Okay, mein Alter ist ja jetzt bekannt (36). In meiner Familie gibt es keinerlei Behinderungen, Gendefekte oder andere Anomalien. Demnach dürfte das familiäre Risiko sehr gering sein. Mir war allerdings nicht ganz klar, dass bei den Trisomien die familiäre Vorbelastung eine Rolle spielen. Ich dachte, hier sei das Alter der Mutter (oder der Eltern) ausschlaggebend. Ich habe auch gelesen, dass das Alter von Mann und Frau zusammen nicht höher als 70 Jahre ergeben sollte. Bei höherem Alter = höheres Risiko (je nach Alter, mehr oder weniger hoch)

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    Wenn das dann trotzdem passiert, weil das Schicksal es nicht gut mit mir meint, dann ist das eben so.

    Das Problem ist aber: Es IST ja jetzt schon so. Das Kind ist da, und es hat einen Chromosomenfehler oder auch nicht. Das einzige, was du tun kannst, ist, eben das festzustellen. Vorbeugen ist das nicht, und darum hinkt auch dein Vergleich mit dem Rauchen gewaltig ;-) .


    Dein Mann ist ja wirklich keine große Hilfe :°_ . Du kannst ja mal zurückfragen, warum ihr kein behindertes Kind bekommen solltet, was euch dagegen feit. ":/

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    Du kannst ja mal zurückfragen, warum ihr kein behindertes Kind bekommen solltet, was euch dagegen feit.

    Dass diese Möglichkeit besteht will er nicht "wahr haben", nehme ich an???

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    Das Problem ist aber: Es IST ja jetzt schon so. Das Kind ist da, und es hat einen Chromosomenfehler oder auch nicht

    Wenn das so IST kann ich lediglich entscheiden, ob ich es so akzeptiere oder nicht (d.h. hier muss ich dann eine klare Entscheidung FÜR oder GEGEN das Kind treffen (können).

    naja so krass (für oder gegen) muss man es ja nicht unbedingt ausdrücken.


    Man kann es auch als "Chance" sehen.


    Wenn du weißt, dass du ein behindertes Kind bekommst- so hast du noch genügend Zeit, dich darauf einzustellen.


    Stell dir vor (naja "stell dir vor.ist irgendwie der falsche Ausdruck :)_ )- aber stell dir vor, die Ärzte können dir sagen, dass dein Kidn das Down Syndrom hat. So kannst du im Vorfeld schon Informationen über das Down Syndrom machen.


    Es ist doch wie beim Geschlecht. Dem einen ist es völlig schnuppe, was es wird (hauptsache gesund ;-) ) - die anderen (so war ich auch) wolles es wissen und wollen sich schon auf DIESES Geschlecht einstellen (ala rosa Strampler).


    Warum nicht die Möglichkeit der Medizin nutzen und es sich sagen lassen ,ob da ein Schniedel dran ist oder nicht.


    100% wird man es aber erst wissen, wenn das Baby da ist.


    So seh ich es mit den ganzen Untersuchungen auch.


    Wenn ich vielleicht im Vorfeld weiß, was mich erwartet- dann kann ich mich drauf einstellen. Dann ist der "Schock" nicht so groß.


    Wobei es ja nicht immer eine "schlimme" Nachricht geben muss.


    Bei einer Freundin sah man bei der Feindiagnostik, dass das Kind an einer hand 6 Finger hatte. Das ist ja nun nicht wirklich lebensbedrohlich. Aber sie wusste es eben, bevor das Baby geboren wurde und man konnte ihr schon im Vorfeld sagen, was nach der Geburt gemacht wird.


    Ebenso eine Bekannte: da wurde bei der FD festgestellt,dass das Kind was an den Nieren hatte. Nix schlimmes, aber etwas, was operiert werden musste. Das Kind wurde geboren und sofort operiert. Danach war alles gut.

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    Wenn ich vielleicht im Vorfeld weiß, was mich erwartet- dann kann ich mich drauf einstellen.

    Das stimmt natürlich auch :)z . Es wäre vielleicht auch im Falle von deinem Mann, India, hilfreich. Entweder ist alles gut, oder er weiß, womit er sich konkret auseinander setzen muss.

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    Wenn ich vielleicht im Vorfeld weiß, was mich erwartet- dann kann ich mich drauf einstellen. Dann ist der "Schock" nicht so groß.

    Down Syndrom ist aber nicht gleich Down Syndrom. Es gibt so viele unterschiedliche Schweregrade und damit einhergend, starken Einschränkungen.


