Wallisii, dass Du bei Dir die Gefahr grenzenloser Selbstverliebtheit siehst hätte ich tatsächlich nicht vermutet. Bist Du sicher, dass es genau das ist?


    Die Begriffe Selbstliebe / Selbstverliebtheit gefallen mir auch nicht so sehr, da ich das eher mit negativer Egozentrik assoziiere.


    Das Bild vom Inneren Kind und dem Inneren Erwachsenen gefällt mir da sehr viel besser: Der Erwachsene liebt und schützt das Kind und sorgt zugleich für die positive Weiterentwicklung durch Fördern und Fordern. Selbstverständlich greift der Erwachsene auch ein und setzt dem Kind Grenzen, bevor es über die Stränge schlägt.

    jo ich bin mir leider sicher, ich schätze die paradoxe Mischung (narzistische/selbstverliebte/egozentrische Tendenzen vs. mangelnde Selbstsicherheit im Umgang mit Menschen) hab ich irgendwie von meiner Mutter geerbt. :-(

    Zitat

    Das Bild vom Inneren Kind und dem Inneren Erwachsenen gefällt mir da sehr viel besser

    ehrlich gesagt weißt ich in dem Zusammenhang zu dem Thema keine Verbindung herzustellen. *schon seit gestern darüber staun*

    hm

    Zitat

    Freudschen Strukturmodells der Psyche

    davon hab ich überhaupt keinen Plan (komischerweise aber immer ein ungutes Gefühl wenn jemand Freud erwähnt - als sollte ich lieber die Finger davon lassen ;-D) ... Von innerem Kind auch nicht viel (Ich seh übrigens grad es gibt dazu einen recht ausführlichen, interessanten Wiki-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind) die Bezeichnung ist mir nur am Rande in meiner Esoterikphase gelegentlich begegnet und viel später hab ich eine Meditation im Netz gefunden die ich ein paar Mal gemacht hab. Die war ziemlich ergreifend, war für mich aber eher eine Art Selbstschutzversprechen und Vergangenheitsbewältigung. (Ist recht variierbar. Falls jemand die Anleitung dazu will einfach Bescheid sagen, wär kein Stress - hab sie vorletztes Jahr in nem anderen Faden gepostet, ist nur etwas lang daher lass ich's mal sie zu posten) Innerer Erwachsener höre ich heute zum ersten Mal.


    Aber ich meinte auch gar nicht was das ist sondern wie das bei dem Thema Selbstabwertung / sich-selbst-lieben-lernen / Liebe-annehmen helfen kann. Wenn ihr das in dem Zusammenhang erwähnt meint ihr das dann einfach als Erklärungsmodell um sich besser zu verstehen und zum Erkenntnisgewinn? Oder eher als Suggestionshilfe oder zur Vergangenheitsbewältigung oder oder oder ... ;-D (erst dacht ich die Frage würde sich mit dem Wiki-Artikel eh schon erledigen aber pfft von wegen ;-D die therapeutischen Ansätze sind ja net grad wenige)

    @ s.wallissii

    Zitat

    Wenn ihr das in dem Zusammenhang erwähnt meint ihr das dann einfach als Erklärungsmodell um sich besser zu verstehen und zum Erkenntnisgewinn?

    Hmm, ich glaub, es geht schon weiter, als nur ne vereinfachte, modellhafte Betrachtung zu sein. Dann würde es ja alles im gewöhnlichen rationalen Zusammenhang des Analysierens bleiben... aber so ist es nicht.


    Es ist dann schon ne fühlbare Auseinandersetzung.... aber weißt heißt Auseinandersetzung... man kommt einfach "zu sich".


    Das heißt, dieses innere Kind ist schon irgendwie da, mehr als nur ein Modell da sein kein.

    Zitat

    ehrlich gesagt weißt ich in dem Zusammenhang zu dem Thema keine Verbindung herzustellen. *schon seit gestern darüber staun*

    Versuchs trotzdem :-)

    Puh, ist wirklich nicht einfach, dass zu beschreiben.


    Es hat 0, wirklich gar nix mit Selbstverliebtheit zu tun, eher im Gegenteil, mit einer Auseinandersetzung.


