• Gender Disappointment

    Liebes Forum! Ich weiß, dass dieses Thema ein heikles Tabuthema ist und deshalb poste ich lieber als Alias. Das Wichtigste zuerst: Ich würde mich sehr über einen Austausch mit „Betroffenen“ freuen und bitte sehr um Zurückhaltung, wenn sich jemand mit dieser Thematik nicht identifizieren kann. Mir ist sehr wohl bewusst, dass den ein oder anderen das…
  • 22 Antworten

    Erstmal möchte ich euch allen für die absolut konstruktiven Beiträge und Denkanstöße danken! Ich freue mich sehr darüber, hatte ich doch damit gerechnet, eher gesteinigt zu werden, weil ich weiß, dass so etwas polarisiert. Dennoch denke ich, dass viele diese Gefühle auch kennen, auch wenn sie nicht immer ausgesprochen werden.


    rr2017  

    Ja, absolut! Ich kann wirklich schlecht mit Enttäuschungen umgehen, bin ziemlich kontrolliert und ertrage es kaum, wenn ich auf etwas keinen Einfluss habe. Insofern ist das auf jeden Fall eine Baustelle, die ich angehen sollte.


    Evoluzzer :

    Du hast absolut recht! Ich muss für mich herausfinden, was hinter meinem Wunsch steckt.

    Ich bin auch ein „Wunschmädchen“ und habe noch 2 Brüder (die im Übrigen selbst nur Söhne bekommen haben, daher gibt es leider „als Ersatz“ auch keine Nichten für mich). Ich bin schon ziemlich feminin, aber kein Girly oder Prinzessin. Durch meine Brüder hatte ich teilweise auch jungenhafte Interessen.

    Ich glaube, über die Jahre hat sich in mir das Bild einer für mich perfekten Familie mit Mutter, Vater, Sohn und Tochter (am liebsten auch in der Reihenfolge) aufgebaut. Wenn ich Familien mit nur Söhnen oder nur Töchtern sah, dachte ich innerlich immer: Schade, denen wird immer etwas fehlen. Erfahrungen fehlen. Und die werden mir nun auch fehlen.

    Ich bin von meiner Persönlichkeit her (leider) sehr perfektionistisch und kontrolliert, habe zu vielen Dingen ein bestimmtes Bild im Kopf und komme nicht gut mit Enttäuschungen zurecht. Ich habe durch viel Arbeit, Fleiß und Glück in meinem bisherigen Leben alles erreicht, was ich erreichen wollte. Nun stehe ich bei der Familienplanung an einem Punkt, wo ich die Kontrolle abgeben muss und null Einfluss habe - und dann kommt es so, wie ich es nie wollte. Es fällt mir sehr schwer das zu akzeptieren, es fühlt sich wie eine Art Niederlage an.

    Ich war auch so eine Wunsch-Mädchenmama". Schon immer, in meinen Vorstellungen, gab es eine kleine Tochter an meiner Seite. Nun habe ich vor ein paar Monaten unseren zweiten Jungen geboren und vor allem hier, war das Outing ein kleiner Stich ins Herz, da zweites und letztes Kind. Zumal es in unserem Umfeld sooo viele Mädchen gibt. Meine Freundinnen haben alle mind. ein Mädchen und das hat immer ein bisschen "wehgetan", wenn ich von dem jeweiligen Outing gehört habe. Ich dachte immer, Mädchen haben eine engere Bindung zur Mutter. Mittlerweile denke ich das nicht mehr unbedingt.

    Ein Sohn und eine Tochter, das wäre auch meine Idealvorstellung gewesen. Aber aktuell bin ich einfach froh, zwei gesunde Jungs zu haben. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt so viele schwerstkranke Kinder - ich denke der Fokus sollte wirklich nicht auf das Geschlecht gerichtet sein. Auch wenn dir das natürlich emotional erstmal nicht weiter hilft. Auch ich wollte immer schon was rosanes kaufen. Habe aber festgestellt, dass es sooo schöne Kleidung für Jungs gibt. Und alles was ich für den Großen kaufe, trägt der Kleine irgendwann.


    Ich denke jetzt oft: Es sollte einfach so sein. Sei dankbar - jedes Kind ist ein Geschenk. Oder "Der liebe Gott, wird schon wissen, wozu das gut war".

