Ne der Preis für den Geschlechtsverkehr ist nicht die potentielle Schwangerschaft. Es sind die Kompromisse, die man machen muss wenn man in Kontakt zu anderen Menschen tritt, gleichgültig ob nun in einer Beziehung, bei einem ONS, aber auch in Freund- und Bekanntschaften, es ist immer ein geben und nehmen. Das ist der Preis, den die meisten Menschen eben bereit sind zu zahlen. Und sie tun es in der Regel klaglos.

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    Es sind die Kompromisse, die man machen muss wenn man in Kontakt zu anderen Menschen tritt, gleichgültig ob nun in einer Beziehung, bei einem ONS, aber auch in Freund- und Bekanntschaften, es ist immer ein geben und nehmen.

    Natürlich. Und ich sehe darin auch nicht das Problem. Man gewinnt ja sicher auch einiges in einer Beziehung, das diese Kompromisse wieder ausgleicht. Aber so genau weiß ich das nicht; ich hatte noch nie eine wirkliche Beziehung.


    Das größte Problem, weswegen ich letztendlich aufgegeben habe ist das Kennenlernen an sich. Manchen Männern fällt es so leicht; sie quatschen Frauen an, verabreden sich, bald der erste Sex, bald ist man zusammen. Das ist mir noch nie geglückt bzw. wenn eine Frau mich doch mal in ihr Bett gelassen hat, hat sie es spätestens nach ein paar Mal bereut.


    Ich weiß bis jetzt nicht genau, was ich falsch machte und mache.


    Eventuell geht es ja anderen Männern - z.B. Abendbrot - ähnlich wie mir.

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    Ne der Preis für den Geschlechtsverkehr ist nicht die potentielle Schwangerschaft.

    Das ist eine Analogie. "Natürlicherweise" birgt Geschlechtsverkehr die "Gefahr" eine unerwünschten Schwangerschaft. Man hat heute die Möglichkeit, dem vorzubeugen und man nutzt sie. Zurecht, wie ich finde.


    Man greift also in das "natürlich" gegebene ein, um bestimmten Wünschen, die trotz der "Natur" vorhanden sind, zu entsprechen.


    Genauso verhält es sich mit meinem Wunsch. Wenn diesem irgendwie entsprochen werden kann, dann sehe ich keinen Grund das nicht zu tun.


    Die moralische Verpflichtung, die du hier konstruierst, basiert lediglich auf einem bestimmten Weltbild, das letztlich völlig beliebig verändert werden kann. Wenn jemand z.B. meint, Verhütung wäre ein Zeichen dafür, dass die verhütende Person keine Verantwortung für das potentielle Kind, für den Fortbestand der Art, für das Sozialsystem etc. pp. übernehmen will, könnte er exakt so, wie du im Falle meines Wunsches, eine solche Argumentation aufbauen, um den Wunsch abzuweisen.


    Geht man aber nicht von einem irgendwie reglementierenden Weltbild aus, sondern bloß vom individuellen Wunsch, dann steht in meinem Falle bloß der Gedanke da, wie es möglich sein könnte, eine unerwünschte Begebenheit zu unterbinden. Analog zur unerwünschten Schwangerschaft.


    Gibt es eine Möglichkeit, dann sehe ich entsprechen keinen Grund, warum ich sie nicht nutzen sollte. Bestimmt sehe ich keine moralische Verpflichtung, sie nicht zu nutzen.

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    Eventuell geht es ja anderen Männern - z.B. Abendbrot - ähnlich wie mir.

    Bei mir ist es ein bisschen anders. Ich erlebe die sexuell Erregung wirklich völlig isoliert von meinen sonstigen Bedürfnissen. Und unter diesen ist nicht der Wunsch, eine Partnerschaft, wie auch immer die aussehen mag, zu führen. Genaugenommen ist es so, dass ich eine Frau sehe, die ich erregend finde und ich bin erregt. Das wars. Ich bin erregt und dabei bleibt es, ich empfinde nicht das Bedürfnis, mit der Frau in Kontakt zu treten wegen dieser Erregung. Und so ist das seit ich sexuell erregbar bin.


