geplant schwanger und ich kann mich nicht freuen

    ich vermute schon seit einigen Tagen, dass ich schwanger bin. meine temperaturkurve ist schon seit 17 tagen in der hochlage, normalerweise komme ich auf 11 tage. die ersten paar tage habe ich mich bei dem gedanken, schwanger zu sein, gefreut. wir wollten kinder, es ist geplant, wir haben bewusst die verhütung weggelassen.


    aber seit gestern ist mir nur noch nach weinen zumute. ich habe gerade einen test gemacht, der wie erwartet positiv ausgefallen ist. ich habe immer gedacht, dass ich dann so strahlend glücklich bin, wie die schwangeren in der werbung. aber nein, ich habe beim positiven ergebnis angefangen zu weinen und kann jetzt gar nicht mehr aufhören.


    ich habe das gefühl, dass das alles ein großer fehler ist. mein/unser leben wird sich, wenn alles gut läuft, für immer verändern. kann ich überhaupt eine gute mutter sein? was ist wenn ich mein kind nicht liebe und merke, dass alles ein großer fehler war? vieles im leben kann man rückgängig machen, aber das elternsein nicht. ich fühle mich so undankbar. ich sollte mich doch freuen.


    sind meine gedanken noch "normal"? geht das wieder weg? oder wird mir gerade bewusst, dass ich einen großen fehler begehe?

  • 48 Antworten

    Glückwunsch zur Schwangerschaft. @:)


    Und ja es ist normal, dass mit positivem Test nicht alles Sonnenschein und Einhörner ist. Die Hormonachterbahn hat schon begonnen und man überlegt sehr viel, was die Zukunft bringt. Solche Momente wird es immer mal wieder geben, aber auch sehr viele schöne Momente, z.B. das erste Ultraschallbild. :-)

    Das ist Angst, jetzt, wo es ernst wird. Ich hatte null Angst, in der Schwangerschaft war ich ein leuchtendes Energiebündel voller Zuversicht (nee, nicht ironisch, war wirklich so), aber nach der Geburt hab ich auf einmal begriffen, was für ein idiotischer Fehler das alles ist und dass wir noch viel zu klein sind für eigene Kinder.

    Hat sich dann hingewutzelt, alles ist gut. Aber den Sturz in die lähmende Angst, einer so planetenschweren Verantwortung in keinster Weise gewachsen zu sein, kenne ich auch gut. Auch mit Auf und Ab und so.

    Freu Dich, wenn Du Dich freust. Aber verlangs nicht von Dir. Du musst gar nichts. Schau einfach, wie sich Deine Gefühle entwickeln. Vielleicht schaffst Du es ja, sie mit Neugier zu betrachten und anzunehmen? Also Neugier und Faszination für diese umwerfend heftigen und manchmal so irrwitzigen Gefühle?

    Vergiss pastellfarbene Werbebilder - diese Momente gibt es auch, aber der Großteil des Kinderhabens ist doch eher eine ganz bodenständige Sache. Und manchmal muss man ein paar neue Flüche erfinden, weil die bekannten nicht reichen.


    (Also: ja. Ist normal. In unterschiedlichem Ausmaß, manche haben das gar nicht, andere kennen das auch und schweigen eisern, andere habens auch und reden offen drüber. Im Rahmen des Normalen liegen alle diese Reaktionen.)

    Ich bin kinderlos, daher mit einem gewissen Distanz und aus dem Erfahrungshorizont von Freundinnen, die es jetzt 3-12 Jahre verdammt gut machen. Die aber keine verstrahlten, ewig grinsenden Helikoptermütter sind, sondern Menschen mit Zweifeln, Ängsten, eigenen Gefühlen und Bedürfnissen.

    1. Es war geplant, also kann es so falsch nicht sein.

    2. Aus Planung wird Realität. Da kriegt man erstmal kalte Füße, ziemlich normal.

    3. Es ist totales Neuland und eine größere Sache, kein Klamottenkauf. Ergo: Noch mehr Grund für völlig normale kalte Füße.

