Krankes Aussehen bei psychischen Erkrankungen

    Ich bin psychisch erkrankt was sich vorallem in körperlichen Beschwerden äußert. Eine erfolgreiche Behandlung steht noch aus.


    Was mir aber ebenfalls äußerst unangenehm ist, ist dass ich auch so aussehe wie ich mich fühle: fürchterlich krank.


    Und damit meine ich schwer krank. Nicht erkältet, sondern wie mit einer lebensbedrohlichen Krankheit.


    Diese Aussage kommt nicht nur von mir selbst, sondern andauernd auch von Fremden.


    Die Leute fragen mich, ob es mir gut geht, weil sie Angst haben, dass ich umfalle. Ich werde nach vorliegenden krankenhauswürdigen Krankheiten, oder Suchterkrankungen gefragt, sowohl von Ärzten, als auch medizinischen Laien.


    Und das ist mir unglaublich unangenehm. Nicht nur die Fragen an sich, sondern auch das Wissen, dass jeder einen so sieht.


    Ja, ich bin krank. Aber es ist doch "nur" die Psyche. Ich fühle mich schlecht, aber kann ich nichts dagegen tun, dass ich auch so aussehe, bis ich mich wieder besser fühle?


    Es ist eigentlich eein eher nebensächliches Problem, aber trotzdem eines, dass mich belastet.

  • 13 Antworten

    Was du tun könntest um nicht mehr krank zu wirken, ist morgens eine Maske auflegen.


    Mach dich gerade, schmink dir ein bisschen Farbe ins Gesicht(Bei Frauen), PFLEGE dich (Duschen Kämmen Frisieren rasieren bei Männern), ziehe frische saubere passende Sachen an


    Steh gerade, wirke offen und lächel. Lächel als ob nur dieses Lächeln dein Leben wäre.


    Die Frage ist, will und kann man das überhaupt noch?


    Wenn man jahrelang so eine Maske getragen hat, so wie ich, dann kann man das oft einfach nicht mehr.


    Und dann fällt man in sich zusammen. Man geht gebückt, möchte nicht dass andere einen sehen, lächeln wird zu einer schweren Aufgabe, genauso wie die eigene Pflege.


    Ja man wirkt krank, denn man ist krank.

    Ja, gut, man kann mal ein paar Tage so eine Show abziehen und jemand anderen miemen. Aber das geht nur für Notfälle, nicht generell. Was man generell schon könnte, wäre, sich das Gesicht dichtschminken, so dass man nicht krank aussieht. Aber das würde ich nicht tun.


    Was du mal machen kannst, wäre, genau die optischen Crashstellen herausfinden. Sind es Augenringe? Dann nur die abschminken. Ist es extreme Blässe? Dann eine getönte Crème. Mit möglichst wenig Aufwand könnte man so die kranke Ausstrahlung, die ja doch fast nur vom Gesicht ausgeht, schmälern.

    Ich meinte auch garnicht, dass man das generell machen soll...


    Ich weiß aber nicht ob TE männlich oder weiblich ist...


    Ich finde zBsp bei frauen so eine getönte Tagescreme einfach zu verwirklichen...morgens drauf, Winperntusche und schon sieht man frischer aus.


    Bei Männern ist es der 3 Tage Bart, der ungepflegte...


    Und ansonsten ist es gaaaanz oft die Haltung, die einen psychisch kranken Menschen, krank erscheinen lässt. Ich habe das selbst gemerkt, als ich die Schultern wieder gerade machen konnte, wieder lernte in die Welt zu schauen, sah ich automatisch wieder gesünder aus.

    "Was mir aber ebenfalls äußerst unangenehm ist, ist dass ich auch so aussehe wie ich mich fühle: fürchterlich krank."


    Wie man sich fühlt trägt man meistens nach Außen. Sicher kann man es zeitweise überspielen (und/oder überschminken) aber letztendlich, so im Gesamten, funktioniert das nicht.


    Sei es nun körperlich bedingt oder eben psychisch (Wobei selbst bei körperlichen Erkrankungen die Psyche oftmals einen Hauptanteil trägt wie man "aussieht", also nach Außen wirkt).


    Und: Dafür muß man noch nicht mal "krank" sein. Stichwort ist die berühmt-berüchtigte Ausstrahlung, diese wirkt sich ja z.B. auch auf die (optische) Attraktivität allgemein aus.