    Mich würde einmal interessieren, wie auf meine Schilderungen eingegangen würde, wenn ich z.B. eine ärztliche Autismusdiagnose hätte, wenn also schwarz auf weiß dastünde, dass ich eine andersartige Informationsverarbeitung habe und Emotionen, Wahrnehmungen usw. rein wegen der physiologischen Grundlage anders interpretierte.


    Nun habe ich keine solche Diagnose und ich weiß auch nicht, ob ich tatsächlich autistische Züge habe, jedoch ist die Möglichkeit, dass ich Informationen anders verarbeite als die Mehrheit, nicht ausgeschlossen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich schon immer soziale Situationen andersartig erlebt habe, und dass ich meinen Sexualtrieb schon seit dessen Auftreten so erlebe, wie ich es hier schildere, gehe ich davon aus. Wie auch immer man dieses "Phänomen" nun benennen mag.

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    Ich bin erregt und dabei bleibt es, ich empfinde nicht das Bedürfnis, mit der Frau in Kontakt zu treten wegen dieser Erregung.

    Aha, das ist bei mir wirklich gänzlich anders. Wenn mich eine Frau erregt, dann entsteht ein sehr starkes Bedürfnis mit ihr in Kontakt zu treten. Aber so wie Du es erlebst ist es besser.

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    wenn ich z.B. eine ärztliche Autismusdiagnose hätte

    Hmmm... Ich hoffe nichts von Dir überlesen zu haben, aber hast Du Dich schon mal in diese Richtung untersuchen lassen?

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    Aber so wie Du es erlebst ist es besser.

    Ja, im Grunde habe ich keine wirklichen sexuellen Probleme im eigentlichen Sinn. Der Sexualtrieb stört mich etwa so wie chronische Kopfschmerzen. Aber nicht als etwas existenzielles. Ich denke, dass das, was du beschreibst, letztlich größeren Leidensdruck bedeutet.

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    Hmmm... Ich hoffe nichts von Dir überlesen zu haben, aber hast Du Dich schon mal in diese Richtung untersuchen lassen?

    Nein, aber ich habe es schon in Erwägung gezogen. Allerdings dann eher interessehalber bzw. um mir Klarheit zu verschaffen (denn einiges spricht meiner Ansicht auch gegen die Vermutung). Im Kindes- und Jugendalter hatte ich massivere Probleme vor allem in der Schule, mittlerweile hat sich das allerdings gegeben im Großen und Ganzen.


    Das heißt, ich komme im Alltag derzeit ganz gut zurecht, auch wenn ich, was meine "Lebensführung", meine Interessen usw angeht, wohl relativ stark abweiche.

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    Der Sexualtrieb stört mich etwa so wie chronische Kopfschmerzen.

    Das finde ich jetzt aber schon ziemlich schlimm.... "Chronische Kopfschmerzen" - nicht gut {:(:(v:°(


    Nein, so arg ist es nicht. Durch SB kann man sich auch recht einfach Abhilfe schaffen. Obwohl es ganz ohne Sexualtrieb natürlich noch besser wäre :-)

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    aber ich habe es schon in Erwägung gezogen.

    Dann versuche es einfach einmal. Aber wenn Du Dich auch so relativ wohl fühlst, dann ist es wohl nicht unbedingt erforderlich *:)

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    Das finde ich jetzt aber schon ziemlich schlimm... "Chronische Kopfschmerzen" - nicht gut

    Naja, wie jeder Vergleich hinkt auch dieser nicht wenig. Ich wollte damit ausdrücken, dass der Trieb mir bloß als körperliches Phänomen erscheint, das eben letztlich lästig ist. Ich also darüber hinaus nicht durch ihn irgendwelche persönlichen Unzulänglichkeiten erlebe, was ja letztlich weitaus schlimmer wäre.

    Abendbrot

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    Bloß die sexuelle Erregbarkeit, da ich sie aufgrund meines sozialen Desinteresses nicht "verwerten" kann, stört unnötig.

    Liegt die Lösung nicht in der Vernichtung der ärztlichen Verschreibung von VIAGRA & Co.


    Oder liege ich da vollkommen daneben, daß der Sexualtrieb nicht vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Also ich muß bewußt nachdenken um mir das Gefühl von körperlicher Erregung aufzubauen.


