öffentliche Diskussion

    Es stimmt schon. In den meisten Fällen fehlt einfach eine Bewertung des im Fernsehen gezeigten. Es geht einfach um Quoten und nicht um Bildung.


    Das gleiche Problem besteht bei der Gewaltdarstellung. Heranwachsende sind nicht unbedingt in der Lage das gezeigte zu bewerten und ahmen es einfach nach. Man gewöhnt sich einfach an Dinge, die allgegenwärting sind und sieht sie als normal an.


    Jürgen

    Probieren?

    Probieren ist ein gutes Stichwort. Ich habe mich damals langsam herangetastet. Na gut, die Hauptursache war wohl, dass mir die damaligen Partnerinnen klare Grenzen gesetzt haben. Aber immerhin kann man durch langsames Herantasten die eigen Grenzen besser ausloten und sich über jede neue KLeinigkeit freuen. Küssen hat nie wieder so viel Spass gemacht, wie mit der ersten Freundin x:).


    Mehr als einmal habe ich hier im Forum von Mädchen gelesen, die mit 13 das 1. Mal GV ausprobiert haben und es als Fehler bezeichnet haben. Wenn jemand ungebremst alles auf einmal ausprobiert ist es leicht möglich, dass er die eigene Scham- oder Ekelgrenzen weit überschreitet.

    liq

    Sorry, dass ich das jetzt nochmals aufwärme @:) - aber da ich in der vergangenen Woche unterwegs war, hab ich erst jetzt Gelegenheit, zu antworten:

    Zitat

    woran will es eine 19jährige festmachen? Eine 22jährige? Einmal ist immer das erste Mal. Wie will eine 25jährige wissen, ob sie nun wirklich reif dafür ist oder sich "nur" reif dafür fühlt? Ab wann ist man reif dafür?

    An den (allgemeinen wie auch sexuellen) Erfahrungen, die sie in den zusätzlichen (Lebens-) Jahren machen durfte vielleicht?


    Lassen wir einmal die selbst nach heutigen Maßstäben extremen Ausnahmen aussen vor - dann hat ein 14-jährige vielleicht 5 oder 6 Monate Erfahrung mit sexueller Aktivität, die vermutlich eher vereinzelt, jedenfalls nicht zwangsläufig wirklich kontinuierlich und regelmäßig stattfindet - richtig?


    Was genau sollte sie dabei wirklich drängen, AV, NS oder ähnliches ausprobieren zu wollen, wenn nicht Druck von dritter Seite: medien, Freund, Gruppenzwang durch die Clique oder dergleichen?


    Entscheidend für mich ist dabei ganz simpel die Überlegung, dass man mit 14 einfach aus praktischen, zeitlichen Gründen persönlich noch nicht genug Erfahrung sammeln konnte, um wirklich beurteilen und wissen zu können, was richtig und was falsch - bzw.: sinnvoll oder überflüssig - ist?


    Nochmal zu fiktiven Altersgrenzen: warum soll eine 16-Jährige nicht zumindest kommunal wählen dürfen, obwohl sie selbst betroffen ist ... oder warum darf ein 15-Jähriger nicht schon den Motorrad-Führerschein machen, obwohl er seit Jahren mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnimmt und vielleicht mit seiner Crossmaschine bereits Rennen fährt?


    ERinfach deshalb, weil man unterstellt, dass im Durchschnitt einfach nicht genug Erfahrung und Bewußtsein vorhanden ist, um konkret entscheiden (also auch mögliche Risiken, Folgen und Konsequenzen abwägen) zu können.


    Es geht doch in erster Linie einmal darum, Jugendliche vor Dritten zu schützen, die deren Unkenntnis, unzureichendes Urteilsvermögen, Gutgläubigkeit und mangelnde Erfahrung ansonsten u.U. noch leichter ausnützen könnten.

    Zitat

    mich interessiert in dem Zusammenhang aber auch nochmal, wie das mit der SB aussieht. Die ist ja vom Gesetzgeber unabhängig. Jeder 8jährige darf sich eine Kerze in den Po schieben, wenn er das möchte.


    wenn jetzt ein 12jähriger erkennt, dass sein Anus sehr empfindlich ist - sollte er es dann dennoch unterlassen, ihn mit seinem Finger zu penetrieren? Ja? Nein?