    Und Du fühlst Dich nun mal momentan auch fürchterlich krank. Das ist doch auch legitim und nicht schlimm - also im Sinne, dass man es Dir ansieht meine ich natürlich. Es ist nun mal so, gehört zu Dir im Moment. Ich verstehe zwar, dass es Dich zusätzlich belastet, aber versuche den Fokus auf das zu lenken was jetzt am Wichtigsten ist: Deine Psyche wieder hinzubekommen - dann löst sich das andere "Problem" ganz von selbst. :)*

    Ahh ich hätte noch schreiben müssen, dass ich männlich bin %:|


    Da ist das mit der Schminke so eine Sache.

    Zitat

    PFLEGE dich (Duschen Kämmen Frisieren rasieren bei Männern), ziehe frische saubere passende Sachen an

    Das ist für mich selbstverständlich. Dafür bin ich zum Glück nicht zu krank!

    Zum lächeln ist mir so gar nicht mehr zu Mute :-X Ich kann versuchen mich dazu zu zwingen, aber auch dann sehe ich doch nur wie ein lächelnder Kranker aus. Aber wohl besser als nichts.

    Zitat

    Was du mal machen kannst, wäre, genau die optischen Crashstellen herausfinden. Sind es Augenringe? Dann nur die abschminken. Ist es extreme Blässe? Dann eine getönte Crème. Mit möglichst wenig Aufwand könnte man so die kranke Ausstrahlung, die ja doch fast nur vom Gesicht ausgeht, schmälern.

    Oh das ist eine ganze Menge. Blässe, müde Augen (das sind ja nicht nur Augenringe), soweit ich weiß hängt bei Depressionen zum Teil auch die Gesichtsmuskulatur (oder denke ich mir das grad aus ":/ ). In der Hinsicht ist es wohl nicht nur die Kombination der Crashstellen, sondern wohl auch vorallem der Schweregrad. Dnd dann habe ich unabhängig von den psychischen Problemen noch starke Akne und Haarausfall. Das setzt dem Ganzen natürlich noch die Krone auf, vorallem wenn man noch <30 ist.

    Zitat

    Und ansonsten ist es gaaaanz oft die Haltung, die einen psychisch kranken Menschen, krank erscheinen lässt. Ich habe das selbst gemerkt, als ich die Schultern wieder gerade machen konnte, wieder lernte in die Welt zu schauen, sah ich automatisch wieder gesünder aus.

    Darauf achte ich und verwirkliche es auch so gut es geht. Klar gibt es Situationen in denen ist man so fertig, dass man auch das nicht durchzieht. Aber in der Regel schaffe ich das.

    Ok danke :-)


    Ich hatte nur Angst in eine Art Teufelskreis zu gelangen, denn eine zusätzliche Belastung erschwert möglicherweise die Genesung. Ich kenne mich da nicht so aus, ist mehr eine Vermutung.


    Es ist schon ironisch. Auf der einen Seite wird einem gesagt man sähe furchtbar krank aus und auf der anderen Seite wird einem vorgeworfen man sei ja gar nicht richtig krank. So eine echt bescheurte Erkrankung.

    "Ich hatte nur Angst in eine Art Teufelskreis zu gelangen, denn eine zusätzliche Belastung erschwert möglicherweise die Genesung. Ich kenne mich da nicht so aus, ist mehr eine Vermutung."


    Damit hast Du ja auch gar nicht so unrecht. Bei psychischen Erkrankungen ist es auch oft so, dass sie so komplex sind, dass eben die eine "Baustelle" die andere bedingt und umgekehrt...."Teufelskreis" ist da gar keine schlechte Bezeichnung. Ein psychisch Kranker weiß oftmals gar nicht wo (bei welcher Baustelle) er nun anfangen soll...da wird dann versucht Alles auf ein Mal zu wuppen und Alles fällt wieder in sich zusammen - oder so ähnlich. Deswegen ist therapeutische Hilfe ab einem gewissen Punkt auch so wichtig. Weil diese eine gewisse Struktur in das Ordnen, das Abarbeiten reinbringt.


    "Es ist schon ironisch. Auf der einen Seite wird einem gesagt man sähe furchtbar krank aus und auf der anderen Seite wird einem vorgeworfen man sei ja gar nicht richtig krank. So eine echt bescheurte Erkrankung."


