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    Also wenn ich junges, unreifes, von Medien beeinflusstes Mädchen wäre und diese Kampagnen-Bilder sähe, würde das meine Meinung nicht ändern.

    Als ich ein jungen, unreifes, auch schon von Medien beeinflusstes und sehr körperunsicheres Mädchen war, hätten diese Kampagnen-Bilder sehr wohl mein Selbstverständnis beeinflussen können.

    @ Julia

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    Aber es stimmt! Wieso ist fett beleidigend?

    Weil Sophia Thiel, auch mit ein paar kg mehr, alles andere als fett ist.


    Genauo solche Aussagen treiben junge Mädchen in gestörte Selbstbilder oder Essstörungen. >:(

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    Genauo solche Aussagen treiben junge Mädchen in gestörte Selbstbilder

    Ach je, das gibt es doch in allen Facetten. Auch so herum, dass normalgewichtigen Frauen/Mädchen gesagt wird, dass sie zu dünn/untergewichtig wären bis die das selbst glauben und dass sie Opfer eines Schönheitswahns wären, weil die meisten Menschen in Deutschland mittlerweile übergewichtig sind, sodass leichtes Übergewicht als (neues) Normalgewicht angesehen wird (und unteres Normalgewicht plötzlich als zu dünn gilt und als Untergewicht).


    Ich finde das immer so verlogen, wenn gesagt wird bei solchen Kampagnen, wir zeigen normale Menschen und dann wird dort doch nur wieder selektiv ausgewählt und gezeigt. Oder wenn gesagt wird, dass fatshaming nicht ok ist (da gehe ich ja konform mit), aber dann gegen Schlanke oder Untergewichtige gehetzt wird.


    Die Mehrheit in Deutschland ist zu dick und weit entfernt von einem Fitnesswahn, ebenso wie von Magersucht. Trotzdem wird so getan, als ob ein Großteil der Bevölkerung kurz vor einer Anorexie wäre oder mindestens sportsüchtig. Wo wir so bei verzerrter Selbstwahrnehmung sind: Es gibt auch den Effekt, dass Menschen sich dünner sehen/wahrnehmen, als sie sind und Übergewicht bei sich verleugnen. Wenn dann auch noch das Umfeld selbst übergewichtig ist, findet da auch keine Korrektur statt (bedeutet ja nicht, dass die abnehmen müssen; es geht um das verzerrte Selbstbild).

    Natürlich gibt es das in beiden Richtungen und ist nie richtig.


    Ich wollte weder das eine noch das andere "besser" oder "schlechter" machen, mir ging es rein um diese Aussage. Sopia Thiel ist fett geworden. Und das ist nunmal Bodyshaming in Reinform. Nur weil momentan ihre Bauchmuskeln nicht so definiert sind ist diese Frau ja wohl alles andere als Fett.


    Ich mag sie nicht einmal besonders, aber diese Aussage ist einfach unter aller Kanone.

    Die Thiel kannte ich vorher gar nicht und finde auch fast nur irgendwelche Fitnessfotos von ihr (und noch welche von 2012 als Vorher-Fotos). Unter fett hätte ich mir jetzt auch etwas ganz anderes vorgestellt und ob man Adjektive wie fett bzgl. anderer Menschen benutzen sollte, wäre die andere Frage. (Ich mag das ebenso wie "dürr"/"mager" im umgekehrten Fall nicht, andere fett zu nennen, weils abwertend klingt für mich. Manche sagen das aber wohl so dahin ohne das abwertend zu meinen. ":/ )


    Bzgl. Bodyshaming finde ich die Medien krass und manipulativ: Nimmt irgendeine Prominente 4 kg zu heißt es: X ist dick geworden, hat sie Kummer? o. ä.; nimmt sie 4 kg ab, heißt es: Ist X magersüchtig? Wir machen uns Sorgen!


    Zum Teil werden einfach unvorteilhafte Fotos aus dem Archiv genommen, auf denen die Person dicker/dünner aussieht. Und es geht natürlich nur um die Auflage und um Unterhaltung.


    Und zwei Seiten weiter gibt es dann wahlweise Back- oder Diättipps. ;-D Frauenzeitschriften konnte ich als Teenager schon nicht ernst nehmen, ebenso wie die Bravo usw.. ... Interessieren sich denn wirklich so viele Mädchen für das, was dort steht, und nehmen das für bare Münze?

    Edit:

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    Nur weil momentan ihre Bauchmuskeln nicht so definiert sind ist diese Frau ja wohl alles andere als Fett.

