Ersttrimester-Screening (Nackenfaltenmessung), ja oder nein?

    Hallo,


    bei mir steht aktuell die Frage an, ob ich das Ersttrimester Screening, also die Nackenfaltenmessung machen soll oder nicht.


    Ich bin da ein bisschen ratslos. In meiner ersten Schwangerschaft habe ich das nicht gemacht. Da war ich allerdings auch noch etwas jünger.


    Im letzten Ultraschall war die Nackenfalte, so weit erkennbar, total unauffällig.


    ich bin ein bisschen in Sorge, ob ich mich damit nicht nur verrückt mache oder ob es schlichtweg Geldverschwendung ist. Immerhin kostet der Spaß 120 € und ich weiß nicht, ob meine Versicherung bereit ist, einen Teil oder alles zu übernehmen.


    Die Frage die ich mir eher stelle ist, ob es nicht sinnvoll wäre, gleich eine Fruchtwasseruntersuchung zu machen. Und zwar ohne vorher die Nackenfaltenmessung zu machen. Ich bin gerade 36 Jahre alt geworden.


    Meine beiden Ärztinnen habe auch unterschiedliche Haltungen dazu, was es mir bei der Entscheidung nicht leichter macht.


    Der andere Punkt ist der: Was mache ich mit den gewonnenen Informationen? Hätte dies Konsequenzen für mich?


    Hat schonmal jemand von euch eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen und kann mir über Erfahrungen berichten.

  • 148 Antworten

    Zuerst solltest du dir überlegen ob du im Falle einer Behinderung abtreiben würdest.


    Bei einer Fruchtwasseruntersuchung beträgt das Risiko für eine anschließende Fehlgeburt etwa 1%.


    Die Nackenfaltenmessung bietet zudem keine Ja oder Nein Antwort. Sondern nur eine Wahrscheinlichkeit.

    Eben, nur eine Wahrscheinlichkeit. Also auch die Chance, ein "falsch positives" Ergebnis zu bekommen.


    Tja, was mache ich, wenn ein Gendefekt vorliegt. Ich weiß es nicht!!!! Das ist ja das Dilemma. Leider gibt es KEINE Untersuchung, die Aufschluss über Art und Schweregrad einer möglichen Behinderung geben kann.


    Die Fruchtwasseruntersuchung macht man (soweit ich weiß) in der ca. 14./15. SSW. Wäre dann eine Abtreibung überhaupt noch legal möglich?

    Zitat

    Die Fruchtwasseruntersuchung macht man (soweit ich weiß) in der ca. 14./15. SSW. Wäre dann eine Abtreibung überhaupt noch legal möglich?

    Bei einer schweren Behinderung greift die mütterliche Indikation und die übliche Fristenregelung greift nicht mehr. In dem Fall kannst du noch bis kurz vorm Einsetzen der Wehen eine Abtreibung durchführen lassen.

    Aber was zählt zu einer schweren Behinderung? Das Down-Syndrom? Obwohl man über die Fruchtwasseruntersuchung nicht herausfinden kann, wie schwer dieses möglicherweise ausgeprägt ist.


    Das sind echt blöde Fragen, die ich mir stellen (muss). Vor einem Jahr hätte ich nie darüber nachgedacht, das zu tun. Ich dachte, ich werde vielleicht ein bisschen früher schwanger und schaffe es eben noch mit 35.


    Ich möchte einfach nicht in Hysterie ausbrechen, nur weil ich jetzt ein Jahr älter bin. Was kann dieses Jahr schon ausmachen???

    Zitat

    Aber was zählt zu einer schweren Behinderung? Das Down-Syndrom? Obwohl man über die Fruchtwasseruntersuchung nicht herausfinden kann, wie schwer dieses möglicherweise ausgeprägt ist.

    Ja.

    Zitat

    Ich dachte, ich werde vielleicht ein bisschen früher schwanger und schaffe es eben noch mit 35.


    Ich möchte einfach nicht in Hysterie ausbrechen, nur weil ich jetzt ein Jahr älter bin. Was kann dieses Jahr schon ausmachen

    Vom reinen Zahlenwert her tut sich da nicht viel.

    Bald kommt wahrscheinlich eine ganz einfache Blutuntersuchung, die auf das down-Syndrom testet. Und auch das gilt als Behinderung, die man bis zum Ende abtreiben darf. http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=29078

    http://www.praenatalsono.de/risikoermittlung.pdf


    habe ich grad zu dem Thema gefunden.


    Macht mir die Entscheidung jedoch auch nicht einfacher?


    Ich fürchte, man kann keine "richtige" Entscheidung treffen.