    Allerdings.


    Aber es ist zu schaffen - Du findest hier zig Beispiele. Lasse Dich von sehr langen Fäden nicht abschrecken, lies Dich mal so quer. Dort kannst Du so einige Schicksale finden, die doch (letztendlich) positiv verlaufen ("gut ausgehen" klingt so pathetisch ;-)). Oft ist der Weg dorthin leider langwierig und steinig, mit Rückfällen gepflastert - aber es lohnt sich.


    Man sollte einfach sehr schnell lernen auch kleine Fortschritte angemessen zu würdigen. Und nicht niederzumachen. Nicht: "Ach, was soll ich stolz sein auf Etwas was für andere Menschen normal ist" - sondern "Ich konnte dies oder das bisher nicht, und jetzt schaffe ich es (ganz leicht)". Was "die Anderen" machen und können, das ist völlig egal.

    Eine Depression oder Angsterkrankung oder generell psychische Erkrankungen sieht man halt nicht zwingend als krank.


    Wir tragen keine Gips oder einen Kopfverband.


    Wir haben auch kein Fieber oder laufen mit roter Nase rum.


    Ich hab diese Sätze garnicht mehr so oft gehört wie alle andren.


    Klar es kam ein obligatorisches "Geh raus, mache mal jeden Tag Hausputz und schon gehts dir besser, weil du was zu tun hast" von meinen Eltern, aber dass ich krank war, das war mir bewusst!


    Und so habe ich auch jeden in Grund in Boden geredet, der behauptet hat, Depression wäre keine Krankheit.


    Meistens in Form von "Stell dir mal vor, du hättest einen 100kg Sack auf den Schultern, schon morgens beim Aufstehen, die Energie die du aufbringen müsstest aufzustehen erscheint dir so unheimlich hoch. Ähnlich geht es dir bei einer schlimmen Erkältung."


    Wenn dann das typische "Ahja aber man hat dann ja Viren/Bakterien" kommt sagte ich "Ja und ich hab ein Ungleichgewicht im Gehirn. Mir fehlt Serotonin. einer der größten Antriebsgeber. Was ist schlimmer, ein gehirn, dass nicht das tut wofür es da ist, oder ein paar Viren/Bakterien bei denen du unnötig antibiotika nimmst obwohl die Krankheit mit Antibiotika 7 Tage dauert und ohne genauso lang. Immerhin machen deine Blutzellen das, was sie tun sollen. Sie bekämpfen die Krankheit, du kriegst Fieber, du bist krank. Mein Gehirn ist so schlimm krank, dass es das nicht mehr kann.


    Einem Krebskranken dessen Blutzellen nicht das machen, was sie sollen, sagt man doch auch nicht "Ach irgendwann machen die das schon wieder." (Ich bin mir bewusst, dass dieser Vergleich IMMER riskant ist, da meine Schwester auch Krebs hatte.)


    Aber die meisten ziehen dann erstmal ne Flappe, von Ungleichgewicht im gehirn haben sie nämlich noch nie was gehört. Die Depressiven sind ja "nur traurig".

    Zitat

    Blässe, müde Augen, (...) starke Akne und Haarausfall.

    Vielleicht hast Du irgendwelche Mängel, z.B. Zink-, Eisen- oder Vitamin-D-Mangel. Solche Unterversorgungen sind gar nicht so selten, werden aber bei den routinemäßigen Untersuchungen der Ärzte oft nicht erkannt. Das berühmte "große Blutbild" ist längst nicht so umfassend, wie man vielleicht glauben mag.


    Gerade bei Depression sollte man auf bestimmte Vitamine durchaus achten: http://Link


    (Das soll jetzt aber keine Aufforderung sein, das nächstbeste Multivitaminpräparat zu kaufen. Zunächst sollte genau geprüft werden, welche Mängel evtl. vorhanden sind. Diese sollten dann gezielt behoben werden.)

    Xirain


    (Bei mir war (ist) es eine Angsterkrankung mit der ich mein halbes Leben, bzw. große Phasen davon, zu kämpfen hatte)


    "Die Depressiven sind ja "nur traurig"."


    Ja, leider wird selbst heute noch, eine Depression oft mit "ein Mensch der immer traurig ist" gleichgesetzt. Die Vorstellung "er braucht einfach was, was ihn fröhlich macht" ist da schwer aus den Köpfen zu bekommen.


