Nirgendwo verteidige ich raffinierte Lebensmittel.


    Aber es sind eben nicht die Kohlenhydrate insgesamt, sondern der weiße Zucker. Genauso wie Fett nicht per se dick macht, sondern vor allem die gesättigten Fette.


    Überschüssige Kohlenhydrate werden zunächst als Glycogen gespeichert und erst wenn diese Speicher voll sind, werden 70% der Kalorien in Fett umgewandelt.


    Diese Angst/Abneigung/Verteufelung vor KH im Allgemeinen weitet sich nämlich nach meiner Erfahrung schnell auch auf Kartoffeln, braunen Reis und Vollkorngetreide aus. Einige behaupten auch, dass Obst zu viel Zucker enthalte.

    Zitat

    ... nach meiner Erfahrung schnell auch auf Kartoffeln, braunen Reis und Vollkorngetreide aus. Einige behaupten auch, dass Obst zu viel Zucker enthalte

    .Ja, diese Richtung gibt es. Aber lies Studien dazu, und du wirst auch dafür genügend Untermauerung finden. Viel Fruchtzucker ist nicht zu empfehlen, dafür gibts längst gesicherte Erkenntnisse. Dass gesättigtes Fett schädlich ist, haben die Schweden schon vor Jahren aus ihren offiziellen Ernährungsrichtlinien herausgenommen, und im ZDF gabs bereits einen langen Bericht über die Unhaltbarkeit der althergebrachten Fett-Theorien. So klar, wie es uns seit zwei Generationen erzählt wird, die ist Sache durchaus nicht.

    Aber wir sollten hier einen Krieg der Ideologien vermeiden. Sorry, dass ich mich darauf so eingeschossen habe. |-o Jeder darf denken und essen, was er für gut befindet, selbstverständlich. Dass zumindest bei Übergewicht weniger KH zielführend sind, darüber dürfte im Großen und Ganzen ja Einigkeit bestehen.

    @ N3storys

    Zitat

    Was wenn jemand absichtlich zu nimmt? Es geht hier jetzt nicht um Fetisch. (Zumindest mir nicht :=o ). Ich beichte gern, dass ein Teil meines Übergewichts von mir absichtlich herbeigeführt worden war. (Nicht alles.).

    Mein Übergewicht (oder der Beginn meines Übergewichtes, seit ein paar Jahren gibt es zwar Schwankungen, aber über eine gewisse Kilozahl komme ich bisher nie) entstand aus mehreren Parametern:


    a) Eine Form von Selbstverletzung


    b) Essen als eine Form des Überlebens, des sich-stark-Fühlens: Angefangen hat das Ganze in einer Zeit, wo ich emotional und studienmäßig komplett überlastet war und ich mir keine Schwäche leisten konnte. Weil ich nicht ausfallen konnte, wollte ich wenigstens "ordentlich", d.h. viel essen, um Durchzuhalten


    c) Als Hilfeschrei nach außen (wichtigster Punkt!). Ich hoffte, wie schon in der Magersucht, dass meine Angehörigen die seelische Not hinter dem Gewicht sehen und mir jemand hilft / mich unterstützt. Passiert ist das Gegenteil, nämlich verbale Attacken, welche Aggressivität, Ekel und Unverständnis ausdrückten. :-(


    d) Ein anknüpfendes Element an die Magersucht: Mir ging es ja so schlecht, dass ich weder ein noch aus wusste. Und ich erinnerte mich an die kurzen Glücksimpulse aus der Magersucht, wenn die Waage weniger zeigte. Kranke Schlussfolgerung daraus: Wenn mich wenig Abnahme schon sehr glücklich und selbstbewusst gemacht haben, dann muss so eine xxl-Abnahme auch über lange Zeit xxl-Glücksgefühle erzeugen. Nur, dass ich es (vielleicht Gott sei Dank?) nicht zur XXL-Abnahme geschafft habe, im sinne des anorektischen Denkens.

