Fehlgeburt von Freundin - was kann ich tun

    Vor wenigen Wochen hat meine Freundin in der 8. SSW eine Geburt gehabt.


    Mir ging das alles auch sehr nahe und es fühlt sich schrecklich an, wenn ich dran denke.

    Als ihr Freund möchte ich ihr helfen - möchte ihr in der schweren Zeit da sein können. Aber ich weiß nicht wie. Immer wieder komme ich mir ihr gegenüber hilflos vor.


    Was hilft in so einer Phase - wie kann ich ihr helfen, dass sie irgendwann wieder Freude im Leben sehen kann

  • 22 Antworten

    Die Freude kommt von allein wieder. Ich glaube es ist am schwersten, dass sich die Welt einfach weiter dreht,während sie für einen selber stehen bleibt.

    Viel zuhören und reden, auch über die eigenen Gefühle. Die Normalität kommt von selbst zurück.

    Alles Gute euch @:)

    Hast du sie schon mal gefragt, was sie sich wünschen würde? Frauen empfinden in solchen Situationen bei weitem nicht alle gleich. Manchen hilft es sehr, wenn Familie und Freunde mit ihnen um ein verlorenes Kind trauern. Anderen hilft es besser, wenn man ihnen den Kopf tätschelt und dann weitestgehend zur Tagesordnung übergeht.


    Von einer stillen Geburt spricht man, meines Wissens nach, erst wenn ein eigentlich bereits lebensfähiger Fötus stirbt. Davor spricht man von einer Fehlgeburt. Im ganzen ersten Trimester von einer frühen Fehlgeburt. Diese gehören, so ungut es auch ist, für viele Frauen zum Kinderkriegen dazu. In etwa 10-20% aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt. Wenn man Frühstaborte rum um die eigentliche Menstruation herum dazu nimmt, sogar um die 50% aller Schwangerschaften (das kriegen viele nur nicht mit, weil man das nur durch sehr frühe Schwangerschaftstests überhaupt bemerkt).


    Ich hatte dieses Jahr eine Fehlgeburt in der 11. Woche nach Missed Abortion (der Embryo hat sich wohl schon zweidrei Wochen vorher nicht mehr weiterentwickelt). Ja, es war ein Einschnitt in meiner Biografie. Aber ich komme, denke ich, recht gut damit klar. Für mich waren die Reaktionen meiner Angehörigen am ungutesten, die sich bei mir gemeldet haben, und meinten, dass mir "etwa furchtbar trauriges passiert sei" oder dass sie gehört hätten, dass ich "ein Baby verloren hätte". Für manche Frauen mit Schwangerschaftsverlust mag das genau die richtige Wortwahl sein - mich hat das nur insofern runtergezogen, dass ich ständig das Gefühl hatte meine Tante, Oma, Mama etc. trösten zu müssen. Weil es mir zwar nicht super ging, aber eben auch nicht schlecht. Ich bin mittlerweile etwas genervt und frustriert, ja. Aber ich war und bin nie in Trauer um ein "Sternenkind" gewesen - wie es manche andere eben sehr wohl fühlen.


    Manche Paare mit Schwangerschaftsverlust empfinden es als richtig die Gewebereste bestatten zu lassen und zu trauern wie um einen verstorbenen Angehörigen, der bereits ein Leben hatte. Für mich war es vom Gefühl her sehr in Ordnung, dass der größte Teil des Gewebes in der Toilette gelandet ist.

    Neubeginn69 schrieb:

    Was hilft in so einer Phase - wie kann ich ihr helfen, dass sie irgendwann wieder Freude im Leben sehen kann

    Bitte frage sie wirklich, was SIE braucht. Es muss nicht zwingend so sein, dass sie auch jetzt keine Freude mehr im Leben sehn kann.


    Mir ging es keine Sekunde so. Ich habe ein paar Tage zwischendrin immer mal wieder ein wenig geheult, aber in Summe habe ich mich, soweit das in solchen Situationen möglich ist, in Ordnung und mit dem, was mir passiert, im Reinen gefühlt. Für mich (und auch meinen Partner) war es wesentlich schlimmer, als vor wenigen Jahren unsere Katze viel zu jung von einem Arschlochraser überfahren wurde.


    Wie gesagt: Das heißt nicht, dass deine Freundin genauso empfinden muss. Möglicherweise fühlt sie auch exakt das Gegenteil von mir.

    Offen fragen. "Hey, ich möchte für Dich da sein aber bin unsicher; gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?".

    Unsicherheit in Worte fassen ist immer besser als NICHTS tun/fragen/sagen.