    Ein pathologisch depressiver Mensch ist nicht durchgehend traurig, er kann durchaus auch fröhlich, begeistert etc. sein. Es ist (leider) viel komplexer.


    Aber seien wir fair:


    Es ist auch schwer etwas was man nicht sehen kann sofort und ohne wenn und aber akzeptieren zu können. Und gerade heutzutage werden meiner Meinung nach zu viele psychische Erkrankungen auch "aus-, bzw. benutzt", zu schnell hergenommen, um nicht wirklich pathologische Schwachstellen bei sich selber oder Anderen zu erklären, eine Eigenverantwortung abzuschieben - weißt Du was ich meine?


    (Damit meine ich natürlich Keinen der hier Anwesenden! Und sorry für's offtopic twinstar @:))

    Danke dir für die aufmunternden Worte. Ich schaue mich mal um und gucke, was ich so alles für mich mitnehmen kann. :-)

    Zitat

    Man sollte einfach sehr schnell lernen auch kleine Fortschritte angemessen zu würdigen. Und nicht niederzumachen. Nicht: "Ach, was soll ich stolz sein auf Etwas was für andere Menschen normal ist" - sondern "Ich konnte dies oder das bisher nicht, und jetzt schaffe ich es (ganz leicht)". Was "die Anderen" machen und können, das ist völlig egal.

    Oh Mann, da hast du mich ja sofort erwischt! Das sind schon jetzt die Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, noch bevor ich überhaupt therapeutischen Erfolg hatte. Davon muss ich wohl los kommen!

    Riesen Respekt dafür, dass du dich nicht unterkriegen lässt :)^ Eventuell entscheidet sich daraufhin ja der ein odere andere mal dazu sich ein wenig zu informieren. Da machst du wirklich vieles besser als ich. Hier in meinem Umfeld ist die Aufforderung einen Psychiater zu besuchen mehr eine Beleidigung als ein gut gemeinter Ratschlag und der Besuch gilt generell als Schande. Echt krass, was in den Köpfen mancher Leute abgeht.


    Ich muss aber auch sagen, dass ähnliche Kommentare von Leuten kommen, die es eigentlich besser wissen müssten. Ich bin von den Ärzten da durch die Bank weg schwer enttäuscht. Da war ein Neurologe dabei, der mir doch ernsthaft gesagt hat ich solle wegen "ein bisschen Müdigkeit" seine Zeit nicht so verschwenden >:( Dass man bei dieser Problematik auf Desinteresse seitens der Ärzte stößt ist wohl leider üblich.

    Zitat

    Vielleicht hast Du irgendwelche Mängel, z.B. Zink-, Eisen- oder Vitamin-D-Mangel. Solche Unterversorgungen sind gar nicht so selten, werden aber bei den routinemäßigen Untersuchungen der Ärzte oft nicht erkannt. Das berühmte "große Blutbild" ist längst nicht so umfassend, wie man vielleicht glauben mag.


    Gerade bei Depression sollte man auf bestimmte Vitamine durchaus achten: http://Link


    (Das soll jetzt aber keine Aufforderung sein, das nächstbeste Multivitaminpräparat zu kaufen. Zunächst sollte genau geprüft werden, welche Mängel evtl. vorhanden sind. Diese sollten dann gezielt behoben werden.)

    Ein sehr wichtiger Hinweis! Meinen Hausarzt musste ich auch schon auffordern mal das Vitamin D zu überprüfen. Von alleine hätte der das nie gemacht. Der Mangel war ihm dann aber nicht groß genug, als dass er verschreibungspflichtige Vit D Präparate für angemessen gehalten hätte. (Beim nächsten Hausarzt ein paar Monate später dasselbe :=o )


    Ich bin natürlich kein Standardfall, aber diese Halbherzigkeit seitens der Ärzte ist grauenhaft.

    "Oh Mann, da hast du mich ja sofort erwischt! Das sind schon jetzt die Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, noch bevor ich überhaupt therapeutischen Erfolg hatte. Davon muss ich wohl los kommen!"


    ;-) - ich habe Dich ja nicht umsonst erwischt.