    Das unterstreicht noch einmal, dass jede Sucht - oder von mir aus auch schlechte Angewohnheit, die bereits deutlich ungute Auswirkungen zeigt, wenn Sucht zu stark ist - dazu dienen soll, dem Menschen bessere Gefühle zu verschaffen. Wenn die "Behandlung" dann zur eigentlichen Krankheit wird, funktioniert das aber nicht mal mehr ansatzweise.

    Zitat

    Viel Fruchtzucker ist nicht zu empfehlen, dafür gibts längst gesicherte Erkenntnisse.

    Falsch, hier die Empfehlungen der WHO zum Thema Zucker:

    Zitat

    A new WHO guideline recommends adults and children reduce their daily intake of free sugars to less than 10% of their total energy intake. A further reduction to below 5% or roughly 25 grams (6 teaspoons) per day would provide additional health benefits.


    [...]


    The WHO guideline does not refer to the sugars in fresh fruits and vegetables, and sugars naturally present in milk, because there is no reported evidence of adverse effects of consuming these sugars.

    Quelle

    Zitat

    Einige behaupten auch, dass Obst zu viel Zucker enthalte.

    Tut es auch, gemessen am Sättigungsgrad. Hast Du mal geschaut, wieviel gr KH Äpfel, Birnen und Co. enthalten auf 100g? Wenn ich zwei Äpfel esse, darf ich mir vielleicht noch eine Scheibe Brot gönnen und eine mittelgroße Kartoffel, wenn ich unter 100gr KH pro Tag bleiben will, dann ist Schicht im Schacht. Ehrlich, da ess ich lieber Kartoffeln oder Brot als Obst, das nicht wirklich satt macht.


    Aber eigentlich sollte es hier ja nicht um Ernährungskonzepte gehen, sondern um Übergewicht an sich.

    @ schnecke

    Die Psyche ist dein mächstiger Helfer oder dein stärkster Gegner. Bei dir war sie wohl eher der Gegner. Das klingt als hättest du viel Durchgemacht. Ich kann dir jedenfalls sagen, das keines deiner Parameter auf mich zugetroffen haben. Es war bei mir wirklich die Freude und der Spaß an der Dekadenz, die die Gesellschaft als solches eher verabscheut. Zu einer anderen Zeit hätte eine volumptöse Figur ein Zeichen von Wohlstand gegolten. Heutzutage in einer Zeit des Überflusses gilt es als Zeichen für Diziplinlosigkeit, und Faulheit.


    ...


    Dabei braucht es mindestens genauso viel Arbeit den Speck anzufuttern, wie ihn runter zu kriegen.

    Aber ihr habt mir doch genau das bestätigt, was ich meinte:


    Es wird vor KH insgesamt gescheut, nicht nur vor weißem Zucker. Ich beispielsweise stimme der Reduzierung von allen Kohlenhydraten zum Gewichtsverlust nicht zu und da gibt es noch viele andere.


    Man kann auch wunderbar mit 7-8 Bananen am Tag und anderem Obst dazu gesund und schlank bleiben, selbst wenn man nicht trainiert. Und ich weiß, dass Low Carb funktionieren kann, aber ich lehne mich gegen das "KH sind schlecht!" Dogma auf, das hier offensichtlich besteht.

    Ja, dann tu das, unbehelligt von der Meinung anderer. Nur, dass es andere Meinungen GIBT, wirst du nicht verhindern können. Die Studienlage zur Ernährung ändert sich. Alte Zöpfe wurden schon viele abgeschnitten, und es werden noch weitere fallen.

    Zitat

    Man kann auch wunderbar mit 7-8 Bananen am Tag und anderem Obst dazu gesund und schlank bleiben,

    Bestimmt nicht. Ganz abgesehen davon, dass ich das für eine ungesunde weil einseitige Ernährung halte.