    Sunflower_73 schrieb:

    Offen fragen. "Hey, ich möchte für Dich da sein aber bin unsicher; gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?".

    Unsicherheit in Worte fassen ist immer besser als NICHTS tun/fragen/sagen.

    Das hab ich schon oft gemacht. Sie meint, dass ich ihr zuhöre, das ich Zeit für sie habe - all dass hilft ihr. Aber ich möchte halt mehr tun - möchte das sie es verarbeiten kann. Klar, ich bin kein Ersatz - aber ich möchte nicht nur so da stehen

    Neubeginn69 schrieb:
    Sunflower_73 schrieb:

    Offen fragen. "Hey, ich möchte für Dich da sein aber bin unsicher; gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?".

    Unsicherheit in Worte fassen ist immer besser als NICHTS tun/fragen/sagen.

    Das hab ich schon oft gemacht. Sie meint, dass ich ihr zuhöre, das ich Zeit für sie habe - all dass hilft ihr. Aber ich möchte halt mehr tun - möchte das sie es verarbeiten kann. Klar, ich bin kein Ersatz - aber ich möchte nicht nur so da stehen

    Vorsicht, sonst entsteht bei ihr der Eindruck, dass sie unter Druck steht sich wieder "normal" zu verhalten. Hör ihr zu, sei da, verarbeiten kann sie es nur für sich allein und das dauert, so lang wie es eben dauert.

    Neubeginn69 schrieb:
    Sunflower_73 schrieb:

    Offen fragen. "Hey, ich möchte für Dich da sein aber bin unsicher; gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?".

    Unsicherheit in Worte fassen ist immer besser als NICHTS tun/fragen/sagen.

    Das hab ich schon oft gemacht. Sie meint, dass ich ihr zuhöre, das ich Zeit für sie habe - all dass hilft ihr. Aber ich möchte halt mehr tun - möchte das sie es verarbeiten kann. Klar, ich bin kein Ersatz - aber ich möchte nicht nur so da stehen

    Verarbeiten dauert. Immer. Da gibt es keine Abkürzung. Du stehst nicht nur so da. Du bist da, du hast ein offenes Ohr mehr geht nicht nach einer Fehlgeburt.

    Zeit, Zeit, Zeit.

    Mal ganz blöd gefragt: plant ihr eine erneute Schwangerschaft? Eine Bekannte von mir wurde nach einer Fehlgeburt recht zügig wieder schwanger, nachdem die kritischen ersten 12 Wochen rum waren wurde sie auch viiiel entspannter, auch die Traurigkeit wich einer Vorfreude auf ihr Baby.

    Ich glaube sie ist da keine Ausnahme, viele Paare planen ja nach einer frühen Fehlgeburt relativ zügig eine neue Schwangerschaft (so wie ich das mitbekomme)

    Habt ihr da mal drüber gesprochen?

    Sagen, dass man so unsicher ist, dass man nicht so richtig weiß, wie und was man sagen soll.


    Fragen, was sie braucht. Wo sie Unterstützung haben will.

    Mir ging es ähnlich wie @Graógramán.


    Ich hatte sogar zwei Fehlgeburten unter der 10. Woche. Die einehätte ich gar nicht bemerkt wäre nicht durch eine Untersuchung rausgekommen, dass eine Schwangerschaft vorgelegen haben muß. Bei der anderen hatte ich eine Woche zuvor davon erfahren.


    Ich sehe das auch so: Es ist bekannt, dass in den ersten drei Monaten das Risiko eines Abgangs (den Begriff "Fehlgeburt" finde ich hier auch ehrlich gesagt fehl am Platz) sehr hoch ist. Darauf kann frau sich auch vorbereiten. Für mich ist es was völlig Anderes wenn in dieser Zeit der Embryo abgeht, als wenn man schon erheblich weiter ist. Denn mal pragmatisch gedacht: Etwas Anderes als dass sich da etwas eingenistet hat ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Man hat noch keine wirkliche Bindung aufbauen können.


    Jetzt nicht gleich steinigen bitte!

    Das sind meine Empfindungen und mir ist klar, dass ich das nicht auf Andere übertragen kann.


    Dennoch wäre mein Tip an alle Frauen (und natürlich auch Männer) die zu diesem Zeitpunkt schon extrem unter dem Verlust leiden: Fragt Euch bitte, warum genau es so schlimm für Euch ist!

    Es gibt viele Einflüsse die hier einen -in meinen Augen- unverhältnismäßig großen Schmerz erst erzeugen: Bei einem sehr großen Kinderwunsch und immer wieder geht der Embryo ab....das ist was Anderes, vollstes Verständnis.