    Im Rahmen meiner Angsterkrankung konnte ich z.B. zeitweise nicht in einen Supermarkt gehen. Was meinst Du was ich da für Gedanken hatte? Vor allem, wenn ich es dann wieder schaffte und im ersten Moment stolz wie Bolle war - da habe ich mich sofort wieder runtergezogen und gesagt "Na toll, Du bist stolz auf Dich für Etwas was für andere Menschen normal wie ein Toilettengang ist....".


    In meiner Therapie habe ich dann gelernt, dass es sowas wie "normal" nicht gibt. Andere Menschen haben - sogar ohne Krankheit - Schwierigkeiten die eben für mich normal wie ein Toilettengang sind. Vergleiche bringen da gar nichts. Sondern alleine der Punkt, dass man etwas schafft, was einem sonst enorme Probleme bereitet, man aber doch tun will!


    Wichtig ist es gerade bei einer psychischen Krankheit, sich nicht selbst unter Druck zu setzen und nicht klein zu machen. Im Gegenteil: Menschen die eine solch schwer zu ertragende Krankheit haben und sich da durchkämpfen, das sind sogar sehr starke Menschen. Selbst mit Rückfällen, selbst wenn man mal heulend wie ein kleines Kind in der Ecke kauert....ein Mensch der versucht etwas zu ändern, ist ein starker Mensch. Wichtig ist es die damit einhergehenden negativen Gefühle auch mal zuzulassen und sich ihrer weder zu schämen noch sie als insgesamt auf sich selbst gelegt als negativ zu sehen. Sie haben ihre Berechtigung genau wie positive Gefühle auch.

    Zitat

    "Die Depressiven sind ja "nur traurig"."


    Ja, leider wird selbst heute noch, eine Depression oft mit "ein Mensch der immer traurig ist" gleichgesetzt. Die Vorstellung "er braucht einfach was, was ihn fröhlich macht" ist da schwer aus den Köpfen zu bekommen.

    Ich möchte dabei allerdings nicht verschweigen, dass es bei mir fast so war. Ich kannte nur noch ein Gefühl...traurig sein. Weinen müssen. Allerdings ist diese Depressionssache sehr komplex und ich habe mich während meiner Depression mit einigen Büchern befasst, einfach weil ich wissen wollte, was in meinem Kopf grad schief läuft. ":/


    Es gibt ja aber auch die Depressiven, die nichts mehr fühlen, das soll angeblich noch schlimmer sein. Habe ich selbst nicht erlebt, aber zu meiner größten Heulboje-Zeit habe ich mir sehr oft gewünscht nichts mehr fühlen zu müssen.


    Ich denke genau da liegt der Unterschied zwischen gesund und ungesund. Wer schlecht fühlen kann und darf und wer fühlen MUSS. Wer garkeinen Weg mehr kennt es zu verhindern, oder es zu beeinflussen.


    Ich hab da aber echt eine ziemlich komplexe Meinung und will den Thread hier nicht dafür missbrauchen. Könnte darüber wohl noch seitenweise schreiben...mir dabei vielleicht sogar selbst wiedersprechen, denn ein Profi bin ich nunmal nicht ;-)

    Zitat

    Es ist auch schwer etwas was man nicht sehen kann sofort und ohne wenn und aber akzeptieren zu können. Und gerade heutzutage werden meiner Meinung nach zu viele psychische Erkrankungen auch "aus-, bzw. benutzt", zu schnell hergenommen, um nicht wirklich pathologische Schwachstellen bei sich selber oder Anderen zu erklären, eine Eigenverantwortung abzuschieben - weißt Du was ich meine?

    Ohja, ich habe da ein beispiel in Andrea Jolanders "Da gehen doch nur bekloppte hin" gelesen.


    Es kommt letztendlich darauf an, wer den Leidensdruck verspürt.


    Jemand der vielleicht sogar Anzeichen von Depressionen hat, muss nicht krank sein, solange kein Leidensdruck da ist. Wenns ihm mit der pessimistischen Lebenseinstellung, dem Gefühlsarmen und Ähnlichem "gut geht" tja dann...lasst ihn.


    Natürlich ist es was andres, wenn der jenige Selbstmord androht.


    Genauso wie mein Therapeut als Diagnose aufschrieb "Mittelgradige Depression mit emotional instabilen und impusliven Persönlichkeitsanteilen". Könnte man deuten mit "Borderline", aber er sagte zu mir "Sie fühlen unheimlich viel, aber sie können es nicht zuordnen und impulsiv sind sie, das ist einer ihrer Charakterzüge, aber ich brauche das halt so für die Krankenkasse damit wir ihre Depression behandeln können."