    Zitat
    Zitat

    Was wenn jemand absichtlich zu nimmt? Es geht hier jetzt nicht um Fetisch. (Zumindest mir nicht :=o ). Ich beichte gern, dass ein Teil meines Übergewichts von mir absichtlich herbeigeführt worden war. (Nicht alles.).

    Find ich irgendwie gruselig, um ehrlich zu sein. So was hab ich noch nie gehört. Also dass das jemand selbst und alleine und ohne äußeres Zutun macht.

    Ich habe das Experiment anders rum gemacht (konnte nicht nachvollziehen, dass Menschen Probleme mit dem Abnehmen haben). Habe nur gegessen wenn ich Hunger hatte und habe auf Süßigkeiten verzichtet. Ich hatte dadurch dann einen BMI von nur noch 17,5. Erst ab da hätte ich hungern müssen. Das wieder Zunehmen war deutlich schwerer.


    Heutzutage kann ich es besser nachvollziehen, da ich selber in einem anderem Bereich ein Problem habe, was andere nicht verstehen.

    Was wiederum zeigt, dass das Gewicht nicht einfach isoliert vom inneren Menschen dasteht. Es ist im Endeffekt eine Ausdrucksform des Selbsts; das kann je nach der Person ein Hilfeschrei oder ein Fußaufstampfen aus Trotz sein, ein Festmachen am Erdboden oder ein Selbstbehandlungsversuch ... es gibt tausend Möglichkeiten.

    Über(oder Unter-)gewicht könnte man fast als nonverbales Statement bezeichnen. Es ist eher verwirrend und verzerrend, es jeweils am Essen festzumachen. Das ist in etwa so, als würde man die rote Warnlampe an einer heißgelaufenen Maschine auswechseln, statt die Maschine selbst anzuschauen, was damit nicht in Ordnung ist.

    Bis zum Frühling 2014 wog ich 106 Kg.


    Nach insgesamt 10 Wochen Krankenhaus und am Ende einer 6 Stündigen Op wog ich bei meiner Entlassung zu Heiligabend 2014 noch 77 Kg.


    Das entsprach einem BMI von 23,2


    Das war für mich akut nicht lebensfähig.


    Ende Februar 2015 wog ich mein früheres Standardgewicht von 82 Kg was einem BMI von 24,8. entsprach.


    Ich ging dann wieder arbeiten, aber die Power oder Ausdauer war nicht vorhanden.


    Jetzt wiege ich endlich 86 Kg was einem BMI von 26 entspricht.


    Das ist das Gewicht wo ich keine Angst haben muss von jedem Windstoss umgeblasen zu werden und wo ich auch problemlos im Hafen ( körperliche Arbeit ) leisten kann.


    Laut dem BMI Rechner bin ich an der Grenze zum Übergewicht, aber alles darunter ist für mich unterernährt.


    Man sollte sich also nicht zuviel auf die BMI Rechner verlassen, sondern eher ein Wohlfühlgewicht anstreben.


    MfG

    Ich finde es sehr spannend, hier von anderen zu hören, was die inneren Gründe für ihr Übergewicht sind. Das scheint ja schon etwas unterschiedlich zu sein. Ich selbst (derzeit BMI 27,8, am abnehmen) glaube, dass mein Speck ganz ganz wesentlich auch eine Schutzschicht für mich bedeutet, durch die ich meine Sensibilität verberge oder vielleicht auch selbst nicht mehr so wahrnehme. Ich habe auch schon viel Gewichts-auf-und- abs hinter mir und ich habe mich jedesmal sehr, sehr dünnhäutig gefühlt, wenn ich weniger wog. Einzig mit mehr Sport und damit geballter Power und Energie konnte ich damit umgehen - und diesen Zustand bisher leider nie dauerhaft aufrecht erhalten. Ich denke also auch, dass es viel zu kurz greift, da einzig den Nährwertaspekt zu sehen, wenn es ums abnehmen geht, zumindest, wenn man sein Leben lang immer wieder mit dem Gewicht zu kämpfen hat.