    Angenommen ich mache eine Fruchtwasseruntersuchung und es kommt heraus, dass ich ein Baby mit einem Gendefekt bekommen werde? Was mache ich dann mit diesem Wissen? Wäre ich wirklich imstande dazu, das werdende Leben abzutreiben? Oder könnte ich mit einem behinderten Kind leben?


    Doch Hysterie, oder ;-)

    Was mich auch interssieren würde (und dazu habe ich noch nichts gefunden) ist, ob ein familiäres Risiko für Fehlbildungen oder Gendefekte hier eine Rolle spielt. Also, ist die Wahrscheinlichkeit höher, wenn es innerhalb der Familie schon mal einen Gendefekt gab?

    Zitat

    Was mache ich dann mit diesem Wissen? Wäre ich wirklich imstande dazu, das werdende Leben abzutreiben? Oder könnte ich mit einem behinderten Kind leben?

    Wie gesagt: Das solltest du vor der Fruchtwasseruntersuchung überlegen. Wenn man das Kind "eh behält" braucht man es wirklich nicht dem Risiko auszusetzen.

    Zitat

    Was mich auch interssieren würde (und dazu habe ich noch nichts gefunden) ist, ob ein familiäres Risiko für Fehlbildungen oder Gendefekte hier eine Rolle spielt. Also, ist die Wahrscheinlichkeit höher, wenn es innerhalb der Familie schon mal einen Gendefekt gab?

    Das kommt auf die Erkrankung an. Es gibt ja spontane Mutationen und solche Sachen die sich munter den Stammbaum runterschlängeln und hier und da mal auftauchen.

    Da bei der Fruchtwasseruntersuchung auch ein paar Erbkrankheiten entdeckt werden können, spielt also auch Vererbung eine Rolle. Ob allerdings die Trisomien auch vererbt werden können, weiß ich nicht. Du kannst dich ja mal durch die einzelnen Trisomien klicken: http://de.wikipedia.org/wiki/Amniozentese

    India_India

    Zitat

    Hat schonmal jemand von euch eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen und kann mir über Erfahrungen berichten.

    Eine gute Freundin von mir hatte neulich eine. Sie ist 40 und mit dem zweiten Kind schwanger. Die Untersuchung wurde deshlab gemacht, weil der Embryo ungewöhnlich klein war und daher vermutet wurde, dass möglicherweise etwas nicht stimmt.


    War aber nur ein fehler in der berechnung des ETs.


    Ich persönlich würde niemals ohne konkreten Verdachtsmomente eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen. Schon alleine die Gefahr einer möglichen Fehlgeburt überwiegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine Behinderung hat, bei weitem. Hinzu kommt noch, dass Dir ja auch überhaupt nicht klar zu sein scheint, ob Du im Fall der Fälle überhaupt abtreiben würdest.

    D. h du würdest eher das Ersttrimester Screening machen lassen? Ansonsten käme man ja nicht an "konkrete Hinweise"


    Es fällt mir halt schwer mich damit anzufreunden, dass man mit keiner der Untersuchungen den Schweregrad einer Behinderung herausfinden kann. Das erschwert auch die Frage, ob man es im Falle eines Falles austraegt oder die Schwangerschaft unterbricht.


    Ich tendiere fast dazu, doch zunächst das Ersttrimester Screening zu machen.

    Ich hab noch kein Baby, aber wir möchten gerne eins. Ich bin auch nicht mehr die Jüngste und natürlich haben mein Partner und ich uns auch Gedanken gemacht, was wäre wenn das Baby Trisomie21 hat? Meine erste Reaktion war, ich mache alle Tests und im Falle eines Falles, möchte ich dieses Baby nicht bekommen. Ich denke, eine fast normale Reaktion. Mein Partner war sich da nicht so sicher, gerade weil in solchen Fällen eine Abtreibung ja schon in einem fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft passiert. Ehrlich gesagt, war das erst das kleinere Übel für mich :°( . ABER. Dann hab ich doch überlegt, kann ich mit einem unter Down-Syndrom "leidenden" Kind vielleicht doch leben? Ich hab mich informiert, Erfahrungsberichte gelesen und auf YouTube Videos angeguckt und ich komme zu dem Ergebnis: JA – ich könnte tatsächlich mit mit einem solchen Kind leben. Wenn die genannte Blutuntersuchung noch nicht angeboten wird wenn ich schwanger bin, lasse ich dennoch kein Screening oder FWU machen. Sollte aber die entsprechende Blutuntersuchung angeboten werden, würde ich sie dennoch durchführen lassen. Einfach, um vorbereitet zu sein, nicht um abzutreiben.


    LG.