    Aber sehr häufig ist es - wie hier auch schon angesprochen- auch das Umfeld, der allgemeine Tenor in der Gesellschaft (grade auffällig in Foren) welches einen fast dahin drängt doch sehr leiden zu müssen. Es ist "unnormal wenn einen das nicht angemessen mitnimmt" oder "man ist gefühlskalt". Und somit lässt Frau (Mann) gar nicht die Gedanken zu, dass sie es gar nicht als so schlimm empfinden. Grade heutzutage darf man ja sowas gar nicht laut äußern. (Ich sage ganz ehrlich, hätte @Graógramán nicht vorgelegt, dann hätte ich vielleicht auch nicht so offen geschrieben.) Ich kann auch nur aus der Erfahrung sagen: Wenn mir damals Jemand sein Beileid ausgesprochen hat, mich trösten wollte und ich sagte "Schon ok" und einfach mein Leben weitermachte - damit konnten Einige weniger umgehen als hätte ich als heulendes Elend dagesessen.


    Ich schreibe das (für mich auch in gewisser Weise ein Tabuthema) jetzt hier deshalb so offen, damit Du Neubeginn69 auch diesen Aspekt in Erwägung ziehen kannst. Klar ist Deine Freundin jetzt durcheinander (auch Hormone spielen da eine Rolle), aber ziehe auch in Betracht, dass sie gar nicht so leidet wie Du annimmst. Oder wünscht sie sich so sehr ein Kind?


    Wenn ihr sprecht, dann sage ihr, dass sämtliche ihrer Gefühle völlig ok sind. Eben auch die Gefühle oder Gedanken, ja sogar Erleichterung ("ich wollte ja eigentlich noch gar kein Kind zum jetzigen Zeitpunkt") - alles in Ordnung!

    Bellaisadonna schrieb:

    Ich hatte sogar zwei Fehlgeburten unter der 10. Woche. Die einehätte ich gar nicht bemerkt wäre nicht durch eine Untersuchung rausgekommen, dass eine Schwangerschaft vorgelegen haben muß. Bei der anderen hatte ich eine Woche zuvor davon erfahren.

    Naja, eine ganz superkurze biochemische Schwangerschaft hatte ich im letzten Zyklus auch noch zusätzlich. Am Tag der erwarteten Mens war der Test noch negativ, deshalb war ich au nicht-schwanger eingestellt. Die Mens kam dann doch nicht, was mir schon sehr komisch vorkam. Kurz darauf habe ich hauchzart positiv getestet, wo ich schon das Gefühl hatte, dass bei so einer späten Einnistung was nicht stimmen kann. Am nächsten Tag war der Test dann wieder blütenweiß und die Blutung kam doch noch. Da ich die ganze Zeit schon das merkwürdige Gefühl hatte, dass was nicht stimmt, war ich sogar irgendwie erleichtert.


    Ohne NFP und Frühtesten hätte ich davon aber absolut gar nichts mitbekommen und diese superkurze biochemische Schwangerschaft und ihr Abgang haben mich wirklich gar nicht mitgenommen.


    Bellaisadonna schrieb:

    Es ist bekannt, dass in den ersten drei Monaten das Risiko eines Abgangs (den Begriff "Fehlgeburt" finde ich hier auch ehrlich gesagt fehl am Platz) sehr hoch ist. Darauf kann frau sich auch vorbereiten. Für mich ist es was völlig Anderes wenn in dieser Zeit der Embryo abgeht, als wenn man schon erheblich weiter ist. Denn mal pragmatisch gedacht: Etwas Anderes als dass sich da etwas eingenistet hat ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Man hat noch keine wirkliche Bindung aufbauen können.

    Kommt drauf an, finde ich. Für eine zweite "Fehlgeburt" finde ich den Begriff auch absolut nicht stimmig. Abort oder Abgang auch nicht wirklich - das hat sich für mich persönlich nur nach einer verspäteten Menstruation angefühlt. Sehr viele befruchtete Eizellen gehen rund um die Einnistung ab - vielfach kriegt man es gar nicht mit, weil das HCG nicht ansteigt. Bei mir ist es halt superkurz noch angestiegen und es war dennoch ein Einnistungsversagen.


    Die erste, spätere Fehlgeburt hat sich für mich definitiv nach Fehlgeburt angefühlt. Die Blutung war viel stärker und die eigentliche natürliche Fehlgeburt hat sich, im Gegensatz zu den Blutungen davor und danach, ganz klar zeitlich auf ein paar Stunden eingrenzen lassen. Inklusive wehenartigen Krämpfen und einer Austreibung vom Schwangerschaftsgewebe.


