Mae

    Aber wenn man es so versteht wie du, dann geht doch die Lust mit zunehmender Vertrautheit nicht verloren.


    Was wäre denn das richtige Wort für das beginnende Aneinandervorbeileben, wenn das Offizielle alles bekannt ist und der Rest unter den Teppich gekehrt wurde und die Lust sich ebenfalls unter den Teppich verkrümelt?

    Zitat

    Was wäre denn das richtige Wort für das beginnende Aneinandervorbeileben

    Langeweile? Statik? Gewohnheit? Gleichgültigkeit? Monotonie? Einfallslosigkeit? Bequemlichkeit? Fantasielosigkeit? Desinteresse? ---?

    Aber das sind alles negative Begriffe, sensibelman. Es scheint aber doch so zu sein, dass es den Partnern gut geht, während sich die Lust allmählich davon schleicht.


    Forever.Yours hat das auf ihre Weise ausgedrückt:

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    Ich liebe meinen Partner, wir harmonieren, lachen viel und schauen bei fast allen Themen in die gleiche Richtung. Dennoch verliere ich die Leidenschaft für Sex, hab viel seltener Lust und es liegt sicherlich nicht an ihm.

    Und sie benutzt als "Erklärung" das Wort 'Vertrautheit':

    Zitat

    Wie findet man die Lust trotz der Vertrautheit wieder?

    Und da frage ich mich eben, was könnte das für eine Vertrautheit sein, bei der sich die Lust verkrümelt? Und diese Vertrautheit ist sicher eine andere als die, von der Mae schrieb.

    genau wie ich das wort selbstverständlichkeit als relativ neutral empfinde, es aber auch in die langweilige ecke stellen könnte.


    und für mich sind vertrauen und vertrautheit auch total unterschiedliche empfindungen, beide aber unglaublich positiv besetzt :)z


    außerdem ist es für viele ja schon schwierig, wenn sie bei der ganzen alltagsnähe noch leidenschaft pflegen sollen... es liegt wohl eher nicht an den begrifflichkeiten, sondern daran, wie man die lust, erotik, leidenschaft im alltag erhält – gell sensibler mann ;-)

    Die Seherin

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    und für mich sind vertrauen und vertrautheit auch total unterschiedliche empfindungen, beide aber unglaublich positiv besetzt

    Für mich ja auch. Aber bei mir - zusammen mit sensibelman, Mae und dir und sicher noch vielen anderen bei uns - geht ja mit der Vertrautheit nicht die Lust verloren. Trotzdem gibt es mindestens genauso viele, die sehr wohl die Erfahrung machen, dass mit zunehmender Vertrautheit die Lust flöten geht. Und auch, wenn das einige völlig normal finden und es als "such is life" sehen, gibt es auch andere, die das Gefühl nicht loswerden, dass es auch anders sein könnte. Daher ja die Ausgangsfrage.


    Ist die Vertrautheit, die zur Unlust führt eine andere als die, die die Lust vertieft?


    Oder führt die selbe Vertrautheit bei verschiedenen Menschen zu entgegengesetzten Ergebnissen?


    Im zweiten Fall ist die Antwort auf die Ausgangsfrage trivial: Kommt drauf an, was du für ein Typ bist. Entweder es klappt oder vergiss es.


    Der erste Fall interessiert mich. Was ist das für eine Vertrautheit, die von der Ferne verlockend klingt und - bei ihr angekommen - die Erotik verschlingt, wie die Sirene ihre Opfer? Und wie lässt sie sich von der Vertrautheit unterscheiden, die wir meinen? Und welche Hilfestellungen lassen sich daraus für Fragende wie die TE oder Forever.Yours ableiten?

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    wie man die lust, erotik, leidenschaft im alltag erhält

    Anders gefragt: Kann man das auch lernen, wenn es einem nicht in die Wiege gelegt wurde?


    Ich habe mir ja auch schon die Finger an dem Thema wund geschrieben, aber es scheint immer nur bei denen anzukommen, die es nicht mehr lernen müssen.

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    Anders gefragt: Kann man das auch lernen, wenn es einem nicht in die Wiege gelegt wurde?

    Das wäre auch so mein Anliegen. Denn, wenn mir andere schreiben wie die Lust bei ihnen gerade mit der Vertrautheit steigt, dann bin ich zwar neidisch, aber es hilft mir persönlich nicht weiter. :D


    Mir fällt da als Ansatzpunkt eigentlich nur ein, dass man an Lust und Sex von zwei verschiedenen Seiten herangeht. Besonders Frauen scheinen den Akt als ein Ausdruck von Liebe zu verstehen. Da ist es nachvollziehbar, dass die Erlebnisse mit der fester werdenden Beziehung und Verbundenheit besser werden.


    Für mich ist Lust hingegen etwas animalisches, mich reizt das Unbekannte und Unerwartete. Es darf aber auch nicht zu unbekannt sein, also ONS kommen nicht in Frage. Diese Art der Lust ist leider wenig vereinbar mit einer monogamen langjährigen Beziehung, also möchte ich die andere Form kennen und lieben lernen.

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    Mir fällt da als Ansatzpunkt eigentlich nur ein, dass man an Lust und Sex von zwei verschiedenen Seiten herangeht.

