Zudem wird die Verantwortung über das eigene Handeln von sich weg geschoben.

    Ganz genau. Das erinnert mich an mobbende Schüler, die wenn sie erwischt werden gerne mal gackernd von sich geben "aber Frau Paritu, gucken sie doch mal was der an hat/für eine Frisur hat/wie der redet, wie der guckt"


    Das ist exakt derselbe Mechanismus

    Paritu schrieb:

    Nein, es ist eben nicht gleichzusetzen mit "das mag ich nicht".


    Es ist gleichzusetzen mit "so darf man nicht herumlaufen sonst verletzt man eine Norm und darf deshalb verurteilt und verspottet werden. (" machen sich zum Gespött")

    Wortwahlen, Ausdrucksweisen etc. sind bei weitem nicht so genormt. Hier im Süden antwortet man auf die Frage, ob einem das Essen schmeckt "ist ganz gut" oder "kann man essen". Das ist ein Lob. In andern Teilen von Deutschland wäre der Koch zu tiefst beleidigt. Ich neige auch dazu, gerne absolutistische Wörter zu verwenden wie "immer" und "nie" statt "häufig" und "selten". Jetzt wohne ich woanders, da eckt man damit gerne mal an, daher gewöhne ich mich um, aber genauso verwenden die Leute hier Begrifflichkeiten, die ich furchtbar finde. Aber das ist halt so. Man sollte nicht jedes Wort oder gar die Grammatik auf die Goldwaage legen.


    Zitat

    Wäre ich von der Fraktion, die gerne Normen festschreibt, würde ich wohl jetzt schreiben:


    "Ich finde ohne BH und mit Achselhaaren ja ok, aber Flupflops oder gar ganz nackte Füße, das muss doch nun wirklich nicht sein, das sollte doch jeder wissen!"

    Den Teil mit "das sollte doch jeder wissen" hast Du hinzugefügt, den habe ich vorher nirgends vernommen. Aber selbst wenn man ihn hinzunimmt, wäre das für mich zunächst ein Wunsch gewesen. "Sollte doch jeder wissen, wäre doch echt schön wenn das jeder so sehen würde".


    Selbst der Duden würde beiden / keinem von uns Recht geben, er ist sich auch uneinig:


    Duden schrieb:

    sol­len

    unregelmäßiges Verb – 1a. die Aufforderung, Anweisung, den Auftrag … 1b. mögen; drückt einen Wunsch, eine … 1c. drückt Unsicherheit, Zweifel, Ratlosigkeit aus

    Daher würde ich abzuwarten ob eine Aussage eindeutig wird oder aber nachfragen. Hier wurde nicht nachgefragt sondern den Leuten etwas in den Mund gelegt. Ist zumindest mein Eindruck. Am Ende könnte sich herausstellen, es war tatsächlich so gemeint oder es war ganz anders gemeint. Oder wir erfahren es nie, darauf läufts im Internet meistens raus. ":/


    Aber "lernen" wird keiner was draus. Erwachsenenerziehung funktioniert selten über direkte persönliche Belehrungen, die führen eher zu Trotz oder Verteidigung.


    Spannend finde ich es trotzdem immer wieder, wie vielfältig Sprache interpretiert werden kann. Man lernt in jeder Diskussion etwas, wenn man möchte, ich habe jedenfalls etwas mitgenommen obwohl ich gar nicht betroffen war. :)z

    Paritu


    Bei meiner Mutter hat das "was Mädchen anziehen" aus ihrer Jugend leider keine schlechten Erfahrungen hinterlassen und ich wurde in unzählige Röcke gesteckt. "Die anderen haben nur Hosen an weil sie ältere Brüder haben deren alte Klamotten sie auftragen müssen, du aber bist die ältere."

    Nicht einmal mein dezenter Hinweis, man könnte auch mir Hosen kaufen, dann hätte später mein kleiner Bruder was davon verpufften ohne Ergebnis. Es dauerte 11 lange Jahre bis ich mehr als eine oder zwei "Umteifihosn" (Frei übersetzt Draußenspielhosen) besaß.

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    Wie alt ist denn deine Mutter?

    Meine ist Jahrgang 1939, und ihre Mutter hätte ihr nie verboten, Hosen zu tragen.

    Auf einem ihrer frühen Fotos von 1944 trugen sie und ihre große Schwester auch Hosen.

    Nur in der Schule gab es viele ältere Lehrerinnen, die darauf bestanden haben, daß die Mädchen Röcke oder Kleider tragen mussten.

    Und am Arbeitsplatz war es in den 1950ern auch noch nicht üblich, daß Frauen Hosen trugen, schon gar nicht im Büro.

    Hosen waren für Frauen und Mädchen damals eher Freizeitkleidung...


    Und was die Knöchel betrifft, da kam es auch schon im 19.Jahrhundert darauf an, was man zu welcher Gelegenheit trug.

    Wanderkostüme oder Arbeitskleider waren auch damals schon Fuß-und knöchelfrei.