    Copper beschreibt das schon sehr gut, es gibt für mich mein inneres Kind. Es gibt mir Antworten (oder auch manchmal behält es Sachen für sich ^^), welche nicht von mir kommen. Naja, irgendwie doch schon, war ja immer dabei, aber es ist teilweise echt ne andere Sicht der Dinge, welche ich habe. Damit das nicht theoretisch bleibt und für mich selber verrückt klingt, muss ich Beispiele anführen, was ist inneres Kind und was der innere Erwachsene (welcher mich übrigens für sich alleine nicht so dolle beraten hat):


    1. Selbstgespräch -> Innerer Erwachsener zu innerem Erwachsenen.


    Mein Kind war einsam und mein Erwachsener letztlich auch. Also wendete ich mich Ihm zu und erklärte Ihm behutsam, dass die Lösung in einer Partnerschaft, im Nähe aufbauen liegt. Ich merkte Angst (jedoch kein Wort von Ihm). Also fragte ich nach, wovor es Angst hat -> Stille! Da fing mein Erwachsener an zu übernehmen. Ich grübelte über meine Kindheit nach und bestimmte Situationen, welche mir als Lösung einfallen können. Schmiedete Therorien zusammen und trotz das kein Feedback kam, sponn ich weiter. Hab meinem Kleinen damit wohl auch wehgetan, hab ohne seine Meinung über Ihn diskutiert und hab eines nicht getan, realisiert, dass er da einfach nicht drüber reden will. Ich kam zumindest zu keiner Lösung, hatte nur verdammt viele Fäden aufgegriffen, woran es liegen kann. Jedoch ohne ein emotionales "Das-ist-es"-Gefühl. Und ich glaube darauf höre ich einfach im Moment. Das Gefühl ist es, was meinen Gedanken Recht gibt und nicht ein rationales Kartenhaus, was ich mir logisch zusammenbaue.


    Ich hab letztlich gemerkt, dass mein Kleiner weggehört hat, lass die Alten doch palavern, die haben eh keine Ahnung. Trotzig war es am Ende. Habs zum Glück noch bemerkt und mich entschuldigt. Wenn es will, kann es gerne damit zu mir kommen, wenn es mir in dem Punkt noch nicht vertraut, dann ist das ok. Jedoch bin ich, der Erwachsene auch einsam und würd das gerne zu einem guten Ende bringen. Aber es liegt wirklich in Beiden Seiten.


    Hab damals oft verschiedene Geisteshaltungen eingenommen und bin damit weit gekommen, jedoch hab ich meine Gefühle aussen vor gelassen, bzw. dachte sie auf logischer Ebene ansprechen zu können.


    Zum nächsten Beispiel, gleiches Thema aber, also Nähe und Intimität:


    2. Inneres Kind zu innerem Erwachsenem:


    Bezieht sich mehr darauf, wo was innere Kind einfach Recht hat, es kann auch extrem unrecht haben. Aber erstmal hierzu.


    Komme mal wieder zurück zum Rosenmontag. Mein Freund hat mich da ja irgendwie schon überrumpelt, fragte einfach, ob ich Lust hätte mit Ihm wegzugehen und ich freute mich auf 2'er Gespräche mit Ihm. Muss schließlich was an meinen sozialen Kontakten tun und das mit Leuten, welche mit mir auf einer Ebene sind. Arghs, Rosenmontag fiel mir erst später auf, also mitten ins Highlive mit flirten usw. Aber wenn nicht jetzt, wann dann.


    Ich glaub ich hab meinem Kleinen da nen Freifahrtsschein gegeben ^^. Es ging um Spaß und erste Erfahrungen. Mann, was für ein Abend, bin immer noch nicht drüber hinweg (als Erwachsener). Brutal ehrlich, sowas von frech, Spieltrieb pur, dabei auch sowas von tolpatschig und naiv. Da war kein Erwachsener, der auf die Bremse getreten hat, eher einer der sich ab und an dachte, Eijeijei ^^. Es war auch kopfschütteln dabei, aber letztlich auch eine riesige Freude, dass hat der Kleine gebraucht.


    Hätte mein Erwachsener mitendschieden, dann wären plötzlich einige Situationen ernst geworden, toternst, da ich dringend Beziehung als Ziel habe, mein Kleiner aber Angst. Der Abend wäre nicht so lustig verlaufen, so locker, so spielerisch. Mein Kind liebt flirten, auch wenn es nur auf eine kindlich naive Art kann. Körperlichkeit hat es aber Angst vor.


    Ein Sprung: Hab meine Freundin (beste) wirklich lieb und sie hatte Schmerzen, zu beheben durch eine Massage, was ich eh vorhatte zu lernen. Ich merkte deutlich Angst, jedoch da war mein Erwachsener da und hat dem kind nicht das Gefühl gegeben, alleine zu sein. Jedoch das Kind hat fasziniert getestet und probiert. Ganz vorsichtig, wer schonmal massiert hat (oder wurde), weis dass dies nicht soo viel bringt. Also angehalten, mal fester zu probieren. Letztlich lief das wirklich toll. Ich entlockte stöhnen und als ich ab und an auf heftige körperliche Reaktionen nachfragte, ob es ok ist, kam nur ein *seufz* und Daumen hoch^^.


