Die Antwort:


    Nietzsche, die Peitsche und das Weib - Ein philosophisches Missverständnis


    Man hat ja allen und allem gegenüber so seine Vorurteile. Warum auch nicht gegenüber Philosophen? Kant war ein verknöcherter Pedant, Hegel ein wüster Trinker, Schopenhauer ein Griesgram, ja und Nietzsche ein Frauenfeind und Faschist. Wer so über ihn denkt, plappert nur nach, was er vom Hörensagen kennt. Was dem Laien zu Nietzsche als erstes einfällt, ist der Spruch: "Wenn zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht." Dieses Zitat ist, wenn auch wörtlich anders lautend, zwar belegt, es kommt in seinem Werk "Also sprach Zarathustra" vor.


    Aber: was die wenigsten wissen, ist, dass dieser Satz ironisch gemeint ist und eine Kritik darstellt an dem repressiven Geschlechterverhältnis seiner Zeit. Diese Kritik geht zurück auf emanzipierte Philosophinnen des 18. Jahrhunderts, die von der Französischen Revolution und vom Geist der Aufklärung inspiriert waren.


    Eine dieser Philosophinnen war Mary Wollstonecraft (1759-1797). Sie ging von der Idee aus, dass jeder Mensch mit dem unveräußerlichen Recht auf Gleichheit, Unabhängigkeit und Freiheit geboren sei, durch die herrschende politische und gesellschaftliche Ordnung dieses Rechts jedoch beraubt werde. Die besondere Leistung Mary Wollstonecrafts besteht darin, dass sie diese Idee auf die gesellschaftliche Praxis bezieht. Sie zeigt die autoritäre Herrschaft des männlichen über das weibliche Geschlecht auf sowie die daraus resultierenden negativen Folgen für die Frau als Individuum und die Gesellschaft: "Lasst die Frauen teilnehmen an den Rechten", schreibt sie, "und sie werden mit den Männern an Tugend wetteifern. Wenn die Frau mündig ist, wird sie auch vollkommener werden, andernfalls wird sie das, was ein unterdrücktes, schwaches Geschöpf, das man an Pflichten kettet, nur werden kann."


    Ihre ironische Schlussfolgerung lautete: "Die Peitsche wäre dann das Geschenk, das jeder Vater seinem Schwiegersohn am Hochzeitstag geben sollte, (…) weil er es allein ist, der Vernunft hat – die göttliche unfehlbare, irdische Macht, dem Manne eingehaucht durch den Herrn der Schöpfung."


    Diese Ironie griff Nietzsche auf spielt darauf an in seinem Werk "Also sprach Zarathustra". Dort lässt er das "Alte Weib" die Empfehlung geben: "Du gehst zu den Frauen? Vergiß die Peitsche nicht." Dieses Zitat avancierte dann zur frauenfeindlichsten Äußerung überhaupt. Aber nur aus Unkenntnis. Außerdem dient es als Standardvorwurf an Nietzsche, um ihn gynophob oder als misogyn abzustempeln.


    Nietzsche war sogar einer der ersten Philosophen, die die Geschlechterdifferenz berücksichtigten. So führte er z.B. aus, dass das Denken nicht unabhängig von den erlernten Vorurteilen der jeweiligen Geschlechtszugehörigkeit stattfindet. Interessanterweise diskutierte Nietzsche seine Philosophie lange Jahre hauptsächlich mit Frauen, ja er war geradezu umgeben von Frauenrechtlerinnen. Viele reisten in sein Domizil Sils Maria im Engadin, um den vermeintlichen Peitschenschwinger zu besuchen. Resa von Schirnhofer, Helene von Druskowitz und natürlich Lou Andreas-Salomé. Auch die erste Nietzsche-Biografie ("Philosoph und Edelmensch") stammt von einer Frau, Meta von Salis-Marschlins.


    Die Philosophin Helene Stöcker (1869-1943) schrieb in ihrer Autobiografie mit Blick auf Nietzsche: "Keinem andern Geist unter den Lebenden fühle ich mich so tief verbunden." Und Frau Stöcker war immerhin Radikalfeministin und Pazifistin!

    Ja, Nietzsche ist interessant, aber mit höchster Vorsicht zu genießen.


    Nach meinen Recherchen kann man die (Nietzsche-)Peitsche schon so verstehen, dass der Mann sie zur Frau mitbringen soll. Der Witz ist – er soll die eigenen sinnlichen Begierden bei der Wahl und im Umgang mit einer Gattin damit im Zaume halten


    Quelle: Eugen Roth-Bodmer, Schlüssel zu Nietzsches Zarathustra

    Man kann Nietzsches Peitsche auch im Sinne der "Geschichte der O." deuten ]:D

    Zitat

    Wenn ich die Spur deiner Peitsche trage oder deine Kette oder diese Ringe an meinen Lipen, dann muß allen klar sein, daß ich Dir gehöre.

    Ansonsten, kann es nicht sein, dass frau (oder auch mann) unterschiedliche Arten von Orgasmen bekommen können? Und dass sie diese Arten noch gar nicht alle "kennen" und daher auch nicht "wissen", dass das doch ein O ist und ihre "offensichtlichen" (die bei SB oder die, die eben manchmal besonders stark sind" als "Messlatte" nehmen?


    Ich weiß, doof formuliert und deswegen viele Anführungszeichen, aber anders kann ich mich gerade nicht ausdrücken..

    @ Mnemosyyne

    So schlecht ist das nicht formuliert. ich habe es verstanden.


    Wenn ich ehrlich bin, ja - es gibt ganz unterschiedliche O.'s.


    Vielleicht werden sie auch von den Frauen als solche nicht wahrgenommen, das kann sein.


    Nicht immer stürzt der Himmel dabei ein und nicht immer ertönen dabei die Glocken!