    Gerade auf dem Feld, im Stall oder in der Fabrik wären ja die Kleider ganz schnell total dreckig am Saum, wenn sie noch länger gewesen wären.

    Ausgehkleider waren damals aber meistens mindestens bodenlang oder länger. Und beim Treppensteigen oder Tanzen wurden die Röcke dezent angehoben, damit man nicht über den Saum stolpern, oder der Tanzpartner draufgetreten hätte...


    Natürlich bin ich froh, daß Frau heute keine langen Kleider mehr tragen muß.

    Aber ich muß zugeben, daß ich die Kleider des 19.Jahrhunderts auf Bildern sehr hübsch finde!

    Vor allem die Empire-Mode im frühen 19.Jahrhundert fand ich schon immer besonders schön.

    Diese monströsen und unbequemen Krinolinen oder Reifröcke waren ja damals um 1800 vorübergehend out. Leider kamen sie zu Beginn des Biedermeier wieder zurück...

    Meine Mutter ist Jahrgang 35. Es war ein sehr dörfliches Umfeld und das "was sollen denn die Leute sagen" bzw das "so wie die ihre Tochter rumlaufen lässt" bzw die "Nachbarschaftspolizei" einfach extrem. Und ein Mädchen in Hosen ging gar nicht. Das stand im Verdacht eine Schlampe im klassischsten Sinne zu sein. Ausnahmen: lange Hose unter dem Rock auf dem langen Weg zur Schule im Winter, die dann aber dort ausgezogen werden mussten


    Und es geht ja nicht darum , zB eine Art der Kleidung nicht zu mögen, sondern die strengen Regeln was wann wo "akzeptabel" ist. Um das Verurteilen - und damals waren die unausgesprochenen Regeln, wer was wo zu tragen hatte und wo nicht schon gnadenlos.


    Freiheit ist für mich ein wichtiges Stichwort.

    Die Ursprungsfrage war ja aber, „Was würdet Ihr Euch denken, wenn Ihr draußen eine Frau ohne BH seht?“


    Und ich kann mich leider auch nicht davon frei machen, als ersten Impuls zu denken „Das hätte jetzt nicht sein müssen“, wenn eine bestimmte Kleidung oder das Fehlen bestimmter Kleidung für mich extrem unvorteilhaft wirkt.


    Auch wenn ich der festen und ehrlichen Meinung bin, dass sich jede/jeder prinzipiell so kleiden kann/soll, wie er oder sie will.

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    Mike578 schrieb:

    Wortwahlen, Ausdrucksweisen etc. sind bei weitem nicht so genormt. Hier im Süden antwortet man auf die Frage, ob einem das Essen schmeckt "ist ganz gut" oder "kann man essen". Das ist ein Lob.

    Bin im Süden geboren, hab ich noch nie gehört. Das ist dann schon sehr regional. Und ne lahme Ausrede.

    garudych schrieb:
    Mike578 schrieb:

    Wortwahlen, Ausdrucksweisen etc. sind bei weitem nicht so genormt. Hier im Süden antwortet man auf die Frage, ob einem das Essen schmeckt "ist ganz gut" oder "kann man essen". Das ist ein Lob.

    Bin im Süden geboren, hab ich noch nie gehört. Das ist dann schon sehr regional. Und ne lahme Ausrede.

    Das war zb das höchste Lob das man von meinen Ex bekommen konnte. Allerdings ist das hier (das war Deutsche als Süden bezeichnen), nicht üblich.

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    Was meinst du mit Vorwurf?


    Es ist bezogen darauf, dass ja mal wieder die anderen in der Verantwortung für das eigene Handeln sind.

    garudych schrieb:

    Was meinst du mit Vorwurf?


    Es ist bezogen darauf, dass ja mal wieder die anderen in der Verantwortung für das eigene Handeln sind.

    :)z und dafür ist es eine Ausrede

    Paritu schrieb:
    garudych schrieb:

    Was meinst du mit Vorwurf?


    Es ist bezogen darauf, dass ja mal wieder die anderen in der Verantwortung für das eigene Handeln sind.

    :)z und dafür ist es eine Ausrede

    Irgendwie stehe ich aufm Schlauch. An welchem Punk ist die Verantwortung auf andere abgewälzt worden? Habe wohl den Kontext verloren.


    Mir gings nur um Missverständnisse durch unterschiedliche Interpretationen. Bei Misverständnissen ist keiner Schuld und ohne Schuld kein Vorwurf und ohne Vorwurf keine Entschuldigungen oder Ausreden.


    Vielleicht denke ich aber auch in eine andere Richtung und Ihr meint was völlig anderes. Ist aber auch egal, geht am Thema vorbei. Selbst die Achselhaare, für die ich mich in diesen Faden abonniert habe, ist Offtopic.


    Ich mache mal wieder Platz, falls noch jemand eine Meinung zu BHs bzw. dessen weglassens hat, da kann ich sowieso nicht mitreden.

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