Windmann

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    Wann hast du dein "Problem" also dass dir eine Partnerin fehlt als solches erkannt? Wie hast du das gemerkt?

    Das war bei mir ganz anders als bei dir. Ich wollte mit 15 eine bestimmte Frau und mit 18 eine andere. Ich habe beide nicht bekommen und das war ein ganz gravierendes Problem, in beiden Faellen.


    Dass mir eine Partnerin fehlt "allgemein", habe ich ab 19 fuer ein Problem gehalten, und ich habe gedacht, aus irgendwelchen mysterioesen Gruenden sei es unmoeglich, dass sich eine Frau in mich verlieben kann. Es gab Beweise dagegen, aber die habe ich damals glatt uebersehen.


    So ab 25-30 bin ich dann eher davon abgekommen, zu denken, dass mir grundsaetzlich eine Partnerin fehlt. Ich war zwar nochmal ungluecklich verliebt, schlimm genug, aber ich hatte verstanden, dass ich nicht von irgendeinem "boesen Zauber" umgeben bin, sondern eher reichlich anspruchsvoll und eben nicht in irgendeiner Weise abhaengig davon, eine Beziehung zu haben. Vor allem habe ich besser gelernt, das Leben zu geniessen, mit Beziehung oder ohne.


    Steffi:

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    Man hat den Wunsch nach einer Beziehung, Sex... von Natur aus und hat sich das nicht eingeredet.

    Du wuerdest dich also Jackaroo anschliessen, es verallgemeinern und sagen, wer das nur fuer sich persoenlich leugnet, luegt sich selbst in die Tasche?


    Dann sind unsere Differenzen groesser als ich dachte.

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    Vor einigen Monaten stand ein Artikel über Jungmänner jenseits der 30 in der Zeitschrift "Woman". Dort schrieben auch einige (nicht anonym!) die dann mit Anfang 30 ihr Leben geändert haben und eine Partnerschaft führen. Die schrieben u.a. das sie den Schritt raus aus dem Schneckenhaus schon viel früher hätten machen sollen und das sie nicht wussten was sie verpassen.

    kann ich nachvollziehn. wenn man das glück erlebt, das man vorher jahre nicht erleben durfte, ist der gedanke, man hätte dies viel früher erfahren, an sich ranlassen müssen, sicher nah.


    aber wenns bei mir mal irgendwann so sein sollte, wüsste ich nicht, wann und wie ich früher damit hätte anfangen können. ich stell mir vor, meine erste beziehung werde ich mit einer frau haben, die ich wirklich mag ... und nicht was rasches ist. darum ist das glück mit ihr auf dieser grundlage entstanden und war früher schlicht nicht "erhältlich". also in diesem fall nicht vergangenem nachtrauern, sondern den dann aktuellen zustand geniessen.


    zum thema sich selbst belügen ... ich glaube nicht, dass der drang nach liebe und zuneigung beim menschen gänzlich verschwinden kann. aber ich sehe, dass leute durchaus allein glücklich sein können. es ist von mir aus gesehen eine frage der persönlichen gewichtung. der eine legt wert auf dieses, der andere auf jenes. jemand empfindet das glück zu zweit als höchst erstrebenswert, der andere findet seine erfüllung woanders.


    ganz dumm ists natürlich, wenn man sein glück in der liebe sucht, es aber offensichtlich nur woanders finden kann ... da aber nicht nachschaut. so erleb ichs bei mir. könnte ich den gedanken mal ablegen, dass ich jemanden "brauche" (an sich ists ja eher ein brauchen durch wollen), wär ich viel lockerer. und so gehts einigen, wie ich denke.

    Lewian:

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    Du verallgemeinerst, und das macht keinen Sinn.


    Was fuer A der richtige Weg ist, muss nicht auch fuer B der richtige sein.