    Ja, das dürfte aber jeder so sehen. Deshalb müsste das doch keinen Einfluss haben auf das Selbstbild junger Frauen/Mädchen, wenn eine Person wie Sophia Thiel als fett bezeichnet wird. Die müssten doch schon eine krankhafte Wahrnehmung haben, wenn sie diese Aussage bei der Thiel ernst nehmen würden. Weil du geschrieben hattest:

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    Genauo solche Aussagen treiben junge Mädchen in gestörte Selbstbilder oder Essstörungen. >:(

    Mhm ich kenne es eher so, dass das unmittelbare Umfeld entscheidet, wie gesund man diesbzgl. aufwächst und nicht abgebildete Models etc. und dass die Ursache für eine Anorexie individuell ist und in den wenigsten Fällen damit zu tun gehabt hat, dass die Betroffenen zu viel GNTM geschaut hätten, mal salopp gesagt.

    Nunja sicher ist es nicht die Aussage hier von Julia im Forum, aber auf der Facebook Seite von Sophia gings ja schon ab. Von wegen fett geworden, schwabbelbauch usw.


    Das liest jetzt ein normal gewichtiges Mädchen das gerade vielleicht unsicher ist weil ihr Bauch nicht super straff ist und bumm. Wenn Sophia als fett betitelt wird, was bin ich dann? Oder eben die Medien die du auch genannt hast, heute zu dick und morgen wieder zu dünn.


    Sicher hat das Umfeld da auch Einfluss, aber zu glauben das solche Störungen nur auftreten wenn auch das Umfeld entsprechend ist, ist ein Trugschluss.

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    Das liest jetzt ein normal gewichtiges Mädchen das gerade vielleicht unsicher ist weil ihr Bauch nicht super straff ist und bumm. Wenn Sophia als fett betitelt wird, was bin ich dann? Oder eben die Medien die du auch genannt hast, heute zu dick und morgen wieder zu dünn.

    Für diesen Rückschluss "wenn die fett ist, was bin ich dann?" muss derjenige vorher schon stark verunsichert worden sein und sich für minderwertig halten m. E.. Mal davon abgesehen, dass die meisten Mädchen keinen trainierten Bauch haben. Also wäre das Mädchen keine Exotin. Außer sie wäre in einem ambitionierten Sporterein, wo mehrheitlich sehr trainierte Menschen rumlaufen und würde sich ausschließlich mit denen vergleichen.

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    Sicher hat das Umfeld da auch Einfluss, aber zu glauben das solche Störungen nur auftreten wenn auch das Umfeld entsprechend ist, ist ein Trugschluss.

    Mhm ich kenne als Ursachen Dinge wie Perfektionismus + gestörtes Autonomiebedürfnis, Selbstwertmängel oder das sich unattraktiv machen, nach sexuellen Übergriffen, oder noch Hungern, um darüber Depressionen selbst zu "behandeln" (macht nämlich bessere Laune und sorgt für mehr Antrieb, wenn man ein bestimmtes Gen hat). Damit haben die Medien imho nichts zu tun, sondern das hat sehr viel mit dem unmittelbaren Umfeld der Betroffenen zu tun.

    p.s.


    Das gestörte Selbstbild kommt idR erst ab einem gewissen Grad an Untergewicht bzw. Mangelernährung hinzu und ist reversibel. Aber gefährlich ist es, weil es das kanke Verhalten (das Abnehmen und Hungern sowie die Angst vorm Zunehmen) aufrechterhält.

    https://www.bzga-essstoerungen.de/verwandte-freunde0/magersucht/ursachen-und-ausloeser/


    Mag sein, dass das gesellschaftliche Schönheitsideal mitreinspielen kann, das will ich nicht abstreiten, aber das ist zum einen nicht immer so, und zum anderen liegen die Gründe, warum die Betroffenen davon so beeinflussbar sind und sich übermäßig mit sehr schlanken Menschen vergleichen und schlussfolgern, dass sie noch nicht schlank genug sind, in der Persönlichkeit der Erkrankten. So wie auch nicht jeder an Burn-Out erkrankt, der berufstätig ist. Ich finde man macht es sich zu einfach, wenn man so tut, als wären die Medien bzw. das Schönheitsideal schuld und als ob die Erkrankten hilflose Opfer davon wären, die bei Kontakt damit quasi auf Knopfdruck über Nacht eine Essstörung entwickelt hätten.

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    Für diesen Rückschluss "wenn die fett ist, was bin ich dann?" muss derjenige vorher schon stark verunsichert worden sein und sich für minderwertig halten m. E.. Mal davon abgesehen, dass die meisten Mädchen keinen trainierten Bauch haben.