    Ich wusste danach von meinem Kind, es hätte nie gedacht, dass ICH dazu fähig wäre durch eindringen in jemandes Schutzraum, jemand was wohliges zu tun. Berührungen von mir werden als angenehm empfunden ??? Ich weis immer noch nicht, was da mein Kind so in Angst versetzt, aber ich weis, dass mein Kind mir mehr in einem Gespräch vertrauen wird, wenn ich Ihm sage, dies ist natürlich und es muss keine Angst haben. Ich bin selber sehr gespannt, was da noch kommt und wir werden nix überstürzen.


    Wird mir mein Kind jedoch erstmal glauben, kann ich es auch getrost mal selber machen lassen, vertrauen in es haben, wie Karneval. Ich werd einen Teufel tun, mich von dem Kleinen zu entfernen und mich für Ihn zu schämen. Und Karneval hätt ich es können, hab glaub ich alles angebaggert, was nicht Niet und Nagelfest ist^^. Und wer kennt den kindermund nicht, den erwachsene manchmal so peinlich finden. Aber ist mein Kleiner und der darf das. Jedoch kommen wir zum 3. Beispiel:


    3. Erwachsener zu innerem Kind:


    Ich bin Raucher und eigentlich will ich das nicht. In diesem Punkt liegt mein Kind total falsch, weil es schreit, Ich will, Ich will, Ich will aber. Hart da konsequent zu bleiben, besonders weil mein Kind nicht dumm ist. Es kann lieb schauen, nerven durch quengeln, furchtbar sauer sein und trotzig, all die Palette die Kinder eben zur Verfügung haben, um Ihren Willen durchzusetzen. Jedoch bin ich da der Erzieher und ich weis, das schadet uns. Schluß, aus, fertig. Ich lasse vieles zu, aber dass geht nicht.


    Danke für das Stichwort "Grenzen setzen" Julian ! Das gehört natürlich genauso dazu, wie dem Kind ein guter Vater/Erzieher zu sein.


    Warum ich all diese Beispiele angeführt habe? Ich denke es erklärt viel besser meine emotionale Haltung, die durch rein vergeistigte Schreibweise rüber zu bringen ist. Kontakt zum Inneren ist was NUR emotionales. Nee, falsch ! Es ist Verstand, wovon Jm denke ich genug haben und Triebfeder, welche bei mir unter dem Scheffel stand, unter einen Hut zu bringen.

    @Wallisii:

    Puh,


    bringst mich echt zum denken ^^. Keine Ahnung, ob diese Zuwendung zu Dir selber ein Weg für Dich wäre. Ich kann mich da zwar etwas reindenken, durch Deine Erklärungen, jedoch kenne ich nur mich wirklich. Von mir auf alle anderen zu schliessen, wäre arg vermessen und gar nicht möglich. Es gibt so viele Lebensratgeber und dieser hat bei mir das erste mal wirklich was verändert. Wenn es was allgemeingültiges gäbe, hätte sich wahrscheinlich auch mal eine Religion durchgesetzt. Da dem nicht so ist, denke ich, jeder muss seinen Weg finden und ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten, ohne diese anderen als einzige Wahrheit zu verkaufen oder als Heilmittel. Ich halt es da mit dem Buddismus, pick Dir raus, was bei Dir Anklang findet und was nicht zutrifft, trifft wahrscheinlich für Dich nicht zu. Find es ja selber etwas verrückt, was ich da schreibe, aber es ist für mich eine erklärbare Realität geworden und was mich noch sehr verwundert, es wird zum Teil wirklich verstanden ^^. Ich wehre mich jedoch sehr arg, Selbstverliebtheit und diesen dynamischen Prozess des eins werdens mit seinen Gefühlen, über einen Kamm zu scheren (wobei Du dies auch nicht tust).

    @all:

    Wirklich tolle Diskussion hier und bin sehr gespannt. Fühle mich inzwischen auch angekommen und so ernst seh ich das auch mit Kritik nicht. Aber stimmt schon, ich bin so wie ich bin und wenn ich weiter ausholen muss, um was zu erklären, dann ist das halt so. Dies ist jedoch wirklich die interessanteste Plattform die ich kennengelernt habe, neben Gesprächen zu sehr engen Freunden, und ich freue mich wirklich, Euch alle hier kennen zu lernen (gelernt zu haben).