    Aus deinen beiden Jungs werden ganz einzigartige Menschen heranwachsen und der Kleine im Bauch denkt sich sicher gerade "Mama, mir ist egal was ich werde, hauptsache ich gefalle dir". :)z

    Fiona85 schrieb:

    Aus deinen beiden Jungs werden ganz einzigartige Menschen heranwachsen und der Kleine im Bauch denkt sich sicher gerade "Mama, mir ist egal was ich werde, hauptsache ich gefalle dir". :)z

    Ich verdrücke hier gerade tatsächlich ein paar Tränen. Danke für diese schönen Worte! Der Kleine im Bauch wird genauso mit jeder Faser meines Herzens geliebt wie der Große, wenn er erstmal auf der Welt ist. Dessen bin ich mir absolut sicher! Meine Kinder können nichts für meine Idealvorstellungen.

    Wie geht es dir denn nun einige Monate nach der Geburt? Gibt es dir immer noch einen Stich, wenn andere Mädchen bekommen?

    Dass eine Tochter automatisch eine engere Bindung zur Mutter hat, sehe ich übrigens auch nicht so bzw. kenne viele Gegenbeispiele. Ich denke, da kommt es vor allem auf die Mutter-Kind-Beziehung an und die ist völlig unabhängig vom Geschlecht. Ich persönlich habe zu meiner Mutter ein genauso enges Verhältnis wie meine Brüder es haben, weil meine Mutter immer sehr darauf geachtet hat, eine gute Beziehung zu uns allen zu haben.

    Ich kenne mehrere Eltern die unbedingt ein Mädchen wollten.

    In der einen Familie war nach vier Jungs Schluss, in der anderen nach fünf Jungs.

    Und in einer Familie gab es acht Jungs und dann kam die Prinzessin. ;-D

    Mittlerweile gibt es aber schon Enkeltöchter.

    Plüschbiest schrieb:

    Ich kenne mehrere Eltern die unbedingt ein Mädchen wollten.

    In der einen Familie war nach vier Jungs Schluss, in der anderen nach fünf Jungs.

    Und in einer Familie gab es acht Jungs und dann kam die Prinzessin. ;-D

    Mittlerweile gibt es aber schon Enkeltöchter.

    Ja, ich kenne auch Eltern mit 2,3 und 4 Jungs. Für meinen Mann und mich war immer klar, mehr als 2 Kinder möchten wir nicht, da wir nicht mehr die Jüngsten sind. Und ein drittes kann ich mir erst recht nicht vorstellen, wenn ich schon 2x dasselbe Geschlecht habe. Da wäre meine Befürchtung zu groß, dass es wieder dasselbe Geschlecht wird.

    Alias 975252 schrieb:

    Nun stehe ich bei der Familienplanung an einem Punkt, wo ich die Kontrolle abgeben muss und null Einfluss habe - und dann kommt es so, wie ich es nie wollte. Es fällt mir sehr schwer das zu akzeptieren, es fühlt sich wie eine Art Niederlage an.

    Betrachte es als Herausforderung. Du kannst immer noch eine ganz tolle Mutter werden.

    Am besten wäre, dass Geschlecht spielte dabei überhaupt keine Rolle. Beide dürfen alles, was "normalerweise" nur Jungs oder nur Mädchen machen. Zwei glückliche und selbstbewusste Menschen sollen es werden. Stell dir vor, in ein paar Jahren lächelst du bei dem Gedanken, dass du lieber eine Tochter wolltest, in dich hinein, weil beide so tolle Kinder geworden sind, wie sie sind.

    Alias 975252 schrieb:
    Fiona85 schrieb:

    Aus deinen beiden Jungs werden ganz einzigartige Menschen heranwachsen und der Kleine im Bauch denkt sich sicher gerade "Mama, mir ist egal was ich werde, hauptsache ich gefalle dir". :)z

    Ich verdrücke hier gerade tatsächlich ein paar Tränen. Danke für diese schönen Worte! Der Kleine im Bauch wird genauso mit jeder Faser meines Herzens geliebt wie der Große, wenn er erstmal auf der Welt ist. Dessen bin ich mir absolut sicher! Meine Kinder können nichts für meine Idealvorstellungen.

    Wie geht es dir denn nun einige Monate nach der Geburt? Gibt es dir immer noch einen Stich, wenn andere Mädchen bekommen?

    Ja, einen ganz kleinen Stich gibt es ab und zu noch. Aber so langsam komme ich immer mehr zu dem Standpunkt, dass ich es mir anders nicht mehr vorstellen kann.