    Wieso "dennoch" ... dieser causal-Zusammenhang ist mir nicht klar?


    Wenn das unangenehm ist, dann lässt man das halt ... mit 8, 12, 22 oder 52 Jahren!:-o

    liq

    Zitat

    wieso wird zwischen Vagina & Po so enorm unterschieden? Voraussetzung ist bei meinem Gedankenspiel ja immer, dass die betreffende Person es selbst will. Wieso benötigt es für 2 Körperöffnungen (Vagina, Mund) weniger "Reife", als für die andere Öffnung (Po)?

    Ganz einfach deshalb, weil AV im allgemeinen Bewusstsein noch immer eine andere Qualität hat als "normaler" GV.


    Wenn du von "2 Körperöffnungen (Vagina, Mund)" auf der einen Seite sprichst, dann spiegelt das eine Entwicklung der letzten vielleicht 20 Jahre wider ... so lange ist es jedenfalls tatsächlich noch nicht her, dass OV in der öffentlichen Meinung einen ähnlichen "Stellenwert" hatte, wie heute vielleicht noch AV ... wer hat früher (vielleicht in den 70ern) tatsächlich "französisch" praktiziert - eine öffentliche Diskussion darüber oder gar breite Akzeptanz gab es jedenfalls garantiert nicht?


    Heutzutage beschäftigt sich jede Frauenzeitschrift mit detaillierten Varianten und finden sich entsprechende Tips und Anleitungen mit entsprechenden Fotos ganz selbstverständlich in allen gängigen Jugendzeitschriften.

    uomo anziano

    Zitat

    Was genau sollte sie dabei wirklich drängen, AV, NS oder ähnliches ausprobieren zu wollen, wenn nicht Druck von dritter Seite: medien, Freund, Gruppenzwang durch die Clique oder dergleichen?

    schlicht & ergreifend die eigene Lust. Wieso geht man zwangsläufig davon aus, dass sich sexuelle Vorlieben "gestaffelt" entwickeln? Es haben sich im Faden mehrere Leute zu Wort gemeldet, die bestätigten, dass sie sehr frühes Interesse an AV haben. Ich will ja gar nicht behaupten, dass es eine Mehrheit ist, aber es wird gefragt: wie sollte eine 14jährige auf die Idee kommen, AV haben zu wollen? Und als Antwort zieht man nur "Medien & Gruppenzwang" in Betracht.


    der Anus ist zweifeslfrei eine erogene Zone und ich frage mich, wieso man nicht glauben kann/will, dass es junge Menschen gibt, die das sehr früh (ohne Medien, ohne Druck eines dritten) einfach für sich erkennen. Dass 10jährige ihre Genitalien bearbeiten wird doch auch "selbstverständlich" hingenommen - wieso darf's nicht der Po sein?


    wie gesagt: es ist sicher keine Mehrheit, aber sogar hier im Faden gab es Leute, die bestätigt haben, dass sie (ohne Medienblala) auf die Idee kamen, AV zu haben.


    und auch, wenn ich eine hypermegasonstwasAusnahme zu sein scheine ;-) aber wie kam ich auf die Idee NS schmecken/spüren zu wollen? Ich hatte keinerlei Pornographie zu der Thematik gesehen - nirgendwo wurde davon geredet und doch war diese Sache sehr schnell Bestandteil meiner Sexualität. Oder anders gesagt: als ich Interesse an "Sex generell" hatte, hatte ich sofort auch Interesse an AV und NS.


    ohne Gruppenzwang, ohne Medien.

    Zitat

    Nochmal zu fiktiven Altersgrenzen: warum soll eine 16-Jährige nicht zumindest kommunal wählen dürfen, obwohl sie selbst betroffen ist... oder warum darf ein 15-Jähriger nicht schon den Motorrad-Führerschein machen, obwohl er seit Jahren mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnimmt und vielleicht mit seiner Crossmaschine bereits Rennen fährt?

    das sind Fragen, die ich genauso interessant finde. Und wenn man jedem gerecht werden wollte, dann müsste man das individuell entscheiden. Ich sagte ja aber bereits, dass mir im staatlichen Rahmen klar ist, dass man "allgemeingültige" Gesetze braucht. Also setzt man pauschale Grenzen, die die "Mehrheit" abdecken - einige wenige fallen aus dieser Norm heraus, aber das muss man eben in Kauf nehmen, wenn man "allgemeine" Gesetze möchte.