    Ganz im Gegenteil z. B. die Erschöpfung könnte ich mir krankhaft einbilden. Nur sind meine Reserven aufgebraucht wird sich der Körper melden. Es könnte auch die Frage gestellt werden, ist das gut oder schädlich wenn ich diesem Verlangen nachgebe?


    Aber die Steuerung passiert hier ganz wo anders im Gehirn.

    Über die genauen Abläufe der Erregbarkeit, aus neurologischer Sicht, bin ich nicht informiert (das würde mich jedoch durchaus interessieren).


    Was da nun "bewusst" und was "unbewusst" gesteuert wird, kann ich, aus bloß phänomenologischer Perspektive, nicht genau benennen. Jedenfalls erlebe ich durchaus ein "Interesse" (inform von Aufmerksamkeit und eben körperlicher Spannung und letztlich auch Erregung) beim Anblick einer Frau, die mich sexuell anspricht; jedoch, wie gesagt, löst dieses Interesse keinen Willen zu einer sozialen Handlung aus, die Erregung wirkt also nicht motivierend (was wohl normalerweise - zumindest prinzipiell - der Fall ist).


    Da das so ist und da ich als zu "mir" zugehörig eher das soziale Desinteresse verstehe als die Sexualität (da ich, wie ja schon gesagt, was mein ganzes Erleben - seit der Kindheit - angeht, durch diese Wesensart gekennzeichnet bin und das auch nicht als störend empfinde), würde ich gerne, wenn es denn rein "technisch" irgendwie möglich sein sollte, einen "Angleich" in diese Richtung vornehmen. Ich empfinde mich als "sozial asexuell" und wäre gerne auch körperlich asexuell.


    Wie gesagt kann ich mir denken, dass das nicht so leicht sein wird nachzuvollziehen, es ist sicher keine übliche Erlebensweise und gerade, was diese Themen (Soziales und Sexuelles) angeht, wird erfahrungsgemäß leicht ein bestimmtes Bild des "Gesunden", des "Richtigen" zur Beurteilung herangezogen, das sich aus dem "Normalen", also dem Üblichen, ergibt (wobei ja, was die Sexualität betrifft, im Großen und Ganzen mittlerweile schon viel mehr "zugelassen" wird - wobe ich leider nicht sehen kann, dass sich an der prinzipiellen Art und Weise der Betrachtung und Bewertung etwas wesentliches geändert hat).


    Ich habe versucht, so genau, wie es mir möglich ist, mein Erleben als solches zu beschreiben, um vor diesem Hintergrund meinen Wunsch nach Asexualität nachvollziehbar zu machen.


    Sollte mir das nicht gelungen sein, kann ich nichts daran ändern. Wie gesagt, besser kann ich es derzeit nicht formulieren. Grundsätzlich würde ich mir wünschen, wenn bei einer solche Beschreibung (der "subjektiven Welt", der Interpretation erlebter Gegebenheiten usw.) eben nicht gleich das Lehrbuchmodell der "Normalität", der "richtigen Interpretation" der eigenen Sexualität usw. herangezogen würden, um scheinbar objektiv die Beschreibung der subjektiven Gegebenheiten als "falsch" oder gar "pathologisch" darzustellen. Wie gesagt habe ich generell nichts dagegen, dass man Zweifel oder Vorbehalte äußert. Nur denke ich, dass diese zumindest die persönliche Interpretation als solche berücksichtigen sollten und die Möglichkeit, dass nicht alles immer nach Schema F ablaufen muss.


    Ich weiß, dass ich hier viel über mein Erleben und über meine Ansichten geschrieben habe und dass das, wie ja an der ein oder anderen Stelle geschrieben wurde, als Wille zur Selbstdarstellung aufgefasst werden. Das war allerdings nicht meine Absicht. Ich komme mir nicht wichtig vor, bloß die Sache ist für mich nun einmal wichtig (sowohl das konkrete Thema, als auch generell der Umgang mit Andersartigem). Ich hoffe, man kann das letztlich verstehen.


    In diesem Sinne möchte ich mich vorerst verabschieden.

    Zum Drogenvergleich

    Habe den Faden über Abendbrots Faden gefunden. XOR, bist du noch da?