    Das ist mir auch gerade eingefallen. Als ich das erste Mal mit meinem Mann geschlafen habe, waren wir schon recht lange zusammen, kannten uns also schon sehr gut und waren einander vertraut. Sex war also mehr eine Krönung unserer Liebe als Befriedigung animalischer Gier, die aus dem Neuen, Unbekannten, daher Reizvollen erwächst.


    Trotzdem kennen wir auch die animalische Seite und genießen sie genauso :p> .

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    also möchte ich die andere Form kennen und lieben lernen

    Dazu habe ich ja schon ein wenig geschrieben ;-) .

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    Anders gefragt: Kann man das auch lernen, wenn es einem nicht in die Wiege gelegt wurde?


    Ich habe mir ja auch schon die Finger an dem Thema wund geschrieben, aber es scheint immer nur bei denen anzukommen, die es nicht mehr lernen müssen.

    aber leid wirst du es noch nicht, nicht wahr? ;-D


    Ich üerlege schon die ganze zeit, wem das wohl überhaupt "in die Wiege gelegt" wird?

    Forever.Yours

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    Für mich ist Lust hingegen etwas animalisches, mich reizt das Unbekannte und Unerwartete.

    Was gibt es unbekannteres, animalischeres, als die unerwarteten Reaktionen des eigenen Körpers, wenn man die Kontrolle über das, was als nächstes zu passieren hat, aufgibt? Man kann sich sogar das Zeitfenster vorher im Terminplan reservieren. Wenn ich weiß, dass wir dann und dann Sex haben werden, weiß ich NICHT, was passieren wird, aber das weiß ich nach 28 Jahren sicher ;-D .


    Ich weiß nicht, ob du nachts träumst, aber wenn, dann ist das ähnlich: Du weißt im vorhinein, wann du schlafen wirst - keine Überraschung - aber du hast keine Ahnung, was du träumen wirst. Denn du kontrollierst das Träumen nicht. Sie kommen einfach von alleine aus dir heraus in dein Bewusstsein und keiner ist wie der andere. Mit dem Sex ist das ganz ähnlich. Schon die Tatsachen, dass heute nicht gestern ist, macht den Sex heute anders als gestern.

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    Diese Art der Lust ist leider wenig vereinbar mit einer monogamen langjährigen Beziehung, also möchte ich die andere Form kennen und lieben lernen.

    Versuch's mal mit den Büchern von Diana Richardson: Zeit für Liebe, Zeit für Weiblichkeit und Zeit für Gefühle.

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    Für mich ist Lust hingegen etwas animalisches, mich reizt das Unbekannte und Unerwartete. Es darf aber auch nicht zu unbekannt sein, also ONS kommen nicht in Frage. Diese Art der Lust ist leider wenig vereinbar mit einer monogamen langjährigen Beziehung, also möchte ich die andere Form kennen und lieben lernen.

    Ich sehe in langjähriger monogamer Beziehung und Unbekanntem, Unerwartetem keinen Widerspruch- das gibt es doch unendlich viele Möglichkeiten sein Leben (nicht nur den Sex) zu gestalten- dazu bedarf es für mich nicht den Wechsel des Partners- das hielte ich selbst sogar eher für anstrengend und kann sogar langweilig sein. Die Partner selbst können jedesmal unterschiedlich sein- ein Gemisch aus Vertrautem und Unbekannten/Neuem....


    Ich glaube auch, dass es nicht sinnvoll ist, nur den Sex abwechslungsreich gestalten zu wollen- das Leben insgesamt in der Beziehung sollte wohl abwechslungsreich gestaltet sein, dann kommt das Unbekannte, Unerwartete fast von ganz alleine- auch beim Sex. Und das, was um den Sex herum passiert, die Gefühle, die Bilder, die Fantasien, die Leidenschaft ist eigentlich das, was die Gier nach Sex und die Intensität der sexuellen Gefühle ausmacht. Für mich hat der Sex immer eine animalische Komponente.


    Das Überraschende ergibt sich auch, wenn man nicht zuviel vorplant, sich öfter spontan entscheidet, sich von der aktuellen Gegebenheit leiten lässt, was man tun will, nicht lange vor sich herschieben, sondern es einfach tun...

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    Für mich hat der Sex immer eine animalische Komponente.

    Ich habe kürzlich eine Doku im Rahmen von "Erlebnis Erde" über die Schneeaffen in Japan gesehen. Die saßen mitten im verschneiten Winter in einer warmen Quelle und haben sich gegenseitig gelaust (wobei sicher keine Läuse im Fell waren). Ich musste ein wenig sehnsüchtig seufzen. Manchmal wünsche ich mir einfach mehr Zeit für die animalische Komponente :)^ :)z :)_ .

    LovHus

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    Was ist das für eine Vertrautheit, die von der Ferne verlockend klingt und – bei ihr angekommen – die Erotik verschlingt, wie die Sirene ihre Opfer?

    wahrscheinlich die vertrautheit, bei der er gemütlich auf dem klo seine zeitung liest, während sie sich in der badewanne daneben mit quark im gesicht die beine rasiert ;-D

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    wahrscheinlich die vertrautheit, bei der er gemütlich auf dem klo seine zeitung liest, während sie sich in der badewanne daneben mit quark im gesicht die beine rasiert

    Also, findest du nicht, dass das seeeehr erotisch ist? Alles eine Frage der Wahrnehmung, wie ich schon schrieb o:) .