    Es ist alles verwurschelt, ist jemand jetzt depressiv, weil er Angst hat, oder hat er Angst weil er depressiv ist? Das findet selbst ein geübter Therapeut meist erst nach so einigen Sitzungen heraus.

    Zitat

    Es ist auch schwer etwas was man nicht sehen kann sofort und ohne wenn und aber akzeptieren zu können. Und gerade heutzutage werden meiner Meinung nach zu viele psychische Erkrankungen auch "aus-, bzw. benutzt", zu schnell hergenommen, um nicht wirklich pathologische Schwachstellen bei sich selber oder Anderen zu erklären, eine Eigenverantwortung abzuschieben - weißt Du was ich meine?

    Ich finde das sogar unverantwortlich! Lieber lässt man jemanden im schlimmsten Falle JAHRELANG leiden als zu sagen "Du vielleicht...aber nur vielleicht brauchst du Hilfe von jemand Professionellen". Manno, bei einem Arm-Bruch sagt man doch auch nicht...Och ich tunke jetzt meinen Arm in dieses Betonfass, wenn der Beton abbröselt wirds schon verheilt sein.


    Wir stehen heutzutage unter sehr großem Druck, früher krallte man sich dann an Gott oder den Glauben. Viele haben heute diesen Glauben nicht mehr (So wie ich) aber wenn man dann immer fragt warum und findet keine Antwort...und findet keinen Sinn, kann das eine große Hürde sein.


    Plötzlich geht man zu einem "Life Coacher" statt zu einem Therapeuten. Man hat "Burn Out" statt Depressionen...Is doch Bullshit, sorry für den Ausdruck.


    Das Gehirn kann genauso krank werden, wie die Niere oder die Leber und dann sollte man sich doch besser zu einem Spezialisten begeben als zu nem Schlachter.


    Ich finde es jedenfalls ganz toll, dass du eingesehen hast, dass du Hilfe brauchst, denn das ist schon der Schritt, den die meisten nich gehen, weil sie ahnen, dass so eine Therapie unheimlich anstrengend wird. Man muss dann nämlich was an sich ändern. Ich vergleiche meine Mit-Therapierten-Bekannten gern mit Kriegsveteranen. Wir wissen, was wir und der jeweils andre durchgemacht hat. Wer aber nie eine ernsthafte Therapie gemacht hat, weiß garnicht wie anstrengend und hart es ist, zurück ins Leben zu finden. Das beschissene nicht einfach hinzunehmen, sondern etwas neues und besseres zu schaffen.

    Zitat

    Ich muss aber auch sagen, dass ähnliche Kommentare von Leuten kommen, die es eigentlich besser wissen müssten. Ich bin von den Ärzten da durch die Bank weg schwer enttäuscht. Da war ein Neurologe dabei, der mir doch ernsthaft gesagt hat ich solle wegen "ein bisschen Müdigkeit" seine Zeit nicht so verschwenden >:( Dass man bei dieser Problematik auf Desinteresse seitens der Ärzte stößt ist wohl leider üblich.

    Ich denke das Problem daran ist, dass alleinige Müdigkeit einfach unheimlich schwer zu diagnosieren ist.


    Ist der Patient nur gestresst? Schläft er zu wenig? Schläft er schlecht?


    Es gibt sehr viele Ursachen für Müdigkeit. Angesagt wär auf jeden Fall meiner Meinung nach, ein voller Mineralientest (Vit D, Vit B12, Magnesium, Eisen etc) und Schilddrüsenhormone.


    So da haben wir 100€, die der Arzt bei der Krankenkasse aber rechtfertigen muss.


    Gut vielleicht kommt man dann da nicht zu einem Ergebnis, weil alles im Lot ist. Die müdigkeit besteht aber weiter.


    Man könnte natürlich ein Schlaflabor machen um zu sehen, ob der Patient nachts oft aufwacht, Schlafapnoe hat oder sonstiges, aber das muss wirklich indiziert sein.


    Ein Freund von mir hat unheimlich laut geschnarcht. Nach etlichen Untersuchungen kam er mal irgendwann in ein Schlaflabor. Ergebnis: Schlafapnoe. Sein Atem setzt nachts bis zu 1 Minute aus. Dass das dann kein erholsamer Schlaf ist, sollte klar sein.