    Ich möchte sogar behaupten, dass ein Gutteil der Übergewichtigen sogar ziemlich gut Bescheid weiß über eine gute Ernährung. Mich nervt es maßlos (und es macht mich fassungslos), wenn ich da bevormundet werde, weil ich mich im Grunde wirklich, wirklich gut ernähre. Das ist aber nicht der Punkt. Ich esse in bestimmten Situationen, z.B. Stress... ich habe mich damit jetzt schon sehr lange auseinander gesetzt und ich habe tatsächlich das Gefühl, dass das viel besser wird, früher gab es noch viel mehr auslösende Situationen/Gefühle, die ich mit Essen kompensiert habe. Auch übe ich, sehr bewusst darauf zu achten, dass ich nicht über meinen Hunger und nur bei Hunger esse. Das hört sich für einen natürlich Schlanken vermutlich völlig banal und sehr selbstverständlich an, aber erst, seit ich das so bewusst übe, merke ich, dass ich da früher doch jedesmal etwas drüber hinaus gegessen habe. Nicht immer viel, aber es gibt eben auch einen Unterschied zwischen satt

    und satt
    und irgendwas dazwischen. Ich glaube mittlerweile, dass das der richtige Weg ist, um dauerhaft abzunehmen - da spielt es wirklich eine ziemlich untergeordnete Rolle, wie man mit KH umgeht ;-) . Auf diese Weise und mit wieder mehr Bewegung und möglichst zuckerfrei und eh schon Gemüse-reich, vollwertig, nehme ich gerade ab - langsam aber stetig und ich fühle mich sehr wohl damit.


    Ich glaube, ein Grund, warum es bisher nicht geglückt ist, das niedrige Gewicht zu halten war vermutlich auch, dass das Abnehmen jeweils zu schnell ging. Ich versuche, es jetzt eben nicht mehr als Diät zu sehen, sondern als Lernprozess - mit dem ich dann einfach weiter leben kann, selbst wenn ich mal mein Wunschgewicht habe

    Zitat

    Die Eltern mögen zwar selber ein Problem haben, wie hier in einem Beitrag genannt wurde aber ein Kind kann noch nicht für sich selbst in vieler Hinsicht entschieden. Das ist doch Kindern gegenüber grausam, wenn man sie so übergewichtig werden lässt. Sie werden doch fast immer in der Schule bei extremen Übergewicht gemobbt.

    Hierzu wollte ich noch was sagen: ich bin auch schon seit meiner Kindheit übergewichtig - okay, nicht sooo extrem, aber schon so, dass ich es durch andere zu spüren bekommen habe und vor allem auch selbst sehr darunter gelitten habe. Trotzdem weiß ich nicht so recht, ob ich meinen Eltern das vorwerfen mag: im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sie sicher versucht, mich zu unterstützen - nur haben sie eben aus Unwissenheit und auch Inkonsequenz viele Fehler gemacht. Und mit Sicherheit hatte auch damals schon mein Übergewicht etwas mit meinem seelischen Zustand zu tun - meine Eltern waren nicht im Stande mir da zu helfen, auch wenn es ihre Aufgabe gewesen wäre. Sie waren aber nicht gleichgültig, sondern haben teilweise auch sehr darunter gelitten und mich dementsprechend immer wieder zu radikalen Diäten angehalten - was wiederum beides für mich sehr belastend war.

    Meine Schwester war als Kind sehr übergewichtig, ich untergewichtig. Meine Eltern waren froh, daß meine Schwester aß, weil das bei mir total schwierig war. Leider habe ich gesehen, wie meine Schwester in der Schule gemobbt wurde. Mir gehen da einige Szenen nicht aus dem Sinn. Aber als sie ca 10 war hat meine Mutter und Oma ihr sehr beim Abnehmen geholfen.


    Ja, meine Eltern haben sie auch nicht mit Absicht übergewichtig werden lassen aber sie sagt jetzt noch, daß sie darunter litt.