    Zitat

    Wieso "dennoch" ... dieser causal-Zusammenhang ist mir nicht klar?

    Hm, ich bin mir nicht ganz sicher, aber das könnte daher kommen, dass der Satz ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Soweit ich mich erinnere war das ein Posting auf die Aussage "muss man sich den Hormonen so hingeben" (die ich falsch verstanden hatte - was sich mittlerweile glücklicherweise klärte). Ich wollte dort wissen, warum ein 12jähriger Junge keine anale SB betreiben sollte, wenn es ihm doch Lust bereitet. Daher also ".. wenn es ihm gefällt, wieso sollte er es dennoch unterlassen?"

    Subjektives Forum vs. Objektive Realtität

    Vielleicht habe ich es auch überlesen, aber ich kann mich nicht erinnern Hinweise gesehen zu haben, daß seriöse Umfragen, z. B. von pro familia oder ähnlichen Instituten in Auftrag gegeben und druchgeführt wurden, die hier angeführte Theorien bestätigen..


    Es werden immer nur die Krakeler und die Sensationsberichte der Medien als Quelle genannt.


    Sicher ich kenne ein Beispiel, etwas anders gelagert als hier, in Bezug auf Partnerschaft. Ein Mädchen, lebt quasi, seit sie 14 ist, mit ihrem Partner, derzeit der zweite und wenn er nicht wegläuft wird das noch lange so sein.


    Darf man das hier verallgemeinern?

    Interessanter Artikel im Stern: Pornos machen Kinder irre

    Ist vielleicht etwas weit hergeholt, hat aber doch etwas mit dem Thema zu tun:


    http://www.stern.de/politik/panorama/581616.html?nv=sb


    Ich habe manchmal auch den Eindruck dass die flächendeckende Verbreitung von Pornographie inzwischen etwas verharmlost wird.


    Auch dieses Forum kann bei Kindern bzw. Jugendlichen schnell zu falschen Vorstellungen über Sexualität führen. Die Begriffe Liebe und Partnerschaft stehen mir zu oft im Hintergrund.

    @romate

    Ahem... eigentlich hast du schon recht. Aber die Heuchelei wird ja gleich offenbar, wenn man den Link anklickt: der Artikel beklagt die Pornographisierung, benutzt aber als Blickfang dann selber ein Pornobild... weil sonst der Artikel wohl zuwenig saftig daherkommt. Auch die Rap-Zitate hätte es für das Artikelverständnis wohl nicht in ihrer vollen Länge gebraucht, oder?


    Anders gesagt: der Artikel verkauft sich gerade mit dem, was er anzuprangern vorgibt.


    Und zum Forum: ich glaube, neben allem anderen, was im I-Net so kursiert, ist dieses Forum wohl zu wenig unterhaltsam, um bei Kindern und Jugendlichen falsche Vorstellungen zu wecken. Wieso sollten sie sich mühsam durch Buchstabenwüsten ohne jede Action durchquälen, wenn sie andernorts den viel grösseren Bullshit jederzeit auf dem Silberteller präsentiert kriegen? Ausserdem werden in den meisten Fäden kritische Punkte der Sexualität zumindest diskutiert und nicht einfach unkommentiert stehen gelassen (wie es etwa in den ach so ironischen Rap-Texten von Sido und Konsorten der Fall ist...).


    Gruss

    Bei manchen Jugendlichen kann man auch den Eindruck gewinnen, sie benehmen sich wie Kindergartenkinder.


    Die "schnappen" (aufnehmen) diese Ausdrücke auf und wollen ergründen wie die Erwachsenen auf das wiedergegebene Vokabular reagieren.

    Empörung vs. Grenzen

    Laszlo Pota, Vizepräsident des Berufsverbandes der Psychologinnen und Psychologen wird im Stern zitiert mit

    Zitat

    Offenheit oder falsch verstandene Liberalität dürfen natürlich nicht dazu führen, dass die Eltern ihre Kinder erst an Pornos und Gewalt heranführen. Das wäre völlig falsch. Im Gegenteil. Kindern muss klargemacht werden, wo die Grenzen sind und was ungesund ist oder schadet

    Ja, "natürlich", aber wo SIND die Grenzen und was IST ungesund oder schadet?