    4. (Achtung, drastisch): Ein Kind ist gefühlt DIE Entscheidung im Leben, die man wirklich NULL rückgängig machen kann. Scheidung, Hausverkauf,...: Alles möglich. Kind: Lebenslänglich. Aber: WENN es NULL funktionieren sollte, gibt es auch dafür Lösungen. Von professioneller Hilfe bzgl. Bindung, eigenen Ängsten etc. bis hin zu Adoption. Ja, extremst drastisch, aber gerade dieses Endgültige an der Entscheidung und dem positiven Test löst erfahrungsgemäß die Ängste aus. Also kann es eine Strategie sein, auch das erstmal einen theoretischen Ausweg zu finden und den Druck rauszunehmen.


    5. Sich bitte vor Augen führen: Es ist Neuland, aber man hat von der eigenen Geburt bis zum Zeitpunkt des positiven Schwangerschaftstests schon einiges an Herausforderungen bewältigt. Warum nicht auch das?

    Auch von mir herzlichen Glückwunsch! @:)


    Deine Reaktion fällt noch unter „normal“. Ich hatte diese Zweifel nicht unmittelbar nach dem positiven Test, aber immer mal wieder in der Schwangerschaft. Unser Sohn ist nun 14 Monate alt und Baby Nr. 2 ist unterwegs. Auch hier habe ich Momente, da zweifel ich ein wenig, ob der kleine Abstand tatsächlich nicht zu klein ist und es besser gewesen wäre, noch zu warten. Ob wir überhaupt mit 2 Kindern klarkommen werden.

    Ein Kind ist eine große Verantwortung und die Gedanken drumherum können einem schon mal zuviel werden. Aber keine Sorge, dass ist kein Indiz dafür, dass es wirklich ein Fehler war :°_


    Die Freude stellt sich bestimmt bald ein :)_

    Wir haben schon eine Weile Nachwuchs angedacht und irgendwann gegen Ende letzen Jahres die Verhütung weggelassen. Ich habe damit gerechnet, dass es mindestens einige Monate dauern würde, bis es klappt. Der positive Test hat mich dann ziemlich aus den Socken gehauen. Geheult habe ich nicht, aber ich habe mich schon so gefühlt, als wäre mein Leben nun vorbei. Hat ein paar Tage gedauert, dann habe ich mich mit der neuen Situation abgefunden, auch wenn es sich total surreal angefühlt hat schwanger zu sein.

    Irgendwann recht bald haben die Hormone dann auch ordentlich gekickt. Ich weiß jetzt, warum Progesteron an manchen Stellen als körpereigenes Valium bezeichnet wird. War ein angenehm zuversichtlicher Sedierungszustand, diese Schwangerschaft. Und das, obwohl ich schwanger sein vom Kopf her ziemlich gruselig finde. ;-D

    Mittlerweile bin ich im ersten Zyklus nach einer Fehlgeburt im ersten Trimester. Und weißt du was? Ich fühle mich wieder ein bisschen so, als wäre mein Leben vorbei, falls ich bald wieder positiv testen können sollte. Und das, obwohl ich wirklich gerne wieder schwanger wäre.. ;-D


    Kinder zu bekommen ist ein wahnsinniges Abenteuer. Man springt ins kalte Wasser, um sich von einem reissenden Fluss an neue Ufer treiben zu lassen. Manche mag das kalt lassen, andere durchleben kürzere oder längere Phasen von Panik. Ist alles normal.

    Falls die Panik- und Angstzustände zu lange anhalten oder zu intensiv sein sollten, würde ich mir halt professionelle Hilfe holen. Aber ein bisschen am Rad zu drehen, gehört wohl bei vielen dazu.

    Glückwunsch zur Schwangerschaft, übrigens! @:)

    WurzelimLiebesraum Hast du den Beitrag gelesen? Sie hat gerade gestern das Ergebnis abgelesen und es ist ein Wunschkind. Dein Beitrag ist da selbst im Falle des Falles reichlich verfrüht.