    Ich finde den Vergleich "Droge - Sextrieb" ganz plausibel. Das Problem ist ja auch bei Drogen nicht die Droge an sich, sondern ihr Missbrauch.


    Ich habe mal ein interessantes Buch gelesen: Chemie der Psyche. Ich glaube, es ging hauptsächlich um die Neurotransmitter. Das sind ganz klar körpereigene Drogen. Ohne diese wären wir derartig schmerzüberflutet, dass wir gar nicht leben könnten. Absolut lebensnotwendige Drogen also.


    Ich habe für mich entschieden, der Weisheit meines Körpers zu vertrauen und weder Drogen von außen zuzuführen, noch zu versuchen manipulativ auf die eigene Produktion Einfluss zu nehmen.


    Kulturhistorisch kann man glaube ich sehen, dass der Einsatz von Drogen immer dann die Potenziale am konstruktivsten nutzt, wenn der Einsatz in einem gesellschaftlich sanktionierten, ritualisierten Rahmen eingenommen wird. Früher war die Ehe ein solcher Rahmen für den Sextrieb. Heute müsste es wohl reichen, wenigstens die Bindung nicht zu ignorieren, die durch Sex in einer Beziehung entsteht (für die die Ehe ja nur ein sichtbares Zeichen nach außen ist - und ein Rahmen, in dem der möglicherweise entstehende Nachwuchs aufwachsen kann). Das ist die andere Weisheit, an die ich mich in meinem (unseren) Lebensentwurf halte.


    Weiterführend finde ich noch interessant, dass in der Geschichte ja auch der radikale Gesichtspunkt vertreten wurde/wird, das ganze Leben sei ein einziger Drogentrip. Immer wieder wählen Menschen aus dieser Erkenntnis den Freitod. Auch hier glaube ich, dass es konstruktivere Lösungen dieses Existentialismusproblems gibt, aber die Konsequenz ist kaum bestreitbar.

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    Weiterführend finde ich noch interessant, dass in der Geschichte ja auch der radikale Gesichtspunkt vertreten wurde/wird, das ganze Leben sei ein einziger Drogentrip. Immer wieder wählen Menschen aus dieser Erkenntnis den Freitod. Auch hier glaube ich, dass es konstruktivere Lösungen dieses Existentialismusproblems gibt, aber die Konsequenz ist kaum bestreitbar.

    Der Gedanke ist in der Tat konsequent und auf die Frage "warum nicht Selbstmord", die Camus gestellt hat, kenne ich keine vernünftige Antwort (auch die von Camus selbst ist eher eine Scheinantwort). Die Antwort ist nicht vernünftig, sondern irrational: entweder man will, oder nicht. In der Regel will man leben bzw. man will zumindest nicht sterben und deshalb bringt man sich nicht um. Ist nun aber jemand tatsächlich davon überzeugt, dass das Dasein im Endeffekt im besten Falle entbehrlich ist (da wer nicht existiert auch nicht darunter leiden kann, nicht zu existieren), kann man ihn m.E. nicht auf vernunftigem Wege überzeugen, nicht die praktischen Konseuenzen zu ziehen. Allenfalls kann man ihn auf irrationalem Wege umstimmen.


    Aber das ist nun wirklich off-topic (wenn auch, wie du gesagt hast, sehr interessanter).

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    Ich finde den Vergleich "Droge - Sextrieb" ganz plausibel.

    Der Sexualtrieb kann in seiner Wirkung vermutlich mit leichtem Drogenkonsum verglichen werden bzw. zumindest mit leichter Betrunkenheit: Der Verstand schaltet ab, die Persönlichkeit ändert sich schlagartig usw. usf.


    Ich mag es nicht, wie ich bin, wenn ich geil bin. Auch deshalb trinke ich nie Alkohol und lasse auch von allen anderen Drogen die Finger (ok, außer von Schoki |-o;-D)


    Fakt ist, dass Sex nur ein kleiner Teil des Lebens ist. OK - er ist vermutlich ein wichtiger Teil, weil er zur Paarung gehört und somit zur Erhaltung der Spezies. Trotzdem wird seine Bedeutung überhöht.