    In die Krabbelstube meiner Tochter geht ein Junge mit (vermutlich) "leichtem" Down Syndrom und wenig stark ausgeprägten Einschränkungen. Meine Tochter saß aber letztens auf dem Spielplatz im Sandkasten mit einem anderen Jungen, der vermutlich auch das Down Syndrom hatte und echt sehr schwer "behindert" war. Ein riesen Unterschied zwischen diesen beiden Kindern und der Junge aus dem Sandkasten war auch wesentlich älter als der Junge aus der Krabbelstube.


    So gesehen kann man sich nicht wirklich darauf vorbereiten.


    Bei den anderen, von dir genannten, "Störungen/Krankheitsbildern" stimme ich dir zu. Das ist etwas anderes. Aber wenn ein Kind 6 Finger hat wird es eben operiert und "gut" ist´s.

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    Das hieße ja dann, es müssen Untersuchungen wie die Nackenfaltenmessung vorgeschaltet werden.

    Genau. :)z

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    Wenn ich vielleicht im Vorfeld weiß, was mich erwartet- dann kann ich mich drauf einstellen. Dann ist der "Schock" nicht so groß.

    So sehe ich es auch. Nur weil man Pränataldiagnostik in Anspruch nimmt, heißt das nicht automatisch, dass man im Falle einer Behinderung auch einen Abbruch durchführen lässt (wie einem oft vorgeworfen wird). Die Ungewissheit würde mir persönlich viel mehr zu schaffen machen. Und dieser "Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß"-Typ bin ich nunmal nicht. Gerade im Fall einer Behinderung wäre mir es sehr wichtig, mich Vorfeld zu informieren, was da so alles auf einen zukommen könnte.

    Ich denke ob Fruchtwasseruntersuchung ja oder nein liegt ganz entscheidend an der Einstellung. Schrieben hier ja schon einige... wenn ich es eh behalte ist es auch egal. da wäre mir das 1% Risiko zu hoch. So ist es auch bei mir, also gäbe es niemals eine invasive Maßnahme.... wenn es denn dann den Bluttest schon "serienmäßig" gibt, würde ich es wohl machen um gewissheit zu haben, eben zum drauf vorbereiten, aber ein Eingriff mit Fehlgeburtsquote wäre mir das nicht wert.


    Wenn ich weiß, ein behindertes Kind möchte ich nicht (und stimmt man kann den schweregrad niemals vorher sagen, auch nicht bei ner Spina Bifida z.b.--- Querschnitt ja oder nein....nur minimale Einschränkungen nach ner OP oder doch erhebliche.... bei Trisomie 21.... nur das oder auch sonstige Fehlbildungen, Herzfehler etc...), dann sollte man vielleicht die Untersuchung machen lassen, denn auch dem Kind ist nicht geholfen wenn es von Anfang an quasi ungewollt war, weil es einen Makel hat.

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    So gesehen kann man sich nicht wirklich darauf vorbereiten.

    Richtig vorbereiten kann man sich ja ohnehin nicht. Aber zumindest informieren, was im schlimmsten Fall auf einen zu kommen könnte.


    Du denkst vermutlich an den Fall, dass ein Abbruch durchgeführt wird, weil man vom schlimmsten Fall ausgeht, dabei hätte das Kind tatsächlich nur eine leichte Form der Trisomie 21, wäre es nicht abgetrieben worden.


    1. Würde man nachdem ein Abbruch durchgeführt wurde nie erfahren welcher Schweregrad vorlag.


    2. Glaube ich, dass die meisten Eltern sich entweder für oder gegen ein behindertes Kind entscheiden, unabhängig vom Schweregrad.

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    Ob ich ein behindertes Kind behalten würde oder nicht, könnte ich erst entscheiden, wenn ich mich wirklich in der Situation befinden würde.

    Das wäre ja noch schön, wenn das die Situation wäre. Aber die Situation nach einer Diagnose – wenn sie nicht einfach sagt "Alles ok", was sie nur tut, wenn sie ums Verrecken keine Abweichungen finden konnte – ist ja doch fast immer die, ob du ein vielleicht behindertes Kind nicht behalten willst und dafür in Kauf nimmst, ein vielleicht völlig gesundes Kind abzutreiben. Und um das zu verhindern in eine qualvolle Odysee immer weitergehender Diagnosen geschickt wirst.

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    Das Risiko scheint tatsächlich gleich hoch zu sein.