    Ab wann jemand etwas als Leben / Familienmitglied / Kind fühlt, ist, denke ich, wirklich komplett verschieden. Manche fühlen schon direkt nach dem positiven Test "Baby". Während ich vorwiegend "ich bin schwanger" und "ich bin nich mehr schwanger" gefühlt habe. Als irgendjemand mitfühlend meinte, dass wir ja ein Baby verloren hätten, war ich für einen Moment wirklich schwer irritiert, weil ich nicht wusste, welches Baby damit gemeint sein sollte und wo man es bitte hätte verlieren sollen |-o


    Für mich war es ein kleines Lurchi / Gummibärchen, das zwar eine Weile das Potential hatte irgendwann zu einem Baby zu werden - aber es entfaltet sich eben nicht jedes Potential auch zur Gänze. Ich bin nicht erfreut, dass die Schwangerschaft nicht gehalten hat. Aber ich fühle mich auch nicht, als wäre jemand gestorben.


    Bellaisadonna schrieb:

    Wenn mir damals Jemand sein Beileid ausgesprochen hat, mich trösten wollte und ich sagte "Schon ok" und einfach mein Leben weitermachte - damit konnten Einige weniger umgehen als hätte ich als heulendes Elend dagesessen.

    Danke dir, dass du deine Geschichte teilst :)_Mir geht es, wie gesagt, auch so und ich habe beschlossen offen mit dem Thema umzugehen. Weil es mir gut tut - und weil ich glaube, dass das als Gegengewicht zu den (nicht böse gemeint - nur für mich nicht passend!) "Sternenkind-Dramen" nicht verkehrt ist.


    Wenn Menschen aus dem Bekanntenkreis oder Nachbarn mich auf das Thema Kinder ansprechen (passiert jetzt nach der Hochzeit gehäuft), erzähle ich recht frei von dem, was passiert ist. Und es ist wirklich beinahe absurd wie häufig man dann hört, dass es der jeweiligen Person oder nahen Angehörigen auch schon passiert ist.


    Ich glaube fast, dass viele "besser" mit Aborten umgehen könnten, wenn sie wüssten wie "normal" (im Sinne von häufig) das ist. Und dass es nichts mit eigenem Versagen, Strafen des Schicksals oder was auch immer zu tun hat, sondern schlicht ein Teil der Natur ist.


    Noch vor wenigen Jahrzehnten konnten Frauen / Paare frühe Schwangerschaften nicht mit Sicherheit feststellen und haben dann wohl auch viele Fehlgeburten in den ersten Wochen gar nicht mitbekommen. Ich glaube, dass das für recht viele auch heutzutage ein Segen wäre.


    Man sagt zwar "Familienplanung", vergisst dabei aber (selbst wenn man die Zahlen kennt) viel zu oft, dass sich gerade in dem Bereich eigentlich erstaunlich wenig wirklich gezielt planen lässt und man sich durchaus zu einem guten Stück "der Natur" ausliefert.

    Ich finde es toll, dass du dir Gedanken machst, wie du helfen kannst.

    Ich hatte vor Jahren eine Fehlgeburt in der 7. Woche. Mein Mann hat nicht mit mir darüber gesprochen, er war hilflos, wusste nicht was er sagen soll. Er ist einfach zur Tagesordnung über gegangen. Das war für mich am Schlimmsten.

    Also sei einfach für deine Freundin da, frag sie ganz offen was sie sich von dir wünscht.

    Das finde ich am besten und zeigt ihr, dass es dir auch wichtig ist.

    Für mich war wichtig, dass mein Mann das ernst nimmt. Ich hatte den Eindruck, dass es für ihn beim ersten Sternchen eigentlich egal war. Er hat es nicht verstanden, dass ich zwar nicht übermäßig traurig war, aber schon drüber sprechen wollte. Beim Zweiten war es ja dann später und da hat er es besser verstanden und hat auch akzeptiert, dass ich da redebedürftig war.
    Und ich denke, dass ist es auch, was wichtig ist: die Möglichkeit zum reden und ausheulen anbieten, aber wenn das nicht genutzt werden möchte, auch nicht forcieren.
    Für mich war in Übrigen gar nicht der eigentliche Verlust der Schwangerschaft tragisch, sondern das eine gesamte Zukunftsversion plötzlich wieder weg war und es keine Garantie dafür gab, dass es nochmal klappen wird. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich hatte noch keine richtige emotionale Verbindung zu dem Wesen in mir. Aber schon Vorstellungen, wie es sei wird, wenn es da ist.