    Richtig, ich schrieb ja verunsichert und das geht in der Pubertät schneller als man denkt. Es geht auch nicht darum ob andere trainierte Bäuche haben sondern eben darum das jemand über eine schlanke trainierte Frau sagt das sie fett ist. Was denkst du fühlt dann eine verunsicherte Person?

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    Mhm ich kenne als Ursachen Dinge wie Perfektionismus + gestörtes Autonomiebedürfnis, Selbstwertmängel oder das sich unattraktiv machen, nach sexuellen Übergriffen, oder noch Hungern, um darüber Depressionen selbst zu "behandeln" (macht nämlich bessere Laune und sorgt für mehr Antrieb, wenn man ein bestimmtes Gen hat). Damit haben die Medien imho nichts zu tun, sondern das hat sehr viel mit dem unmittelbaren Umfeld der Betroffenen zu tun.

    Sicher liegt es auch am Umfeld, hab ich nicht bestritten und auch nicht das evtl schon vorher was um Argen liegt. Natürlich sind die Medien nicht alleine schuld, aber sowas kann eben das Tüpfelchen auf dem i sein.

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    Das gestörte Selbstbild kommt idR erst ab einem gewissen Grad an Untergewicht bzw. Mangelernährung hinzu und ist reversibel. Aber gefährlich ist es, weil es das kanke Verhalten (das Abnehmen und Hungern sowie die Angst vorm Zunehmen) aufrechterhält.

    Das gestörte Selbstbild ist meistens schon von Anfang an da.


    Und es geht nicht nur um Magersucht, es gibt vielfältige Essstörungen die nicht zwangsläufig damit Enden das die Person abgemagert ist, es kann auch in die komplett andere Richtung gehen.

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    Es geht auch nicht darum ob andere trainierte Bäuche haben sondern eben darum das jemand über eine schlanke trainierte Frau sagt das sie fett ist. Was denkst du fühlt dann eine verunsicherte Person?

    Wahrscheinlich fühlt sie sich nicht so gut, weil sie von einer anderen Person gerade verbal angegriffen wurde. Wenn sie denkt, dass der Angriff erfolgte, weil sie tatsächlich fett sein könnte, könnte sie das anhand von BMI von KfA-Berechnung oder einfach (bei mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit) einem Blick in den Spiegel aber schnell als Grund ausschließen.


    Das würde sogar einfacher gehen als wenn die andere Person gesagt hätte, dass sie eine hässliche Nase hätte.

    Mal wieder so ein Projekt, das gegen Ungerechtigkeit mit Ungerechtigkeit angehen will.

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    The Nu Project book is a look at real beauty in our world.

    Ja, klaro, denn Frauen, die trainieren und ihren Körper gerne topfit halten - nee, das sind nicht alles besessene Fitnesstanten die nix anderes im Kopf haben oder Schiss haben, sonst keinen Kerl abzubekommen - sind natürlich doof und keine "real beauty". "Real" und "Beauty" ist man nur, wenn man nicht nunmal auch dem Schönheitsideal entspricht.


    Wenn man straff ist und wenig Cellulite hat, ist man schließlich automatisch eine künstliche Barbie aka operiertes IT-Girl.



    Merkt ihr, vor allem die Damen hier, gar nicht, dass ihr euch damit nur weiter selbst betrügt?


    Natürlich ist es nicht gut, wenn komplett gephotoshoppte Frauen als Krone der Schöpfung gelten und alle anderen als die, die nicht mithalten können. Es wird aber nie die Lösung des Problems sein, die, die man als "nicht schöner als ich normalo!!!" einstuft, abzuwerten. Die sind genauso "beauty". Egal wie wie viele Stunden sie meinen trainieren zu müssen.



    Und eins noch vorweg: Nein ich bin keine Fitnessbarbie, sondern zähle wohl zum Durchschnitt. Aber eben zu dem, der so ist und fertig. Ohne sich in seiner Durchschnittlichkeit als einzig wahre Schönheit und in echt viel besser als diese bösen, bösen "Fitnessgirls" und "Schminkpüppchen" ??und wie auch immer die ständig genannt werden?? promoten zu wollen.

    Bzgl. Anorexie & Häufigkeit von Essstörungen noch:

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    Boulevardmedien sehen das offenbar anders, sie haben das Thema Magersucht immer wieder im Programm. Dabei ist die Anorexia nervosa eine seltene Krankheit. Schätzungsweise 0,3 bis 1 Prozent der jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren leiden tatsächlich daran.