    Seit dem er so eine Atemmaske für nachts hat, sagt er, ist er viel ausgeruhter.


    So wir haben also alle körperlichen ursachen für Müdigkeit abgehakt, irgendwann...


    Dann kommt die psychische Komponente. Man könnte es mal mit Schlafmitteln probieren, spricht der Patient darauf an?


    Vielleicht wäre dann eine Therapie angesagt, vielleicht quält ihn Abends ein Gedankenkreislauf, aber hey ist ja nicht meine Baustelle, denn ich bin Neurologe, ich bin der Mann für Aneurismen und Gehirntumore! Ich bin Mc Dreamy!


    (Sorry musste grad mal kurs sein...ich mache dumme Witze, deren Analogie du vermutlich nichtmal verstehst. Es geht um einen neurologen/chirurgen aus Greys Anatomy...)


    Ich habe mein "Glück" in einem Psychosomatischen Mediziner und Psychotherapeut gefunden.


    Er hat mir meine Antidepressiva verschrieben und alle 2 Wochen eine Therapiestunde mit mir abgehalten.


    Das Konzept hat sehr gut zu mir gepasst. Auch mein Hausarzt sagte zu mir "Ich denke nicht, dass wir da mit Pflanzlichen Dingen ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen"...ok das sagte er nachdem ich einen Nervenzusammenbruch in seiner Praxis hatte, aber lassen wir das mal außen vor.


    Manchmal reichen pflanzliche Sachen, manchmal nicht.


    Bei manchen psychisch Kranken nimmt man nicht an, dass sie etwas haben, bei andren wiederrum sieht man auf den 1. Blick, derjenige ist krank, blass und irgendwie gräulich...


    Oh Man jetzt hab ich mich aber total reingeredet...Sorry für die Wall of text.

    Ich glaube, dass wird eine große Hürde für mich in der Therapie. Den Hang dazu habe ich nämlich. Aber man wird sehen :-)

    Zitat

    Im Gegenteil: Menschen die eine solch schwer zu ertragende Krankheit haben und sich da durchkämpfen, das sind sogar sehr starke Menschen. Selbst mit Rückfällen, selbst wenn man mal heulend wie ein kleines Kind in der Ecke kauert....ein Mensch der versucht etwas zu ändern, ist ein starker Mensch. Wichtig ist es die damit einhergehenden negativen Gefühle auch mal zuzulassen und sich ihrer weder zu schämen noch sie als insgesamt auf sich selbst gelegt als negativ zu sehen. Sie haben ihre Berechtigung genau wie positive Gefühle auch.

    :)=:)^

    Zitat

    Ich denke das Problem daran ist, dass alleinige Müdigkeit einfach unheimlich schwer zu diagnosieren ist.


    Ist der Patient nur gestresst? Schläft er zu wenig? Schläft er schlecht?

    Und vorallem der Schweregrad ist schlecht bis gar nicht feststellbar (soweit ich weiß?!). Und genau der macht aus, ob es sich eher um etwas Lästiges, oder Zerstörerisches handelt. Und für beides benutzt man dieselbe Beschreibung: "Ich bin müde."


    Selbst Steigerungen wie "Ich bin so unendlich müde." werden bei beiden Varianten genutzt.

    Willkommen in meiner Welt :=o

    Medikamente schlagen bei mir leider überhaupt nicht an. Ich habe medizinisch schon so vieles durch und nie hat etwas meine Situation auch nur irgendwie verändert. Es ist so frustrierend. Müdigkeit ist mittlerweile schon der normale Zustand. Ich kenne es kaum noch anders. Ich kann mich nur noch vage an eine Zeit erinnern in der es anders war.

    Zitat

    Bei manchen psychisch Kranken nimmt man nicht an, dass sie etwas haben, bei andren wiederrum sieht man auf den 1. Blick, derjenige ist krank, blass und irgendwie gräulich...

    Und dann verstehe ich nicht warum Ärzte nicht helfen wollen. Ich fühle mich krank und ich sehe offensichtlich schwerkrank aus. Und dann wird mir von ärztlicher Seite aus nach einer einzigen Untersuchung gesagt "Ist alles in Ordnung, sie sind gesund, tschüss" ??? :-o >:(