    Da du in diesem Faden genug gelesen hast, weisst du wohl, dass ich auch erst mit 30 entjungfert wurde. Aber "ich haette schon frueher aus dem Schneckenhaus kommen muessen" waere fuer mich eine voellig unangemessene Beschreibung. Ich fand, dass ich zwischen 15 und 25 genug "aus dem Schneckenhaus" gekommen bin - mir war einfach nicht klar, was ich noch haette tun koennen. Ich wurde erfolgreicher, als ich innere Unabhaengigkeit gewann, mehr zu meinen Staerken stehen konnte und mir meine Schwaechen ("die leidige Sache mit den Frauen" ) weniger wichtig wurden. Da hoerte ich naemlich auf, mich als Mangelwesen zu definieren. Das machte mich attraktiver.

    Vorneweg: alles was ich hier schreibe ist immer Ausdruck meiner persönlichen Meinung, und wenn es eine Meinung über allgemeine Zustände ist, mag es als Verallgemeinerung erscheinen, ist aber keines Falls so gemeint. Aber lass uns nicht so eine Diskussion anfangen von denen gabs schon reichlich.


    Zu seinen Stärken stehen sollte wohl leichter sein als zu seinen Schwächen zu stehen. Man kann sich ja mit seinen Schwächen auseinandersetzen, ohne gleich Selbsthass zu entwickeln. Ich finde mein Leben ohne Sex auch spannend. Ich finde nur ähnlich wie Steffi_83 es angedeutet hat, dass man von Natur aus einen Wunsch nach Beziehung, Sex usw. hat oder ihn eben nicht hat (Asexuelle behaupten das ja zum Teil), ihn aber nicht beliebig an- und abschalten kann. Wer das behauptet verdrängt meiner Meinung nach. Und ich kann mir vorstellen dass es schwieriger wird sich diesem Problem zu stellen, je Älter man wird.


    Windmann:


    Ich habe Sexualität und Partnerschaft geschrieben, weil ich selber nicht genau weiss, was mir davon am wichtigsten ist. Um da bescheid zu wissen brauche ich wahrscheinlich einige Erfahrung.

    Lewian

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    Du wuerdest dich also Jackaroo anschliessen, es verallgemeinern und sagen, wer das nur fuer sich persoenlich leugnet, luegt sich selbst in die Tasche?

    Nein ich hab nicht gesagt, dass jeder den WUnsch hat.


    Aber wenn man ihn hat dann ist das ein Bedürfnis, ein WUnsch den man von Natur aus hat und nicht eingeredet.

    Jackaroo, Steffi

    OK, ich meine auch nicht, dass man Beduerfnisse beliebig an- und abschalten kann.


    Ich denke aber schon, dass die eigenen Gefuehle und Beduerfnisse nicht voellig unabhaengig von den Gedanken sind, die man sich dazu macht. Es gibt manchmal die Moeglichkeit, die eigenen Gefuehle zu veraendern. Nur ist das ziemlich schwer, und man kann es insbesondere nicht gezielt tun. Man kann kein Gefuehl oder Beduerfnis einfach so abschalten. Wenn man aber an sich arbeitet, veraendert sich schon so einiges. Oft genug passiert dann Unvorhergesehenes, manchmal aber auch recht Einleuchtendes.


    Wenn Zyme sich gedanklich besser mit seiner Situation arrangiert und dann feststellt, dass es ihm auch gefuehlsmaessig besser geht, finde ich das glaubwuerdig und voellig in Ordnung.


    Speziell Steffi:


    Was wir von Natur aus haben und was wir uns einreden, koennen wir leider nicht unterscheiden. Da gibt's keine Beobachtungsmoeglichkeiten. Das ist pure Glaubensfrage.

    Lewian

    Den Wunsch nach Sex hat wohl jeder von Natur aus. Alles andere wäre von der Natur nicht sinnvoll. Darüber nachdenken macht es natürlich stärker. Ich würd es nie "einreden" nennen, aber wahrscheinlich meinen wir das gleiche.

    Zitat

    Ich denke aber schon, dass die eigenen Gefuehle und Beduerfnisse nicht voellig unabhaengig von den Gedanken sind, die man sich dazu macht.

    Das stimmt natürlich.

    Zitat

    Es gibt manchmal die Moeglichkeit, die eigenen Gefuehle zu veraendern.

    Die hätte ich auch gern. Am liebsten hätt ich Schalter:


    Verliebt:0 Glücklich:1 usw.