    Können wir hierzu einen Dialog führen? Also erst mal sammeln, wo ihr die Grenzen seht, oder wie man sie finden kann, ohne dass der nächste Schreiber kritisiert? Dann könnten wir ohne die Gefahr angegriffen zu werden und die Notwendigkeit verteidigen zu müssen uns auf den Entwurf eines bunten, gerne auch widersprüchlichen Bildes machen.


    Warum betone ich das Methodische so? Es ist kein Misstrauen oder entsprechend "negative" Erfahrung im Forum oder so, sondern liegt in der Natur des Themas: Die Grenze ist ja dort, wo EINIGE finden es sei noch i.O, während ANDERE die Grenze schon übertreten sehen. Was für alle nicht in Ordnung ist, ist klar jenseits der Grenze, was für alle i.O. ist, ist diesseits der Grenze. Wenn also ein Grenzpunkt gefunden wird und alle gleich drauflos stürzen, um sozusagen "endgültig" zu klären ob hier oder dort, dann wird das Bild der Grenze nie entstehen. Und weil die Erfahrung zeigt, dass eine solche Klärung hier doch nicht möglich ist, können wir uns diese Diskussion genausogut sparen.


    Ob das hier möglich ist? Ich bin gespannt!

    Beginn des Dialoges

    Viele Eltern und andere Erwachsene betrachten die Vermittlung von, Erklärung des Schreckgespenstes AIDS, deren Verhinderung, die richtige Anwendung von Kondomen und schließlich und endlich für Mädchen den Gang zum Frauenarzt zur Verschreibung der Pille, als die vollkommene Sexualaufklärung.


    Das mit dem Ausziehen und dem Geschlehtsverkehr bekommen die Jugendlichen sicher auch ohne "Betriebsanleitung" hin. Aber was ist mit den Gefühlen davor und danach?. ??? Braucht es da nicht sehr viel Vertrauen und Offenheit zwischen Eltern und Jugendlichen. Sicher der Traum vom süßen "boy" oder "girl" ist schnell da. Der Himmel hängt woller Geigen. x:) Aber man muß wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und kann nicht in der Scheinwelt "Bett" bleiben.


    Bleiben da, nach dem "Anziehen" nicht doch noch Fragen? ???


    Was ist wenn?.


    Die Vermittlung des Handwerkszeuges mit dem Umgang auf solche Fragen sind den Eltern vorbehalten. Wenn hier richtig agiert wird, werden sich sicher Jugendliche nicht auf Praktiken zurückziehen und schon gar nicht in der Öffentlichkeit prahlen.

    Mach ich mal weiter...

    Steig ich mal von ganz oben ein: Ich glaube, wir können alle den Satz unterschreiben, das

    jeder tun darf, was er will, solange es niemandem schadet.

    Aber da sind schon die großen Fragen:


    Woher weiß ich, was ich wirklich will?


    Woher weiß ich (als Vater/Mutter), was mein Kind wirklich will?


    Woher weiß ich, was einem anderen schadet?


    Darf ich auch Dinge tun, obwohl sie schaden? Wenn ich ganz, ganz doll will und der Schaden doch ganz, ganz klein ist?


    Schadet es einem Kind, seinen Eltern beim Sex zuzusehen? Vielleicht schadet es ihm mehr, wenn die Eltern fürchten, es schadet und sich verschämt verstecken oder sonstwie "befremdlich" reagieren.

    Es geht nicht um Freiheit sondern um Empfindungen

    Bei der Familientherapie habe ich gelernt, keine Forderugen aufzustellen, keine Schuldzuweisungen zu formulieren, nicht andere zu Bevormunden und mich darauf zu beschränken nur mich in meinem ganz persönlichen Beziehungsgeflecht auseinanderzusetzen.


    Die Thesen mögen sich wie irgend etwas lesen. Im Klartext bedeutet das Kinder wollen nichts von "Verfehlungen" des Vaters, der Mutter oder eines möglichen Partners, hören. Sie empfinden den Umgang mit den Eltern und den Freunden anders als es den Eltern lieb ist.


    Gefühle erforschen und nicht Verhaltensnormen erzwingen lautet vermutlich hier die Zauberformel. Dazu sind Zeit und Gespräche erforderlich.