    Mit liebsten Wünschen an alle,


    Waage

    @Waage73

    wow, coole Beschreibung (deren Ausführlichkeit sie gerade so anschaulich macht ;-) ) - da kann ich mir schon konkret was drunter vorstellen. Ob das für mich auch etwas ist weiß ich ehrlich gesagt nicht, genauer gesagt, es macht mir etwas Angst dass die forcierte Aufspaltung eine Psychose bei mir auslösen könnte. (hatte vor ein paar Jahren was in der Richtung und vor allem zur Zeit (wohl bedingt durch den anscheinend unwiderruflichen Absturz eines Familienmitglieds) ist mein allergrößter Lebenswunsch dass es nie wieder zu sowas kommt, der Wunsch nach einer Beziehung oder andere Dinge sind lächerlich dagegen so von der Bedeutsamkeit her gesehn)


    Mir ist eher nach einer wieder-zusammenführung als mich noch weiter zu splitten, vielleicht könnte das auch sogar eben genau mit dieser Arbeit mit dem inneren Kind möglich sein, durchaus vorstellbar, aber momentan kann ich unmöglich einschätzen ob diese Angst davor eine warnende Intuition ist oder nur die übliche Angst vor verändernden Maßnahmen und drauf ankommen lassen möchte ich's derzeit lieber nicht. *schiefgrins*


    Vielleicht mal mit Hilfe eines entsprechenden Facharzts der so ein bißchen auf mich aufpasst, aber schätzungsweise liegt die Konsultierung eines solchen eher noch in weiter Ferne.


    Danke jedenfalls für die ausführliche Beschreibung @:) (*kicher* da habe sich ja zwei außerordentlich Mitteilungsbedürftige gefunden ;-D)

    Zitat

    wenn ich weiter ausholen muss, um was zu erklären, dann ist das halt so. Dies ist jedoch wirklich die interessanteste Plattform die ich kennengelernt habe

    volle Zustimmung. :)^


    *:)

    neue Erkenntnisse

    Eben habe ich mein Buch "Grundformen der Angst" zu Ende gelesen. Insgesamt hat es mich positiv überrascht. Es ist verständlich geschrieben. Auch ein Nicht-Psychologe kann es verstehen.


    Was ich daraus erfahren habe ist interessant aber teilweise auch erschreckend. Vieles was in einem Menschen steckt hat seine Ursache in seinen ersten 3 Lebensjahren. An diese Zeit kann sich niemand bewußt erinnern. Aber trotzdem wird er von diesen Erlebnissen an die er sich nicht erinnern kann beeinflusst so lange er lebt. Das hat etwas erschreckendes. Es erschwert auch die Analyse der eigenen Situation. Ich hätte das nicht gedacht bevor ich dieses Buch gelesen habe.


    Ich habe dadurch angefangen darüber nachzudenken wie meine ersten 3 Jahre verlaufen sein müssen. Einiges weiß ich aus Erzählungen von meinen Eltern. Darüber vor dem Hintergrund von psychologischen Zusammenhängen nachzudenken hat mir Dinge gezeigt die ich nicht für möglich gehalten habe.


    Ich denke jetzt, dass zumindest ein Teil der Ursachen für meine Schwierigkeiten mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen in meiner frühesten Kindheit liegt. Das setzte sich bis zum heutigen Tag immer weiter fort.


    Vor einiger Zeit wurde hier der Begriff des JM-Gens erfunden. Ein solches Gen existiert sicher nicht. Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass bei vielen Langzeit-JM die Ursache für ihre missliche Lage in ihrer frühen Kindheit liegt.


    In den meisten Fällen ist das von niemandem absichtlich herbeigeführt worden. Ich bin mir sicher niemand von den Personen die in meinen ersten Jahren um mich herum waren wollte mir irgendwie schaden. Niemand von ihnen hatte eine Ahnung was die gerade ablaufenden Ereignisse möglicherweise bei mir später auslösen könnten. In meiner Familie gibt es niemanden der sich jemals mit psychologie beschäftigt hat.


    Jedenfalls habe ich eine neue Sicht auf verschiedene Dinge gefunden die mir vorher nicht bewußt war. Bisher dachte ich immer meine unglücklich verlaufene jüngere Vergangenheit wäre für meine Situation verantwortlich. Aber es ist wohl viel mehr so, dass die Grundlagen in einer sehr frühen Zeit an die ich mich nicht bewußt erinnern kann gelegt wurden.

    Kwak

    Was du schreibst, ist vermutlich inhaltlich richtig. Jedoch waere es ein Fehler, zu glauben, dass dich deine fruehe Kindheit unveraenderlich dazu verurteilt, ungluecklich zu sein. "Grundformen der Angst" ist ein analytisches, wissenschaftlich fundiertes Buch. Es ist kein Ratgeber.


    Der Schluessel zu deiner Situation liegt immer noch in deinem eigenen Handeln, in der Gegenwart.