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/magersucht-warum-erkranken-menschen-an-anorexie-a-979071.html


    Hier werden diese Zahlen genannt:

    Zitat

    Essstörungen


    Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) leiden 1,5 % der Frauen und 0,5 % der Männer unter einer drei Hauptformen von Essstörungen (Jacobi et al., 2013).


    In der Altersgruppe der 13- bis 18-Jährigen sind Essstörungen am häufigsten (Mädchen 2,4 %, Jungen 0,9 %). Hinzu kommt ungefähr die doppelte Zahl von Frauen/Mädchen und Männern/Jungen mit Essstörungen, die nicht eindeutig einer der Hauptformen zugeordnet werden können (Swanson et al., 2011).

    https://www.bzga-essstoerungen.de/lehr-und-fachkraefte/zahlen-zur-haeufigkeit/


    Ist zwar von 2013 im letzten Link, aber wenn die Medien so schlimm sind dabei, müssten ja deutlich höhere Erkrankungszahlen zu finden sein angesichts der Konsumentenzahl.

    Unzufriedene übergewichtige Menschen wollen eben häufig die Gesellschaft ändern, anstatt sich selbst.


    Sich über die Mitmenschen zu beschweren ist halt einfacher, als einfach mal selbst Disziplin zu zeigen.

    sry, nicht 2013, sondern 2011 bzgl. der Erkrankungszahl bei Jungen und Mädchen (und im ersten Link war es glaube ich 2014). Mir erscheint das Thema daher etwas arg hochgepusht medial und bei den Warnungen vor den Medien und ihrem Einfluss.

    Zitat

    Sich über die Mitmenschen zu beschweren ist halt einfacher, als einfach mal selbst Disziplin zu zeigen.

    Stimmt schon, wobei ich noch verstehen kann, dass es den meisten Menschen nicht leicht fällt, abzunehmen, auch wenn sie unzufrieden mit ihrer Erscheinung sind, und dass sie sich von vermeintlich perfekten Körpern auf Zeitschriftencovern etc. dann vielleicht besonders leicht frusten lassen und sich (vorübergehend) evtl. auch mal dadurch schlechte fühlen. Aber eine Essstörung zu entwickeln, ist nochmal etwas anderes.


    Von mir aus kann man das Fotoshopping und Retuschieren in den Medien ruhig weglassen und meinetwegen einen Anteil an völlig ungeschminkten Menschen mit verschiedenen Figuren und aus verschiedenen Gewichtsbereichen zeigen, wenn sich die Mehrheit der Frauen (oder Männer) damit besser fühlt. Nur könnte es dann erst recht frustrierend sein, wenn selbst die ungeschminkte, ungefotoshoppte Frau mit "Normalofigur" subjektiv besser aussieht aus Sicht der Betroffenen. Ich hatte mal eine Freundin in der Schule, die dermaßen unzufrieden war mit ihrem Körper, die ist jedesmal fast ausgetickt, wenn sie eine schlanke etwa Gleichaltrige auf der Straße gesehen hat. Wie hilft man solchen Menschen? Allen nicht ausdrücklich hässlichen Frauen verbieten, das Haus zu verlassen? ... Es sind ja nicht nur Models von weit weg, mit denen sich solche unsicheren Teenager dann vergleichen.

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    Von mir aus kann man das Fotoshopping und Retuschieren in den Medien ruhig weglassen und meinetwegen einen Anteil an völlig ungeschminkten Menschen mit verschiedenen Figuren und aus verschiedenen Gewichtsbereichen zeigen

    Das würde, da bin ich mir sicher, schon sehr viel bewirken. Natürlich wird dadurch nicht jede/r urplötzlich selbstbewusst und absolut glücklich mit seinem Aussehen, aber wenn ich sehe, welchen unerreichbaren (weil unnatürlichen) Idealen z.T. sehr junge Mädchen inzwischen nacheifern, stimmt mich das wirklich nachdenklich. Und das sage ich als jemand, der sehr schlank ist und das nicht von Hause aus, sondern als jemand, der relativ viel Energie diesbezüglich investiert, in Form von Sport und gesunder Ernährung. Aber natürlich "hängende" Brüste, Cellulite etc. haben nur bedingt mit alldem zu tun und sind Faktoren, über die sich heute schon manche 10jährige Gedanken macht. Das finde ich einfach erschreckend und freue mich deshalb über jedes öffentliche Bild von "unperfekten" Menschen, auch wenn ich mir als erwachsene Frau gerne Bilder von "perfekten" Models ansehe.