    Das Risiko der Fruchtwasseruntersuchung kommt oben auf das Risiko der Behinderung drauf, es verdoppelt sich also praktisch: Nehmen wir den schlechteren Fall von 1,5% Wahrscheinlichkeit einer Behinderung und 1,5% Abort bei FWU. Das heißt, dass bei einer FWU zu 98,5% Wahrscheinlichkeit ein völlig gesunder Embryo stirbt. D.h.


    a) wenn du ein behindertes Kind sicher abtreiben lassen würdest und dafür eine FWU machen würdest, hast du ein praktisch 3%iges Risiko, kein Kind zu haben – auf jedes behinderte muss ein gesunder Embryo dran glaube.


    b) wenn du ein behindertes Kind behalten würdest, bleibt das praktisch 1,5%ige Risiko, ein Gesundes preiszugeben. Nur in der Hoffnung auf eine gewünschte "Alles ok"-Bestätigung, die dann vielleicht ausbleibt, ist das ein – ich erlaube mir die Wertung – unverantwortliches Risiko.


    c) wenn du ein behindertes Kind vielleicht behälst, irgendwas dazwischen.


    India, ich bleibe dabei, solange das "große gelbe M" ;-) der FA-Aussage in deinem Bewusstsein haftet, quält dich die Frage weiter. Schlage dir die ganzen Diagnostiken aus dem Kopf und du findest deine Seelenruhe wieder. Dein Ungeborenes hat es nicht verdient, in einem Mutterleib zu schwimmen, der dauernd von Sorgenhormonen umspült wird.


    Vielleicht hilft auch der Gedanke: Du hast jetzt festgestellt, dass im Wunsche, alles richtig zu machen und dir nichts vorwerfen zu müssen, mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die Situation eintreten kann, dass du feststellen musst, alles falsch gemacht zu haben. Daran kannst du dich festhalten, wenn im Falle eines Falles du dir nach der Geburt Vorwürfe machen solltest, "nicht alles getan zu haben". Du kannst dann wissen, dass es zwar nicht so gekommen ist, wie gewünscht, aber nicht, weil du etwas schuldhaft versäumt hast. Ein solches Schicksal lässt sich viel leichter annehmen.


    Und noch ein tröstlicher Gedanke: Die wirklich üblen Behinderungen findet auch die ganz normale Schwangerschaftsvorsorge. Nicht mit einem "ich bin mir nicht sicher"-Kopfgewackele, sondern mit einem klaren: "Oh, da stimmt was nicht!" DANN ist Feindiagnostik angezeigt und die Frage der Abtreibung stellt sich dann nicht mehr wirklich und man kann wirklich froh sein, dass es diese Möglichkeiten heute gibt. Dafür, nur DAFÜR sind sie gut und ein Segen.

    Ich möchte gern auch nochmal was loswerden bezüglich des Behinderungsrisikos von ca. einem Prozent: nicht wenige dieser Kinder überleben die Schwangerschaft nicht, sondern entwickeln sich irgendwann in den Wochen, die dem Zeitraum für FW-Untersuchung bzw. dem der Nackenfaltenmessung folgen, einfach nicht weiter. Das tatsächliche Risiko, ein behindertes Kind auch auszutragen liegt also noch mal deutlich unter diesem immer wieder propagierten statistischen Wert. @:)

    Hab zwar die Rechnung von LovHus nicht verstanden, aber seine Kernaussage deckt sich ja mit meiner. Eigentlich muss man sich vorher bewusst sein was man möchte. Nicht einfach mal so testen... das gibt chaos.

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    Hab zwar die Rechnung von LovHus nicht verstanden

    Tut mir leid ;-D .


    Du bist da nicht allein. Wahrscheinlichkeitsaussagen sind so trickreich, dass auch die meisten Ärzte, mit und ohne Dr. nicht durchblicken, was das eigentlich für eine " Information" sein soll, die sie da weitergeben. Und mit unverstandenen Zahlen, einem emotional haftenden Eindruck und ohne Handlungsempfehlung aber unterschwelligem moralischen Druck soll dann die arme Frau eine Entscheidung treffen ":/ .


    Es gibt ein paar gute Bücher auch für Laien, meist von Wissenschaftsjournalisten geschrieben, und auch ein paar echt gute Radiosendungen (z.B. in SWR2 Wissen), die die Fallstricke aufzeigen, warum die Intuition und der "gesunde Menschenverstand" nicht nur nicht hilft, sondern auf die ganz falsche Antwort tippen lässt, aber man muss schon eine gewisse Freude an Statistik und Wahrscheinlichkeiten haben, um sich damit beschäftigen zu wollen.