    WurzelimLiebesraum schrieb:

    hallo justlooking: Ja, ich persönlich finde es gut, immer zu wissen,wo es Handlungsmöglichkeiten gibt. Manchmal traut man sich nicht, das zu denken.

    Sie ist ein erwachsener Mensch, und ich denke, über die Möglichkeit der Adoption weiß sie durchaus Bescheid. Bei einem Wunschkind käme mir die Erwähnung so zusammenhanglos reingeploppt aber schon grobmotorisch bis höhnisch vor, zumal Sunflower schon längst schrieb:


    Sunflower_73 schrieb:

    Aber: WENN es NULL funktionieren sollte, gibt es auch dafür Lösungen. Von professioneller Hilfe bzgl. Bindung, eigenen Ängsten etc. bis hin zu Adoption. Ja, extremst drastisch, aber gerade dieses Endgültige an der Entscheidung und dem positiven Test löst erfahrungsgemäß die Ängste aus. Also kann es eine Strategie sein, auch das erstmal einen theoretischen Ausweg zu finden und den Druck rauszunehmen.

    Ich bin nicht generell lebensfrustriert und gieße das über Dir aus, sondern es frustriert mich, wenn bestimmte User, die erfahrungsgemäß alles breitflächig mit ihren sehr tendenziösen und wenig empathischen Beiträgen vollschwappen, thematisch eher sensible Fäden entdecken, weil sie die erfahrungsgemäß gern mit Anlauf entern und vollschwurbeln, dass man sich fühlt, als käme bei einem Gespräch im Restaurant auf einmal eine hyperaktive Blaskapelle reingelatscht.

    Aber ja, dass ich überhaupt auf Dich reagiere, ist natürlich schon Teil dieser Schwappdynamik. Bitte entschuldige, Alias.

    Ich schließe mich (Shojo war es glaub ich) an: Erlaub dir, dich auch mal nicht zu freuen. Sowohl in der Schwangerschaft als auch als Mutter. Wenn man da durchgängig für brennt, ist das natürlich echt super. Aber diese Sonnenschein-Muttis sollten nicht dein Maßstab sein, den du erfüllen musst und alles drunter ist unzureichend. Es gibt sehr sehr viele Frauen, die so denken wie du (auch die, die nach Außen nie und nimmer so wirken!). Du darfst auch mal alle scheiße finden und Angst haben, ohne dass du eine schlechte Mutter wirst und alles ein riesen Fehler ist. Ich finde, deine Sorgen sind "typisch" für nicht so einfach umkehrbare Entscheidungen (und was man sonst so im Leben entschieden hat, von Partnerwahl über Job und Wohnort... war deutlich weniger folgenschwer meistens. Da erlebt man im Erwachsenenalter nochmal ganz ungewohnte Entscheidungen, wo man doch eigentlich längst im Leben steht). Sie klingen nicht so als wäre das alles wirklich nicht dein Lebenskonzept@:)

    Alias 972847 schrieb:

    sind meine gedanken noch "normal"? geht das wieder weg?

    Ich würde es zum normalen Spektrum zählen. Kann weggehen oder schwanken.

    Mein Gehirn fand den Adoptionsvorschlag jetzt so schräg, dass ich ein paar Augenblicke versucht habe zu verstehen, warum Alias denn in frisch schwanger jetzt auch noch ein KInd adoptieren sollte :_D|-o.

    Alias

    Ich hatte das auch, aber später. Kurz vor dem Mutterschutz wurde auf einmal alles so real und ich war stinkig, dass ich so lange nicht arbeiten gehen durfte usw.. Das ist weggegangen. Ich hab mich deswegen auch schlecht gefühlt. Beim nächsten habe ich gar nicht vorher bestimmt, was ich so zu fühlen hatte und das war insgesamt dann deutlich leichter.